Erste Myanmarfotos sind online…

Einen Tag sind wir in Thailand und schon ist das Internet gut genug gewesen, um unsere Fotoprobleme zu lösen.

Genießt die Bilder unseres letztens Monats- links in der Seitenleiste könnt ihr dafür einfach auf das Zelt unter Palmen klicken, dann kommt ihr zum Online-Album

Ganz liebe Grüße aus Thailand!

Wir drei

Advertisements

Myanmar 3 – Von Zügen und LKW’s

29.1.

Ich krabel gegen 7 Uhr als erster aus unserem Zelt und da seh ich zwei Ochsenkarren in der ferne vorüberziehen. Die Insassen, wie immer ziemlich interessiert an uns, halten kurz an, um dann weiterzurollen und sich der Feldarbeit hinzuwenden. Nach einer ganzen Weile kommen sie wieder ohne ihre Karren und betrachten unser Treiben nun aus der Nähe. Dann brechen wir wortwörtlich die Zelte ab und begeben uns wieder auf die lange Meile. Von kurz hinter Titagauk werden wir heute 85km bis nach Aunglan fahren.

Vom ersten Kilometer an geht es Hügel, mit teils steilen Rampen, hinauf und wieder herunter. Jule und Marcel mögen dieses Terrain sehr, ich hingegen tue mich mit den ständigen Belastungswechseln für die Muskulatur schwer. Lieber fahre ich da eine konstante Steigung hinauf oder eben im Flachen. Leider habe ich zudem bei der Hitze das trinken etwas vergessen und zusammen mit dem Terrain war bereits nach 30km besiegelt, dass ich mich heute würde durchquälen müssen. Die Beine waren quasi den ganzen Tag lang sehr schwer, müde und ich bin kaum vorangekommen. Das langsame Tempo und die vielen Pausen, die wir machen mussten, gefiel wohl auch dem Polizisten nicht, der uns die letzten 25km begleitete, damit wir auch ja nicht etwas anderes machen als im Touristenhotel übernachten (und das ist ja das Einzige was wir dürfen). Nun ja, da ich ja ziemlich schlaff war, hätten wir uns heute eh für ein Hotel entschieden.

Im Hotel selbst war dann auch ein Pärchen mittleren Alters aus Holland untergekommen. Die beiden pedalieren ein Jahr lang durch Asien und haben ihre „Lange Meile“ in Pakistan begonnen! Für Jule und Marcel gab es ein interessantes Abendessen mit den Beiden und für mich das Bett.

30.1.

Da ich immer noch nicht ganz fit bin und wir kein Risiko eingehen wollen haben wir uns dazu entschlossen die 71km nach Pyay in einem LKW zurückzulegen. Diese Art von LKW’s dient als Bus und die Passagiere Sitzen auf Holzbänken, auf der Ladefläche, sowie die jungen Männer auf dem Dach. Man staunt wirklich, wie viele Menschen sich teilweise in einen solchen LKW reinstappeln lassen.

Die 2,5-stündige Fahrt verläuft äußerst holprig und gepolstert sind die Sitze (nur Jule konnte einen ergattern) natürlich nicht. Glücklicherweise haben auch unsere Räder die Tour gut überstanden, nur unsere Sachen und wir selbst sind ziemlich dreckig geworden, da der LKW auch Kohle geladen hatte.

In Pyay haben wir uns eine Unterkunft gesucht, die ganz passabel war. Dort sind auch etliche andere Touris abgestiegen. Unter anderem ein spanisches Pärchen welches mit dem Rucksack unterwegs war. Mit denen sind wir dann gleich Mittagessen gegangen.

Marcel und ich haben uns dann noch die örtliche Pagode angeschaut und anschließend hab ich mich ins Internetcafé zurückgezogen. Das Internet war dort das erste mal seit der Türkei nahezu tadellos und nur von 20min Stromausfall unterbrochen.

Später hab ich die anderen noch auf dem Markt besucht, wo sie sich gerade durch die lokalen Köstlichkeiten durchschlemmten. Unter anderem gab es Tofu-Spiese, Pfannkuchen und Wachteleier auf einem Teig. Alles sehr interessant und schmackhaft.

Dann gings zurück ins Hotel und dann ab ins Bett.

31.1.

Heute vor fünf Monaten sind wir gestartet. Damals gab es leichten Regen und viele Freunde und Verwandte sind extra zum Abschied gekommen. Das war irgendwie schön und traurig zugleich. Nun fühlt sich unser Ziel Shang Hai schon ziemlich nahe an.

Zum Frühstück heute gab es Käse (wenn auch nicht den besten)!!! Welch große Gaumenfreude, die wir schon lange nicht mehr genießen konnten. Ausreichend Toast gabs auch. Da wir ne Menge Zeit hatten, ging Marcel nach dem Frühstück erst einmal eine Weile spazieren, Jule blieb auf unserem Zimmer und ich las auf der Bank vor dem Hotel ein Buch und trank ein Bierchen der Marke „Myanmar“. Sehr gelungener Vormittag. 🙂

Das Buch von George Orwell heißt im Übrigen „Tage in Burma“ und spielt in der Zeit der Kolonialherrschaft Englands.

Als wir anschließend Zugtickets für den Nachtzug kaufen gehen, fühle ich mich unweigerliche in die Zeit des Kolonialismus zurückversetzt. Das Möbilar ist bald älter als das Bahnhofsgebäude selbst und beides stammt vermutlich noch aus der Kolonialzeit. Auch die kleinen Wagons, welche auf dem Bahnhof stehen, ohne Lokomotive, dafür aber mit vielen Insassen, sind schon sehr alten Baujahres.

Dann plötzlich kommt ein Bus über die Wiese gefahren… aber nein es ist ein Zug! Die Gleise sind im hohen Gras kaum noch auszumachen und der Zug sieht tatsächlich aus wie ein kleiner Bus. Sehr skurril. Ein Bahnangestellter kommt vom Bahnhof und wirft einen Brief durchs Fenster des fahrenden Minizuges. Außerdem steigen ein paar Personen ein und andere aus, ohne das der fahrbare Untersatz auch nur einmal im Bahnhof angehalten hätte.

Unser Zugticket hatten wir im Übrigen mittlerweile in der Tasche. Für gute 3€ bekommt man in Myanmar noch 11 Stunden Zugfahrt geboten und das in der gehobenen Klasse!

Bis der Zug abfahren sollte, verblieb noch eine Menge Zeit und die haben wir fürs Internetcafé und schlemmen genutzt. Mittags war ich mit Marcel Nudeln Essen und Bierchen und Trinkschokolade schlürfen.

Dann haben wir die Räder zum Bahnhof gebracht. Die mussten als Sperrgepäck 3,5 Stunden vor Abfahrt des Zuges abgegeben werden!!! Wenn man diesen winzigen Bahnhof sieht kommt einen das echt lächerlich vor und das war es auch, denn nach 30min war das alles erledigt und nun warteten die Räder 3 Stunden und Marcel ebensolange beim Gepäck.

Die Zugfahrt war überhaupt erst notwendig geworden, weil uns einmal mehr das Visum im Nacken sitzt und wir etwas Zeitdruck von uns nehmen wollten. Mit dem Zug können wir immerhin wertvolle 2-3 Tage rausholen.

Und dann ist es auch soweit wir betreten den uralten Zug und nehmen auf den Sesseln platz. Bei der Verladung der Räder haben wir auch zugesehen, sah sehr zufriedenstellend aus und die Zugfahrt konnte also beginnen. Was uns nun erwartete, konnten wir freilich noch nicht ahnen.

1.2.

Kurz vor Mitternacht ruckelte der Zug dann also los und verließ den Bahnhof von Pyay. Die beiden Kanadier, die wir in Tamu getroffen hatten, hatten uns vorgewarnt: „Die Strecke ist der Hammer und es wird euch aus den Sitzen heben!“ Ich hatte mir gedacht: So schlimm wird das schon nicht, wir sind ja schließlich auch schon Zug im Iran und Indien gefahren. Es dauerte keine 2 Minuten, da wurde ich eines besseren belehrt. Der Zug begann heftigst nach links und nach rechts zu schwanken, wie ein Schiff, das in Seenot geraten ist und von den Wellen hin- und hergeworfen wurde. Wir guckten uns sehr verwundert gegenseitig an und auch die Einheimischen jaulten auf. Nach kurzer Zeit flogen die ersten Gepäckstücke, von den Gepäckablagen und mussten umgehend besser postiert werden. Was für ein Wahnsinn! Hier hatte seit der Kolonialzeit wirklich niemand etwas an den Schienen gemacht. Nach einer Weile ebbte die links-rechts-Schaukelei etwas ab und wurde ersetzt durch ein auf und ab, was sich nicht minder wie eine Achterbahn anfühlte. Wir hatten das Gefühl es würde den ganzen Zug aus den Gleisen heben und mit jedem Schlag hoben wir ein Stück aus unseren Sesseln ab. Das ganze Abteil sah einfach zu witzig aus, wenn es bei einer buckeligen Passage im Sekundentakt abhob. Das ganze Szenario war so komisch, dass Jule einen Lachanfall bekam, der sich über Minuten hinwegzog und immer wieder heftiger wurde, je heftiger die Bodenwellen waren. Auch Marcel konnte später in der Nacht mit einen Lachanfall aus dem gleichen Grund dienen.

Dann wollten wir doch noch versuchen ein bisschen zu schlafen. Jule legte sich dazu auf den Fußboden mit Matratze und Schlafsack und Marcel und ich versuchten es uns in den Sesseln bequem zu machen. Von wirklich schlafen konnte allerdings keine Rede sein. Hatte man es geschafft einmal einzudösen, kam auch schon die nächste „Achterbahnpassage“ und das ganze Abteil war wieder wach. Ich habe dann recht schnell die Mission „Schlafen“ aufgegeben und mich meinem Buch zugewandt. Aber auch das konnte ich in den buckeligeren Passagen nicht lesen. Ich kann es hier nicht in Worte fassen, was wir da erlebt haben, weil das einfach nicht zu fassen ist, man muss es halt erlebt haben, sonst glaubt man nicht, dass ein Zug der mit 30 km/h dahinschleicht zu solchen Dingen fähig ist.

Nach fast 11 Stunden kamen wir dann am Hauptbahnhof in Yangon an und jetzt schlug der Moment der Wahrheit. So schön wie die Zugfahrt auch war, so viele Sorgen machte ich mir auch um unsere Fahrräder. Ich war mir eigentlich sicher, dass sie bei diesem Geholper hinüber sein mussten, aber wie durch ein Wunder war nichts passiert. Ich konnte es kaum glauben.

Vor dem Bahnhof wartete dann Nicole (eine alte Schulfreundin von Jules Onkel) auf uns. Sie musste schnell weiter (Treffen mit dem Minister), erklärte uns aber noch den den Weg und drückte uns einen Beutel mit richtigem Brot und Käse in die Hand. Lecker!!! Auch hatte Nicole ein ziemlich gutes Mountainbike und sogar einen Helm. Was man nicht alles zu Gesicht bekommt in der großen Stadt.

Der Verkehr in Yangon ist unheimlich entspannt. Die Verkehrsteilnehmenden fahren rücksichtsvoll und vorausschauend. Da haben wir in anderen Großstädten deutlich schlimmeres erlebt. Devis Haus konnten wir dann auch problemlos erreichen. Sie ist Praktikantin in der Entwicklungspolitik und da ihre WG ausgeflogen war (waren sie wirklich^^), konnten wir bei ihr übernachten und die Wäsche waschen. Letzteres tat mal wieder Not bei all dem Schweiß, in dem wir in den letzten Tagen badeten.

Der Tag sollte mit der Shwedagon Pagode noch die größte Pagode der Welt bereithalten. Als wir allerdings 8 € Eintritt löhnen sollten, bemerkten wir, dass wir ohne Kohle aus dem Haus gegangen waren. Vermutlich hätten wir den Preis aber auch nicht bezahlt. So blieb uns also nur die Möglichkeit im großen Bogen um den goldenen Kegel herumzulaufen.

Anschließend sind wir noch mit Devi Essen gegangen. Sie hat extra eins unserer Portemonnaies mitgebracht, trotzdem hatte das Geld wieder nicht gereicht und so mussten wir uns was borgen. Was sind wir doch für arme Schlucker. 🙂

Anmerkung der Redaktion: am nächsten Tag konnte die Reisegruppe stinkende Socken einen Geldautomaten mit vorgehaltener Kreditkarte um 300.000 Kyat erleichtern. Von der Beute reisen sie jetzt von Hotel zu Hotel und leben wie die Könige und Königinnen in Taka-Tuka-Land.

Im Restaurant saßen neben uns auch noch zahlreiche andere Touristen. Zum ersten mal seit Istanbul aber nicht das Klientel von Backpackern sondern hauptsächlich schmierige Leute. Generell treibt sich in Yangon ein seltsames Klientel an Westlern herum, hätte ich so eher in Thailand erwartet. Nun aber zurück zum Essen, das war nämlich Klasse. Es gab eine Art Kartoffelbrei, verschiedene Spieße und Pommes. Außerdem haben wir einige Bierchen getrunken und sind der nie langweilig werdenden Frage: wie fähig sind die Deutschen in politischer Beteiligung? nachgegangen. War also ein gelungener Abend.

Dann gings mit dem Taxi zurück zu Devis Wohnung und auch alsbald ab ins Bett.

2.2.

Heute haben wir bei Seven Diamonds Geld eingesammelt, welches wir zu viel auf ihr Konto überwiesen hatten. War ein ganz schönes Theater mit der ganzen Geldgeschichte. Wir hätten von Anfang an das Geld in bar an die Grenze bringen sollen. Die Leute bei „Seven Diamonds“ waren aber sehr nett, auch wenn wir nicht die volle Summe wiederbekommen haben, weil wohl die Bank einiges verschlungen hat.

Marcel und Jule sind dann noch bissel die Stadt angucken gegangen, während ich mich zum chillen in die Wohnung zurückgezogen habe. Dabei habe ich allerdings einen Mönch verpasst, der in einer Pagode viele Dinge erklärt hatte. Als er fertig war, wollte er von meinen beiden Mitreisenden 10.000 Kyat, also 9€. Als man sich mit der Summe nicht einverstanden zeigte, wurde er sauer. Jule zeigte ihm, das sie nur noch 2$ in der iranischen Geldbörse hat und keine Landeswährung mehr. Darauf meinte der Mönch, die Dollar nimmt er auch. 🙂

Es war nicht das erste Mal, dass Jule schlucken musste, denn sie hatte sich vorher ein positiveres Bild vom Buddhismus aufgebaut.

Am Abend sind wir dann noch einer Einladung von Nicole nachgegangen, die Pizza in ihre Wohnung bestellt hatte. Die Pizza war absolut genial und konnte unsere Gaumen voll überzeugen. Am Tisch saßen außerdem noch zwei Deutsche, die in Yangon arbeiten und 2 die gerade auf eine Rundreise durch Myanmar aufbrachen. Auch dieser Abend wurde wieder sehr interessant. Wir haben eine Menge über Myanmar erfahren und wie die Entwicklungspolitik in diesem Land abläuft. Gut das wir diesen Einblick erhalten konnten, denn mit Einheimischen können wir uns in Myanmar selten länger unterhalten. Da diese Unterhaltungen meistens bei Übernachtungen entstehen und die sind ja nur in Hotels gestattet wo man niemanden trifft. Bei Übernachtungen von Ausländern bei Ausländern wird allerdings meist nochmal ein Auge zugedrückt.

Eine Anekdote zum Mopedverbot in Yangon möchte ich noch loswerden: Mopeds sind eigentlich das Hauptverkehrsmittel der Bevölkerung in Myanmar. Der Legende nach soll aber ein hoher Politiker in den 70ern davon geträumt haben, dass er von einem Motorrad aus erschossen wird. Daraufhin hat er die Zweiräder aus der ganzen Stadt verbannt.

3.2.

Nach Frühstück und Verabschiedung von Devi ging es für uns wieder auf die Piste. Vielen herzlichen Dank im Übrigen noch mal an Devi und Nicole für die gute Zeit! 🙂

Bereits nach 5 km hatte Jule einen Platten, nachdem sie erst am Morgen einen repariert hatte. Seit wir vor einigen Tagen im Dornengebüsch übernachtet haben, hat sie leider immer mal wieder einen Platten im Vorderreifen. Vielleicht versteckt sich noch ein kleiner Dorn irgendwo im Mantel, den wir bisher noch nicht finden konnten.

Nach kurzer Reparatur ging es weiter in flottem Tempo, wozu uns die zweispurige, größtenteils tischebene Straße animierte. Außerdem gab es die kleinen schönen Dörfer, die wir so ins Herz geschlossen haben, leider heute nicht zu bestaunen. Stattdessen wurde links und rechts der Straße viel an fahrbaren Untersätzen geschraubt.

Zum Mittagessen gab es Reis mit verschiedenen, sehr leckeren Beilagen und zur Freude von 2/3 unserer Reisegruppe enthielten diese eine Menge Knoblauch. Ich mags nicht so. 🙂

Wir konnten während des Essens beobachten wie ein LKW mit Ziegelsteinen beladen wurde. Dazu werden von einer Person immer 2 Ziegel im Doppelpack nach oben geworfen. Oben dann in Empfang genommen und gestapelt. Dauert alles recht lange.

Noch ehe der Truck fertig beladen war machten wir uns aber auf in Richtung Bago und vor den Toren der Stadt treffen wir einen bärtigen Reiseradler. Er kommt aus Indien und hat lustiger Weise schon ein paar Mal von uns gehört, da er einige Tage hinter uns radelte. Jetzt ist er aber einen anderen Weg gefahren und auf dem Weg nach Yangon. Dann wird er aber unsere Verfolgung aufnehmen. Mal schauen ob wir ihn noch einmal wiedersehen. An dem Tag konnten wir zumindest erst einmal keinen weiteren Vorsprung herausholen, denn wir parkten unsere Räder nach 85 km in einer Garage in Bago.

Da es noch ein Weilchen hell war, haben Marcel und ich noch zwei große liegende Buddhas angeschaut. Der erste lag im Freien rum und hatte fast keine Besucher. Die Ausmaße des Buddhas waren aber wirklich Gigantisch und ein Fußzeh war schon so groß wie wir.

Bei dem überdachten Buddha war die Größe ähnlich beeindruckend, nur war dieser noch goldener und verzierter. Das lockte dann auch mehr Menschen an. Mein Favorit ist aber der erste Buddha. Zum Abschied unserer kleinen Besichtigungstour ging es noch auf eine große, goldene Pagode. Seltsamer weise durften hier nur Männer aufsteigen. Hatten wir im Buddhismus noch nicht erlebt, das Frauen derartig diskriminiert werden. Von der Pagode aus konnten wir einen sehr schönen Sonnenuntergang Genießen. Insgesamt macht Bago einen sehr guten Eindruck und die Stadt ist eine Perle die vom Tourismus noch nicht entdeckt wurde.

Von der Pagode aus konnten wir dann auch noch einem Elfmeterschießen beiwohnen, welches auf dem Nachbarplatz ausgetragen wurde. Das interessante dabei war dass die 300 Zuschauer direkt um den 11-Meter-Bereich herumstanden, ja sogar schon drinstanden. Jeder Schuss wurde frenetisch bejubelt, dabei schien es egal welche Mannschaft traf. Besonders erfreut war man aber, wenn jemand verschoss. Und bei jedem Schuss rückte die Menge noch näher an das Tor. Der Schütze kam dann mitten aus der Masse gerannt. Dann der letzte Schuss… DRÜBER!!! Die Masse jubeld und geht dann schnell auseinander und auch wir ziehen uns von der Pagode zurück und gehen Abendbrot essen, bevor es Zeit zum schlafen ist. Jule hat bei ihrem Abendbrot noch zwei Reiseradlerinnen aus der Schweiz getroffen. Das Essen war jedoch leider sehr fettig…

4.2.

…und das rechte sich in der Nacht, als die Speise einen anderen Ausgang als vorgesehen nahm. Da Jule von der Nacht geschwächt war, haben wir überlegt noch einen Tag in Bago zu bleiben, haben uns dann aber doch dazu entschlossen wenigstens 65km zu pedalieren.

Leider Gottes ging der Tag erneut mit einem platten Vorderreifen bei Jule los und dieses Mal wurde gleich der ganze Mantel ausgetauscht. Morgen macht Jule einen Pausetag um mal nach dem Rechten zu schauen und sich auszuruhen.

Heute wurde die Strecke wieder etwas schöner, da der Straßenverkehr abgenommen hat. Man sieht auch endlich wieder Ochsenkarren und die Menschen scheinen abseits des Hauptverkehr entspannter zu leben. Naja, das ist jedenfalls mein Eindruck. Vorbeigekommen sind wir auch an zahllosen Melonenhändlern die ihre Felder direkt hinter den Hütten haben. Die Melonen sind meist sehr kunstvoll aufeinandergestappelt und viel größer und länglicher als bei uns im Supermarkt. An einem Stand liesen wir uns eine viertelste Melone gut schmecken.

Dann ging es weiter. Leider stimmte die Kilometerangabe in unserer Karte nicht und so mussten wir anstatt der 65 km 92 fahren. Das war weniger erfreulich, aber Jule hat dennoch tapfer durchgehalten.

Besonders häufig waren heute Grasbrände zu sehen, die hier offensichtlich absichtlich gelegt werden. Auch Müll brennt immer mal wieder am Straßenrand.

Außerdem haben wir einen deutschen Reiseradler getroffen, welcher gerade sein Abi fertig gemacht hat und jetzt durch Südostasien pedaliert. Respekt! Das hätte ich mir nach dem Abi noch nicht zugetraut! Überhaupt scheinen wir jetzt wieder unter Pedaleuren zu sein, den kurze Zeit später überholte uns beim Wasser nachfüllen ein Australier, der später genau wie wir im „Happy Guest House“ untergekommen ist. Hier hatte unser Zimmer als besonders Highlight einen Gecko zu bieten, der ab und an laute Quickgeräusche von sich gab. Sehr interessant! Der Ort in dem wir ankamen, heißt im Übrigen Kyaikhto, falls ihr den auf der Karte suchen wollt.

5.2.

Das Frühstück war heute eine echte Frechheit. Es gab wie immer 2 Scheiben Toast, aber keine Möglichkeit nachzubestellen! Wie soll bitte ein Mensch der sich mit dem Rad fortbewegt von so einer dürftigen Portion satt werden?! Notgedrungen mussten wir noch unser eigenes Essen dazuholen.

Nach dem Frühstück ging es für Marcel und mich mit dem Fahrrad in Richtung „Golden Rock“. Das goldene Steinchen ist nach Bagan wohl die Hauptattraktion des Landes. Bereits auf den ersten Kilometern sausten 12 Reiseradlerinnen und Reiseradler an uns vorbei. Einen (Niti) habe ich gestoppt und er erklärte mir, dass er der Reiseleiter der Gruppe sei. Peter, der auch zu der Gruppe gehörte, war der Einzige der sein eigenes Fahrrad mit hatte. Die Gruppe, die durch Myanmar pedaliert, konnte sich auf einen Gepäckwagen, der den Großteil des Gepäcks trägt, verlassen. Auch mal eine interessante Art zu Reisen. Wer sich dafür interessiert kann „China by bike“ googleln. Dort werden verschiedene Routen in Südostasien angeboten.

Für uns ging der Weg weiter zur Basisstation des „Golden Rock“, wo wir unsere Räder stehen liesen und mit dem LKW weiterfuhren. Selbiger wurde mit Menschen vollgepackt, so das es unbequem war und dann ging es den abenteuerlichen Weg mit unfassbar steilen Rampen hinauf. Gut das wir hier nicht radeln mussten. Auf dem Berg mussten wir dann 6 $ Eintritt zahlen, während Einheimische wie üblich kostenlos hineindurften. Entlohnt wurden wir mit einem sehr schönen Ausblick. Der Stein an sich ist schon durchaus imposant, aber sicherlich nicht so sehenswert, dass es sich lohnen würde, wegen ihm einen großen Umweg zu machen. Erstaunlich ist, dass sich der Stein immer noch an der Stelle hält, obwohl er kaum mit dem Untergrund verbunden ist. Dafür werden täglich aber etliche Goldplättchen an ihn geklebt. Bis in Greifnähe kommen allerdings nur Männer. Frauen müssen, warum auch immer, etwas Abstand halten.

Nach der Besichtigung des Steines fuhren wir mit dem LKW wieder die Serpentinen abwärts. Die muss sogar als noch abenteuerlicher bezeichnet werden. Unten angekommen haben wir den australischen Reiseraler vom Vortag wiedergetroffen. Er war mittlerweile umgezogen und hatte sich mit einem älteren Pärchen bekannt gemacht. Die beiden waren mit dem Rucksack unterwegs, sind aber früher auch schon mal von Feuerland nach Alaska pedalt.

Damit sollten es aber noch nicht genug Radreisende für heute gewesen sein, denn bei der Rückfahrt trafen wir noch 2 und als wir in Kyaikhto zum Abendessen rausgingen, waren da nochmals 2 Pedaleure. Radeln scheint in der Gegend absoluter Trendsport zu sein, ist aber auch wenig verwunderlich, da wir uns auf der Hauptroute zwischen Thailand und Myanmar befinden.

Zum Abendessen gab es mal wieder Nudeln, Reis und Gemüse, das Übliche also. Dazu gab es im „Sportprogramm“ Livetischtennis. Nach dem Essen haben wir uns das Ganze aus der Nähe angeschaut und ich konnte es mir nicht nehmen lassen und hab auch einmal zum Schläger gegriffen. Daraus wurde dann sogar ein Match, bei dem ich nicht total unterging, aber dennoch in 3:0 Sätzen verlor. Spaß hats aber auf alle Fälle gemacht. 🙂

Wer sich nun fragt, was hat Jule eigentlich den ganzen Tag gemacht? Hier die Antwort:

Am Rad geschraubt und mit selbigen etwas rumgedüst. Außerdem gechillt und am Rechner rumgehangen.

Jetzt sitzen wir alle in unseren Betten und ich tippe die letzten Zeilen des aktuellen Berichtes ein und werde ihn gleich hochladen.

Postkarten

Liebste Leser,

einige von Euch haben sich von uns Postkarten gewünscht und wir haben mitbekommen, dass die hier und da nicht angekommen sind- wenn eure Karte eigentlich vor zwei oder drei Monaten dran war (bis Mitte Dezember), dann müsste sie mittlerweile auf jeden Fall da sein. In dem Fall bitte bei uns melden, dann bekommt ihr noch eine Ersatzkarte aus einem dieser wunderschönen Länder, in denen wir jetzt unterwegs sind.

Lieben Gruß!

Myanmar 2 – ein druckfrischer Bericht!

Exklusiv aus dem wundervollen Myanmar meldet sich nun die Jule wieder, um dem werten Publikum Feierabende, Überstunden oder langweilige Vorlesungen zu versüßen.

Für die, die es vergessen haben: wir sind in Myanmar angekommen, hatten aber die Straßen noch nicht so gefunden gehabt.

Dafür wundervoll strahlende Menschen und viele goldene Kuppeln!

20.1.
Mit der schönen Hoffnung, ab jetzt wieder auf echten, asphaltieren Straßen unterwegs zu sein, starten wir am Morgen aus unserem kleinen Hotel. Nach kürzester Zeit hingegen hat uns die Sandpiste wieder- wir schieben und strampeln und rütteln durch den Tag, der sehr sonnig und heiß ist. Je weiter wir nach Süden kommen, desto heißer wird es hier (logischerweise). Vor wenigen Tagen haben wir irgendwo am Wegesrand einen Stein gesehen, der uns bescheinigt hat, den nördlichen Wendekreis des Krebses überquert zu haben. Äquator, da sind wir! (naja, fast)

Neben unserer „Straße“ sehen wir nun zu meinem Entzücken Erdnussfelder, und Erdnüsse liegen auch auf dem „Mittelstreifen“ des einspurigen Feldweges. Dieser Feldweg wird von den Einheimischen doch tatsächlich hartnäckig „Highway“ genannt. Irgendwann erreichen wir einen kleinen Fluss, der jetzt, in der Trockenzeit, kaum Wasser führt. Ein junger Einheimischer auf seinem Motorrad muss uns erst zeigen, was hier zur Flussüberquerung dient, damit wir es als Furt erkennen und über den Fluss kommen. Eine Furt… sowas gibt’s in Deutschland nicht mehr.

Christian beim Flussüberqueren
Christian beim Flussüberqueren

Danach wird wenigstens die Sandpiste recht glatt, fest und gut und wir kommen parallel zu einem weiteren Fluss ziemlich gut voran. Zur Mittagspause hüpfe ich dann auch mal flux in diesen Wasserlauf, um die Hitze besser wegstecken zu können. Die Leute hier hingegen tragen Wollpullover und fragen uns ständig, ob wir denn im T-Shirt nicht frören. Angemerkt: es sind locker über 30 °C.

Schon am frühen Nachmittag kommen wir in einer der ehemaligen Hauptstädte des burmesischen Reiches an, in Shwe Bo. Wir nehmen uns ein recht teures und für unsere Verhältnisse luxuriöses Hotel. Einerseits sind die Hotels hier für Touristen immer recht teuer, andererseits lockt uns auch die WLAN-Verheißung. Seit dem Grenzübertritt gab es keinen Kontakt nach Hause, das ist für die Psyche schwierig. Am Nachmittag finde ich dann eine SIM-Karte für das Handy- bevor wir nach myanmar eingereist sind, wurde uns in diversen Blogs und auf allen möglichen Webseiten weis gemacht, dass Myanmar das „Land Ohne Internet“ sein würde. Hier hätten, wenn überhaupt, nur gute Hotels in den drei großen Städten WIFI. Und jetzt? Die Realität sieht anders aus: ich kaufe für 2 Dollar eine SIM-Karte, die nicht einmal aktiviert werden muss, und zack! haben wir Hochgeschwindigkeitsinternet auf dem Smartphone. Und das wohl laut Aussage der Verkäuferin in allen Städten. So viel verrate ich schon einmal: auch auf dem platten Land, irgendwo unter Palmen beim Wildzelten, hat später manchmal das Internet ausgereicht, um mit Deutschland zu skypen. Wobei erwähnt werden will, dass das Internet immer wieder stundenlang ausfällt, überall und ohne Muster. Wenn es aber grad tut, dann wohl ziemlich flächendeckend.

Wir machen so Stadtsachen: rumlaufen, Vorräte auffüllen, lecker essen und im Internet rumhängen. Und im Bett schlafen. Und duschen =)

Man munkelt, es hätte sogar eine Badewanne gegeben und der werte Herr C. hätte es sich riiichtig gut gehen lassen.

21.1.
Von Shwe Bo aus geht es nun endlich durchgängig auf Asphalt weiter- auch wenn dieser furchtbar schlecht präpariert wurde und es uns auf unseren ungefederten Tourenrädern ziemlich böse durchschüttelt. Dies hier ist nun eine Region, in der Melonen angebaut werden. Riesige LKW mit tausenden Wassermelonen überholen uns, wir kaufen eine tolle, reife Honigmelone und machen Mittagspause an einem typischen Imbiss: man sitzt in Bambus-Liegestühlen unter einem palmgedeckten Dach und genießt das Leben =) Dank des point-it’s (einem Zeige-Kommunikationsbuch vom Christian, wo einfach für tausende Reisesituationen die richtigen Symbole abgedruckt sind) bekommen wir auch mal wieder vegetarisches Mittagessen. Und was für welches! In Myanmar scheint es üblich, dass man zB Reis oder Nudeln bekommt und dazu zig Schälchen mit Beilagen, Gemüsen, Saucen, Nüssen…, die alle nachgeliefert werden, wenn man sie aufgefuttert hat. Und alles ist wirklich anders als alles asiatische, was ich bisher gegessen habe, und wahnsinnig schmackhaft! Myanmar für Vegetarier ist wärmstens zu empfehlen. Jedenfalls, solange man es begreiflich machen kann, denn es ist wirklich schwer, burmesisch so auszusprechen, dass die Leute uns auch verstehen.

Christian, das point it und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach
Christian, das „point it“ und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach

Vor unserem Tisch steht ein typischer kleiner Stand an der Straße, an dem eine junge Frau Bethelnüsse mit ein paar Gewürzen und einem weißem Pulver mischt und in ein frisches grünes Blatt einwickelt. Das verkauft sie an alle möglichen Männer, die vorbei kommen und sich die Nuss im Blatt dann in den Mund stecken und darauf rum kauen. Dabei entsteht ganz viel blutrote Spucke, die mit viel Freude in ganz Myanmar verteilt wird. Scheint ungefähr den gleichen Sinn zu haben wie Rauchen: verfärbt die Zähne, schmeckt scheiße und man kann viel Geld dafür bezahlen.

Am späteren Nachmittag radeln wir an überwucherten Tempeln vorbei in Saiagan ein. Immer wieder sieht man von den Kuppen der Hügel, über die unserer hübsche Straße führt, eine beeindruckend riesige goldene Kuppel. Als wir sie und den dazugehörigen Tempel erreichen, bleiben wir ein wenig und schauen uns um.
Als wir dann in die Stadt reinkommen, geht die Sonne gerade unter. Zum Glück finden wir direkt ein günstiges Guest House, das uns auch alle drei für einen guten Preis in einem Doppelzimmer schlafen lassen will. Als wir schon eingecheckt haben und ich schon auf dem Klo sitze, kommt aber jemand mit dem Auto (im Land der Motorroller schon eine Rarität an sich), der partout nicht verraten will, welche Position er hat, und sagt uns, dass das Guest House keine Lizenz für Touristen hat und dass wir ein anderes Hotel nehmen müssen. Ein junger Mitarbeiter bringt uns auch gleich zu einem deutlich größeren, feineren Hotel in der Nähe, wo uns der junge Angestellte auch sagt, dass wir für ca. 34 Dollar zu dritt in einem Raum schlafen dürften. Dann holt er aber leider noch den Hotelmanager, der das Wort übernimmt und plötzlich meint, dass er sich um unsere Sicherheit Gedanken machen würde, schliefen wir in einem Zimmer. Als ich da nachhake, wie er das meint, sagt er, dass es nicht möglich ist, dass ich als Frau mit zwei Männern in einem Raum schlafe. Und als wir mehrmals betonen, dass das wirklich kein Problem sei und wir das seit 5 Monaten so machen, sagt er, in Myanmar sei das nun aber nicht möglich (was Quatsch ist, haben wir hier schon oft erlebt!). Dann meint er aber, dass wir beide Zimmer für 25 Dollar haben könnten. Wir fragen noch ein paar mal nach, ob er damit wirklich meint, dass beide Zimmer zusammen 25 Dollar kosten (und nicht jedes der beiden Zimmer einzeln), er bejaht immer wieder und zufrieden gehen wir zur Rezeption, um all diese nervigen Formalitäten zu erledigen, die seit der Türkei zu jedem Hotelaufenthalt gehören. Wir bezahlen auch extra im Voraus, damit wir uns mit dem Preis wirklich sicher sein können. Und als wir daaaann, nach all dem Passdaten-Abschreiben und -Kopieren etc. schon ein Bier bestellt (und bezahlt) haben, da meint er, jetzt würde er gern noch die zweiten 25 Dollar für das zweite Zimmer haben wollen. So ein Halunke! Was haben Christian und ich uns aufgeregt! X-mal haben wir nachgefragt, ob er das wirklich so meint, und 50 Dollar können und wollen wir nicht bezahlen und jetzt ist es dunkel und wirklich schwer für uns, noch etwas zu finden!
Erbost lassen wir uns das Geld wieder geben und machen uns vom Acker. Dem jungen Hotelangestellten scheint das alles unangenehm zu sein, er zeigt uns noch die Karte eines anderen Hotels und erklärt uns grob den Weg dorthin.
Als wir versuchen, das neue Hotel zu finden, biegen wir dann irgendwann zu einem buddhistischen Tempel ab, weil wir überlegen, ob dort eventuell ein Kloster angeheftet ist und wir dort vielleicht schlafen könnten.
Einerseits haben wir Pech, weil dieser Ort ein unbewohnter Tempel ist. Andererseits haben wir enormes Glück, weil wir vor dem Tempel Tun Lwin, einen Motorrad-Taxi-Fahrer, treffen, der englisch spricht und uns helfen will. Zuerst muss er noch eine Kundin wegfahren, dann kommt er aber nach fünf Minuten wieder und empfiehlt uns diverse Hotels. Als wir ihm erklären, dass die uns alle viel zu teuer sind und dass wir gehofft hatten, noch einmal in einem Kloster unter zu kommen, da meint er doch tatsächlich, er kenne eins und bringe uns hin!
So düsen wir dem Mopped hinterher durch die nächtlichen Straßen. Als es in kleine rumpelige Seitenstraßen geht, hält er extra einmal an und sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen, das sei wirklich der Weg zum Kloster. Und kurz danach wird uns die Klosterpforte von zwei jungen Mönchen geöffnet und Tun Lwin geht hinein, um für uns um Unterkunft zu bitten. Als er schon fast im Haupthaus verschwunden ist, meint er, wir sollen doch vielleicht auch besser mitkommen und auch mit fragen, und so laufen wir hinterher. Als wir dann an der Tür angekommen sind und uns unseres Schuhwerks entledigt haben, da kniet Tun Lwin schon auf dem Boden vor dem Obermönch, der auf seinem Stuhl sitzt und sich die Bitte anhört. Wir werden auch alle mit auf den Teppich zu Füßen des Mönchs geholt, nehmen Anbeteposition ein und gucken scheel in der Gegend rum, weil wir nichts sagen können. Es ist eine äußerst exotische, lustige Situation =)
Der Mönch gibt unserer Bitte dann tatsächlich statt und wir dürfen zum zweiten Mal in einem buddhistischen Kloster übernachten. Dieses hier ist jedoch sehr viel kleiner als das, in dem wir vor ein paar Nächten waren: es wohnen hier scheinbar nur der ca. 40-jährige Obermönch, ein ca. 15-jähriger und ein ca. 12-jähriger. Vielleicht sind die anderen Mönche aber auch nur im Urlaub =) Die Anlage besteht aus dem Haupt- oder Gebetshaus mit dem Buddhaschrein, einem Nebenhaus, in dem geschlafen und gegessen wird, einem sehr schönen, schattigen Garten und einem Gästehaus, in dem wir einquartiert werden. Es ist riiichtig schön!!

Wir gehen dann noch mit Tun Lwin in ein Restaurant, um ihn zum Dank zum Essen einzuladen und weil wir uns auch so freuen, endlich jemanden gefunden zu haben, der ganz passabel Englisch spricht und uns die myanmarische Kultur vielleicht etwas näher bringen könnte. Er weigert sich leider, mehr als einen Softdrink zu bestellen, aber dennoch haben wir viel Spaß miteinander. Und für uns gibt es wieder leeecker lecker myanmarisches Essen.

Als wir dann ins Kloster zurückkommen, setzen wir uns noch mit den drei Mönchen und ein paar Schaulustigen im Hauptraum zusammen, weil der Obermönch sich wünscht, dass wir versuchen, für ihn den Kontakt zu ein paar westlichen Meditationsschülern aufzunehmen, die früher einmal dort im Kloster Meditationsseminare gemacht haben. Zuerst denken wir, es gehe nur darum, den Laptop und unser mobiles Internet bereit zu stellen- das hätten wir gekonnt und mit Freude gemacht! Dann stellt sich aber heraus, dass der Mönch leider nur noch Fotos und keine Adressen von den gesuchten Menschen hat- und da können wir schweren Herzens auch rein gar nichts machen. Dennoch bekommen wir aber Zwieback, Datteln, Kaffee und Tee serviert und sollen davon fleißig essen, während die Mönche (ich glaub nach 15:00) nichts mehr essen dürfen.

im Kloster Nr 2

Dann geht’s glücklich in unsere Mönchszellen-Bettchen. Was für eine traumhafte Wendung!

23.01.15
Am frühen Morgen kochen wir unseren Kaffee auf dem Benzinkocher im Klostergarten, kurz danach bringen uns die Mönche dann aber auch nochmal ganz viel Frühstück, und parallel zum Frühstück wechsele ich an Christians und meinem Rad zum zweiten Mal auf dieser Tour die Kette, weil das lang schon überfällig ist. Es geht mittlerweile ratzfatz, noch bevor das Wasser in der Kaffeetasse ist, ist die erste neue Kette schon aufgezogen =) Jetzt können wir wieder ein paar tausend Kilometer ordentlich in die Pedale treten, bis wir daran erneut denken müssen.
Danach kommt Tun Lwin vorbei und holt uns ab, denn er hat extra einen Vormittag frei gemacht, um uns die schönen, berühmten Tempelanlagen auf einem Berg über der Stadt zu zeigen. Dafür müssen wir taaauuusende Stufen hochlatschen, aber es lohnt sich wirklich sehr: wir sehen unglaublich weit über neblige Wälder, aus denen goldene Pagoden und Kuppeln ragen, über den Fluss und die metallenen Bogenbrücken in alle Richtungen… ganz arg schön!
Und wir finden dort oben an ein paar Touriständen richtig schöne Postkarten und kaufen erst einmal insgesamt 50 (!) Stück. Freunde und Familie zu Hausen warten =)

Tun Lwin kauft uns dann noch ein kleines Beutelchen mit aufgeschnittener grüner, unreifer Mango, die mit rötlichem Gewürzpuder bestreut ist. Das ist ein ganz neues Geschmackserlebnis irgendwo zwischen sauer, süß und würzig und von mir wärmstens weiterempfohlen.

Hier sehen wir auch seit Ewigkeiten mal wieder andere Touristen. Am Fuß des Berges sprechen wir ein kanadisches Ehepaar an, das uns erzählt, als junge Hippies schon vor 42 Jahren einmal hier in Myanmar gewesen zu sein. Nun sind die Kinder aus dem Haus und sie sind wieder zurück gekommen. Das ist inspirierend und sehr schön =)

Wieder im Kloster verabschieden wir uns sehr dankbar und herzlich, machen noch einige Fotos und tatsächlich kommt der Obermönch mit so einer Stange um die Ecke, in die er sein Smartphone einspannen kann, um bessere Selfies zu schießen. Es ist der Brüller!

die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange
die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange

Dann radeln wir noch los, weiter Richtung Süden. Es ist wieder sehr heiß, wir werden brauner und brauner und wünschen uns ein Eis. Gibt es aber hier nicht. Also wünschen wir uns eine kalte Limonade- Kühlschränke gibt es aber mangels Elektrizität auch nicht. Wahn. Da begnügen wir uns mit lauwarmen Getränken in einem kleinen Örtchen, in dem bei unserer Ankunft wieder so eine Prozession startet, an der Ochsenfuhrwerke, laufende, sehr schön gemachte Menschen und Reiter beteiligt sind. Und dann kommen zwei als ein Elefant verkleidete Männer und tanzen zu ohrenbetäubender Musik – das ist sooo lustig!!

DSCF6333

Am Abend zelten wir mal wieder wild, auf Sand, zwischen Dünen und Palmen in der totalen Stille. In der Ferne wacht eine riesige goldene Buddhastatue über uns. Wir kochen Nudeln mit Ketchup, weil wir hier wirklich Schwierigkeiten haben, ordentliche Lebensmittel einzukaufen. Einerseits gibt es in den kleinen Läden wirklich schwer begrenzte Auswahl und andererseits kennen wir davon nur einen Bruchteil. Oh man, wir freuen uns sehr auf den Tag, an dem es mal wieder echte, normale Nudeln mit guter Tomatensauce gibt =) Und Früüühstück… man, echtes Brot und mehr als eine Marmelade, das wäre der Hammer.

Aber das Zelten ist wunderschön. Ganz leise, ganz voll mit Sternen und Sichelmond, der hier liegt, anstatt wie in Deutschland zu stehen. Kann mir das mal jemand erklären?

24.01.
Happy Birthday, meine Mama! Und auch alles Liebe Wolf!!

Wieder ist es ein heißer Radeltag über sehr holprige Straßen. So holprig, dass ich jetzt Muskelkater in den Armen statt in den Beinen bekomme.
Wir schaffen die 117 km bis nach Bagan, dem touristischen Highlight Myanmars

Bagan Link

Genauer gesagt bleiben wir in dem kleinen Ort Nyaung U, weil es dort wohl die günstigeren Hostels gibt. Wir werden auch direkt von einem hilfsbereiten Motorroller-Fahrer zu unserem gewünschten Hotel gebracht und schnappen einer hektischen, unsympathischen und eben auch zu ihrem Pech unentschlossenen Dame aus den USA ihr Zimmer weg- sie war langwierig am handeln, wir wollten einfach nur das Zimmer, und dann hat sie sich furchtbar aufgeplustert. Ayay!
Überhaupt gibt es hier nun unendlich viele Touristen. So viele europäische und nordamerikanische Menschen haben wir seit ca. Istanbul nicht mehr gesehen. Und wir können nicht umhin es ziemlich cool zu finden, zwischen den Busreisenden mit unseren Rädern durchzurollen!

Und zu unserer großen Begeisterung hat das touristische Ambiente der Stadt auch einen großen Vorteil: es scheint hier westliches Essen zu geben! Und so genießen wir wenig später frisch geduscht (ach, die kleinen Freuden… ^^) im Garten eines ganz schönen Restaurants, unter Bäumen mit zig ganz hübschen Papierlampions, eine …. Pizza!! Geilo!

25.01.
Bagan ist so berühmt, weil hier ca. 3000 kleine Tempel und Stupas verteilt zwischen Bäumen auf einem riesigen Areal stehen, und das ist sehr, sehr beeindruckend, wenn man es zB von einem Tempel aus von oben betrachtet. Oder wenn man sich zB mit dem Fahrrad treiben lässt und einen Tempel nach dem anderen anschaut.

Ha, morgens tappen die Jungs direkt in eine grandiose Touristenfalle…. da kommt ein junger, sympathischer und gut englisch sprechender junger Mann auf dem Roller vorbei und meint, uns einen seiner Lieblingstempel zu zeigen. Dort oben würde er uns seine Kunst (Sandbilder) zeigen, und wir könnten dann immernoch entscheiden, ob wir die mögen und ob wir ihm vll sogar was abkaufen wollen.

Bagan
Bagan

Der Tempel zunächst, den er uns zeigt, ist wirklich sehr cool und wir sind sehr eingenommen von der 360°-Aussicht über 3000 Pagoden. Auch seine Bilder sind richtig, richtig schön- so schön, dass die Jungs sie zu einem Preis kaufen, der, wie wir später merken, ca. dem 6-fachen des gängigen Preises für die allgegenwärtigen Sandbilder entspricht. Da müssen wir die Tage noch viel drüber lachen =)

Traurig daran ist vor allem, dass wir uns mit dem jungen Koko eigentlich ziemlich lange und ziemlich gut unterhalten hatten, und dass er uns dann dennoch so verarscht hat. Das ist für mich wieder ein Beispiel dafür, was das Geldverdienen mit den Menschen macht.

Wenn wir uns also grad nicht das Geld aus der Tasche ziehen lassen, streunen wir alle ganz entspannt durch die Tempelanlagen und freuen uns sehr, mal wieder eines unserer schon lange im Kopf ausgemalten Reisehighlights erreicht zu haben. Für den Nachmittag trennen wir uns dann, weil ich gern ein wenig meine eigenen Wege gehen möchte.

Zum Sonnenuntergang klettere ich mit Händen und Füßen auf die Ruine eines Tempels, um irgendwo zu sein, wo keine anderen Touristen sind. Wie zu erwarten ist das sehr schön =)

Marcel und Christian erzählen mir später, sie hätten sich noch ein bisschen verfahren und es dann recht hektisch auch auf eine Pagode zum Sonnenuntergang geschafft- da müsst ihr sie aber mal selber interviewn =)

26.01.

Für heute haben wir beschlossen, den Tag über in Bagan zu verbringen, wieder durch die Pagoden zu tingeln und dieses wunderschöne Weltkulturerbe auf uns wirken zu lassen. Dann, so zwei Stunden vor Sonnenuntergang, satteln wir die Räder auf uns fahren noch 30 km aus dem Touristengebiet raus, um nicht noch eine teure Nacht im Hotel zahlen zu müssen. Wir suchen eine Zeit lang vergeblich nach einer Stelle zum Zelten, finden nur ganz viele Dornen und Menschen, die direkt an allen Orten vorbei laufen, die wir uns aus der Ferne so ausgesucht haben, fragen dann in einem Kloster, ob wir dort das Zelt aufstellen dürfen, werden aber nicht verstanden oder abgelehnt. Ganz am Ende finden wir eine wirklich hübsche Stelle unter Palmen, auf der wir unser Zelt aufschlagen.

DSCF6574Wieder ist es nicht wirklich total abgelegen, einige auf den Feldern arbeitende Menschen tingeln wenige hundert Meter entfernt vorbei. Weil es aber schon recht dunkel ist, wird das für heute Abend kein Problem mehr darstellen. Es gibt wieder Nudeln mit gebratenem Gemüse und Ketchup. Zeit, dass wir myanmarisch kochen lernen. Es deutet sich aber auch schon an, dass ein Geheimnis der unglaublich guten Speisen hier das Glutamatpulver sein könnte- ich habe es in den Läden schon sehr viel öfter gesehen als Salz =)

27.01.
Am nächsten Morgen packen wir unter interessierten Blicken einiger Einheimischer unser Zelt zusammen und wollen die Räder satteln, als mir auffällt, dass ich sowohl hinten als auch vorne einen Platten habe. Immer ich! Manno! Eigentlich habe ich zwei Ersatzschläuche dabei, als ich die jedoch auspacke, fällt auf, dass einer der beiden in der Satteltasche mit meinem Reise-Nähzeug gekuschelt hat und auch erstmal geflickt werden muss, bevor er wieder zu gebrauchen ist. Ersatzschlauch und Nähzeug ist keine schöne Liebesbeziehung. Ich gebe den Tip für zukünftige Tourenradler: in unterschiedlichen Satteltaschen verpacken. Ist ebenso inkompatibel wie Brötchen und gebrauchte Socken.

Also mache ich mich an das Flicken des Hinterrads, während Christian parallel den Schlauch des Vorderrads austauscht und Marcel sich in der Zeit nochmal über die Einstellung seiner Bremsen hermacht.

Mit etwas Verzögerung kommen wir dann auf die Straße. Leider nicht lange, denn schon im nächsten Ort fällt mir auf, dass das Hinterrad immernoch Luft verliert- dabei habe ich heute morgen doch schon 6 Dornen aus dem Mantel gezogen und zwei Löcher im Schlauch geflickt! Also sattel ich nochmal ab und mach mich noch einmal an das Hinterrad, während die Jungs sich auf dem Markt um das Abendessen kümmern. Ich finde tatsächlich noch eine fast 1,5 cm lange Dorne, die auf der Mantel-Außenfläche nicht sichtbar war, mir dafür aber ooordentlich den Finger einkratzt, als ich sie innen ertaste. Nach diesem Loch aber ist es gut, wir können an der nächsten Motorradwerkstatt den Reifen wieder voll aufpumpen lassen und es geht richtig los.
Jetzt wird es wohl jeden Tag heißer, von ca. 11:30 bis 16:00 läuft uns (also wenigstens Marcel und mir) der Schweiß aus allen Poren, die T-Shirts, Hosen (!) und unsere Haut haben dicke weiße Salzkrusten. Wo kommt all dieses Salz her?? Weil wir nun meist ohne T-Shirt radeln, rufen wir bei der ordentlich angezogenen myanmarischen Bevölkerung noch mehr Entzücken hervor.
Wir sind dann zum Mittag wirklich hungrig, finden aber erst einmal lange kein Restaurant- dafür aber eine Chipsbude, die wir spontan fast leer kaufen wegen all des Salzhungers. Als wir dann endlich ein Lunch-Restaurant finden, servieren uns die Menschen dort waaahnsinnig gutes Essen. Wie immer sind es zig Zutaten zum Reis und ich bin vom Geschmack der einzelnen Komponenten total begeistert. Sehr schöne Mittagspause! =)
Am Nachmittag machen wir dann noch einmal unter einem dicken Bodhi-Baum Rast. Der Bodhi (Ficus Religiosa) ist laut Legende der Baum, unter dem der Buddha seine Erleuchtung genossen haben soll- vor allem aber ist es ein wunderschönes, dickes Gewächs mit zig Luftwurzeln und Stammteilen, die zusammen einen feeetten Stamm von mehreren Metern Durchmesser bilden können. Wir fahren durch eine ganze Allee dieser Bäume, das sieht ganz toll aus, und die Menschen haben oft unter einem davon ein kleines Café errichtet oder sogar einen Laden, dessen Waren an den Luftwurzeln aufgehängt sind. Märchenhaft. Und wir chillen unter so einem Bodhi auf einer aus Palmwedeln geflochtenen Plattform (wie ein Tagesbett oder das iranische Tacht), schauen nach oben, am goldenen Palmwedeldach vorbei durch die grünen Blätter in den blauen Himmel. Ganz schön schön.

die schicken Bäume und die Menschen in Symbiose

Und die Menschen sind alle so begeistert von uns! Wenn wir vorbeiradeln, unterbrechen sie ganz oft ihre (zuallermeist landwirtschaftliche) Arbeit, um uns zu winken und Grüße zuzurufen, begleitet von einem umwerfenden Lächeln. Alle strahlen! Wenn eine Gruppe Menschen hinten in der Ferne auf einem Feld arbeitet, dann schreien sie uns weeeiiit hinterher, winken groß und freuen sich tierisch, wenn wir das mitbekommen und den Gruß erwidern. Und als ich zB einfach nur angehalten habe, um eine neue Wasserflasche zu kaufen, wurde ich sofort gebeten, mich kurz hinzusetzen und dann irgendwie um alle Sprachbarrieren herum ein wenig ausgefragt.

Am Abend erreichen wir dann leider direkt zum Sonnenuntergang eine kleine Stadt, die wir erst noch mit letzter Kraft durchqueren müssen, damit wir noch vor der Dunkelheit einen guten Zeltplatz finden. Der ist heute in hügliger, an den Mond erinnernder Landschaft, bietet tolle Aussicht auf zwei kleine Tempel und mal wieder das ganze, schöne Myanmar-Wildzelt-Programm: viele Sterne, ein hübscher Mond, kaum Insekten und eine so milde Nacht, dass wir die langärmligen Shirts nur wegen der Angst vor Mücken rauskramen.
Myanmar ist wirklich schön.

28.01.
Da bin ich schon vor Sonnenaufgang wach und schau mir diesen über unserer Mondlandschaft an.

DSCF6623Kuhhirten treiben ihre Tiere an unserem Zelt vorbei. Für die müssen wir aussehen wir Wesen von einem anderen Stern. So verrückte Ausrüstung, so viel Zeug, so viel Technik! Die Räder mit all ihren Hebeln und Kabeln, das bunte Plastikzelt! Die aufblasbaren Isomatten!
Wieder ist’s schon beim Losradeln zu heiß für das T-Shirt. Mittags erreichen wir Magwe und finden dort a) eine Art Bäckerei mit mehreren Sorten weißem Brot, die wir alle mal ausprobieren. Wir sind nämlich verzweifelt auf der immerwährenden Suche nach anständigem Frühstück. Die meisten dieser Teilchen sind mit irgendwas gefüllt, manche sind ganz arg eklig, manche sind toll. Lesen können wir nunmal gar nichts, also wird immer mal alles durchprobiert.
b) schauen wir uns dann in Magwe noch eine Pagode auf einem Hügel über dem Fluss an, die in der Mittagssonne wirklich krass golden vor sich hin strahlt. Es ist wieder einmal schön, das buddhistische Bauwerk anzuschauen, ein wenig barfuß durch den Tempel zu gehen und die Aussicht zu genießen. Und danach essen wir (wie immer sehr gut) in einem kleinen Restaurant oberhalb des Flusses, in dem sich die Betreiber mal wieder einen Keks freuen, uns als Gäste zu haben. Sie füllen uns auch den Dusch-Wassersack mit Brauchwasser auf, weil wir beschlossen haben, mit dieser Salzkruste nicht noch eine Nacht schlafen zu wollen.

Was mir sehr hängen bleibt ist, dass der Restaurantbesitzer mit seiner kleinen, vll. 2-jährigen Tochter auf dem Arm zu uns kommt, auf mich zeigt und der kleinen sagt: „laile“. Das heißt „Schön“. Das ist mir jetzt schon sehr oft passiert, dass die Menschen begeistert die Augen aufreißen und ausrufen, dass sie mich beautiful oder eben „laile“ finden. Ich muss allein aufgrund meiner Hautfarbe und der europäischen Gesichtszüge sehr dem Schönheitsideal entsprechen, denn an jeder Ecke wirbt hier ein Plakat mit leicht asiatisch angehauchten, aber sehr weißhäutigen Frauen. Und überall gibt es Cremes zu kaufen, die die Haut bleichen sollen.
Zuerst ist das natürlich ziemlich nett und schmeichelnd. Ich finde das dann aber auch einerseits einfach sehr unterhaltsam, urkomisch, dass in Deutschland alle extra ins Solarium laufen oder Selbstbräuner kaufen oder sich bis zum Hautkrebs auf den Balkon schmeißen, um den braungebrannten Idealen zu entsprechen, während man hier eben mit dem Sonnenschirm durch die Gegend läuft und Aufheller benutzt. Andererseits finde ich es dann auch ganz furchtbar mitzubekommen, wie den kleinen Kindern solche niemals erreichbaren Schönheitsideale eingepflanzt werden. Ayay.

Nach einem Radelnachmittag mit ganz viel Hügeln und Hitze und ganz vielen Grüßen an die wundervolle Bevölkerung finden wir dann ein Plätzchen nahe unserer Straße, auf dem wir unser Zelt aufschlagen können. Es ist in einer kleinen Sandkuhle, was dazu führt, dass wir nach Sonnenuntergang (mal wieder sehr hübsch hier draußen, bei einem kleinen kühlen Bierchen über den roten Feldern) sehr viel Spaß damit haben, uns von der Böschung der Sandkuhle aus gegenseitig den Wassersack als Dusche über den Kopf zu halten. Und schön ist das, danach nass in der Nacht zu stehen und fast ein bisschen zu frieren. Es folgen Kochen auf dem Benzinkocher und dann auch schon Ab-ins-Zelt. Diese Hitze und diese Hügel schlauchen sehr.

Achja, und es ist der Tag, an dem Christian und Marcel sich fragen, wie sehr sie wohl den Zug der Zeit verpasst haben, weil sie beide kein Smartphone besitzen. Denn: nachdem es hier scheinbar für Mönche eh zum guten Ton gehört, irgendwo in der Kutte ein Smartphone stecken zu haben, werden wir am Nachmittag dann auch aus einem Ochsenkarren via Smartphone fotografiert =)

So weit und bis bald! Wir haben Spaß!

Indien – Myanmar

Bin mal wieder an der Reihe mit Blog schreiben. 🙂

Außerdem haben wir unsere Website noch etwas verbessert und zwei neue Unterseiten eingefügt. Zum einen die Rubrik „Visa“ in der wir unser Erfahrungen für andere Reisende aufbereitet haben und zum anderen die Rubrik „Links“. Hier werdet ihr zu Internetseiten anderer Reiseradler und Reisradlerinnen weitergeleitet. Falls wir mal nichts neues hochladen und ihr trotzdem was spannendes lesen wollt, könnt ihr da stöbern. 😉

Grüße aus Myanmar Chris

11.1.

Zum Frühstück waren die Jungs, die bereits am Vortag um uns rumwuselten, wieder da. Sie drehten noch eine Runde mit meinem Fahrrad und anschließend konnten auch wir auf dem Drahtesel sitzend Priphema verlassen. Die ersten 30km ging es immer straff bergauf bis nach Kohima, der Hauptstadt Nagalands. Insgesamt hat sich der Aufstieg über satte 70km gezogen, dabei haben wir 1600 Höhenmeter gemacht.

In Kohima haben wir eine befreundete Familie von Rias Onkel besucht. Auch deren Gastfreundschaft war unbeschreiblich. Immer wieder wurde neues Essen heran gebracht. Zu unserer Freude war auch frittierte Kartoffelteig und Tee dabei. Unser Keksspezialist Marcel (alias Krümmelmonster^^) konnte sich besonders an den Butterkeksen ergötzen.

Wir quatschten eine Menge mit dem Familienoberhaupt und er erzählte uns Geschichten von seinen Verwandten und anderen Reisenden, die schon bei ihm vorbeikamen. Außerdem führte er uns in die Sammlung alter Gegenstände aus Nagaland, die er im laufe der Zeit zusammengetragen hat. Da fanden sich unter anderem jede Menge Bronzestatuen, Bekleidungsstücke, Sperre und auch der eine oder andere Skalp. Die Bewohner Nagalands haben nämlich früher den Skalp eines jeden besiegten Feindes gesammelt und sich auch ein Tattoo pro besiegten Gegner machen lassen. Noch heute kann man in entlegenen Gegenden des Bundesstaates alte Männer mit solchen Tattoos sehen.

Unser Weg führte aber nach 2 Stunden Pause weiter auf dem „Asien Highway Number 1“. Nur leider wurde die Straße nun seinem Namen nicht mehr gerecht. Die Buckelpiste war teils in katastrophalem Zustand. Überall waren Löcher, die wir normalerweise mit Handzeichen, den hinter uns Fahrenden anzeigen. Hier waren es so viele, dass wir die Handzeichen einstellten und einfach mit mehr Abstand zueinander fuhren. Auch war der Asphalt teilweise auf ganzer Straßenbreite weggebröckelt und nur noch Steine vorhanden.

Mit dieser Straße und bei immer noch bergigem Terrain sind wir nicht gut vorangekommen, so dass wir nach 60km in Mao übernachten mussten.

5km vor der Stadt holte uns aber noch ein Auto ein. Es waren unsere Gastgeber vom Mittagessen. Sie waren 1 Stunde lang hinter uns hergefahren, nur um uns Tee, Kekse und andere Leckereien vorbeizubringen! Echt unglaublich! Vielen Dank dafür! 🙂

In Mao bezogen wir ein Hotel für insgesamt 400 Rupien, also 5€. Dementsprechend sah die Bude dann allerdings auch aus. Für eine Nacht sollte das aber reichen. Essen gingen wir noch in einem örtlichen Lokal, wo uns Reis mit verschiedenen Beilagen serviert wurde. Es war ein eher mittelprächtiges Essen und wie gewohnt sehr scharf. Für 2/3 unserer Reisegruppe zu scharf. Nur Marcel besteht immer darauf, dass das Essen doch gar nicht scharf sei. Vielleicht hat der gute Mann aber auch nur seine Geschmacksknospen schon abgetötet. Das ist jedenfalls meine Vermutung. 🙂

In ganz Indien haben uns die indischen Menschen immer gesagt, dass es ja sehr kalt sei und noch kälter werden würde. Wir haben ihnen dann darauf geantwortet, dass das für uns warm ist und uns das nichts ausmacht. Heute Nacht sollten wir das allerdings revidieren. Das Thermometer sank doch tatsächlich auf fast 0°C und besonders Jule, hatte in ihrem zugigen Raum, zu kämpfen (zur Erinnerung die Winterausrüstung hatten wir ja nach dem Iran Heim geschickt). Besonders der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist erstaunlich, welcher teils satte 20°C beträgt.

12.1.

Am frühen Morgen gab es das gewohnt karge Frühstück, bestehend aus ungetosteten Toastbrot mit Marmelade und Früchten. Dann machten wir uns an die lange Abfahrt von 1800m über Null auf 750m über Null. Leider war die Straße genauso schlecht wie am Vortag und damit eine echte Belastung für alle Gelenke.

Eine sehr schöne Abwechslung boten uns im Übrigen immer die mit Menschen völlig überladenen Busse, Jeeps und LKW’s. Oft waren die Reisenden christliche Jugendgruppen, welche das ein oder andere Liedchen vor sich herträllerten.

Die Menschen in Nagaland und Manipur, welches wir seit heute morgen durchquerten, sind im Übrigen überwiegend Christen, was sie vom eher hinduistischen Indien unterscheidet. Auch fühlen sich die Menschen vor Ort von der Regierung vernachlässigt und nicht als Teil Indiens. Die Unabhängigkeitstendenzen beantwortet die Regierung mit einer sehr starken Militärpräsenz und etlichen Straßencheckpoints.

Auf unseren heute insgesamt 111km nach Imphal passierte für indische Verhältnisse relativ wenig spannendes. Der größte Aufreger des Tages, war ein Kleinwagen, der hinter einer Kurve genau vor mir anhielt und mich ausbremste. Eine Frau machte Anstalten auszusteigen um sich mit mir zu unterhalten. Als sie die Tür öffnet kommt von hinten eine der dreirädrigen Motorrikschas, die in vielen Teilen Indiens als Taxis fungieren, und knallt gegen die Tür. Ich sehe nur noch, wie die Rikscha auf zwei Rädern weiterfährt und schließlich umfällt. Schnell krabbeln die Insassen aus dem Wagen und hieven das Dreirad auf und eine weitere Person erscheint. Anscheinend geht es allen Beteiligten den Umständen entsprechend gut und wir fahren weiter. Den anschließenden Streit zwischen den beiden Fahrern können wir eh nicht schlichten.

Am Abend erreichen wir unseren Couchsurfing-Host in Imphal leider nicht und so schlafen wir wieder im Hotel. Das hat auch sein Gutes, denn so können wir unsere Wäsche endlich mal wieder Waschen lassen und haben noch einmal Internet bevor es nach Myanmar geht, wo wir mit eher schlechtem Empfang rechnen.

Das Essen im hoteleigenen Restaurant war dann ein Kulturschock für mich. In dem piekfeinen Schuppen wurde einem doch tatsächlich der Stuhl unter den Po geschoben, dass Essen vom Personal aufgetan und das Flaschenwasser serviert, als wäre es ein guter Bordeaux. Dennoch war das Essen mit zusammen 10€ echt billig.

Nach dem harten Tag, auf der wohl schlechtesten Straße seit wir in Freiberg losgeradelt sind, ging es erschöpft in die Heia. Gute Nacht!

13.1.

Nach langem hin und her haben wir uns für einen Pausentag entschieden, damit die Wäsche gewaschen werden kann. Außerdem haben wir uns einen ersten Ausreisestempel geholt, den man aber offensichtlich nicht braucht, wir wir später an der Grenze erfahren haben.

Da Geldautomaten in Myanmar eher eine Seltenheit sind, wollten wir auch noch einige Dollar mitnehmen. Der ganze Prozess zog sich allerdings über Stunden, da das Bank finden recht schwierig war. Das Geld abheben dann ebenfalls, da meine Kreditkarte in Indien nur eingeschränkt funktioniert. Bei jeder Abbuchung muss ich zuvor in Deutschland anrufen, damit die Karte entsperrt wird.

Mittags haben wir eine Portion Reis in einem Straßenlokal verzehrt und morgens sowie Abends gab es was im Hotel. Auch haben wir das Internet voll ausgenutzt und bis Nachts 3 Uhr den Rechner im Betrieb gehabt und das obwohl der Wecker 4 Stunden später wieder klingelte.

14.1.

Letzter Radeltag in Indien und da hatten wir uns etwas vorgenommen. Mehr als 100km und 1000 Höhenmeter sollten nach 6,5 Stunden reiner Fahrzeit zu Buche stehen.

Aber schön der Reihe nach:

Nach einem guten Frühstück im Hotel ging es 50km eben dahin, ehe es auf 1500m hinauf ging. Die Aussicht auf die noch unbewohnten, grünen Bergwälder war auch heute wieder atemberaubend. Immer wieder gab es auch kleine Bergdörfer, die teilweise ziemlich verschlafen waren. Auch haben wir heute besonders oft unseren Reisepass an Check-Points vorzeigen müssen. An einem gab es während der Wartezeit sogar einen Saft spendiert.

Nach dem Aufstieg folgte die Abfahrt. Gleich zu Beginn verabschiedete sich eine Schraube aus Marcels Bremse, welche anschließend notdürftig ersetzt werden musste. Schon in Imphal hatte sein Stevens einen neuen Bowdenzug für die Schaltung bekommen. Der ausführende Fahrradladen war erstaunlich kompetent.

Marcel war allerdings nicht der einzige, dem der Berg zu schaffen machte. Immer wieder sahen wir liegengebliebene Pickups und LKWs welche teils völlig überladen waren. Einige dieser Gefährte scheinen schon seit einigen Tagen zu streiken, zumindest deuten alte Feuerstellen darauf hin und teilweise sind die Fahrer auch schon verschwunden. Bei einem Pickup lag der Fahrer allerdings hinter dem Fahrzeug mitten auf der Fahrbahn und hat geschlafen. Uns wäre das zu gefährlich gewesen.

Nach der Abfahrt, welche unheimlich Spaß machte und uns in engen Kurven, teilweise durch Bambuswälder führte, ging es zu unserem erschrecken noch einmal straff bergauf. Das wäre alles kein Problem, doch heute sitzt uns die Dunkelheit im Nacken und in der fahren wir besonders im Grenzgebiet eher ungern. Zu allem Überfluss wartete am Gipfel des Berges auch noch ein übermotivierter Armist, der nicht nur unsere Pässe sehen wollte, sondern auch noch die Taschen kontrollierte und sie auf dem Laptop und dem Smartphone einige Dokumente zeigen lies. Letztendlich ist alles gut gegangen und wir sausten in der Dämmerung nach Moreh hinein, wo wir in der „Sangai Lodge“ für zusammen 2,50€ unterkamen. Das Hotel wurde uns von Karina und Jan, die wir im Iran getroffen hatten, empfohlen. Sie hatten hier insgesamt 13 Nächte verbrecht und vom Besitzer (R.K.) in höchsten Tönen geschwärmt. Der sehr herzliche Mann verdient dieses Lob vollkommen zu recht und auch wir waren seiner Hilfe sicher und so verschaffte er uns sehr leckere Nudeln zum Abendbrot und als Nachtisch gab es Milchreis. Klasse!

Moreh war die erste und einzige indische Stadt in der Alkohol ganz offen auf der Straße verkauft wird. Auch wir ließen uns das sehr leckere Bier der Marke „Myanmar“ schmecken, bevor wir im Doppelbett zu dritt schlafen gingen.

15.1.

Mal wieder einen Tag Pause.

Den Vormittag hatten wir gemeinsam mit Christian aus Norwegen verbracht. Da er bereits seit einer Woche auf sein Permit wartet, konnte er uns die Grenzstation zeigen und uns schon einmal kurz mit nach Myanmar zu den Grenzbeamten nehmen. Machte nen guten ersten Eindruck dieses Myanmar. 🙂

Das Permit benötigt jeder Mensch der von Indien nach Myanmar und umgekehrt, über den Landweg einreisen möchte. Erhältlich ist es bei der „Seven Diamonds Travel Agency“ in Yangon. Wir haben uns um dieses Permit schon seit vielen Monaten gekümmert und so wurde uns an der Grenze bestätigt, dass der Grenzübergang kein Problem sei. Der Norweger hingegen kam ohne Permit an die Grenze und musste eine Woche darauf warten und zusätzlich 125$ anstatt der üblichen 100$ löhnen.

Nach der Grenze zeigte uns Christian auch noch den Grenzfluss, in dem wir baden gehen konnten. Klasse!!! Das erste mal planschen seit dem Schwarzen Meer.

Für die arbeitende Bevölkerung waren wir auch eine Attraktion. Sie sammelten Steine aus dem Fluss, die andere Personen, darunter auch Kinder, nebenan mit dem Hammer zerkleinerten und so Kies produzierten. Klar wir haben schon davon gehört, dass es solche Arbeiten gibt, aber so etwas dann in echt zu sehen, ist schon etwas betrübliches. Da sitzen Kinder da und zerkleinern Steine mit dem Hammer. Ich kann das kaum glauben.

16.1.

Früh am Morgen hatte die Frau des Hotelbesitzers uns ein leckeres Frühstück vorbereitet. Anschließend verabschiedeten wir uns von diesem unglaublich netten Ehepaar mit dem Versprechen ihnen eine Postkarte zu schicken. Auch Christian (der Norweger – nicht ich^^) konnte heute die Grenze überqueren. Allerdings mussten wir zuvor noch 1 Stunde warten, da sich die indischen Beamten ein Päuschen gegönnt hatten. Die ganze Prozedur hatte sich dann so lange hingezogen, dass wir uns dazu entschlossen hatten an dem Tag die Grenzstadt Tamu nicht mehr zu verlassen. Wir hatten einfach keine Ahnung, ob wir in der verbleibenden Zeit ein Dorf erreichen könnten und Wildcampen wollten wir im Grenzgebiet nicht. So ging es also ins Hotel, welches Internet versprach, aber dann leider doch keins hatte.

Der Grenzübergang zwischen Indien und Myanmar an sich, ist im Übrigen erst seit 15 Monaten für den Tourismus geöffnet. Die meisten wissen das auch noch nicht und so wird man im Grenzbereich so gut wie keine Touristen antreffen. Wir haben in einem deutschen Radforum von der Möglichkeit der Grenzüberquerung erfahren, da waren wir schon auf Reisen. Ohne den Beitrag hätten wir wohl von Teheran aus gleich nach Myanmar fliegen müssen (Danke an Karina und Jan dafür!). Überhaupt haben seit Öffnung der Grenze wohl nicht viel mehr als 200 Individualreisende die Grenze überquert. Laut R.K. ist der überwiegende Teil davon aus Deutschland und mit dem Reiserad unterwegs. Dennoch sind es so wenige, dass wir schon ewig keinen Pedalritter mehr gesehen haben.

An unserem ersten Abend in Myanmar sind wir noch schick essen gegangen. Es gab Reis mit Dahl sowie Gemüse und war ziemlich lecker. Außerdem war das Essen zum ersten mal seit einem Monat nicht mehr scharf. Eine Wohltat für unsere Zunge! 🙂

17.1.

Es ist morgens 7 Uhr und eine Person kommt in das Zimmer, in dem Marcel und ich gerade noch geschlafen haben. Außerdem betritt mit dieser Person ein Kuchen, in dem Kerzen stecken den Raum. ES IST MARCELS GEBURTSTAG!!! Neben dem Kuchen gibt es auch noch einen Rock, den hier sehr viele Männer tragen und eine Warnweste, die als „Schwarzer Peter“ von Geburtstagskind zu Geburtstagskind wandert.

Wir halten uns aber nicht lange auf und so geht es raus auf die Straße und direkt zum ersten von zwei Polizei-Check-Points am heutigen Tag. Anschließend tut sich uns eine Straße auf, die weit besser ist, als wir zu hoffen gewagt hatten. Die Strecke ist größtenteils eben, der Asphalt in einem guten Zustand und es ist kaum Verkehr auf der Straße. Das vorrangige Verkehrsmittel sind PS-arme Motorräder, es kommt aber auch vor dass ein Ochsenkarren den Weg kreuzt. Außerdem fahren wir jetzt wieder auf der rechten Spur.

Der erste Tag in einem neuen Land ist für uns immer etwas besonderes. Es gibt so viele neue Eindrücke und heute passt einfach alles. Die Landschaft ist wunderschön und wir haben die ganze Zeit rechts neben uns die Berge im Blick, welche bereits zu Indien gehören. Auch die Menschen haben es uns vom ersten Tag an angetan. Sie starren genauso interessiert wie die Inder und Inderinnen auf die 3 Weißen, die da auf dem Fahrrad vorbeikommen, doch sie grüßen gelegentlich auch von sich aus, im Gegensatz zu ihren Nachbarn. Freudig grüßen wir zurück. Sagen wir dazu noch „Mingalar ba“, was so viel heißt wie „Hallo“, dann kommt es vor, das uns die Worte noch einmal im Chor entgegenschallen. Mich persönlich freut es immer sehr, dass wir den Menschen mit unserem bloßen vorbeiradeln schon eine Freude bereiten. Das wir etwas zurückgeben können, an die Menschen, die uns so herzlich in ihrem Land willkommen heißen.

Insgesamt wirkt das Leben in Myanmar viel entspannter als in Indien. Auch ist es wesentlich ruhiger und das nervige Gehupe hat ein Ende. In Indien sind etliche Verkehrsteilnehmende der Meinung hupen zu müssen, sobald sich etwas auf der Straße bewegt.

Ich merke gerade, Indien kommt etwas schlecht weg. Das kann ich so nicht stehen lassen! Wir hatten eine sehr schöne Zeit dort, nur war der erste Eindruck von Myanmar eben ein sehr positiver. 🙂

Zum Mittag Essen haben wir uns wieder in ein Restaurant begeben. Auch hier war das Essen super, wie schon am Vorabend. Zu meiner Freude konnten ich mir außerdem noch ein kühles Bierchen im Humpen bestellen. Auch unseren beiden Guids, die uns zum Lokal geführt hatten, spendierten wir eine Runde Bier. Die Jungs konnten nämlich Englisch und somit den Lokalbesitzern klar machen, das wir Vegetarier sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach, obwohl wir das birmanische Wort für vegetarisch kennen (Mangsovirat). Aber anscheinend ist Zeichensprache nicht die Stärke der lokalen Bevölkerung.

Dieser Eindruck wurde bestätigt, als wir Abends an einem buddhistischen Kloster fragten, ob wir unser Zelt hier aufstellen dürften. Wir waren schon fast wieder gegangen, als wir doch irgendwie herausbekamen, dass wir bleiben können. Die buddhistischen Klöster wurden uns von anderen Reisenden empfohlen, da man normalerweise nur in überteuerten Touristenhotels unterkommen darf und es Privatpersonen verboten ist Reisende bei sich aufzunehmen. Die Mönche genießen allerdings ein solch hohes Ansehen, dass wir bei ihnen problemlos bleiben konnten, zumal es weit und breit kein Hotel gab.

Der Abend mit den Mönchen und den vielen anderen Menschen die sich hier aufhielten wurde zu einem sehr spannenden. Wir wurden von allen Seiten bestaunt und man versuchte irgendwie mit uns zu kommunizieren. Irgendwann führte man uns in einen Raum mit einer erhöhten Stufe. Auf dieser Erhöhung nahmen die Mönche platz, während wir und die anderen Menschen darunter Platz nahmen. Dann wurde uns, und nur uns, Tee und Essen serviert. Mir war das ganze etwas unangenehm, da wir sicherlich deutlich mehr finanzielle Mittel hatten als alle anderen Personen im Raum. In Myanmar ist das aber anscheinend ein Zeichen der Gastfreundschaft.

Später packte ich dann noch meine Familienfotos aus, welche ich oft zeige, wenn wir aufgrund der Sprachbarriere kaum mit den Menschen kommunizieren können. In Windeseile wurde ich von allen Seiten bedrängt und so viel Interesse an meiner Familie hatte ich überhaupt noch nicht erlebt. Sogar die Mönche machten einen langen Hals von ihrer Stufe herunter.

Mit vielen spannenden Erlebnissen im Kopf gingen wir dann schlafen, wobei wir den Haufen der Interessierten kaum loswerden konnten. Erst als wir schon auf unseren Luftmatratzen saßen entschieden sie sich zu gehen.

18.1.

Frühs ging es zeitig raus. Unterstützt wurden wir dabei von einem Mönch, der die Straßenbeschallung in Form von von Kindern gesungen Liedern auf volle Lautstärke stellte.

Als kleines Zeichen unserer Dankbarkeit für die kostenlose Unterkunft haben wir dann Brot und Früchte dagelassen. Leider hatten wir nun selbst kein Frühstück mehr, weswegen wir bis zum nächsten Ort fahren mussten um uns dort eine Art Bananenbrot im Blatt eingewickelt, zu kaufen.

Auf dem Weg dahin wurden wir von einem Polizisten auf dem Motorroller eskortiert. Er war auch schon am Vorabend im Kloster um unsere Personalien aufzunehmen. Im Pass vorzeigen sind wir ja mittlerweile wirklich Profis. 🙂

Nach dem Frühstück fuhren wir zusammen mit unserem neuen Freund weiter. Nach insgesamt 15km verabschiedete er sich allerdings von uns und mit ihm die gute Straße. Es gab immer wieder Abschnitte mit festgefahrenen Steinen und völlig ohne Asphalt. Wir waren wohlgemerkt auf einer Straße die im Navi und auf der Karte eingetragen war, als wäre es in Deutschland eine Bundesstraße.

Kalewa konnten wir dennoch schon 11 Uhr erreichen, wo wir zu Mittag speisten. Genauer genommen Marcel und ich, denn Jule ging es im Magen rum und sie setzte eine Mahlzeit aus. Jule hat schon seit ein paar Tagen immer mal wieder Magenschmerzen und Unwohlsein, aber nichts schlimmes.

Nach dem Mittag versuchten wir die Brücke über den Fluss zu finden, um Richtung Shwe Bo weiterzureisen. Wir konnten allerdings keine Brücke und noch nicht einmal eine Autofähre finden. Später sollte uns klar werden, das so etwas gar nicht existiert. Wir setzten jedoch fürs erste mit einem schmalen Holzboot über, welches von zwei Frauen manövriert wurde und auf das unser Gepäck + Räder geradeso passte. Eine wirklich abenteuerliche Sache, wie wohl auch die anderen Menschen am Strand fanden. Jedenfalls schauten sie begeistert dem Treiben zu.

Auf der anderen Seite haben wir uns auf die Suche nach der Bundesstraße begeben und mussten dafür einen unfassbar steilen Weg passieren, bei dem sich Sand und Steine abwechselten. So rollten wir einige Kilometer im Schneckentempo dahin, wobei wir auch ganz viel schieben mussten. Die Straße wollte aber einfach nicht auftauchen. Nach einer ganzen Weile erreichten wir eine Siedlung mit 5 Hütten. Wir kauften ein bisschen Wasser ein und fragten einen Lastwagenfahrer, der uns kurz zuvor überholt hatte und nun eine Pause machte, ob er uns mitnehmen könnte. Zu unserer Zufriedenheit war die Antwort positiv und wir hievten all unseren Krempel auf die leere Ladefläche seines Kippers. Wir waren sehr froh, dass wir mitgenommen wurden, denn in diesem Terrain konnten wir einfach nicht vorankommen.

Auf der Ladefläche bekamen wir jedes Loch und jeden der zahlreichen Steine mit. Was für uns eine Menge Spaß bedeutete, war für die Räder leider weniger lustig. Besonders heikel waren die Holzbrückchen, da diese sehr harte Schläge mit sich brachten. Ein wunder, dass der LKW hier überhaupt passieren konnte.

Als wir so auf dem LKW standen wurde uns auch zusehends klar, dass wir unsere Bundesstraße schon gefunden hatten – wir befuhren sie gerade. Einfach unfassbar, was einem hier als wichtige Hauptstraße verkauft wird. Damit ihr einen Vergleich habt: in Deutschland wäre das nicht einmal eine Forststraße gewesen.

Nach geschätzten 25km hielt der LKW-Fahrer an und wir verließen die Ladefläche. Leider konnten wir ihm nicht begreiflich machen, dass wir gerne noch ein Stück mitfahren würden, da er in die selbe Richtung fuhr. Dennoch vielen Dank fürs mitnehmen!

Da waren wir nun also im Örtchen Thickegyin und unsere Laune war, ob der immer noch schlechten Straße, nicht gerade am Höhepunkt. Als sich unsere Räder kurz nach Ortsausgang auch noch im Sand festgruben, überlegten wir nach Kalewa zurückzukehren und mit einem Boot weiterzufahren oder eine andere Straße zu suchen.

Fürs erste fuhren wir aber zurück nach Thickegyin. Hier nahmen sich ein paar sehr nette Frauen unser an. Wir durften unser Zelt im Garten aufstellen und bekamen sogar noch ein schmackhaftes Abendbrot. Auch versuchten sie uns einen Fahrer zu organisieren, der uns nach Taze bringen würde. Als dieser uns jedoch die utopische Summe von 180$ nannte, lehnten wir ab.

18.1.

Am nächsten Morgen bekamen wir einen Tee und gefüllt Rollen spendiert. Die waren so fettig, dass sie schon fast nicht mehr essbar waren. Außerdem wurde Jule mit der traditionellen Bemalung verziert. Dazu wird eine Paste aus einem Stamm gewonnen und dann ins Gesicht geschmiert. Je nach Region sieht das Muster unterschiedlich aus, ist allerdings nicht sehr aufwendig.

Wir hatten uns einstweilen doch für weiterradeln entschieden und wollten das erstbeste Fahrzeug anhalten, welches uns passieren würde. So viel sei vorweg genommen: es sollte uns am ganzen Tag nur ein einziges vierrädriges Fahrzeug überholen und das war ein Traktor ohne Anhänger. In der Gegenrichtung waren immerhin ca. 10 LKW unterwegs. Ganz schön was los auf dieser „Bundesstraße“. Die meisten Personen bewegten sich mit Motorrollern fort, aber auch das waren nicht all zu viele.

Die ersten Tageskilometer mussten wir unsere Räder immer wieder schieben, da sie sich im Sand festfraßen. Dann wurde die Straße besser und wir kamen mit 17 km/h gut voran. In dieser Phase passierten wir auch unseren 6000 Kilometer auf unserer langen Meile. Nach ca. 30km wurde die Straße leider wieder schlechter, besonders der Sand machte uns zu schaffen, der uns immer wieder zum schieben zwang.

Auch die fettigen Rollen meldeten sich bei Marcel wieder an und nahmen einen anderen Ausgang als vorgesehen. Wir waren also dazu gezwungen 2 Stunden zu pausieren. Zum Glück waren wir gerade bei einem kleinen Lokal, wo Jule und mir ein schmackhaftes Mittagessen pünktlich 11:30 Uhr zubereitet wurde. Wir nehmen langsam typische Deutsche Zeiten an. Auch stehen wir mittlerweile auf, sobald es hell wird.

Nach der Pause wurde der Weg weniger sandig, dafür mussten wir aber wieder über knüppelharte Hügel. Es ging nie lange bergauf, aber eben immer wieder und Flachstücke waren nicht mehr vorhanden.

Auf einem der Hügel entschied sich Marcel, der immer noch nicht wieder ganz fit war, am Rande der „Bundesstraße“ Kacken zu gehen. Just in diesem Moment kam ein Moped vorbei und die beiden Passagiere hielten sogar noch neben uns an, um mit uns zu quatschen. Es interessierte sie überhaupt nicht, was Marcel da gerade machte. Für Jule und mich war der Anblick allerdings zu herrlich. 🙂

Nach insgesamt 45 Kilometern mussten wir dann der Strecke Tribut zollen und erschöpft vom Rad steigen. Es zwingt uns ja auch keiner weiter zu fahren und Zeit haben wir ja. Im Wald, der uns die ganze Zeit umgab, fand sich dann auch ein schönes Fleckchen für unser Zelt und so waren wir einmal mehr von einer gewaltigen Geräuschkulisse umgeben: Wir hörten fast nichts. 🙂

Es war wirklich unglaublich still. Nur das zirpen der Grillen und ein paar Vögel waren zu hören. Hin und wieder hörten wir auch wie ein motorisiertes Gefährt sich die Hügel rauf und runter quälte (warum soll es denen besser gehen als uns?^^).

Zum Abendbrot gab es die mitgebrachten Reste vom Mittag und Fertignudeln, welche wir noch aus Indien im Gepäck hatten und dann ging es auch schon recht bald ins Bett.

19.1.

Der Tag beginnt so wie der letzte aufgehört hat, nämlich mit Essen. Heute wie auch schon die letzten Tage steht Zuckerbrot mit Tomaten, Marmelade und Früchten auf dem Speiseplan. Wirklich glücklich macht einen das auf Dauer nicht, aber die Frühstückskultur in Südostasien ist eben nicht die gleiche wie in Europa.

Dann ging es aufs Rad. Nach 8 Kilometern bekamen wir etwas zu Gesicht, was wir schon lange nicht mehr gesehen hatten: Asphalt. Noch gab es ihn bloß stückchenweise und bei besonders steilen Bergen, bei denen unsere Räder sonst durchgedreht hätten, aber immerhin. Der Asphalt zeigte auch eine weitere wunderbare Eigenschafte, so kann man auf ihm herrlich dahinrollen und wird nicht durchgeschüttelt. Wir können Asphalt absolut weiterempfehlen! 🙂

Auch heute hatten wir wieder Mittagessen bei ein paar kleinen Hütten. Auch heute war es wieder viel zu viel und wir haben uns noch eine gute Menge für das Abendessen eingesteckt. Auch gab es 3 Flaschen Wasser geschenkt, nachdem wir am Vortag Bananen bekommen hatten.

Die besser werdende Straße, wurde immer wieder von sandigen Abschnitten abgelöst. Irgendwann begann dann der Verkehr rapide zuzunehmen und dann kam da auf einmal Asphalt und eine Stadt. Nach der Stadt verschwand der Asphalt ein letztes mal und es gab noch einmal Sand und eine Menge Steine auf der Fahrbahn zu bestaunen, ehe der Asphalt endgültig unter unseren Rädern zurück war. Noch ehe wir es selber realisierten waren wir in Taze, dass erklärte uns jedenfalls der Polizeichef, welcher uns zu einer Passkontrolle in sein Büro hereingewunken hatte. Da es schon relativ spät war, bestand er darauf, dass wir ein Hotel aufsuchen müssten, wozu wir an sich auch verpflichtet sind, es aber wegen der hohen Preise nur ungern tun. Mit Hilfe der Polizei wurde uns aber ein Zimmer organisiert, in dem wir zu dritt für 9€ schliefen. Auch konnten wir Staub und Schweiß endlich mal wieder von uns abspülen. Zum Hotel selbst wurden wir von 3 Polizisten auf Mopeds eskortiert und diese besprachen dann auch alles mit dem Hotelbesitzer. In dem Moment passierten 2 kanadische Reiseradler die Straße. Die ersten Pedaleure die wir seit dem Iran gesehen hatten. Sie entschlossen sich spontan dazu die Nacht im gleichen Hotel zu verbringen und so konnten wir bei einem kühlen Bierchen der Marke „Myanmar“ ein paar Geschichten austauschen. Im Übrigen hatten wir zu dem Zeitpunkt kaum Geld (man findet nicht überall einen Geldautomaten) und generell haben wir auf die beiden Jungs, die bereits im Berufsleben stehen, wohl einen eher ärmeren Eindruck hinterlassen, so dass sie uns zum Bier eingeladen haben. Vielen Dank dafür! 😉

Nun sitze ich hier im Bett und tippe die letzten Zeilen des Berichtes ein. Neben mir schläft Marcel bereits und Jule schreibt Tagebuch.

Indien, zweiter Bericht von Jule

Indien!

05.01.2015

Endlich wieder radeln!
Morgens verlassen wir nach drei Wochen endlich mal wieder die großen grauen Städte. Fast haben wir vergessen, wie man seine Satteltaschen am Rad befestigt und die Gänge wechselt- aber nur fast! Wir holpern über die schlaglochlastigen Pisten aus Guwahati raus und zuckeln zur nächsten Brücke, die über den Brahmaputra-Fluss führt. Der ist unglaublich breit und sehr hübsch. Wir fahren parallel zu einem neuen Brückenteil, der gerade gebaut wird, und bestaunen die gewaltigen Stahlbetonkonstruktionen, die da ins Wasser gesetzt werden. Unter unserer Fahrspur rattern Züge im zweiten Level der Brücke. Überall ist tierisch viel Verkehr, aber im Endeffekt ist es soo viel entspannter, als wir uns Indien nach den Berichten anderer Menschen vorgestellt hatten. Wir dachten, dass das Radeln auf Indiens Straßen die Hölle wird, dabei ist es tatsächlich total mit dem Iran vergleichbar und nicht sonderlich gefährlich (wenn man nicht auf deutsche StVO besteht).

Unser Highlight des Morgens ist aber mal wieder so richtig „Indien“: wir fahren an einem Mann vorbei, der offiziell aussieht und einem anfahrenden Bus mit einem langen Knüppel oder Stiel ordentlich zwei übers Hinterteil zieht. So, wie man einer seeehr bräsigen Kuh klar machen würde, dass sie weiter gehen soll- nur, eben, dass es sich um einen jetzt noch weiter verdellten Bus handelt =)
Auf der nördlichen Flussseite angekommen, trennen uns nur ca. 50 km Luftlinie vom Himalaya-Staat Bhutan, der mich persönlich immer sehr fasziniert, weil Bhutan als erster Staat der Welt offiziell nicht nur Wirtschaftsfaktoren, sondern auch das „Glück“ der Menschen in seine politischen Ziele aufgenommen hat (ich hab da eine sehr hübsche Doku gesehen, „What happiness is“). Leider sehen wir von Bhutan nichts, weil die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass man nie bis zu den Bergen schauen kann. Das ist sehr, sehr schade, denn wie oft kommt man schon so nah am Himalaya vorbei?!
Wir fahren dann auf kleinen Straßen parallel zum Fluss und erleben endlich ein Indien, dass nicht in der Stadt spielt. Die Besiedlungsdichte ist dennoch sehr hoch und es gibt kaum mal ein paar hundert Meter, auf denen keine Bambushütte oder ein kleines Betonhaus steht. Sehr oft die die Häuser der Menschen hier aus Holz, meist Bambus, gebaut und dann mit Lehm verputzt, dazu stehen sie an einem kleinen braunen Teich und außen rum stehen ein paar Kokos- und Bethelnuss-Palmen, Bananen und ein kleiner Bambuszaun. Bambus ist eh das weit überwiegende Baumaterial, auch die Baugerüste in den Städten sind zB meist einfach miteinander verknotete Bambusstämme. Das sieht abenteuerlich aus und ist total beeindruckend!
Unsere Straße führt uns also unter vielen Kokosnüssen und Bananen vorbei, alle Menschen am Wegesrand schauen uns entgeistert und begeistert an und ständig stehen Kühe und Ziegen auf der Straße. In den Wiesen neben der Straße grasen Wasserbüffel, man sieht viele Störche und auch mal einen Marabu und überall werden irgendwelche Lebensmittel angebaut. Tatsächlich fahren wir auch durch ein Dorf, in dem eine Familie gerade eine Horde Affen aus ihrer Hütte jagt! Da stehen wir also mit unseren Rädern direkt neben einer Affenfamilie!

Christian schaut sich Affen an
Christian schaut sich Affen an

Bei unserer Mittagspause setzt sich ein lustiger Mann zu uns, der kein Englisch spricht und in regelmäßigen Abständen feststellt, dass wir kein Hindi sprechen. Er macht Segnungsgesten, berührt unsere Füße und dann seinen Scheitel und scheint sich offensichtlich sehr zu freuen, dass wir mit ihm unser Brot teilen. Er ruft auch noch einen Freund ran und schenkt dem meine letzte Banane und dann verabschieden wir uns =)
DSCF5866
Wir fahren an einem Mann vorbei, der gerade mit einer langen Bambusstange Kokosnüsse von einer Palme schlägt und kommen abends in einem kleinen Ort an, in dem wir uns ein Hotel nehmen. Wir wissen noch nicht, wie die Menschen hier drauf sind und ob wir weiter abends an den Türen klingeln können und fragen, ob wir das Zelt auf den Hof stellen können. Noch sind wir hier ein wenig wie Außerirdische. Und wild zelten kommt nicht in betracht, dafür sind hier viel zu viele Menschen und außerdem wohl auch haufenweise wilde Tiere, vor denen wir ordentlich Respekt haben. Das Hotel aber ist ganz nett, es hat einen schönen Garten und der Sohn des Besitzers ist sehr offen und freut sich über ein wenig Unterhaltung mit uns.

06.01.
Weiter geht die Fahrt durch diese Landschaft und immer, wenn wir anhalten, um ein paar Bananen zu kaufen oder einen Schluck Wasser zu trinken, bleiben Menschen um uns stehen und starren uns einfach nur an. Teilweise stehen nach 5 Minuten 15, 20 oder 30 Leute in einem Kreis um uns herum, machen wild Fotos mit ihren Handys und betrachten uns stumm von allen Seiten. Mir ist das tierisch unangenehm.
Unsere Mittagspause wollen wir irgendwo machen, wo nicht so viele Leute um uns rum stehen, deswegen biegen wir ein paar Meter in die Felder einer Teeplantage ein (wo es auch einfach sehr hübsch ist). Nach wenigen Minuten aber stehen wieder unglaublich viele Menschen um uns herum, betrachten uns und die Räder und sind einfach nur verblüfft. Das ist surreal!
DSCF5876
Am Abend erreichen wir Tezpur, eine mittelgroße Stadt, und nehmen wieder ein Hotelzimmer. Ich komme mir ziemlich weit weg von den Menschen vor und fühle mich in den Hotels sehr eingesperrt und vermisse die Zeit im Iran, wo wir keinerlei Hemmung hatten, immer mal die Menschen zu fragen, ob wir bei ihnen übernachten könnten. Im Iran hatten wir viel mehr Kontakt zu der Bevölkerung, wurden ständig zum Tee eingeladen und haben viel über die Kultur lernen können. Hier beschränkt es sich bisher meist auf angestarrt werden und sich abends im Hotel abkapseln, das macht mich traurig.

07.01.
Von Tezpur aus starten wir morgens in dichtem Nebel. Wir überqueren wieder den Brahmaputra, wobei wir wirklich nur eine graue Nebelwand sehen. Die Brücke scheint ins Nirgendwo zu führen.
DSCF5885
Dann radeln wir auf der Südseite des Flusses weiter, gegen Mittag kommt die Sonne raus und wir erreichen die Ausläufer des berühmten Kaziranga-Nationalparks, der laut meines Reiseführers 2/3 der weltweiten Population an indischen Panzernashörnern beheimatet. Während wir hier durch die beeindruckend schöne Landschaft tingeln, fahren wir zu unserer großen Begeisterung schon an einigen Hinweisschildern vorbei, die vor kreuzenden Elefanten warnen und darauf aufmerksam machen, dass Tiger, Nashörner und Elefanten Vorfahrt haben, falls sie vorbei kommen sollten =) Und tatsächlich: nach einer Kurve sehen wir vor uns zwei domestizierte Elefanten auf der Straße langeiern, mit ganz viel Grünschnitt und ein paar Männern auf dem Rücken
DSCF5891
Wir überholen die beiden Dickhäuter und halten davor einmal am Straßenrand an, um sie uns nochmal aus der Nähe anzusehen, und als die beiden dicht an uns vorbei kommen, betasten sie uns und das Rad auch einmal kurz mit dem Rüssel. Waaa!
Noch etwas weiter sehen wir dann auf der linken Seite der Straße, vielleicht 500 m von uns, ein Nashorn grasen. Wir lassen uns in der Nähe von vielen anderen indischen Touristen am Straßenrand nieder und machen unsere Mittagspause mit Rhino-Blick. Verrückt, sag ich euch!
Als wir später weiter fahren, bleibt irgendwann ein Jeep neben uns stehen und zwei deutsche Touristen hüpfen raus und stellen sich vor. Die beiden sind auch Vielreisende und große Fotografen und sind die ersten europäischen Touristen, die wir seit Kolkata sehen. Gegen Nachmittag kommen wir im zentralen Touristenkomplex in der Nähe des Parkeingangs an und dürfen unser Zelt im Garten eines Hotels aufstellen. Der Manager ist sehr begeistert von uns und dem Zelt. Und überall um unser Zelt hüpfen Affen herum!

 

Im Hintergrund auf der Mauer die Äffchen...
Im Hintergrund auf der Mauer die Äffchen…

08.01.
Wir stehen schon um 6:00 auf, weil wir die morgendliche Safari durch den Nationalpark mitmachen wollen. Dafür werden wir drei von einem Jeep abgeholt und dann holpern wir auch schon querfeldein durch dichten Dschungel und sehen allerlei tolle Vögel (inkl. Eisvogel und Pelikan und Marabu!), Rhinos, Affen, Wild und, ganz toll, wilde Elefanten nur wenige Meter von uns entfernt. Der Fahrer macht extra den Motor nicht aus, um im Notfall durchstarten zu können, und tatsächlich gehen wir dem einen Elefanten irgendwann auf die Nerven, das lässt er uns spüren und wir holpern lieber weiter. Vor allem Christian ist total begeistert von diesem Ausflug.

DSCF5934
Als wir später am Vormittag wieder zum Zelt/Hotel kommen, frühstücken wir erst einmal im Hotelgarten und werden dabei sehr neugierig von Äffchen beobachtet. Wir beobachten zurück. Dann geht’s wieder auf’s Rad und bei herrlichem Sonnenschein und Sommertemperaturen weiter. Die Inder jammern alle über den kalten Winter und können sich wirklich nicht vorstellen, dass diese Temperaturen unserem deutschen Sommer entsprechen. Jetzt biegen wir irgendwann nach Süden ab und die Landschaft verändert sich. Statt am Fluss und an Reis- und Getreidefeldern entlang führt der nun hügelige Weg nur noch durch wunderhübsche Teegärten.

Wir finden sogar einen Ort, an dem wir eine kurze Pause machen können, ohne dass sich eine Traube um uns bildet. Als wir dann weiter fahren, wollen wir im nächsten Ort in einem kleinen Shop unsere Vorräte aufstocken. Wir haben Glück und eine junge Frau im Laden spricht sehr gutes Englisch, was es sehr viel leichter macht, an die sonst eher raren Nudeln etc. zu kommen. Wir unterhalten uns ein wenig und fragen sie auch, ob sie wüsste, wo wir innerhalb der nächsten Kilometer ein Hotel finden könnten, und irgendwann lädt sie uns im Namen des Ladenbesitzers, ihres Vaters, ein, bei ihnen zu Hause im Innenhof zu zelten. Das entpuppt sich als unverhofft wunderbare Erfahrung, denn Rias Familie nimmt uns sehr herzlich auf, bekocht uns königlich mit traditionellen und sehr leckeren Spezialitäten, kann uns viel über die indische Kultur näher bringen und lädt uns auch am Ende des Abends noch ein, doch bitte im Gästezimmer zu schlafen. Wir machen auch noch ein Feuer im Hof und werden einmal durchs Dorf geführt, wobei wir auf der einen Seite einiges sehen können, unsere Gastgeberin Ria aber auch einfach stolz präsentieren kann, dass sie ein paar Fremde aufgegabelt hat =) Sehr viele Selfies müssen wir machen, damit sie in Zukunft eine Batterie an Profilbildern für Facebook und co. hat.
Am späteren Abend darf ich dann wiederum mit ihr im Elternschlafzimmer schlafen, weil es nicht gern gesehen ist, wenn Frauen und Männer zusammen in einem Raum bleiben. Das ist aber auch sehr spannend, weil ich mit der sehr aufgeweckten 16jährigen über ihre Frauenrolle im heutigen Indien sprechen kann. Sehr, sehr spannend!

Thank you sooo much, Ria and Family!!

 

DSCF5997

09.01.
Morgens wird uns von Rias Mutter noch richtig tolles Frühstück gemacht, und als wir dann schon völlig überdankbar losfahren wollen, werden wir alle nacheinander nochmal auf einen Stuhl auf der Veranda gesetzt und Rias Mama segnet uns, mit einem roten Punkt und Reis auf der Stirn. Und schenkt jedem von uns dann noch einen kleinen Plastik-Ganesha, der im Dunkeln leuchtet =) Und dann machen wir noch ein paarhundert Fotos, versichern uns, dass diese tolle Familie unsere Adressen richtig aufgeschrieben hat, kriegen noch eiiiniges aus dem Laden geschenkt und setzen unseren Weg mit glückgefüllten Herzen fort. Ich kann endlich eine bessere Beziehung zu Indien aufbauen.

gesegnet werden von Rias Mama
gesegnet werden von Rias Mama

Diese verrückt fürsorgliche Familie hat auch noch arrangiert, dass wir sowohl für das Mittagessen heute (nach 40 km) als auch für die Nacht (nach 85 km) eine Verabredung haben. Also bekommen wir bei Freunden der Familie suuuper Mittagessen serviert und lernen noch mehr Menschen kennen. Auch Ria, ihr kleiner Bruder und ihr Onkel kommen mit dem Auto hinterher, um uns noch einmal zu sehen. Ah ja, auch eine SIM bekommen wir von diesen tollen Menschen, um in Indien erreichbar zu bleiben. Der Wahn!

Der Nachmittag bleibt in Erinnerung, weil wir zuerst an einer echten Schweinehälfte vorbeifahren, die auf dem Tisch einer der Straßenschlachtereien liegt. Der Vorderhälfte eines Schweins, das man auf Höhe des Bauchnabels durchgesägt und ausgenommen hat, sodass man jetzt an den Rippen vorbei durch den ganzen Hohlkörper bis zum Hals schauen kann. Omnom! Und kurz danach fährt eine Autoriksha, so ein dreirädriges kleines Taxi, an uns vorbei, aus dessen linker Seite der Vorderteil von einem leider noch lebenden Schwein raushängt. Das ist niiicht schön anzusehen.
Um so schöner hingegen ist es, dass ein anderer Onkel von Ria für uns organisiert hat, dass wir in der Stadt, in der wir abends ankommen, in einem sehr sauberen, guten Hotel untergebracht werden. Mit dem Teil der Familie haben wir leider kaum Kontakt, aber dennoch freuen wir uns enorm über die zwei (wg. Geschlechtertrennung) Zimmer, die sie für uns organisiert (und bezahlt!) haben. Wir duschen uns ausgiebig (leider kalt, warme Duschen sind hier wohl wirklich selten) und hängen dann den Abend sehr entspannt rum. Tut auch mal gut, einfach ein paar Indieneindrücke verdauen zu können!

10.01.
Heute verlassen wir den Bundesstaat Assam und fahren rüber nach Nagaland. So episch, wie das klingt, ist es auch: kurz nach der Grenze müssen wir anfangen, uns in Serpentinen durch dicht mit Dschungel und Ananasplantagen bewachsene Berge bergauf zu schlängeln. Das Panorama wird immer besser, die Berge sind dunkelgrün, lianen- und palmenbewachsen und verschwinden am Horizont im Dunst.
An der Straße stehen Stände, die Ananas, Bananen, verschiedenstes Obst und Gemüse, aber auch tote bunte Vögel und irgendwelche Nager verkaufen. Am Abend erreichen wir einen kleinen Ort, in dem wir bleiben wollen, weil die Sonne sich im Untergehen befindet und wir in der Dunkelheit wirklich nicht fahren wollen. Also fragen wir zuerst, ob es ein Hotel gibt, aber da ist in diesem Nest keine Chance. Dann wollen wir in der Kirche übernachten, werden aber weiter bugsiert zu einem wirklich schönen kleinen Bungalow auf einem Hügel über dem Ort, in dem wohl vor über 100 Jahren die britischen Kolonialherren gewohnt haben. Man fegt noch einmal aus und dann dürfen wir da schlafen =) Ganz viele Menschen kommen vorbei, um uns kennen zu lernen und man entschuldigt sich ganz oft, dass man uns besser bewirtet hätte, wenn man denn nur gewusst hätte, dass wir kommen. Die ganze Zeit wuseln eine Hand voll kleiner Jungs um uns rum, für die wieder der Inbegriff von „spannend“ sind und mit denen wir auch einen Haufen Spaß haben.

Indien 1 von Jule

Ihr Lieben,
ich schreib mal kurz einen Status Quo, damit ihr eine Idee habt, wo wir gerade rumlümmeln und warum – und weil ich mir vorstellen kann, dass wir jetzt recht lange nicht mehr wirklich gutes Internet bekommen.

Christian ist stehengeblieben bei diesem völlig unvorstellbaren Moment, als wir unsere deutschen Freunde vor einem kleinen, recht ranzigen Hotel in Kalkutta in die Arme schließen konnten. In meinem Falle hatte sich, sofern ihr das mitbekommen habt, mein Partner Jules (also „Dschuls“ und nicht mit dem Possessiv meines Namens zu verwechseln! ^^ ) von daheeme spontan entschlossen, mich hier zu besuchen, und innerhalb der letzten drei Wochen einen wahnsinnigen Aufriss betrieben, um das möglich zu machen. Vom Passbeantragen über Familienspenden sammeln bis Visa-on-arrival-Abholen hat dann doch aber alles, alles geklappt und ich weiß nicht, ob man sich meine Freude vorstellen kann, als ich ihn nach vier Monaten dumpfen bis stechenden Vermissens wieder im Arm hatte.
Hier möchten wir beide nochmal sehr, sehr groß Danke sagen, an alle, die da geholfen haben. Vor allem an meine und Jules‘ Familie und an Jamie und Moe. Ihr könnt euch nur schwer vorstellen, wie toll diese kurze Insel in der langen Trennung war.

Die zwei Wochen in Kalkutta sind dementsprechend sehr geprägt von unserem Besuch gewesen. Zunächst aber muss man betonen, dass wir tatsächlich die gute Couchsurfing-Seele Amrita gefunden haben, die uns alle sechs (!) für 10 Tage (!!) aufgenommen hat- in ihrer Wohnung haben wir einen lustigen chaotischen Haufen gebildet, haben zu viert im Doppelbett geschlafen, die freien Quadratmeter des Fußbodens besiedelt und vor allem sehr viel Spaß gehabt. Und Jules und ich haben uns auch mal in ein Hotel abgeseilt, um auch Ruhe für uns zwei zu haben.

Indien… Ist komplett anders. Ist super-chaotisch und laut, ich kann keinesfalls ohne Ohropax schlafen. Jeder, wirklich jeder Autofahrer und Motorradfahrer und Fahrradfahrer klingelt und hupt wirklich jedes Mal, wenn er oder sie um eine Ecke biegt, an einem anderen Fahrzeug vorbeifährt, jemanden überholt, wenn es ihm oder ihr nicht schnell genug geht… es ist so laut! Und es ist schmutzig, auf der einen Seite wegen des wenigen Regens in der Trockenzeit staubig, auf der anderen Seite liegen überall die Müllberge am Straßenrand. Mülleimer sucht man vergebens. Die Stadt riecht gerne nach brennendem Plastik, wenn jemand gerade einen der Müllberge „beseitigt“. Tagsüber schlafen überall an den Straßenecken Hunde wie tot, nachts machen sie einen Heidenkrach, wenn die Autos und Radfahrer wie auf ein geheimes Kommando ab ca. 23:00 Ruhe geben.
Gleichzeitig ist Kalkutta total grün- es wuchert nur so vor sich hin, Palmen, Aufsitzerpflanzen, fette Bäume und Stadt vermischen sich sehr hübsch zu einem Gebilde, das an überwucherte Tempel im Dschungel erinnert. Das gefällt mir sehr gut.
Und wir gefallen wohl den Indern sehr gut, denn gerne bleiben sie einfach neben uns stehen und betrachten uns von allen Seiten =) Aber klar, wir sind so deutlich viel größer und heller, wir stechen wirklich krass raus.
Indien ist so, so, so anders, dass ich kaum noch Fotos mache. Ich weiß einfach einerseits nicht, was ich fotografieren soll, weil wirklich alles anders und merk-würdig im Wortsinne ist. Andererseits ist das Foto auch eindeutig nicht das richtige Medium, um Indien einzufangen. Es passiert so viel gleichzeitig und dazu sind die Geräusche, das Geklingel, der Lärm und auch die ständigen Gerüche so zentral, dass ein Foto die Realität wirklich nicht annähernd wiedergäbe.

Wie dem auch sei, ich lade euch mal ein paar erste Indieneindrücke hoch und überlege nochmal, ob ich ein Video einbinde. Außerdem warten wir dann mit dem Bericht über die zwei Wochen Kalkutta auf die Gastbeiträge unserer Gäste, die sich erfreulicherweise interessiert gezeigt haben.

Derweil sind Marcel, Christian und ich jetzt wieder allein zu dritt unterwegs und bereiten uns auf’s Radeln in Indien vor. Bisher sind wir nur ein wenig in Kolkata vom Flughafen zum Fahrrad-Unterstell-Couchsurfing-Freund und von dem zum Bahnhof gefahren, was natürlich an sich schon recht spannend war. Wer kann schon am Ende seines Lebens behaupten, in Kalkutta Rad gefahren zu sein? Aber jetzt soll es wirklich mal wieder eine Radtour werden!

03.01.
Von Kalkutta sind wir eben am 03.01. 23 Stunden Zug nach Guwahati gezuckelt, wobei ich am Morgen des 03. krank geworden bin und es Christian in der Nacht im Zug erwischt hat. War aber alles grad noch so okay, sicherlich anstrengend, aber solche Durchfallsachen können (nach eigener Guatemala-Erfahrung) noch viel furchtbarer sein. Ich hatte ein wenig Bauchkrämpfe, was das Packen und das Räder-Abholen schwierig gemacht hat, aber erstaunlicherweise ging die Radfahrt durch Kalkuttas Verkehr zum Bahnhof dann wirklich gut. Dort mussten wir durch diese Massen an Menschen zum Gepäckschalter und für unsere Räder Formulare ausfüllen, damit die im Gepäckwagen mitfahren dürfen. Ein Mitarbeiter hat uns dabei geholfen und als er die Marke der Räder aufschreiben wollte, hat er fröhlich-unwissend „Unfug“ eingetragen =) (auf Marcels Lenker klebt ein Aufkleber, der für „Mehr Unfug!“ wirbt)
Am Bahnhof haben wir uns dann noch von Amrita und Risch verabschiedet, die wir beide lieb gewonnen und die uns in Kolkata seeeehr viel geholfen haben. Danke, ihr beiden!!

THANKS Amrita and Risch!! Dhonnobad!

Im Zug hatten wir die „Sleeper“-Klasse gebucht, was nach AC2 und AC3 die dritte Klasse von oben ist. Es ist die günstigste Klasse, in der man ein Bett reservieren kann.
Die Klasse ist weder schön noch besonders hässlich und damit besser als gedacht. Alles ist Metall, ein wenig Pritschenbezug, Gitter, dicke, sich drängende Ventilatoren. Immer sechs Betten sind quer zur Fahrtrichtung und schauen sich an, so wie das im deutschen Sleeper ist, aber die Abteile sind nicht durch eine Tür abgetrennt, sondern Teil eines 80-Menschen-Großraumwagens. Am Fußende der sechs Querbetten ist der Gang und dann kommen zwei Betten parallel zur Fahrtrichtung, an der Außenwand. Am Ende der Abteile sind jeweils Waschbecken, unter denen schon nach einer Stunde haufenweise ausgegessene Kokosnussschalen lagen 🙂
Das gibt’s hier nämlich an jeder Ecke: einen Stand, an dem einem zuerst eine grüne Kokosnuss geköpft wird, damit man das Kokoswasser mit einem Strohhalm raustrinken kann. Danach gibt man sie dem Verkäufer wieder und er schlägt sie komplett auf, damit man das leckere, zarte Fruchtfleisch (am besten unter Zuhilfenahme der schon abgeschlagenen Schalenstücke) auslöffeln kann.
Dann gibt’s am Ende des Zugabteils noch ein Loch-im-Boden-Klo und ein Sitzklo. Für Situationen wie diese find ich die Stehdinger ja wirklich genial!
Als wir dann unsere Sitze bezogen hatten, haben wir zunächst feststellen müssen, dass unser Fenster nicht aufgeht- ziemlich traurig, wenn man 23 Stunden durch ein Land fährt, von dem wir bisher sehr wenig gesehen haben, und das sich im nicht-städtischen Bereich bisher als wunderschön dargestellt hat. Dann sind wir fasziniert: alle 10 Minuten hält der Zug kurz an irgendeinem Bahnhof und zig Menschen steigen ein und aus- die meisten laufen laut schreiend durch die Abteile und bieten alles an, was man auf so einer Reise gebrauchen könnte. Der Zug hat offene Türen, man kann jederzeit rein- oder raushüpfen, das erklärt auch, warum alle Leute uns vor den Diebstählen während der Nacht warnen und wir nicht die einzigen sind, die ihr Gepäck unter den Sitzen festschließen. Aber der Durchgangsverkehr an Händlern ist wirklich der Wahn! Man fragt sich, wie man da nachts schlafen können soll, aber tatsächlich ist ab ca. 22:30 totale Ruhe, fast alle Leute löschen die Lichter und schlafen gleichzeitig. Und tatsächlich geht das Licht im Abteil im Gegensatz zum deutschen Schlafwagen komplett aus, es ist stockdunkel. Womit sich auch besser nachvollziehen lässt, warum man mich vor nachts grapschenden Männern gewarnt hat- aber ich lieg ganz oben, die Jungs unter mir, und bin auch in der Stimmung, jedem übergriffigen Mann ordentlich eins über die Rübe zu ziehen. Mir geht’s nämlich so mittel, mein Bauch rumort, die meiste Zeit lieg ich da auf der harten Pritsche und vertreibe mir die Zeit mit Schlafen. So bekomme ich auch bis zum nächsten Morgen gar nicht mit, dass sich Christian ab der Mitte der Nacht immer wieder übergeben musste.
Ab 5:00 morgens geht es dann auch wieder los, Männer laufen durch den Gang, steigen über die paar Menschen, die auf dem Fußboden schlafen und schreien die Schlafenden an, ob diese nicht schon einen Kaffee, einen Tee, eine Decke, ein Aufblaskissen oder irgendeine der indischen Spezialitäten kaufen wollen.
Am Nachmittag erreichen wir dann Guwahati und müssen wieder an zig unterschiedliche Stellen, um unsere Räder wieder zu bekommen. Die Mächtigkeit der Bürokratie ist lächerlich, wenn man sie mit dem Resultat vergleicht: unsere Räder liegen nämlich mehr schlecht als recht auf zig anderen Gepäcksäcken, die am Bahnhof im hohen Bogen aus dem Gepäckabteil geschleudert werden. Nur, weil wir selber Hand anlegen, ergeht es unseren Rädern da deutlich besser.

Und nachdem wir uns dann in Guwahati ein Hotel gegönnt haben, konnten wir gut genesen und zur Weiterfahrt unsere Satteltaschen wieder ordentlich packen. Nach dem Flug passen all unsere Habseligkeiten in die Hälfte der Taschen, das ist auf jeden Fall mal entspannt. Wir sind ewig nicht geradelt und mich erinnert das Gefühl ein wenig an die Tage, bevor wir Ende August aus Freiberg abgefahren sind. Noch wissen wir nicht, wie die Straßen hier aussehen, wir wissen nicht, wo wir abends landen werden, und wir wissen nicht, wie oft wir irgendwo an Nahrungsmittel kommen. Das führt jetzt gerade zu einem mulmigen Gefühl, aber zum Glück wissen wir mittlerweile, dass die Realität auf der Straße anders aussehen wird- wir werden unseren Weg finden, alles wird sich ergeben und es wird mit Sicherheit einzigartig und schön.
Marcel und ich sind vorhin schon mal zum Brahmaputra-Fluss gelaufen, an dem wir die nächsten Tage entlang fahren werden. Selbst hier in der Stadt ist er viel weniger vermüllt und viel schöner, als ich erwartet hatte. Und auf dem Rückweg haben wir bemerkt, dass das, was wir über unseren Köpfen für Vögel gehalten hatten, richtige Flughunde waren! Mit ca. 40 cm Spannweite! So richtig große Batmans!! Wahnsinn… Wir bleiben gespannt!

Auf jeden Fall geht es morgen dann weiter und weil unsere SIM-Karten (außer für Notrufe) nicht funktionieren, müssen wir auf das sicherlich nicht allzu bald auftauchende nächste Internet-Café warten, bis wir uns bei euch melden können. Also wie immer- keine Sorgen machen, wir beweisen ja ständig auf’s neue, dass wir sehr gut aufeinander aufpassen können!

Es gibt Fotos! Eilmeldung von Jule

Ihr Lieben-

da uns eine Darmerkrankungswelle in Nordindien ans (saubere, schöne, angenehme, von eurem Geld geleistete ^^) Hotelbett kettet und es hier Internet gibt, habe ich eine schöne Überraschung:

Pünktlich zum Jahreswechsel sind unsere Fotos von flickr zu Picasa umgezogen und machen nun hoffentlich viel weniger Probleme. Ihr könnt nun auf jeden Fall schonmal einen schönen Haufen Iran-Fotos anschauen.

Die Fotoalben erreicht ihr wie vorher, wenn ihr in der linken Seitenleiste auf die Fotos klickt.  Im Gegensatz zu vorher sind nun aber einzelne Länderalben verlinkt- bisher nur eines, und zwar das vom Iran. Weitere werden folgen =)

 

Außerdem schreiben wir am ersten Indien-Bericht und auch noch an einem kleinen Nachtrag zum Iran, der all das kritische beinhaltet, was wir und im Land selber nicht zu bloggen getraut haben.

Viel Spaß!

iran 10. bis 16.12. — gastbeitrag von jules muddi

iran 10. bis 16.12. — von jules muddi

jaaaa- ich hatte nun also das vergnügen, die drei reiseradler für eine woche im iran zu treffen. visumantrag ging sehr flott, & am 9.12. nachm. bin ich über istanbul nach isfahan geflogen. 40 kg freigepäck, darunter 1 kg frisches schwarzbrot, vegane aufstriche, bahlsen-kekse & mitbringsel für meine frühere kollegin ursula, mit der ich 1988, schwanger mit jule, am friederikenstift hannover zusammengearbeitet hatte und die 1990 mit ihrem mann ali und 2 töchtern in den iran gegangen war….. ich habe sie über 10 ecken im internet über amazon (sie hat ein buch über den iran geschrieben) + ihre tochter ín potsdam wiedergefunden + sie hat uns zu sich nach teheran eingeladen.- ich kam mitten in der nacht total müde in isfahan an, taxi für 5 € für eine sehr weite strecke, hotel wirkte wie aufgegeben. spaziergang im ersten morgenlicht zur 33-bogen-brücke – seit jahren hat der fluss endlich mal wieder wasser.

um 8:30 bekam ich mein zimmer, hab 3 std. wie tot geschlafen (jule hatte mir morgens gemailt, dass sie noch 75 km durch die wüste radeln müssen) + mich dann ggü. an der promenade auf eine bank gesetzt. & schon bald sah ich 2 radler kommen. stand auf (in langer jacke & schal um den kopf, also irgendwie inkognito), aber schon rief es „MAMA!“ – das war so schön. sie hatten gerade ihren 5000. km auf dem tacho gehabt! haben dann in der hotellobby schwarzbrot, aufstriche + vegane weihnachtskekse gegessen + sind dann zum wunderschönen meidan-e-imam in isfahan gegangen — nach dem platz des himml. friedens in beijing der zweitgrößte platz der welt + einer der schönsten, ich fand ihn schöner als den markusplatz. dort stießen wir gleich auf hamid, „king of the place“, der uns unaufgefordert führte, und auf leute, die die radler vorher schon getroffen hatten, das japanische paar aus der botschaft in trabzon, den älteren griech. radler konstantin — sehr nett. haben die lotfullah- oder frauen-moschee besichtigt, wunderschön, geld getauscht (1 € war 41.000 rial bzw. 4100 toman, ein paar tage später waren es schon 43.000). abends hatten „die jungs“ ein date mit ihrem couchsurfer im süden der stadt & wir mit meinem im hotel. er (ingenieur, knapp 40) war sehr hilfreich gewesen bei der preisrecherche für hotels (das geht ja im iran nicht per internet wie in anderen ländern, auch mails kommen meist nicht an oder zurück) + wir waren mit ihm zur schönen khaju-brücke & haben ihn abends in ein empfohlenes restaurant eingeladen. es gab ganz interessante gespräche, bis es auf das – wie jule sagte – übliche faible für hitler kam……

am 11.12. kamen die jungs zu uns + wir sind dann zum chehel sotun, dem palast der 40 säulen gegangen (persien hat eine große gartenkultur). an sich sind es nur 20 (jede aus einem zypressenstamm), aber sie spiegeln sich im wasser… hier habe ich das erste mal die schönen spiegelmosaiken gesehen, denen wir später noch mehrmals begegnen sollten, z. b. im golestan-palast. es gab auch schöne postkarten & eine hübsche teestube mit safran-eis. dann wieder zum großen platz, wo wir hamid gleich wiedertrafen. erstmal zum buchladen (wo ursulas buch im fenster stand!), diesmal ging es in die große imam-moschee (alles, was heute imam heißt, hieß früher schah) an der südseite des platzes, ggü. dem eingang zum basar am anderen ende. diese blauen & türkisen fliesen sind eine pracht, das war orient pur. wir haben dann in einem restaurant am platz um einen innenhof herum gegessen, überall wird man gefragt, woher man kommt, und ich denke, germany steht auf der beliebtheitsskala ganz oben – aus verschiedenen gründen: man hört immer wieder das „arische“ – sie grenzen sich ja sehr bewusst von den arabern ab – aber auch, weil deutschland keine ausbeutungsbestrebungen hatte bei öl, tabak und sonstwas, sondern viel zusammenarbeit vor allem auf technischer ebene. jedenfalls, als ich beim bezahlen am eingang (immer fürchterliche verwirrung mit den vielen nullen, zumal es mal um rial & mal um toman geht, die es offiziell gar nicht gibt) sagte „germany“, bückte er sich unter den tresen, holte eine hohner-mundharmonika hervor & spielte extra für mich – very touching. wir sind dann durch den basar, haben stoffdruckern zugesehen, waren hin & weg von der überfülle an gewürzen und haben nördlich des basars (total verwinkelt, es ging immer durch tunnel, krimifähig; ohne hamid hätten wir das nie gefunden) in einer gegend, die wohl im kommen ist, das isfahan traditional house gefunden – um einen innenhof & wunderschön. wir haben für den 12. dann reserviert und gleich die 1,4 mio. abgedrückt – das sind keine 30 €; das melal hotel am fluss hatte 50 gekostet.

am 12.12. sind marcel, jule und ich ins armenische viertel südlich des flusses, um dort die vank-kathedrale aus dem 17. jhdt. anzusehen. da gab es einen schönen shop, und drin dudelte „jingle bells“!! danach sind wir durchs jolfa-viertel + am fluss entlang zum hotel zurückgegangen, es war richtige wochenend-stimmung. überall familien und picknicks. jule + ich sind dann in das andere hotel umgezogen, das war für mich mit dem taxi ein horrortrip, denn der fahrer hatte null ahnung, null orientierung & sprach null englisch. wir haben die gr. isfahan-rundfahrt gemacht; die 3 radler warteten schon lange vor dem hotel + gingen bereits davon aus, dass er mich für 20 kamele eingetauscht hatte (blond!)……… dann ging es noch einmal alle läden entlang u. a. auf der suche nach briefmarken, und dann in ein restaurant im 1. stock mit tollen bunten glasfenstern, wo man auf einen diwan krabbelte, schuhe aus natürlich. dann war chillen angesagt, auf dem platz mit den mitgebrachten zeitungen. das ist übrigens eine große picknick-nation. ursula erzählte mir später, dass sie anfang der 80er mal in freiburg versuchten, ein visum für ali für eine reise nach frankreich zu besorgen + vor der botschaft auf dem rasen saßen, wofür sie dort sehr angemacht wurden!! heute auch anders…. gegen abend sind jule & ich mit hamid ein gr. stück bus nach norden gefahren zum kaveh terminal, um uns zu erkundigen wegen der weiterfahrt nach teheran am 13.12.- wir wollten gern in kashan einen zwischenstopp einlegen, weil das so schön sein sollte, und haben die tickets bis kashan gekauft. der 13. war ein ganz hoher feiertag, ähnlich karfreitag hier, 40 tage nach dem tod des imam hussein, & alle hatten frei (sonst wird ja sonnabend gearbeitet). es sollte um 10 h losgehen, 2,5 std. bis kashan, und an der hotelrezeption sagte man uns, wir sollten für die anfahrt zum terminal eher mehr zeit einplanen als an einem normalen werktag wegen des verkehrs- das war aber quatsch, um 8:45 h waren die straßen noch völlig frei, so dass wir um 9 h schon da waren. dann kam (gegen 10!) die spannende fahrradverladung, das fahrrad reiste teurer als sein besitzer (knapp 2 €/2,50). es ging durch karge wüste mit ein paar lehmziegelruinen + dann setzte man uns an der südlichen einfallstr. ab – weitab vom busterminal nach teheran, das hat mich doch sehr an costa rica erinnert! das ging so weiter, denn als wir so gegen 13:30 h am richtigen terminal waren, hieß es da zuerst, heute ginge kein bus mehr nach teheran. am zweiten schalter dann doch: 19 uhr. na, besser als nix! leider nur zum terminal teheran-süd, denn ursula hatte mir vorher gemailt, dass wir versuchen sollten, einen bus in richtung argentin (das ist der terminal im norden) zu buchen, weil das näher an ihnen dran ist – in der 15-mio.-stadt etwas anderes als in hannover…. christian verhandelte mit den leuten hinterm schalter, dass wir räder + gepäck dort einstellen konnten + blieb auch selbst zeitunglesend dabei. marcel, jule & ich nahmen ein taxi für 5000 (gut 1 €) in die stadt. und der fahrer war so nett!! ein pensionierter sportlehrer; machte uns den fremdenführer, wartete nach der moschee, um uns weiterzufahren – und die highlights hatten doch auf: das hamam, der boroujerdi palast, das tabatabai-haus (hier fand jule in einer seitengasse das lange gesuchte lonely planet büchlein mit farsi „phrases“) & der bag-e-fin, ältester garten persiens mit vielen quellen. als marcel & ich da wieder rauskamen, haben wir jule nicht gefunden – es stellte sich heraus, dass sie direkt am ausgang saß, umringt von jungen leuten, mit denen sie adresse & handy-nr. austauschte. so geht das da dauernd. wegen des feiertags war dann enormer rückreiseverkehr in richtung teheran, wir fuhren direkt am hellerleuchteten heiligtum der fatima von qom vorbei + es gab dann einige unfälle + staus auf der autobahn – offenbar klappt es doch nicht immer, wenn man sich nicht an die spuren hält.

um 22:30 h waren wir dann am südlichen busterminal in teheran, und ursula & ali haben uns sehr herzlich willkommen geheißen. sie hatten einen pickup für die fahrräder organisiert + einen kleinbus für uns alle. und es kam noch toller: sie wohnen seit ihrer übersiedlung aus hannover nach teheran 1990 im norden der stadt in einer doppelwohnung (zu jules großem amusement mit einer doppeltür im küchenschrank verbunden), so dass wir eine ganze wohnung für uns hatten – beide töchter sind inzwischen in deutschland. 1990 endete die stadt ungefähr hier, inzwischen geht sie wirklich direkt bis an die steile kante des elburus, und überall werden ältere häuser abgerissen + hochhäuser gebaut. ich habe geschlafen wie tot, + als ich am sonntag (14.12.) aufwachte, waren die drei schon weg in richtung indische botschaft + ursula & ali zur arbeit. aus dem wohnzimmer, nach norden, guckte man aufs schneebedeckte damavand-gebirge (5670 m), teil des elburus. mittags kam ursula zurück + wir haben uns nach einem kl. imbiss per sammeltaxi und metro (die linie 1 endet seit wenigen jahren dort im norden nahe des tajrish-platzes, noch vor 100 jahren ein bergdorf mit ziegenherden & -hirten) auf den weg in die stadt gemacht. alles (wie auch die museen) recht überheizt, irre lange züge, rappelvoll, das ganze zum spottpreis. in der city sind wir ausgestiegen (nahe der dt. botschaft, die früher im norden lag, heute ist das mitte) + sind mit jule in der zentralbank ins juwelenmuseum gegangen, nachdem wir die anderen 3 getroffen hatten – die jungs wollten sich die parolen an der ehem. US-botschaft ansehen. die juwelensammlung ist wohl die wertvollste der welt (eher durch zufall 1979 dageblieben, da sie immer in der bank aufbewahrt wurde): mehrere kronen, ein riesendiamant (180 karat) & ein globus von 60 cm durchmesser aus einigen kg gold mit gut 50.000 edelsteinen besetzt.- danach haben wir uns alle im café naderi getroffen, einem kultcafé aus den fünfzigern, wo eine musterstudentin von ursula mit dem schönen namen xxxx (Anm. der Redaktion: wir haben sie hier im Blog Fatima genannt) dazukam, die unbedingt ein paar deutsche treffen wollte (ursula ist frauenärztin wie ich, hat aber nach der übersiedlung in den iran noch ein germanistik-fernstudium gemacht + ist jetzt dozentin am spracheninstitut). es war sehr nett + es wurde beschlossen, am nächsten tag in die berge zu gehen! ali hatte dann etwas für uns gekocht + wir haben den tag glücklich, erschöpft und satt ausklingen lassen, in unserem „eigenen“ wohnzimmer – ursula mailte mir nach meiner rückkehr, dass sie sich sehr darüber gefreut hat, dass christian gegen ende sagte, er habe sich wie zuhause gefühlt. am montag (15.12.) ging der wecker um 10 vor 6 + dann ging es mit ali mit sammeltaxi los, wir haben keine halbe stunde gebraucht bis dort, wo der weg nach oben losging, eine klamm hinauf. fatima kam auf die minute dazu. und sowas glaubt man nicht: an dem weg, der einen kl. fluss begleitete, waren mehrere 100 restaurants aufgereiht, z. t. auch diwane im fluss, was bei hitze schön sein muss – da muss ja im sommer was los sein! an einem der obersten haben wir gefrühstückt; marcel & fatima sind weiter- und wir zurückgegangen + mit ali über den tajrish-basar gestromert + dann mit der metro zum golestan-palast (krönungssaal), wo im park papageien flogen. übrigens immer (bis auf den letzten tag) sehr sonnig und um die 16 grad – es kam mir nie wie dezember vor! danach sind wir über den gr. basar, wo ali sich seit kindheit an sehr gut auskennt, u. a. arbeitet da auch ein halbbruder von ihm, den wir besuchten. ein teil der unterhaltung ging an mir vorbei, ich meine, man hat versucht, jule zu verheiraten…… ;-)) mir riss an meiner kl. umhängetasche „fürs nötigste“ der henkel ab, schwupps zu einem mann mit einer gr. nähmaschine + schon war die tasche wieder heile. wir waren dann in einem restaurant am rande des basars, wo hinter uns 4 männer auf einem diwan lümmelten + wasserpfeife rauchten. dort kein WC zum draufsetzen, also habe ich an dem tag 10 std. ausgehalten…… nämlich bis zur wohnung von alis neffen (sohn des basaris), den wir dann noch besucht haben. das war auch eine erfahrung! seine frau, rebecca, behielt ihr kopftuch auf, aber ali sagte zu jule & mir, wir könnten unsere abnehmen. das habe ich später hinterfragt: na, wegen ali!! rebecca ist nur angeheiratet!! wäre sie blutsverwandt, hätte das kopftuch fallen dürfen! die 16j. tochter, die englisch gedolmetscht hat, hatte keins auf. es gab kaffee, obst & pistazien, + der kaffee war noch nicht alle, da gab es auch noch tee — sehr speziell, 6 leute, 3 sprachen & im hintergrund der fernseher mit einer türkischen serie (ohne kopftücher) —- dann hat uns der neffe im auto durch den dichten verkehr nach hause gefahren.- am dienstag (16.12.) mussten die drei reiseradler das dritte mal zur indischen botschaft + sollten ihr visum nun endlich bekommen, was auch geklappt hat. ursula hatte frei (sie haben uns wechselweise bespaßt, die guten seelen) + ist mit mir zum niavaran palastkomplex gefahren, der sommerresidenz des letzten schahs, dieses gebäude (das modernste) war allerdings geschlossen. wir haben die zweistöckige bibliothek gesehen und einen älteren palast aus der kadscharenzeit. auch hier viele grüne papageien, geräusche wie im regenwald! an dem tag war es etwas trübe + nieselte. teheran zieht sich über 1000 höhenmeter am hang hoch, die autos haben keinen kat, entsprechend sind smog + geruch, und hier oben im norden war immer schon die bevorzugte wohngegend, vor allem im sommer.- wir sind dann auch noch zum tajrisch-basar, haben die erfolgreichen visa-beschaffer getroffen, pistazien gekauft + sind dann nach hause, wo ali wieder toll gekocht hatte – reis (dort etwas bräunlich+ sehr schmackhaft) mit berberitze, das fand ich sehr lecker, etwas säuerlich, eine art tsatsiki, salat – ich hatte extra noch geld getauscht, weil ich alle am abend in ein vegetarisches restaurant einladen wollte, aber niemand hatte mehr hunger! so haben wir gepackt (ich habe viel nicht mehr benötigtes gepäck von den dreien mitgenommen, hatte einen koffer von 37 kg + eine reisetasche von fast 9 + habe von hier 2 umzugskartons an christians + marcels eltern verschickt), jule noch doppelkopf spielen beigebracht, uns ein stündchen aufs ohr gelegt + um halb zwei nachts kam mein taxi zum flughafen – wo ich die übrigen millionen auch nicht mehr ausgeben konnte….. über istanbul zurück, die drei sind 23 std. später dann nach kalkutta geflogen, dem himmel sei dank über afghanistan + pakistan hinweg — wieder mit dem pickup zum flughafen.

übrigens sind diese visabeschaffungen zu aller nerverei auch ziemlich teuer (meist um 75 pro nase), und da marcel nun erfreulicherweise als dritter radler fest dabei bleibt, ist weiterer spendenbedarf vorhanden…… ;-))

es war eine trotz der kürze sehr beeindruckende reise + ich denke, ich werde den iran nochmal bereisen, vielleicht mit der bagdad-bahn ab istanbul. ich wurde häufig gefragt „ist das nicht gefährlich?“ oder „das ist ja mutig“ – nein. stimmt nicht. abgesehen davon, dass einige leute iran mit irak verwechseln, ist es für touristen völlig ungefährlich. die gastfreundschaft + das freundliche entgegenkommen habe ich so noch nirgends erlebt + der zauber des orients + die enorme vielfalt sind höchst interessant. und nach dieser reise frage ich mich, ob die iranische revolution nicht von mehr leuten getragen wurde, als wir glauben mochten.

Alltag

Zwischen schreiben des Artikels und dem hochladen liegen 50 Tage. Wundert euch also nicht, wenn der Alltag noch an die Türkei angepasst ist.

Schon lange hab ich einen Alltagsartikel geplant, aber nun ist es soweit. 🙂

Endlich kommen auch mal die kleinen Dinge zur Ansprache, die sonst hinten runter fallen und in einem Reisebericht halt auch nichts verloren haben. Aber gerade die kleinen Dinge, die für uns eben alltäglich sind, sollen hier auch einmal erwähnt werden.

Beginnen wir nun also den Tag. In der Regel stehen wir zusammen mit der Sonne auf. Der Erste bin dabei meistens ich (Christian). Nachdem sich alle aus ihrem Schlafsack rausgepellt haben, gibt es Frühstück. Jule macht für sich und Marcel einen Kaffee und ich decke den „Tisch“ (packe den Inhalt meiner großen Ortlieb-Tasche aus). Wir präferieren für das Frühstück Ekmek (türkisch für Brot). Auf das Ekmek gibt es dann Marmelade, Schokocremé, Honig, Tahin, Käse, Haselnussbutter oder Tomatenaufstrich. Gerne werden die Sachen von Marcel und Jule auch miteinander kombiniert. Manchmal gibt es zum Frühstück auch noch die Reste vom letzten Abend. Nach dem Essen wird dann der ganze Krempel zusammengepackt und das Zelt (sofern es aufgebaut wurde) abgebaut. Anschließend werden auch noch mal die Wasserflaschen aufgefüllt mit Leitungswasser, oder gekauftem Wasser. Vom Aufstehen bis zum Po auf den Sattel heben vergehen hierbei sicherlich 2 Stunden. Euch erscheint das recht lang? Uns auch! Aber wir haben aaber keine Ahnung, wo die Zeit morgens liegen bleibt und wie wir schneller werden könnten.

Geht es dann endlich los (meist zwischen 8:30-10:30 Uhr), verabschieden wir uns herzlichst von unseren Gastgebern, so wir denn welche hatten, und machen noch ein gemeinsames Foto. Auf den ersten Tageskilometern habe ich dann meistens stark zu kämpfen, ehe meine Beine das tun was ich will. Kommt dann auch noch ein steiler Berg gleich in der Anfangsphase, fahren mir Jule und Marcel gleich davon. Besonders Marcel schießt die Berge geradezu hinauf, außer wenn es zu steil wird, dann hält er sich an das Motto: „Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt!“ Generell fahren wir eigentlich immer als Gruppe, nur an Bergen fährt jeder in seinem eigenen Tempo. In regelmäßigrn Abständen wird dann aufeinander gewartet.

Nach etwas mehr als einer Stunde radeln wird die erste Kekspause eingelegt. Generell machen wir ca. aller 60-90 Minuten eine Kekspause, um Energie nachzuschieben.

Die Mittagspause folgt dann zwischen 12:30-14:30 Uhr. Hier gibt es an sich das gleiche wie schon zum Frühstück, nur mit dem Unterschied, dass mit Hilfe von verschiedenem Gemüse von Jule und Marcel häufig Burger hergestellt werden. Christian hingegen trinkt gerne mal ein Pausenbier, vor allem wenn es warm und anstrengend ist. Nach etwas mehr als einer Stunde machen wir uns dann wieder auf den Weg.

Sofern die Etappe flach ist, fahren wir auch die ganze Zeit im Windschatten und wechseln uns dabei ca. aller 8km ab. Klar sollte man das eigentlich öfters machen, aber wenn man vorne im Wind ist, ist die Motivation auch immer besonders groß. 🙂

Nachmittags werden in der Regel dann auch wieder die Vorräte an irgendeinem dieser zahllosen kleinen Lädchen aufgefüllt. Es wird Wasser, Bier, Brot und anderer Kram gekauft. Bezahlen tun im Übrigen meist Jule oder Marcel, da sie gebührenfrei über die DKB abheben können.

Nach etwas mehr als 5 Stunden auf unseren Drahteseln suchen wir aufgrund der einbrechenden Dunkelheit eine Unterkunft. Sind wir in großen Städten, dann nutzen wir Couchsurfing oder Hotels. Lieber aber befinden wir uns in kleinen Dörfern, wo wir meist gleich beim ersten Haus anfragen, ob wir unser Zelt im Garten aufstellen dürfen. Fast immer dürfen wir das auch oder werden sogar hereingebeten und bekommen etwas zum Abendbrot sowie Cay (Türkischer Tee) angeboten. Diese Angebote werden im Übrigen mit Nachdruck ausgesprochen und lassen sich kaum ablehnen, was wir ja in der Regel auch nicht wollen, da wir gern in den Kontakt mit Menschen kommen. 🙂

Für den Fall das wir selber kochen, machen wir uns meist einen Gemüsepamps, mit dem was eben da ist und als Beilage gibt es Nudeln, Reis, Linsen oder Couscous. Unsere Küchenchefin ist dabei meist die Jule und Marcel und ich sind die Schnippler.

Vor dem Essen wird aber noch das Zelt aufgebaut und ich trinke ein Feierabendbierchen (EFES). Jule hingegen präferiert Tuborg. Weitere Sorten gibt es in der Türkei auch kaum und auch Marcel, hat hier noch kein alkoholfreies Bierchen bekommen.

Nach dem Essen wird dann noch ein Skat geklopft, Tagebuch, Homepagebericht und SMS geschrieben oder, sofern vorhanden, mit den Gastgebenden gequatscht. Sind wir bei Couchsurfern, können wir Gespräche führen die in die Tiefe gehen. Sind wir allerdings bei der Landbevölkerung zu Gast bleibt das Gespräch, aufgrund der Sprachbarriere eher oberflächlich, aber nicht minder Interesant. In diesen Fällen versuchen wir uns mit dem Point-It, einer Vokabelliste, digitalen Übersetzern sowie Händen und Füssen weiterzuhelfen. Auch Familienfotos kommen immer gut an, da dass die Leute interessiert.

Nach einem anstrengenden Radeltag, bei dem wir immer so zwischen 60 und 100 Kilometer radeln (neuerdings auch mehr), brauchen wir auch eine gute Mütze voll Schlaf. Am meisten davon braucht Marcel, der nicht nur als letzter aufsteht, sondern auch als erster ins Bett geht. Schlafen gehen heißt für uns im Übrigen zwischen 20-1 Uhr anfangen zu ratzen. Die Zeiten variieren je nach Unterkunft und dem verfügbaren Licht sehr stark. Heut sind wir z.B. mal wieder im Zelt, weswegen keiner länger als 21:30 Uhr aufbleibt.

An sich ist damit auch ein ganz gewöhnlicher Radeltag zu Ende, außer er hält nachts noch die Höchststrafe bereit und man muss raus in die Kälte, weil man es einfach nicht mehr aushält und unbedingt pullern muss.

Was mir auch einfällt, aber nicht in den Beitrag gepasst hat:

Irgendwann am Tag trinken wir mindestens eine Tasse Cay, meistens aber mehr. Das türkische Nationalgetränk gibt es hier überall für oftmals nur 1 türkischen Lira (ca. 35 Cent) zu erstehen und schmeckt wirklich unheimlich lecker. In den Restaurants und Teestuben können wir so auch immer für wenig Geld deren Internet nutzen. Nicht selten gibt es das Heißgetränk auch ganz umsonst oder im Gegenzug zu ein paar Radstorys der verrückten Deutschen, die mit dem Fahrrad um die Welt reisen.

Hätte ich den Artikel im Übrigen vor einem Monat geschrieben, wie eigentlich geplant, hätte dieser etwas anders ausgesehen. Zum Frühstück hätte es z.B. Müsli gegeben und übernachtet hätten wir fast immer im Zelt. Außerdem war das noch die Zeit, in der Ena uns zu Höchstleistungen angetrieben hat und Mücken sowie Hunde furchtbar nervig waren. 🙂

In einem Monat wird unser Alltag bestimmt wieder ganz anders aussehen und dann werden wir erneut davon berichten.

Es verbleibt mit besten Grüßen

Lazy Biker Chris 🙂

— auf dem lang(sam)en Weg nach China —