Rückreise der Gäste- Gastbeitrag von Ena

Soooo... hier veröffentliche ich dann auch mal Enas Gastbeitrag. Den hatte ich schon länger im Posteingang, aber hier ist immer so viel zu tun... =)

Zum Abschluss möchte ich doch auch noch ein paar Worte verlauten lassen. Denn die fleißigen Berichterstatter Jule und Christian haben an unserer Rückreise glücklicherweise ja nicht teilgenommen. Schön, dass für euch drei die Reise weitergeht, Marcel, Jule und Chris! Katharina und ich reihen uns dafür nun bei den neugierigen Mitlesern ein. : )

Unsere Recherche am Bahnhofsschalter am Sonntag hatte ergeben, dass wir Fahrkarten erst am Morgen des Abreisetags erwerben sollten, wo uns auch mitgeteilt würde, ob wir in Timisoara umsteigen müssen, oder es in einem Zug durchgeht. Wir sind also vorsichtshalber am Dienstag zwei Stunden vor Abfahrt am Bahnhof aufgeschlagen. 165 lei pro Person von Drobeta Turnu Severin bis Budapest, knapp 40 €. Beide Male, als wir am Schalter mit einer Bahnangestellten kommuniziert haben, die des Englischen nicht mächtig war, kam ein hilfsbereiter Fahrgast aus der Nähe angesprungen und half durch Übersetzungen. : ) Fahrradkarten sollten wir beim Schaffner im Zug erbitten. Also hoben wir vorsichtshalber noch ein paar lei ab und nutzten die verbleibende Wartezeit alle gemeinsam für ein ausgiebiges Frühstückspicknik in der Bahnhofshalle. Mit Laterne und Tischtuch.

Im folgenden kommen einige Informationen, die für einen Großteil der Leser sicherlich zu detailliert sind, zukünftigen Radreisenden, die gedenken, ebenfalls Zug zu fahren, sicherlich aber von Nutzen sein können. Offiziell gibt es in rumänischen Zügen keinen Platz für die Fahrradmitnahme. Wir haben unsere aber ganz am Ende des Zugs, wo nicht so viele Leute vorbei mussten, an einem Gepäckgitter festgeschnallt. Dadurch ist es wohl auch eher selten, dass jemand ein Fahrrad mit auf eine Zugreise nimmt und der erste Schaffner wüsste gar nicht, was er kassieren soll, hat telefonisch einen zweiten herbeigebeten, der telefonisch eine Preisliste organisiert hat, anhand derer dann der Preis ermittelt wurde. In unserem Fall 30 lei pro Zweirad, knapp 7 €. Auf der Liste habe ich erspäht, dass dieser Preis kein Fixpreis ist. Es wird von der rumänischen Bahn pauschal davon ausgegangen, dass ein Fahrrad 15 kg wiegt, was dann mit einem kg-Preis in Abhängigkeit von der Fahrstrecke multipliziert wird. Von unserem Startpunkt bis zur rumänisch-ungarischen Grenze ergab das eben 2 lei/kg. Maximal geht dieser Preis bei >400 km auf 3 lei/kg hoch.

Sowohl die Anzeige am Zug als auch unsere Sitzplatzreservierung wiesen darauf hin, dass uns diese Eisenschlange bis nach Budapest befördern würde. Wir freuten uns, dass alles so unkompliziert laufen sollte und überlegten, ob wir vielleicht rechtzeitig, also vor 20 Uhr, bei Zoli in Budapest ankommen würden, um im Regionallädchen unten im Haus noch Honig erstehen zu können. Aber ganz so reibungslos sollte es dann doch nicht laufen.

An der innereuropäischen Grenze gab es zwei Grenzkontrollen. Erst durch die rumänische und anschließend durch die ungarische Grenzpolizei. Insgesamt standen wir sicher eine gute Stunde rum. Wir schrieben unseren Honigkauf schon ab.
Aber aufreibend wurde es erst, als der ungarische Schaffner kam, der nur wenige Brocken Englisch mitbrachte. Auf unsere signalisierte Aussage, wir wollten für unsere beiden Fahrräder Fahrkarten kaufen, reagierte er "bicycles, no! bicycles, out!" Na toll. Aber in Rumänien durften wir die mitnehmen und haben sogar Tickets dafür! Vorzeigen. "bicycle tickets?!" yes. Er schien sich geschlagen gegeben zu haben, machte keine weiteren Anstalten, dass wir die Fahrräder von Bord werfen sollten. Bei den Türen, die beim Anfahren nicht automatisch schließen, könnte es ja sogar sein, dass sie sich während der Fahrt öffnen lassen... Aber dafür "this train no Budapest." Was? Der Zug fährt nicht nach Budapest? Aber das steht doch an der Anzeige. Und auf unserem Ticket auch! "this train no Budapest. this train Szolnok. bus Szolnok. bus no bicycles." Aha! Schienenersatzverkehr! Bus von Szolnok nach Budapest? Nein. Die Ungarnkarte lag sowieso vor uns ausgebreitet auf dem Tischchen, also konnte er uns zu verstehen geben, dass es von Szjajol nach Szolnok Schienenersatzverkehr gab, in dem wir die Fahrräder nicht mitnehmen konnten, im Zug von dort nach Budapest dann jedoch schon wieder. Dazwischen wären 25min Zeit. Damit ging er weiter. Wir versuchten abzuschätzen, wie weit die beiden Bahnhöfe auseinander liegen, ob wir radelnd den Anschlusszug erreichen könnten. Vielleicht 15 km? Könnte knapp werden. Auf seinem Rückweg fingen wir den Schaffner wieder ab. Er sagte, es seien 6 km. Okay, das wäre machbar. Außerdem waren es doch 40 min Zeit. Und anschließend kämen stündlich weitere Züge, die uns auch nach Budapest bringen würden. Gut, somit wussten wir, dass wir auf alle Fälle an dem Tag noch unser Ziel erreichen konnten. Mussten wir nur noch feststellen, wie wir den richtigen Bahnhof finden konnten, scheinbar mussten wir dafür im Dunkeln auf einer autobahnartigen Schnellstraße fahren. Keine schönen Aussichten. Also gab's jetzt Spekulatius als Nervennahrung. Ansagen gab's im Zug keine, so dass auch die anderen Fahrgäste nicht so recht wussten, was sie machen sollten und reichlich irritiert und zögerlich ausstiegen. Ausladen, aufsatteln. Vor dem Bahnhof standen haufenweise Bahnangestellte herum, die uns auch, als wir etwas zaghaft zwischen ihnen uns den Bussen hin und her blickten, mitteilten, dass wir die Fahrräder nicht mit in den Bus nehmen konnten. Wir fragten, wie wir nach Szolnok radeln konnten, da schüttelten sie energisch mit den Köpfen und einer, der so wirkte, als hätte er was zu sagen, wechselte drei Worte mit dem Busfahrer, bad einen Fahrgast, sich woanders hin zu stellen und wies uns den beweglichen Kreis im Ziehharmonikateil des zweigliedrigen Busses zu. Absatteln, einladen. 20 min Busfahrt ohne Zwischenstopps - das waren definitiv mehr als 6 km! Ausladen, aufsatteln. Der erste englischsprechende Bahnangestellte dirigierte uns - wieder mal die letzten, die fertig mit aussteigen waren - zum richtigen Gleis: treppab, treppauf. Wir fanden im zweiten Zug des Tages ein Kinderwagenabteil, in das wir die Fahrräder puzzleten. Der englichsprechende Schaffner kam vorbei und fragte "ok?" Yes, okay. Als der Schaffner von vorher vorbei kam fragte Katharina "Okay?" Und er ließ sich zu einer undefinierbaren Bewegung zwischen Kopfschütteln und Nicken herab. Der nimmt seine Arbeit ernst und versucht, uns ein schlechtes Gewissen zu machen, dass wir Fahrräder mitnehmen, was er uns am liebesten nicht erlaubt hätte. Ist ihm aber nicht geglückt. Es hat geklappt! : D Schlussendlich war das alles ganz einfach, aber zwischendurch gab es ganz schön Aufregung.

In Budapest fanden wir auch aus anderer Richtung problemlos zu Zolis Wohnung. Dreiviertel neun. Und das Lädchen hatte noch offen! Dort wartete sogar der Wohnungschlüssel auf uns. Und es gab Honig. Und Äpfel. Und Frischkäse. Und und und. Sinnvolle Investition der letzten Forint. Diese Straße, der Innenhof und die Wohnung fühlten ich stark nach "fast zu Hause" an. Toll! Zoli hat einen neuen Mitbewohner, der uns in Empfang nahm. Jemand, der in zwei Tagen von Leipzig nach Budapest radelt. Der Geographie studiert hat, jetzt seit Jahren Fahrradrahmen schweißt. Menschen gibt's! Die kurze Nacht endete vor um vier, der Zug nach Hause sollte keinesfallt vor uns ablegen! Lang, aber entspannt war diese Fahrt. Ohne unangenehme Zwischenfälle. Im Fahrradabteil waren unsere zwei Drahteselchen fast die ganze Zeit allein. Erst gegen Ende erhielten sie Gesellschaft, und wir zugleich Gesprächspartner, die uns den letzten Reiseabschnitt kurzweiliger machten: Ein Spanier und ein Mexikaner, in Berlin wohnhaft, die von Magdeburg nach Prag geradelt sind. Ihre erste derartige Tour - sie waren begeistert.

Nach zwei Tagen Rumsitzen brauchte ich erstmal Bewegung. Eine kleine Runde laufen musste genügen. Denn für uns beide ging das Zugfahren in unterschiedlichen Richtungen am nächten Tag gleich weiter - Familien.

Die Erinnerungen an die Radreise sind lebhaft. Und ich für meinen Teil werde sie in Zukunft durch viele weitere ergänzen. Don nun ist es erstmal schön zu Hause zu sein. Viele Aufgaben warten auf Zuwendung und neue Ideen auf Umsetzung.

Gute Weiterreise, Christian, Jule und Marcel! Danke, dass wir dabei sein durften!

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— auf dem lang(sam)en Weg nach China —