Myanmar

Myanmar 1 von Chris:

 

16.1.

Früh am Morgen hatte die Frau des Hotelbesitzers uns ein leckeres Frühstück vorbereitet. Anschließend verabschiedeten wir uns von diesem unglaublich netten Ehepaar mit dem Versprechen ihnen eine Postkarte zu schicken. Auch Christian (der Norweger – nicht ich^^) konnte heute die Grenze überqueren. Allerdings mussten wir zuvor noch 1 Stunde warten, da sich die indischen Beamten ein Päuschen gegönnt hatten. Die ganze Prozedur hatte sich dann so lange hingezogen, dass wir uns dazu entschlossen hatten an dem Tag die Grenzstadt Tamu nicht mehr zu verlassen. Wir hatten einfach keine Ahnung, ob wir in der verbleibenden Zeit ein Dorf erreichen könnten und Wildcampen wollten wir im Grenzgebiet nicht. So ging es also ins Hotel, welches Internet versprach, aber dann leider doch keins hatte.

Der Grenzübergang zwischen Indien und Myanmar an sich, ist im Übrigen erst seit 15 Monaten für den Tourismus geöffnet. Die meisten wissen das auch noch nicht und so wird man im Grenzbereich so gut wie keine Touristen antreffen. Wir haben in einem deutschen Radforum von der Möglichkeit der Grenzüberquerung erfahren, da waren wir schon auf Reisen. Ohne den Beitrag hätten wir wohl von Teheran aus gleich nach Myanmar fliegen müssen (Danke an Karina und Jan dafür!). Überhaupt haben seit Öffnung der Grenze wohl nicht viel mehr als 200 Individualreisende die Grenze überquert. Laut R.K. ist der überwiegende Teil davon aus Deutschland und mit dem Reiserad unterwegs. Dennoch sind es so wenige, dass wir schon ewig keinen Pedalritter mehr gesehen haben.

An unserem ersten Abend in Myanmar sind wir noch schick essen gegangen. Es gab Reis mit Dahl sowie Gemüse und war ziemlich lecker. Außerdem war das Essen zum ersten mal seit einem Monat nicht mehr scharf. Eine Wohltat für unsere Zunge! 🙂

17.1.

Es ist morgens 7 Uhr und eine Person kommt in das Zimmer, in dem Marcel und ich gerade noch geschlafen haben. Außerdem betritt mit dieser Person ein Kuchen, in dem Kerzen stecken den Raum. ES IST MARCELS GEBURTSTAG!!! Neben dem Kuchen gibt es auch noch einen Rock, den hier sehr viele Männer tragen und eine Warnweste, die als „Schwarzer Peter“ von Geburtstagskind zu Geburtstagskind wandert.

Wir halten uns aber nicht lange auf und so geht es raus auf die Straße und direkt zum ersten von zwei Polizei-Check-Points am heutigen Tag. Anschließend tut sich uns eine Straße auf, die weit besser ist, als wir zu hoffen gewagt hatten. Die Strecke ist größtenteils eben, der Asphalt in einem guten Zustand und es ist kaum Verkehr auf der Straße. Das vorrangige Verkehrsmittel sind PS-arme Motorräder, es kommt aber auch vor dass ein Ochsenkarren den Weg kreuzt. Außerdem fahren wir jetzt wieder auf der rechten Spur.

Der erste Tag in einem neuen Land ist für uns immer etwas besonderes. Es gibt so viele neue Eindrücke und heute passt einfach alles. Die Landschaft ist wunderschön und wir haben die ganze Zeit rechts neben uns die Berge im Blick, welche bereits zu Indien gehören. Auch die Menschen haben es uns vom ersten Tag an angetan. Sie starren genauso interessiert wie die Inder und Inderinnen auf die 3 Weißen, die da auf dem Fahrrad vorbeikommen, doch sie grüßen gelegentlich auch von sich aus, im Gegensatz zu ihren Nachbarn. Freudig grüßen wir zurück. Sagen wir dazu noch „Mingalar ba“, was so viel heißt wie „Hallo“, dann kommt es vor, das uns die Worte noch einmal im Chor entgegenschallen. Mich persönlich freut es immer sehr, dass wir den Menschen mit unserem bloßen vorbeiradeln schon eine Freude bereiten. Das wir etwas zurückgeben können, an die Menschen, die uns so herzlich in ihrem Land willkommen heißen.

Insgesamt wirkt das Leben in Myanmar viel entspannter als in Indien. Auch ist es wesentlich ruhiger und das nervige Gehupe hat ein Ende. In Indien sind etliche Verkehrsteilnehmende der Meinung hupen zu müssen, sobald sich etwas auf der Straße bewegt.

Ich merke gerade, Indien kommt etwas schlecht weg. Das kann ich so nicht stehen lassen! Wir hatten eine sehr schöne Zeit dort, nur war der erste Eindruck von Myanmar eben ein sehr positiver. 🙂

Zum Mittag Essen haben wir uns wieder in ein Restaurant begeben. Auch hier war das Essen super, wie schon am Vorabend. Zu meiner Freude konnten ich mir außerdem noch ein kühles Bierchen im Humpen bestellen. Auch unseren beiden Guids, die uns zum Lokal geführt hatten, spendierten wir eine Runde Bier. Die Jungs konnten nämlich Englisch und somit den Lokalbesitzern klar machen, das wir Vegetarier sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach, obwohl wir das birmanische Wort für vegetarisch kennen (Mangsovirat). Aber anscheinend ist Zeichensprache nicht die Stärke der lokalen Bevölkerung.

Dieser Eindruck wurde bestätigt, als wir Abends an einem buddhistischen Kloster fragten, ob wir unser Zelt hier aufstellen dürften. Wir waren schon fast wieder gegangen, als wir doch irgendwie herausbekamen, dass wir bleiben können. Die buddhistischen Klöster wurden uns von anderen Reisenden empfohlen, da man normalerweise nur in überteuerten Touristenhotels unterkommen darf und es Privatpersonen verboten ist Reisende bei sich aufzunehmen. Die Mönche genießen allerdings ein solch hohes Ansehen, dass wir bei ihnen problemlos bleiben konnten, zumal es weit und breit kein Hotel gab.

Der Abend mit den Mönchen und den vielen anderen Menschen die sich hier aufhielten wurde zu einem sehr spannenden. Wir wurden von allen Seiten bestaunt und man versuchte irgendwie mit uns zu kommunizieren. Irgendwann führte man uns in einen Raum mit einer erhöhten Stufe. Auf dieser Erhöhung nahmen die Mönche platz, während wir und die anderen Menschen darunter Platz nahmen. Dann wurde uns, und nur uns, Tee und Essen serviert. Mir war das ganze etwas unangenehm, da wir sicherlich deutlich mehr finanzielle Mittel hatten als alle anderen Personen im Raum. In Myanmar ist das aber anscheinend ein Zeichen der Gastfreundschaft.

Später packte ich dann noch meine Familienfotos aus, welche ich oft zeige, wenn wir aufgrund der Sprachbarriere kaum mit den Menschen kommunizieren können. In Windeseile wurde ich von allen Seiten bedrängt und so viel Interesse an meiner Familie hatte ich überhaupt noch nicht erlebt. Sogar die Mönche machten einen langen Hals von ihrer Stufe herunter.

Mit vielen spannenden Erlebnissen im Kopf gingen wir dann schlafen, wobei wir den Haufen der Interessierten kaum loswerden konnten. Erst als wir schon auf unseren Luftmatratzen saßen entschieden sie sich zu gehen.

18.1.

Frühs ging es zeitig raus. Unterstützt wurden wir dabei von einem Mönch, der die Straßenbeschallung in Form von von Kindern gesungen Liedern auf volle Lautstärke stellte.

Als kleines Zeichen unserer Dankbarkeit für die kostenlose Unterkunft haben wir dann Brot und Früchte dagelassen. Leider hatten wir nun selbst kein Frühstück mehr, weswegen wir bis zum nächsten Ort fahren mussten um uns dort eine Art Bananenbrot im Blatt eingewickelt, zu kaufen.

Auf dem Weg dahin wurden wir von einem Polizisten auf dem Motorroller eskortiert. Er war auch schon am Vorabend im Kloster um unsere Personalien aufzunehmen. Im Pass vorzeigen sind wir ja mittlerweile wirklich Profis. 🙂

Nach dem Frühstück fuhren wir zusammen mit unserem neuen Freund weiter. Nach insgesamt 15km verabschiedete er sich allerdings von uns und mit ihm die gute Straße. Es gab immer wieder Abschnitte mit festgefahrenen Steinen und völlig ohne Asphalt. Wir waren wohlgemerkt auf einer Straße die im Navi und auf der Karte eingetragen war, als wäre es in Deutschland eine Bundesstraße.

Kalewa konnten wir dennoch schon 11 Uhr erreichen, wo wir zu Mittag speisten. Genauer genommen Marcel und ich, denn Jule ging es im Magen rum und sie setzte eine Mahlzeit aus. Jule hat schon seit ein paar Tagen immer mal wieder Magenschmerzen und Unwohlsein, aber nichts schlimmes.

Nach dem Mittag versuchten wir die Brücke über den Fluss zu finden, um Richtung Shwe Bo weiterzureisen. Wir konnten allerdings keine Brücke und noch nicht einmal eine Autofähre finden. Später sollte uns klar werden, das so etwas gar nicht existiert. Wir setzten jedoch fürs erste mit einem schmalen Holzboot über, welches von zwei Frauen manövriert wurde und auf das unser Gepäck + Räder geradeso passte. Eine wirklich abenteuerliche Sache, wie wohl auch die anderen Menschen am Strand fanden. Jedenfalls schauten sie begeistert dem Treiben zu.

Auf der anderen Seite haben wir uns auf die Suche nach der Bundesstraße begeben und mussten dafür einen unfassbar steilen Weg passieren, bei dem sich Sand und Steine abwechselten. So rollten wir einige Kilometer im Schneckentempo dahin, wobei wir auch ganz viel schieben mussten. Die Straße wollte aber einfach nicht auftauchen. Nach einer ganzen Weile erreichten wir eine Siedlung mit 5 Hütten. Wir kauften ein bisschen Wasser ein und fragten einen Lastwagenfahrer, der uns kurz zuvor überholt hatte und nun eine Pause machte, ob er uns mitnehmen könnte. Zu unserer Zufriedenheit war die Antwort positiv und wir hievten all unseren Krempel auf die leere Ladefläche seines Kippers. Wir waren sehr froh, dass wir mitgenommen wurden, denn in diesem Terrain konnten wir einfach nicht vorankommen.

Auf der Ladefläche bekamen wir jedes Loch und jeden der zahlreichen Steine mit. Was für uns eine Menge Spaß bedeutete, war für die Räder leider weniger lustig. Besonders heikel waren die Holzbrückchen, da diese sehr harte Schläge mit sich brachten. Ein wunder, dass der LKW hier überhaupt passieren konnte.

Als wir so auf dem LKW standen wurde uns auch zusehends klar, dass wir unsere Bundesstraße schon gefunden hatten – wir befuhren sie gerade. Einfach unfassbar, was einem hier als wichtige Hauptstraße verkauft wird. Damit ihr einen Vergleich habt: in Deutschland wäre das nicht einmal eine Forststraße gewesen.

Nach geschätzten 25km hielt der LKW-Fahrer an und wir verließen die Ladefläche. Leider konnten wir ihm nicht begreiflich machen, dass wir gerne noch ein Stück mitfahren würden, da er in die selbe Richtung fuhr. Dennoch vielen Dank fürs mitnehmen!

Da waren wir nun also im Örtchen Thickegyin und unsere Laune war, ob der immer noch schlechten Straße, nicht gerade am Höhepunkt. Als sich unsere Räder kurz nach Ortsausgang auch noch im Sand festgruben, überlegten wir nach Kalewa zurückzukehren und mit einem Boot weiterzufahren oder eine andere Straße zu suchen.

Fürs erste fuhren wir aber zurück nach Thickegyin. Hier nahmen sich ein paar sehr nette Frauen unser an. Wir durften unser Zelt im Garten aufstellen und bekamen sogar noch ein schmackhaftes Abendbrot. Auch versuchten sie uns einen Fahrer zu organisieren, der uns nach Taze bringen würde. Als dieser uns jedoch die utopische Summe von 180$ nannte, lehnten wir ab.

18.1.

Am nächsten Morgen bekamen wir einen Tee und gefüllt Rollen spendiert. Die waren so fettig, dass sie schon fast nicht mehr essbar waren. Außerdem wurde Jule mit der traditionellen Bemalung verziert. Dazu wird eine Paste aus einem Stamm gewonnen und dann ins Gesicht geschmiert. Je nach Region sieht das Muster unterschiedlich aus, ist allerdings nicht sehr aufwendig.

Wir hatten uns einstweilen doch für weiterradeln entschieden und wollten das erstbeste Fahrzeug anhalten, welches uns passieren würde. So viel sei vorweg genommen: es sollte uns am ganzen Tag nur ein einziges vierrädriges Fahrzeug überholen und das war ein Traktor ohne Anhänger. In der Gegenrichtung waren immerhin ca. 10 LKW unterwegs. Ganz schön was los auf dieser „Bundesstraße“. Die meisten Personen bewegten sich mit Motorrollern fort, aber auch das waren nicht all zu viele.

Die ersten Tageskilometer mussten wir unsere Räder immer wieder schieben, da sie sich im Sand festfraßen. Dann wurde die Straße besser und wir kamen mit 17 km/h gut voran. In dieser Phase passierten wir auch unseren 6000 Kilometer auf unserer langen Meile. Nach ca. 30km wurde die Straße leider wieder schlechter, besonders der Sand machte uns zu schaffen, der uns immer wieder zum schieben zwang.

Auch die fettigen Rollen meldeten sich bei Marcel wieder an und nahmen einen anderen Ausgang als vorgesehen. Wir waren also dazu gezwungen 2 Stunden zu pausieren. Zum Glück waren wir gerade bei einem kleinen Lokal, wo Jule und mir ein schmackhaftes Mittagessen pünktlich 11:30 Uhr zubereitet wurde. Wir nehmen langsam typische Deutsche Zeiten an. Auch stehen wir mittlerweile auf, sobald es hell wird.

Nach der Pause wurde der Weg weniger sandig, dafür mussten wir aber wieder über knüppelharte Hügel. Es ging nie lange bergauf, aber eben immer wieder und Flachstücke waren nicht mehr vorhanden.

Auf einem der Hügel entschied sich Marcel, der immer noch nicht wieder ganz fit war, am Rande der „Bundesstraße“ Kacken zu gehen. Just in diesem Moment kam ein Moped vorbei und die beiden Passagiere hielten sogar noch neben uns an, um mit uns zu quatschen. Es interessierte sie überhaupt nicht, was Marcel da gerade machte. Für Jule und mich war der Anblick allerdings zu herrlich. 🙂

Nach insgesamt 45 Kilometern mussten wir dann der Strecke Tribut zollen und erschöpft vom Rad steigen. Es zwingt uns ja auch keiner weiter zu fahren und Zeit haben wir ja. Im Wald, der uns die ganze Zeit umgab, fand sich dann auch ein schönes Fleckchen für unser Zelt und so waren wir einmal mehr von einer gewaltigen Geräuschkulisse umgeben: Wir hörten fast nichts. 🙂

Es war wirklich unglaublich still. Nur das zirpen der Grillen und ein paar Vögel waren zu hören. Hin und wieder hörten wir auch wie ein motorisiertes Gefährt sich die Hügel rauf und runter quälte (warum soll es denen besser gehen als uns?^^).

Zum Abendbrot gab es die mitgebrachten Reste vom Mittag und Fertignudeln, welche wir noch aus Indien im Gepäck hatten und dann ging es auch schon recht bald ins Bett.

19.1.

Der Tag beginnt so wie der letzte aufgehört hat, nämlich mit Essen. Heute wie auch schon die letzten Tage steht Zuckerbrot mit Tomaten, Marmelade und Früchten auf dem Speiseplan. Wirklich glücklich macht einen das auf Dauer nicht, aber die Frühstückskultur in Südostasien ist eben nicht die gleiche wie in Europa.

Dann ging es aufs Rad. Nach 8 Kilometern bekamen wir etwas zu Gesicht, was wir schon lange nicht mehr gesehen hatten: Asphalt. Noch gab es ihn bloß stückchenweise und bei besonders steilen Bergen, bei denen unsere Räder sonst durchgedreht hätten, aber immerhin. Der Asphalt zeigte auch eine weitere wunderbare Eigenschafte, so kann man auf ihm herrlich dahinrollen und wird nicht durchgeschüttelt. Wir können Asphalt absolut weiterempfehlen! 🙂

Auch heute hatten wir wieder Mittagessen bei ein paar kleinen Hütten. Auch heute war es wieder viel zu viel und wir haben uns noch eine gute Menge für das Abendessen eingesteckt. Auch gab es 3 Flaschen Wasser geschenkt, nachdem wir am Vortag Bananen bekommen hatten.

Die besser werdende Straße, wurde immer wieder von sandigen Abschnitten abgelöst. Irgendwann begann dann der Verkehr rapide zuzunehmen und dann kam da auf einmal Asphalt und eine Stadt. Nach der Stadt verschwand der Asphalt ein letztes mal und es gab noch einmal Sand und eine Menge Steine auf der Fahrbahn zu bestaunen, ehe der Asphalt endgültig unter unseren Rädern zurück war. Noch ehe wir es selber realisierten waren wir in Taze, dass erklärte uns jedenfalls der Polizeichef, welcher uns zu einer Passkontrolle in sein Büro hereingewunken hatte. Da es schon relativ spät war, bestand er darauf, dass wir ein Hotel aufsuchen müssten, wozu wir an sich auch verpflichtet sind, es aber wegen der hohen Preise nur ungern tun. Mit Hilfe der Polizei wurde uns aber ein Zimmer organisiert, in dem wir zu dritt für 9€ schliefen. Auch konnten wir Staub und Schweiß endlich mal wieder von uns abspülen. Zum Hotel selbst wurden wir von 3 Polizisten auf Mopeds eskortiert und diese besprachen dann auch alles mit dem Hotelbesitzer. In dem Moment passierten 2 kanadische Reiseradler die Straße. Die ersten Pedaleure die wir seit dem Iran gesehen hatten. Sie entschlossen sich spontan dazu die Nacht im gleichen Hotel zu verbringen und so konnten wir bei einem kühlen Bierchen der Marke „Myanmar“ ein paar Geschichten austauschen. Im Übrigen hatten wir zu dem Zeitpunkt kaum Geld (man findet nicht überall einen Geldautomaten) und generell haben wir auf die beiden Jungs, die bereits im Berufsleben stehen, wohl einen eher ärmeren Eindruck hinterlassen, so dass sie uns zum Bier eingeladen haben. Vielen Dank dafür! 😉

Nun sitze ich hier im Bett und tippe die letzten Zeilen des Berichtes ein. Neben mir schläft Marcel bereits und Jule schreibt Tagebuch.

 

Myanmar 2, ein druckfrischer Bericht von Jule:

Exklusiv aus dem wundervollen Myanmar meldet sich nun die Jule wieder, um dem werten Publikum Feierabende, Überstunden oder langweilige Vorlesungen zu versüßen.

Für die, die es vergessen haben: wir sind in Myanmar angekommen, hatten aber die Straßen noch nicht so gefunden gehabt.

Dafür wundervoll strahlende Menschen und viele goldene Kuppeln!

20.1.
Mit der schönen Hoffnung, ab jetzt wieder auf echten, asphaltieren Straßen unterwegs zu sein, starten wir am Morgen aus unserem kleinen Hotel. Nach kürzester Zeit hingegen hat uns die Sandpiste wieder- wir schieben und strampeln und rütteln durch den Tag, der sehr sonnig und heiß ist. Je weiter wir nach Süden kommen, desto heißer wird es hier (logischerweise). Vor wenigen Tagen haben wir irgendwo am Wegesrand einen Stein gesehen, der uns bescheinigt hat, den nördlichen Wendekreis des Krebses überquert zu haben. Äquator, da sind wir! (naja, fast)

Neben unserer „Straße“ sehen wir nun zu meinem Entzücken Erdnussfelder, und Erdnüsse liegen auch auf dem „Mittelstreifen“ des einspurigen Feldweges. Dieser Feldweg wird von den Einheimischen doch tatsächlich hartnäckig „Highway“ genannt. Irgendwann erreichen wir einen kleinen Fluss, der jetzt, in der Trockenzeit, kaum Wasser führt. Ein junger Einheimischer auf seinem Motorrad muss uns erst zeigen, was hier zur Flussüberquerung dient, damit wir es als Furt erkennen und über den Fluss kommen. Eine Furt… sowas gibt’s in Deutschland nicht mehr.

Christian beim Flussüberqueren
Christian beim Flussüberqueren

Danach wird wenigstens die Sandpiste recht glatt, fest und gut und wir kommen parallel zu einem weiteren Fluss ziemlich gut voran. Zur Mittagspause hüpfe ich dann auch mal flux in diesen Wasserlauf, um die Hitze besser wegstecken zu können. Die Leute hier hingegen tragen Wollpullover und fragen uns ständig, ob wir denn im T-Shirt nicht frören. Angemerkt: es sind locker über 30 °C.

Schon am frühen Nachmittag kommen wir in einer der ehemaligen Hauptstädte des burmesischen Reiches an, in Shwe Bo. Wir nehmen uns ein recht teures und für unsere Verhältnisse luxuriöses Hotel. Einerseits sind die Hotels hier für Touristen immer recht teuer, andererseits lockt uns auch die WLAN-Verheißung. Seit dem Grenzübertritt gab es keinen Kontakt nach Hause, das ist für die Psyche schwierig. Am Nachmittag finde ich dann eine SIM-Karte für das Handy- bevor wir nach myanmar eingereist sind, wurde uns in diversen Blogs und auf allen möglichen Webseiten weis gemacht, dass Myanmar das „Land Ohne Internet“ sein würde. Hier hätten, wenn überhaupt, nur gute Hotels in den drei großen Städten WIFI. Und jetzt? Die Realität sieht anders aus: ich kaufe für 2 Dollar eine SIM-Karte, die nicht einmal aktiviert werden muss, und zack! haben wir Hochgeschwindigkeitsinternet auf dem Smartphone. Und das wohl laut Aussage der Verkäuferin in allen Städten. So viel verrate ich schon einmal: auch auf dem platten Land, irgendwo unter Palmen beim Wildzelten, hat später manchmal das Internet ausgereicht, um mit Deutschland zu skypen. Wobei erwähnt werden will, dass das Internet immer wieder stundenlang ausfällt, überall und ohne Muster. Wenn es aber grad tut, dann wohl ziemlich flächendeckend.

Wir machen so Stadtsachen: rumlaufen, Vorräte auffüllen, lecker essen und im Internet rumhängen. Und im Bett schlafen. Und duschen =)

Man munkelt, es hätte sogar eine Badewanne gegeben und der werte Herr C. hätte es sich riiichtig gut gehen lassen.

21.1.
Von Shwe Bo aus geht es nun endlich durchgängig auf Asphalt weiter- auch wenn dieser furchtbar schlecht präpariert wurde und es uns auf unseren ungefederten Tourenrädern ziemlich böse durchschüttelt. Dies hier ist nun eine Region, in der Melonen angebaut werden. Riesige LKW mit tausenden Wassermelonen überholen uns, wir kaufen eine tolle, reife Honigmelone und machen Mittagspause an einem typischen Imbiss: man sitzt in Bambus-Liegestühlen unter einem palmgedeckten Dach und genießt das Leben =) Dank des point-it’s (einem Zeige-Kommunikationsbuch vom Christian, wo einfach für tausende Reisesituationen die richtigen Symbole abgedruckt sind) bekommen wir auch mal wieder vegetarisches Mittagessen. Und was für welches! In Myanmar scheint es üblich, dass man zB Reis oder Nudeln bekommt und dazu zig Schälchen mit Beilagen, Gemüsen, Saucen, Nüssen…, die alle nachgeliefert werden, wenn man sie aufgefuttert hat. Und alles ist wirklich anders als alles asiatische, was ich bisher gegessen habe, und wahnsinnig schmackhaft! Myanmar für Vegetarier ist wärmstens zu empfehlen. Jedenfalls, solange man es begreiflich machen kann, denn es ist wirklich schwer, burmesisch so auszusprechen, dass die Leute uns auch verstehen.

Christian, das point it und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach
Christian, das „point it“ und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach

Vor unserem Tisch steht ein typischer kleiner Stand an der Straße, an dem eine junge Frau Bethelnüsse mit ein paar Gewürzen und einem weißem Pulver mischt und in ein frisches grünes Blatt einwickelt. Das verkauft sie an alle möglichen Männer, die vorbei kommen und sich die Nuss im Blatt dann in den Mund stecken und darauf rum kauen. Dabei entsteht ganz viel blutrote Spucke, die mit viel Freude in ganz Myanmar verteilt wird. Scheint ungefähr den gleichen Sinn zu haben wie Rauchen: verfärbt die Zähne, schmeckt scheiße und man kann viel Geld dafür bezahlen.

Am späteren Nachmittag radeln wir an überwucherten Tempeln vorbei in Saiagan ein. Immer wieder sieht man von den Kuppen der Hügel, über die unserer hübsche Straße führt, eine beeindruckend riesige goldene Kuppel. Als wir sie und den dazugehörigen Tempel erreichen, bleiben wir ein wenig und schauen uns um.
Als wir dann in die Stadt reinkommen, geht die Sonne gerade unter. Zum Glück finden wir direkt ein günstiges Guest House, das uns auch alle drei für einen guten Preis in einem Doppelzimmer schlafen lassen will. Als wir schon eingecheckt haben und ich schon auf dem Klo sitze, kommt aber jemand mit dem Auto (im Land der Motorroller schon eine Rarität an sich), der partout nicht verraten will, welche Position er hat, und sagt uns, dass das Guest House keine Lizenz für Touristen hat und dass wir ein anderes Hotel nehmen müssen. Ein junger Mitarbeiter bringt uns auch gleich zu einem deutlich größeren, feineren Hotel in der Nähe, wo uns der junge Angestellte auch sagt, dass wir für ca. 34 Dollar zu dritt in einem Raum schlafen dürften. Dann holt er aber leider noch den Hotelmanager, der das Wort übernimmt und plötzlich meint, dass er sich um unsere Sicherheit Gedanken machen würde, schliefen wir in einem Zimmer. Als ich da nachhake, wie er das meint, sagt er, dass es nicht möglich ist, dass ich als Frau mit zwei Männern in einem Raum schlafe. Und als wir mehrmals betonen, dass das wirklich kein Problem sei und wir das seit 5 Monaten so machen, sagt er, in Myanmar sei das nun aber nicht möglich (was Quatsch ist, haben wir hier schon oft erlebt!). Dann meint er aber, dass wir beide Zimmer für 25 Dollar haben könnten. Wir fragen noch ein paar mal nach, ob er damit wirklich meint, dass beide Zimmer zusammen 25 Dollar kosten (und nicht jedes der beiden Zimmer einzeln), er bejaht immer wieder und zufrieden gehen wir zur Rezeption, um all diese nervigen Formalitäten zu erledigen, die seit der Türkei zu jedem Hotelaufenthalt gehören. Wir bezahlen auch extra im Voraus, damit wir uns mit dem Preis wirklich sicher sein können. Und als wir daaaann, nach all dem Passdaten-Abschreiben und -Kopieren etc. schon ein Bier bestellt (und bezahlt) haben, da meint er, jetzt würde er gern noch die zweiten 25 Dollar für das zweite Zimmer haben wollen. So ein Halunke! Was haben Christian und ich uns aufgeregt! X-mal haben wir nachgefragt, ob er das wirklich so meint, und 50 Dollar können und wollen wir nicht bezahlen und jetzt ist es dunkel und wirklich schwer für uns, noch etwas zu finden!
Erbost lassen wir uns das Geld wieder geben und machen uns vom Acker. Dem jungen Hotelangestellten scheint das alles unangenehm zu sein, er zeigt uns noch die Karte eines anderen Hotels und erklärt uns grob den Weg dorthin.
Als wir versuchen, das neue Hotel zu finden, biegen wir dann irgendwann zu einem buddhistischen Tempel ab, weil wir überlegen, ob dort eventuell ein Kloster angeheftet ist und wir dort vielleicht schlafen könnten.
Einerseits haben wir Pech, weil dieser Ort ein unbewohnter Tempel ist. Andererseits haben wir enormes Glück, weil wir vor dem Tempel Tun Lwin, einen Motorrad-Taxi-Fahrer, treffen, der englisch spricht und uns helfen will. Zuerst muss er noch eine Kundin wegfahren, dann kommt er aber nach fünf Minuten wieder und empfiehlt uns diverse Hotels. Als wir ihm erklären, dass die uns alle viel zu teuer sind und dass wir gehofft hatten, noch einmal in einem Kloster unter zu kommen, da meint er doch tatsächlich, er kenne eins und bringe uns hin!
So düsen wir dem Mopped hinterher durch die nächtlichen Straßen. Als es in kleine rumpelige Seitenstraßen geht, hält er extra einmal an und sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen, das sei wirklich der Weg zum Kloster. Und kurz danach wird uns die Klosterpforte von zwei jungen Mönchen geöffnet und Tun Lwin geht hinein, um für uns um Unterkunft zu bitten. Als er schon fast im Haupthaus verschwunden ist, meint er, wir sollen doch vielleicht auch besser mitkommen und auch mit fragen, und so laufen wir hinterher. Als wir dann an der Tür angekommen sind und uns unseres Schuhwerks entledigt haben, da kniet Tun Lwin schon auf dem Boden vor dem Obermönch, der auf seinem Stuhl sitzt und sich die Bitte anhört. Wir werden auch alle mit auf den Teppich zu Füßen des Mönchs geholt, nehmen Anbeteposition ein und gucken scheel in der Gegend rum, weil wir nichts sagen können. Es ist eine äußerst exotische, lustige Situation =)
Der Mönch gibt unserer Bitte dann tatsächlich statt und wir dürfen zum zweiten Mal in einem buddhistischen Kloster übernachten. Dieses hier ist jedoch sehr viel kleiner als das, in dem wir vor ein paar Nächten waren: es wohnen hier scheinbar nur der ca. 40-jährige Obermönch, ein ca. 15-jähriger und ein ca. 12-jähriger. Vielleicht sind die anderen Mönche aber auch nur im Urlaub =) Die Anlage besteht aus dem Haupt- oder Gebetshaus mit dem Buddhaschrein, einem Nebenhaus, in dem geschlafen und gegessen wird, einem sehr schönen, schattigen Garten und einem Gästehaus, in dem wir einquartiert werden. Es ist riiichtig schön!!

Wir gehen dann noch mit Tun Lwin in ein Restaurant, um ihn zum Dank zum Essen einzuladen und weil wir uns auch so freuen, endlich jemanden gefunden zu haben, der ganz passabel Englisch spricht und uns die myanmarische Kultur vielleicht etwas näher bringen könnte. Er weigert sich leider, mehr als einen Softdrink zu bestellen, aber dennoch haben wir viel Spaß miteinander. Und für uns gibt es wieder leeecker lecker myanmarisches Essen.

Als wir dann ins Kloster zurückkommen, setzen wir uns noch mit den drei Mönchen und ein paar Schaulustigen im Hauptraum zusammen, weil der Obermönch sich wünscht, dass wir versuchen, für ihn den Kontakt zu ein paar westlichen Meditationsschülern aufzunehmen, die früher einmal dort im Kloster Meditationsseminare gemacht haben. Zuerst denken wir, es gehe nur darum, den Laptop und unser mobiles Internet bereit zu stellen- das hätten wir gekonnt und mit Freude gemacht! Dann stellt sich aber heraus, dass der Mönch leider nur noch Fotos und keine Adressen von den gesuchten Menschen hat- und da können wir schweren Herzens auch rein gar nichts machen. Dennoch bekommen wir aber Zwieback, Datteln, Kaffee und Tee serviert und sollen davon fleißig essen, während die Mönche (ich glaub nach 15:00) nichts mehr essen dürfen.

im Kloster Nr 2

Dann geht’s glücklich in unsere Mönchszellen-Bettchen. Was für eine traumhafte Wendung!

23.01.15
Am frühen Morgen kochen wir unseren Kaffee auf dem Benzinkocher im Klostergarten, kurz danach bringen uns die Mönche dann aber auch nochmal ganz viel Frühstück, und parallel zum Frühstück wechsele ich an Christians und meinem Rad zum zweiten Mal auf dieser Tour die Kette, weil das lang schon überfällig ist. Es geht mittlerweile ratzfatz, noch bevor das Wasser in der Kaffeetasse ist, ist die erste neue Kette schon aufgezogen =) Jetzt können wir wieder ein paar tausend Kilometer ordentlich in die Pedale treten, bis wir daran erneut denken müssen.
Danach kommt Tun Lwin vorbei und holt uns ab, denn er hat extra einen Vormittag frei gemacht, um uns die schönen, berühmten Tempelanlagen auf einem Berg über der Stadt zu zeigen. Dafür müssen wir taaauuusende Stufen hochlatschen, aber es lohnt sich wirklich sehr: wir sehen unglaublich weit über neblige Wälder, aus denen goldene Pagoden und Kuppeln ragen, über den Fluss und die metallenen Bogenbrücken in alle Richtungen… ganz arg schön!
Und wir finden dort oben an ein paar Touriständen richtig schöne Postkarten und kaufen erst einmal insgesamt 50 (!) Stück. Freunde und Familie zu Hausen warten =)

Tun Lwin kauft uns dann noch ein kleines Beutelchen mit aufgeschnittener grüner, unreifer Mango, die mit rötlichem Gewürzpuder bestreut ist. Das ist ein ganz neues Geschmackserlebnis irgendwo zwischen sauer, süß und würzig und von mir wärmstens weiterempfohlen.

Hier sehen wir auch seit Ewigkeiten mal wieder andere Touristen. Am Fuß des Berges sprechen wir ein kanadisches Ehepaar an, das uns erzählt, als junge Hippies schon vor 42 Jahren einmal hier in Myanmar gewesen zu sein. Nun sind die Kinder aus dem Haus und sie sind wieder zurück gekommen. Das ist inspirierend und sehr schön =)

Wieder im Kloster verabschieden wir uns sehr dankbar und herzlich, machen noch einige Fotos und tatsächlich kommt der Obermönch mit so einer Stange um die Ecke, in die er sein Smartphone einspannen kann, um bessere Selfies zu schießen. Es ist der Brüller!

die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange
die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange

Dann radeln wir noch los, weiter Richtung Süden. Es ist wieder sehr heiß, wir werden brauner und brauner und wünschen uns ein Eis. Gibt es aber hier nicht. Also wünschen wir uns eine kalte Limonade- Kühlschränke gibt es aber mangels Elektrizität auch nicht. Wahn. Da begnügen wir uns mit lauwarmen Getränken in einem kleinen Örtchen, in dem bei unserer Ankunft wieder so eine Prozession startet, an der Ochsenfuhrwerke, laufende, sehr schön gemachte Menschen und Reiter beteiligt sind. Und dann kommen zwei als ein Elefant verkleidete Männer und tanzen zu ohrenbetäubender Musik – das ist sooo lustig!!

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Am Abend zelten wir mal wieder wild, auf Sand, zwischen Dünen und Palmen in der totalen Stille. In der Ferne wacht eine riesige goldene Buddhastatue über uns. Wir kochen Nudeln mit Ketchup, weil wir hier wirklich Schwierigkeiten haben, ordentliche Lebensmittel einzukaufen. Einerseits gibt es in den kleinen Läden wirklich schwer begrenzte Auswahl und andererseits kennen wir davon nur einen Bruchteil. Oh man, wir freuen uns sehr auf den Tag, an dem es mal wieder echte, normale Nudeln mit guter Tomatensauce gibt =) Und Früüühstück… man, echtes Brot und mehr als eine Marmelade, das wäre der Hammer.

Aber das Zelten ist wunderschön. Ganz leise, ganz voll mit Sternen und Sichelmond, der hier liegt, anstatt wie in Deutschland zu stehen. Kann mir das mal jemand erklären?

24.01.
Happy Birthday, meine Mama! Und auch alles Liebe Wolf!!

Wieder ist es ein heißer Radeltag über sehr holprige Straßen. So holprig, dass ich jetzt Muskelkater in den Armen statt in den Beinen bekomme.
Wir schaffen die 117 km bis nach Bagan, dem touristischen Highlight Myanmars

Bagan Link

Genauer gesagt bleiben wir in dem kleinen Ort Nyaung U, weil es dort wohl die günstigeren Hostels gibt. Wir werden auch direkt von einem hilfsbereiten Motorroller-Fahrer zu unserem gewünschten Hotel gebracht und schnappen einer hektischen, unsympathischen und eben auch zu ihrem Pech unentschlossenen Dame aus den USA ihr Zimmer weg- sie war langwierig am handeln, wir wollten einfach nur das Zimmer, und dann hat sie sich furchtbar aufgeplustert. Ayay!
Überhaupt gibt es hier nun unendlich viele Touristen. So viele europäische und nordamerikanische Menschen haben wir seit ca. Istanbul nicht mehr gesehen. Und wir können nicht umhin es ziemlich cool zu finden, zwischen den Busreisenden mit unseren Rädern durchzurollen!

Und zu unserer großen Begeisterung hat das touristische Ambiente der Stadt auch einen großen Vorteil: es scheint hier westliches Essen zu geben! Und so genießen wir wenig später frisch geduscht (ach, die kleinen Freuden… ^^) im Garten eines ganz schönen Restaurants, unter Bäumen mit zig ganz hübschen Papierlampions, eine …. Pizza!! Geilo!

25.01.
Bagan ist so berühmt, weil hier ca. 3000 kleine Tempel und Stupas verteilt zwischen Bäumen auf einem riesigen Areal stehen, und das ist sehr, sehr beeindruckend, wenn man es zB von einem Tempel aus von oben betrachtet. Oder wenn man sich zB mit dem Fahrrad treiben lässt und einen Tempel nach dem anderen anschaut.

Ha, morgens tappen die Jungs direkt in eine grandiose Touristenfalle…. da kommt ein junger, sympathischer und gut englisch sprechender junger Mann auf dem Roller vorbei und meint, uns einen seiner Lieblingstempel zu zeigen. Dort oben würde er uns seine Kunst (Sandbilder) zeigen, und wir könnten dann immernoch entscheiden, ob wir die mögen und ob wir ihm vll sogar was abkaufen wollen.

Bagan
Bagan

Der Tempel zunächst, den er uns zeigt, ist wirklich sehr cool und wir sind sehr eingenommen von der 360°-Aussicht über 3000 Pagoden. Auch seine Bilder sind richtig, richtig schön- so schön, dass die Jungs sie zu einem Preis kaufen, der, wie wir später merken, ca. dem 6-fachen des gängigen Preises für die allgegenwärtigen Sandbilder entspricht. Da müssen wir die Tage noch viel drüber lachen =)

Traurig daran ist vor allem, dass wir uns mit dem jungen Koko eigentlich ziemlich lange und ziemlich gut unterhalten hatten, und dass er uns dann dennoch so verarscht hat. Das ist für mich wieder ein Beispiel dafür, was das Geldverdienen mit den Menschen macht.

Wenn wir uns also grad nicht das Geld aus der Tasche ziehen lassen, streunen wir alle ganz entspannt durch die Tempelanlagen und freuen uns sehr, mal wieder eines unserer schon lange im Kopf ausgemalten Reisehighlights erreicht zu haben. Für den Nachmittag trennen wir uns dann, weil ich gern ein wenig meine eigenen Wege gehen möchte.

Zum Sonnenuntergang klettere ich mit Händen und Füßen auf die Ruine eines Tempels, um irgendwo zu sein, wo keine anderen Touristen sind. Wie zu erwarten ist das sehr schön =)

Marcel und Christian erzählen mir später, sie hätten sich noch ein bisschen verfahren und es dann recht hektisch auch auf eine Pagode zum Sonnenuntergang geschafft- da müsst ihr sie aber mal selber interviewn =)

26.01.

Für heute haben wir beschlossen, den Tag über in Bagan zu verbringen, wieder durch die Pagoden zu tingeln und dieses wunderschöne Weltkulturerbe auf uns wirken zu lassen. Dann, so zwei Stunden vor Sonnenuntergang, satteln wir die Räder auf uns fahren noch 30 km aus dem Touristengebiet raus, um nicht noch eine teure Nacht im Hotel zahlen zu müssen. Wir suchen eine Zeit lang vergeblich nach einer Stelle zum Zelten, finden nur ganz viele Dornen und Menschen, die direkt an allen Orten vorbei laufen, die wir uns aus der Ferne so ausgesucht haben, fragen dann in einem Kloster, ob wir dort das Zelt aufstellen dürfen, werden aber nicht verstanden oder abgelehnt. Ganz am Ende finden wir eine wirklich hübsche Stelle unter Palmen, auf der wir unser Zelt aufschlagen.

DSCF6574Wieder ist es nicht wirklich total abgelegen, einige auf den Feldern arbeitende Menschen tingeln wenige hundert Meter entfernt vorbei. Weil es aber schon recht dunkel ist, wird das für heute Abend kein Problem mehr darstellen. Es gibt wieder Nudeln mit gebratenem Gemüse und Ketchup. Zeit, dass wir myanmarisch kochen lernen. Es deutet sich aber auch schon an, dass ein Geheimnis der unglaublich guten Speisen hier das Glutamatpulver sein könnte- ich habe es in den Läden schon sehr viel öfter gesehen als Salz =)

27.01.
Am nächsten Morgen packen wir unter interessierten Blicken einiger Einheimischer unser Zelt zusammen und wollen die Räder satteln, als mir auffällt, dass ich sowohl hinten als auch vorne einen Platten habe. Immer ich! Manno! Eigentlich habe ich zwei Ersatzschläuche dabei, als ich die jedoch auspacke, fällt auf, dass einer der beiden in der Satteltasche mit meinem Reise-Nähzeug gekuschelt hat und auch erstmal geflickt werden muss, bevor er wieder zu gebrauchen ist. Ersatzschlauch und Nähzeug ist keine schöne Liebesbeziehung. Ich gebe den Tip für zukünftige Tourenradler: in unterschiedlichen Satteltaschen verpacken. Ist ebenso inkompatibel wie Brötchen und gebrauchte Socken.

Also mache ich mich an das Flicken des Hinterrads, während Christian parallel den Schlauch des Vorderrads austauscht und Marcel sich in der Zeit nochmal über die Einstellung seiner Bremsen hermacht.

Mit etwas Verzögerung kommen wir dann auf die Straße. Leider nicht lange, denn schon im nächsten Ort fällt mir auf, dass das Hinterrad immernoch Luft verliert- dabei habe ich heute morgen doch schon 6 Dornen aus dem Mantel gezogen und zwei Löcher im Schlauch geflickt! Also sattel ich nochmal ab und mach mich noch einmal an das Hinterrad, während die Jungs sich auf dem Markt um das Abendessen kümmern. Ich finde tatsächlich noch eine fast 1,5 cm lange Dorne, die auf der Mantel-Außenfläche nicht sichtbar war, mir dafür aber ooordentlich den Finger einkratzt, als ich sie innen ertaste. Nach diesem Loch aber ist es gut, wir können an der nächsten Motorradwerkstatt den Reifen wieder voll aufpumpen lassen und es geht richtig los.
Jetzt wird es wohl jeden Tag heißer, von ca. 11:30 bis 16:00 läuft uns (also wenigstens Marcel und mir) der Schweiß aus allen Poren, die T-Shirts, Hosen (!) und unsere Haut haben dicke weiße Salzkrusten. Wo kommt all dieses Salz her?? Weil wir nun meist ohne T-Shirt radeln, rufen wir bei der ordentlich angezogenen myanmarischen Bevölkerung noch mehr Entzücken hervor.
Wir sind dann zum Mittag wirklich hungrig, finden aber erst einmal lange kein Restaurant- dafür aber eine Chipsbude, die wir spontan fast leer kaufen wegen all des Salzhungers. Als wir dann endlich ein Lunch-Restaurant finden, servieren uns die Menschen dort waaahnsinnig gutes Essen. Wie immer sind es zig Zutaten zum Reis und ich bin vom Geschmack der einzelnen Komponenten total begeistert. Sehr schöne Mittagspause! =)
Am Nachmittag machen wir dann noch einmal unter einem dicken Bodhi-Baum Rast. Der Bodhi (Ficus Religiosa) ist laut Legende der Baum, unter dem der Buddha seine Erleuchtung genossen haben soll- vor allem aber ist es ein wunderschönes, dickes Gewächs mit zig Luftwurzeln und Stammteilen, die zusammen einen feeetten Stamm von mehreren Metern Durchmesser bilden können. Wir fahren durch eine ganze Allee dieser Bäume, das sieht ganz toll aus, und die Menschen haben oft unter einem davon ein kleines Café errichtet oder sogar einen Laden, dessen Waren an den Luftwurzeln aufgehängt sind. Märchenhaft. Und wir chillen unter so einem Bodhi auf einer aus Palmwedeln geflochtenen Plattform (wie ein Tagesbett oder das iranische Tacht), schauen nach oben, am goldenen Palmwedeldach vorbei durch die grünen Blätter in den blauen Himmel. Ganz schön schön.

die schicken Bäume und die Menschen in Symbiose

Und die Menschen sind alle so begeistert von uns! Wenn wir vorbeiradeln, unterbrechen sie ganz oft ihre (zuallermeist landwirtschaftliche) Arbeit, um uns zu winken und Grüße zuzurufen, begleitet von einem umwerfenden Lächeln. Alle strahlen! Wenn eine Gruppe Menschen hinten in der Ferne auf einem Feld arbeitet, dann schreien sie uns weeeiiit hinterher, winken groß und freuen sich tierisch, wenn wir das mitbekommen und den Gruß erwidern. Und als ich zB einfach nur angehalten habe, um eine neue Wasserflasche zu kaufen, wurde ich sofort gebeten, mich kurz hinzusetzen und dann irgendwie um alle Sprachbarrieren herum ein wenig ausgefragt.

Am Abend erreichen wir dann leider direkt zum Sonnenuntergang eine kleine Stadt, die wir erst noch mit letzter Kraft durchqueren müssen, damit wir noch vor der Dunkelheit einen guten Zeltplatz finden. Der ist heute in hügliger, an den Mond erinnernder Landschaft, bietet tolle Aussicht auf zwei kleine Tempel und mal wieder das ganze, schöne Myanmar-Wildzelt-Programm: viele Sterne, ein hübscher Mond, kaum Insekten und eine so milde Nacht, dass wir die langärmligen Shirts nur wegen der Angst vor Mücken rauskramen.
Myanmar ist wirklich schön.

28.01.
Da bin ich schon vor Sonnenaufgang wach und schau mir diesen über unserer Mondlandschaft an.

DSCF6623Kuhhirten treiben ihre Tiere an unserem Zelt vorbei. Für die müssen wir aussehen wir Wesen von einem anderen Stern. So verrückte Ausrüstung, so viel Zeug, so viel Technik! Die Räder mit all ihren Hebeln und Kabeln, das bunte Plastikzelt! Die aufblasbaren Isomatten!
Wieder ist’s schon beim Losradeln zu heiß für das T-Shirt. Mittags erreichen wir Magwe und finden dort a) eine Art Bäckerei mit mehreren Sorten weißem Brot, die wir alle mal ausprobieren. Wir sind nämlich verzweifelt auf der immerwährenden Suche nach anständigem Frühstück. Die meisten dieser Teilchen sind mit irgendwas gefüllt, manche sind ganz arg eklig, manche sind toll. Lesen können wir nunmal gar nichts, also wird immer mal alles durchprobiert.
b) schauen wir uns dann in Magwe noch eine Pagode auf einem Hügel über dem Fluss an, die in der Mittagssonne wirklich krass golden vor sich hin strahlt. Es ist wieder einmal schön, das buddhistische Bauwerk anzuschauen, ein wenig barfuß durch den Tempel zu gehen und die Aussicht zu genießen. Und danach essen wir (wie immer sehr gut) in einem kleinen Restaurant oberhalb des Flusses, in dem sich die Betreiber mal wieder einen Keks freuen, uns als Gäste zu haben. Sie füllen uns auch den Dusch-Wassersack mit Brauchwasser auf, weil wir beschlossen haben, mit dieser Salzkruste nicht noch eine Nacht schlafen zu wollen.

Was mir sehr hängen bleibt ist, dass der Restaurantbesitzer mit seiner kleinen, vll. 2-jährigen Tochter auf dem Arm zu uns kommt, auf mich zeigt und der kleinen sagt: „laile“. Das heißt „Schön“. Das ist mir jetzt schon sehr oft passiert, dass die Menschen begeistert die Augen aufreißen und ausrufen, dass sie mich beautiful oder eben „laile“ finden. Ich muss allein aufgrund meiner Hautfarbe und der europäischen Gesichtszüge sehr dem Schönheitsideal entsprechen, denn an jeder Ecke wirbt hier ein Plakat mit leicht asiatisch angehauchten, aber sehr weißhäutigen Frauen. Und überall gibt es Cremes zu kaufen, die die Haut bleichen sollen.
Zuerst ist das natürlich ziemlich nett und schmeichelnd. Ich finde das dann aber auch einerseits einfach sehr unterhaltsam, urkomisch, dass in Deutschland alle extra ins Solarium laufen oder Selbstbräuner kaufen oder sich bis zum Hautkrebs auf den Balkon schmeißen, um den braungebrannten Idealen zu entsprechen, während man hier eben mit dem Sonnenschirm durch die Gegend läuft und Aufheller benutzt. Andererseits finde ich es dann auch ganz furchtbar mitzubekommen, wie den kleinen Kindern solche niemals erreichbaren Schönheitsideale eingepflanzt werden. Ayay.

Nach einem Radelnachmittag mit ganz viel Hügeln und Hitze und ganz vielen Grüßen an die wundervolle Bevölkerung finden wir dann ein Plätzchen nahe unserer Straße, auf dem wir unser Zelt aufschlagen können. Es ist in einer kleinen Sandkuhle, was dazu führt, dass wir nach Sonnenuntergang (mal wieder sehr hübsch hier draußen, bei einem kleinen kühlen Bierchen über den roten Feldern) sehr viel Spaß damit haben, uns von der Böschung der Sandkuhle aus gegenseitig den Wassersack als Dusche über den Kopf zu halten. Und schön ist das, danach nass in der Nacht zu stehen und fast ein bisschen zu frieren. Es folgen Kochen auf dem Benzinkocher und dann auch schon Ab-ins-Zelt. Diese Hitze und diese Hügel schlauchen sehr.

Achja, und es ist der Tag, an dem Christian und Marcel sich fragen, wie sehr sie wohl den Zug der Zeit verpasst haben, weil sie beide kein Smartphone besitzen. Denn: nachdem es hier scheinbar für Mönche eh zum guten Ton gehört, irgendwo in der Kutte ein Smartphone stecken zu haben, werden wir am Nachmittag dann auch aus einem Ochsenkarren via Smartphone fotografiert =)

So weit und bis bald! Wir haben Spaß!

 

 

Myanmar 3 von Chris

29.1.

Ich krabel gegen 7 Uhr als erster aus unserem Zelt und da seh ich zwei Ochsenkarren in der ferne vorüberziehen. Die Insassen, wie immer ziemlich interessiert an uns, halten kurz an, um dann weiterzurollen und sich der Feldarbeit hinzuwenden. Nach einer ganzen Weile kommen sie wieder ohne ihre Karren und betrachten unser Treiben nun aus der Nähe. Dann brechen wir wortwörtlich die Zelte ab und begeben uns wieder auf die lange Meile. Von kurz hinter Titagauk werden wir heute 85km bis nach Aunglan fahren.

Vom ersten Kilometer an geht es Hügel, mit teils steilen Rampen, hinauf und wieder herunter. Jule und Marcel mögen dieses Terrain sehr, ich hingegen tue mich mit den ständigen Belastungswechseln für die Muskulatur schwer. Lieber fahre ich da eine konstante Steigung hinauf oder eben im Flachen. Leider habe ich zudem bei der Hitze das trinken etwas vergessen und zusammen mit dem Terrain war bereits nach 30km besiegelt, dass ich mich heute würde durchquälen müssen. Die Beine waren quasi den ganzen Tag lang sehr schwer, müde und ich bin kaum vorangekommen. Das langsame Tempo und die vielen Pausen, die wir machen mussten, gefiel wohl auch dem Polizisten nicht, der uns die letzten 25km begleitete, damit wir auch ja nicht etwas anderes machen als im Touristenhotel übernachten (und das ist ja das Einzige was wir dürfen). Nun ja, da ich ja ziemlich schlaff war, hätten wir uns heute eh für ein Hotel entschieden.

Im Hotel selbst war dann auch ein Pärchen mittleren Alters aus Holland untergekommen. Die beiden pedalieren ein Jahr lang durch Asien und haben ihre „Lange Meile“ in Pakistan begonnen! Für Jule und Marcel gab es ein interessantes Abendessen mit den Beiden und für mich das Bett.

30.1.

Da ich immer noch nicht ganz fit bin und wir kein Risiko eingehen wollen haben wir uns dazu entschlossen die 71km nach Pyay in einem LKW zurückzulegen. Diese Art von LKW’s dient als Bus und die Passagiere Sitzen auf Holzbänken, auf der Ladefläche, sowie die jungen Männer auf dem Dach. Man staunt wirklich, wie viele Menschen sich teilweise in einen solchen LKW reinstappeln lassen.

Die 2,5-stündige Fahrt verläuft äußerst holprig und gepolstert sind die Sitze (nur Jule konnte einen ergattern) natürlich nicht. Glücklicherweise haben auch unsere Räder die Tour gut überstanden, nur unsere Sachen und wir selbst sind ziemlich dreckig geworden, da der LKW auch Kohle geladen hatte.

In Pyay haben wir uns eine Unterkunft gesucht, die ganz passabel war. Dort sind auch etliche andere Touris abgestiegen. Unter anderem ein spanisches Pärchen welches mit dem Rucksack unterwegs war. Mit denen sind wir dann gleich Mittagessen gegangen.

Marcel und ich haben uns dann noch die örtliche Pagode angeschaut und anschließend hab ich mich ins Internetcafé zurückgezogen. Das Internet war dort das erste mal seit der Türkei nahezu tadellos und nur von 20min Stromausfall unterbrochen.

Später hab ich die anderen noch auf dem Markt besucht, wo sie sich gerade durch die lokalen Köstlichkeiten durchschlemmten. Unter anderem gab es Tofu-Spiese, Pfannkuchen und Wachteleier auf einem Teig. Alles sehr interessant und schmackhaft.

Dann gings zurück ins Hotel und dann ab ins Bett.

31.1.

Heute vor fünf Monaten sind wir gestartet. Damals gab es leichten Regen und viele Freunde und Verwandte sind extra zum Abschied gekommen. Das war irgendwie schön und traurig zugleich. Nun fühlt sich unser Ziel Shang Hai schon ziemlich nahe an.

Zum Frühstück heute gab es Käse (wenn auch nicht den besten)!!! Welch große Gaumenfreude, die wir schon lange nicht mehr genießen konnten. Ausreichend Toast gabs auch. Da wir ne Menge Zeit hatten, ging Marcel nach dem Frühstück erst einmal eine Weile spazieren, Jule blieb auf unserem Zimmer und ich las auf der Bank vor dem Hotel ein Buch und trank ein Bierchen der Marke „Myanmar“. Sehr gelungener Vormittag. 🙂

Das Buch von George Orwell heißt im Übrigen „Tage in Burma“ und spielt in der Zeit der Kolonialherrschaft Englands.

Als wir anschließend Zugtickets für den Nachtzug kaufen gehen, fühle ich mich unweigerliche in die Zeit des Kolonialismus zurückversetzt. Das Möbilar ist bald älter als das Bahnhofsgebäude selbst und beides stammt vermutlich noch aus der Kolonialzeit. Auch die kleinen Wagons, welche auf dem Bahnhof stehen, ohne Lokomotive, dafür aber mit vielen Insassen, sind schon sehr alten Baujahres.

Dann plötzlich kommt ein Bus über die Wiese gefahren… aber nein es ist ein Zug! Die Gleise sind im hohen Gras kaum noch auszumachen und der Zug sieht tatsächlich aus wie ein kleiner Bus. Sehr skurril. Ein Bahnangestellter kommt vom Bahnhof und wirft einen Brief durchs Fenster des fahrenden Minizuges. Außerdem steigen ein paar Personen ein und andere aus, ohne das der fahrbare Untersatz auch nur einmal im Bahnhof angehalten hätte.

Unser Zugticket hatten wir im Übrigen mittlerweile in der Tasche. Für gute 3€ bekommt man in Myanmar noch 11 Stunden Zugfahrt geboten und das in der gehobenen Klasse!

Bis der Zug abfahren sollte, verblieb noch eine Menge Zeit und die haben wir fürs Internetcafé und schlemmen genutzt. Mittags war ich mit Marcel Nudeln Essen und Bierchen und Trinkschokolade schlürfen.

Dann haben wir die Räder zum Bahnhof gebracht. Die mussten als Sperrgepäck 3,5 Stunden vor Abfahrt des Zuges abgegeben werden!!! Wenn man diesen winzigen Bahnhof sieht kommt einen das echt lächerlich vor und das war es auch, denn nach 30min war das alles erledigt und nun warteten die Räder 3 Stunden und Marcel ebensolange beim Gepäck.

Die Zugfahrt war überhaupt erst notwendig geworden, weil uns einmal mehr das Visum im Nacken sitzt und wir etwas Zeitdruck von uns nehmen wollten. Mit dem Zug können wir immerhin wertvolle 2-3 Tage rausholen.

Und dann ist es auch soweit wir betreten den uralten Zug und nehmen auf den Sesseln platz. Bei der Verladung der Räder haben wir auch zugesehen, sah sehr zufriedenstellend aus und die Zugfahrt konnte also beginnen. Was uns nun erwartete, konnten wir freilich noch nicht ahnen.

1.2.

Kurz vor Mitternacht ruckelte der Zug dann also los und verließ den Bahnhof von Pyay. Die beiden Kanadier, die wir in Tamu getroffen hatten, hatten uns vorgewarnt: „Die Strecke ist der Hammer und es wird euch aus den Sitzen heben!“ Ich hatte mir gedacht: So schlimm wird das schon nicht, wir sind ja schließlich auch schon Zug im Iran und Indien gefahren. Es dauerte keine 2 Minuten, da wurde ich eines besseren belehrt. Der Zug begann heftigst nach links und nach rechts zu schwanken, wie ein Schiff, das in Seenot geraten ist und von den Wellen hin- und hergeworfen wurde. Wir guckten uns sehr verwundert gegenseitig an und auch die Einheimischen jaulten auf. Nach kurzer Zeit flogen die ersten Gepäckstücke, von den Gepäckablagen und mussten umgehend besser postiert werden. Was für ein Wahnsinn! Hier hatte seit der Kolonialzeit wirklich niemand etwas an den Schienen gemacht. Nach einer Weile ebbte die links-rechts-Schaukelei etwas ab und wurde ersetzt durch ein auf und ab, was sich nicht minder wie eine Achterbahn anfühlte. Wir hatten das Gefühl es würde den ganzen Zug aus den Gleisen heben und mit jedem Schlag hoben wir ein Stück aus unseren Sesseln ab. Das ganze Abteil sah einfach zu witzig aus, wenn es bei einer buckeligen Passage im Sekundentakt abhob. Das ganze Szenario war so komisch, dass Jule einen Lachanfall bekam, der sich über Minuten hinwegzog und immer wieder heftiger wurde, je heftiger die Bodenwellen waren. Auch Marcel konnte später in der Nacht mit einen Lachanfall aus dem gleichen Grund dienen.

Dann wollten wir doch noch versuchen ein bisschen zu schlafen. Jule legte sich dazu auf den Fußboden mit Matratze und Schlafsack und Marcel und ich versuchten es uns in den Sesseln bequem zu machen. Von wirklich schlafen konnte allerdings keine Rede sein. Hatte man es geschafft einmal einzudösen, kam auch schon die nächste „Achterbahnpassage“ und das ganze Abteil war wieder wach. Ich habe dann recht schnell die Mission „Schlafen“ aufgegeben und mich meinem Buch zugewandt. Aber auch das konnte ich in den buckeligeren Passagen nicht lesen. Ich kann es hier nicht in Worte fassen, was wir da erlebt haben, weil das einfach nicht zu fassen ist, man muss es halt erlebt haben, sonst glaubt man nicht, dass ein Zug der mit 30 km/h dahinschleicht zu solchen Dingen fähig ist.

Nach fast 11 Stunden kamen wir dann am Hauptbahnhof in Yangon an und jetzt schlug der Moment der Wahrheit. So schön wie die Zugfahrt auch war, so viele Sorgen machte ich mir auch um unsere Fahrräder. Ich war mir eigentlich sicher, dass sie bei diesem Geholper hinüber sein mussten, aber wie durch ein Wunder war nichts passiert. Ich konnte es kaum glauben.

Vor dem Bahnhof wartete dann Nicole (eine alte Schulfreundin von Jules Onkel) auf uns. Sie musste schnell weiter (Treffen mit dem Minister), erklärte uns aber noch den den Weg und drückte uns einen Beutel mit richtigem Brot und Käse in die Hand. Lecker!!! Auch hatte Nicole ein ziemlich gutes Mountainbike und sogar einen Helm. Was man nicht alles zu Gesicht bekommt in der großen Stadt.

Der Verkehr in Yangon ist unheimlich entspannt. Die Verkehrsteilnehmenden fahren rücksichtsvoll und vorausschauend. Da haben wir in anderen Großstädten deutlich schlimmeres erlebt. Devis Haus konnten wir dann auch problemlos erreichen. Sie ist Praktikantin in der Entwicklungspolitik und da ihre WG ausgeflogen war (waren sie wirklich^^), konnten wir bei ihr übernachten und die Wäsche waschen. Letzteres tat mal wieder Not bei all dem Schweiß, in dem wir in den letzten Tagen badeten.

Der Tag sollte mit der Shwedagon Pagode noch die größte Pagode der Welt bereithalten. Als wir allerdings 8 € Eintritt löhnen sollten, bemerkten wir, dass wir ohne Kohle aus dem Haus gegangen waren. Vermutlich hätten wir den Preis aber auch nicht bezahlt. So blieb uns also nur die Möglichkeit im großen Bogen um den goldenen Kegel herumzulaufen.

Anschließend sind wir noch mit Devi Essen gegangen. Sie hat extra eins unserer Portemonnaies mitgebracht, trotzdem hatte das Geld wieder nicht gereicht und so mussten wir uns was borgen. Was sind wir doch für arme Schlucker. 🙂

Anmerkung der Redaktion: am nächsten Tag konnte die Reisegruppe stinkende Socken einen Geldautomaten mit vorgehaltener Kreditkarte um 300.000 Kyat erleichtern. Von der Beute reisen sie jetzt von Hotel zu Hotel und leben wie die Könige und Königinnen in Taka-Tuka-Land.

Im Restaurant saßen neben uns auch noch zahlreiche andere Touristen. Zum ersten mal seit Istanbul aber nicht das Klientel von Backpackern sondern hauptsächlich schmierige Leute. Generell treibt sich in Yangon ein seltsames Klientel an Westlern herum, hätte ich so eher in Thailand erwartet. Nun aber zurück zum Essen, das war nämlich Klasse. Es gab eine Art Kartoffelbrei, verschiedene Spieße und Pommes. Außerdem haben wir einige Bierchen getrunken und sind der nie langweilig werdenden Frage: wie fähig sind die Deutschen in politischer Beteiligung? nachgegangen. War also ein gelungener Abend.

Dann gings mit dem Taxi zurück zu Devis Wohnung und auch alsbald ab ins Bett.

2.2.

Heute haben wir bei Seven Diamonds Geld eingesammelt, welches wir zu viel auf ihr Konto überwiesen hatten. War ein ganz schönes Theater mit der ganzen Geldgeschichte. Wir hätten von Anfang an das Geld in bar an die Grenze bringen sollen. Die Leute bei „Seven Diamonds“ waren aber sehr nett, auch wenn wir nicht die volle Summe wiederbekommen haben, weil wohl die Bank einiges verschlungen hat.

Marcel und Jule sind dann noch bissel die Stadt angucken gegangen, während ich mich zum chillen in die Wohnung zurückgezogen habe. Dabei habe ich allerdings einen Mönch verpasst, der in einer Pagode viele Dinge erklärt hatte. Als er fertig war, wollte er von meinen beiden Mitreisenden 10.000 Kyat, also 9€. Als man sich mit der Summe nicht einverstanden zeigte, wurde er sauer. Jule zeigte ihm, das sie nur noch 2$ in der iranischen Geldbörse hat und keine Landeswährung mehr. Darauf meinte der Mönch, die Dollar nimmt er auch. 🙂

Es war nicht das erste Mal, dass Jule schlucken musste, denn sie hatte sich vorher ein positiveres Bild vom Buddhismus aufgebaut.

Am Abend sind wir dann noch einer Einladung von Nicole nachgegangen, die Pizza in ihre Wohnung bestellt hatte. Die Pizza war absolut genial und konnte unsere Gaumen voll überzeugen. Am Tisch saßen außerdem noch zwei Deutsche, die in Yangon arbeiten und 2 die gerade auf eine Rundreise durch Myanmar aufbrachen. Auch dieser Abend wurde wieder sehr interessant. Wir haben eine Menge über Myanmar erfahren und wie die Entwicklungspolitik in diesem Land abläuft. Gut das wir diesen Einblick erhalten konnten, denn mit Einheimischen können wir uns in Myanmar selten länger unterhalten. Da diese Unterhaltungen meistens bei Übernachtungen entstehen und die sind ja nur in Hotels gestattet wo man niemanden trifft. Bei Übernachtungen von Ausländern bei Ausländern wird allerdings meist nochmal ein Auge zugedrückt.

Eine Anekdote zum Mopedverbot in Yangon möchte ich noch loswerden: Mopeds sind eigentlich das Hauptverkehrsmittel der Bevölkerung in Myanmar. Der Legende nach soll aber ein hoher Politiker in den 70ern davon geträumt haben, dass er von einem Motorrad aus erschossen wird. Daraufhin hat er die Zweiräder aus der ganzen Stadt verbannt.

3.2.

Nach Frühstück und Verabschiedung von Devi ging es für uns wieder auf die Piste. Vielen herzlichen Dank im Übrigen noch mal an Devi und Nicole für die gute Zeit! 🙂

Bereits nach 5 km hatte Jule einen Platten, nachdem sie erst am Morgen einen repariert hatte. Seit wir vor einigen Tagen im Dornengebüsch übernachtet haben, hat sie leider immer mal wieder einen Platten im Vorderreifen. Vielleicht versteckt sich noch ein kleiner Dorn irgendwo im Mantel, den wir bisher noch nicht finden konnten.

Nach kurzer Reparatur ging es weiter in flottem Tempo, wozu uns die zweispurige, größtenteils tischebene Straße animierte. Außerdem gab es die kleinen schönen Dörfer, die wir so ins Herz geschlossen haben, leider heute nicht zu bestaunen. Stattdessen wurde links und rechts der Straße viel an fahrbaren Untersätzen geschraubt.

Zum Mittagessen gab es Reis mit verschiedenen, sehr leckeren Beilagen und zur Freude von 2/3 unserer Reisegruppe enthielten diese eine Menge Knoblauch. Ich mags nicht so. 🙂

Wir konnten während des Essens beobachten wie ein LKW mit Ziegelsteinen beladen wurde. Dazu werden von einer Person immer 2 Ziegel im Doppelpack nach oben geworfen. Oben dann in Empfang genommen und gestapelt. Dauert alles recht lange.

Noch ehe der Truck fertig beladen war machten wir uns aber auf in Richtung Bago und vor den Toren der Stadt treffen wir einen bärtigen Reiseradler. Er kommt aus Indien und hat lustiger Weise schon ein paar Mal von uns gehört, da er einige Tage hinter uns radelte. Jetzt ist er aber einen anderen Weg gefahren und auf dem Weg nach Yangon. Dann wird er aber unsere Verfolgung aufnehmen. Mal schauen ob wir ihn noch einmal wiedersehen. An dem Tag konnten wir zumindest erst einmal keinen weiteren Vorsprung herausholen, denn wir parkten unsere Räder nach 85 km in einer Garage in Bago.

Da es noch ein Weilchen hell war, haben Marcel und ich noch zwei große liegende Buddhas angeschaut. Der erste lag im Freien rum und hatte fast keine Besucher. Die Ausmaße des Buddhas waren aber wirklich Gigantisch und ein Fußzeh war schon so groß wie wir.

Bei dem überdachten Buddha war die Größe ähnlich beeindruckend, nur war dieser noch goldener und verzierter. Das lockte dann auch mehr Menschen an. Mein Favorit ist aber der erste Buddha. Zum Abschied unserer kleinen Besichtigungstour ging es noch auf eine große, goldene Pagode. Seltsamer weise durften hier nur Männer aufsteigen. Hatten wir im Buddhismus noch nicht erlebt, das Frauen derartig diskriminiert werden. Von der Pagode aus konnten wir einen sehr schönen Sonnenuntergang Genießen. Insgesamt macht Bago einen sehr guten Eindruck und die Stadt ist eine Perle die vom Tourismus noch nicht entdeckt wurde.

Von der Pagode aus konnten wir dann auch noch einem Elfmeterschießen beiwohnen, welches auf dem Nachbarplatz ausgetragen wurde. Das interessante dabei war dass die 300 Zuschauer direkt um den 11-Meter-Bereich herumstanden, ja sogar schon drinstanden. Jeder Schuss wurde frenetisch bejubelt, dabei schien es egal welche Mannschaft traf. Besonders erfreut war man aber, wenn jemand verschoss. Und bei jedem Schuss rückte die Menge noch näher an das Tor. Der Schütze kam dann mitten aus der Masse gerannt. Dann der letzte Schuss… DRÜBER!!! Die Masse jubeld und geht dann schnell auseinander und auch wir ziehen uns von der Pagode zurück und gehen Abendbrot essen, bevor es Zeit zum schlafen ist. Jule hat bei ihrem Abendbrot noch zwei Reiseradlerinnen aus der Schweiz getroffen. Das Essen war jedoch leider sehr fettig…

4.2.

…und das rechte sich in der Nacht, als die Speise einen anderen Ausgang als vorgesehen nahm. Da Jule von der Nacht geschwächt war, haben wir überlegt noch einen Tag in Bago zu bleiben, haben uns dann aber doch dazu entschlossen wenigstens 65km zu pedalieren.

Leider Gottes ging der Tag erneut mit einem platten Vorderreifen bei Jule los und dieses Mal wurde gleich der ganze Mantel ausgetauscht. Morgen macht Jule einen Pausetag um mal nach dem Rechten zu schauen und sich auszuruhen.

Heute wurde die Strecke wieder etwas schöner, da der Straßenverkehr abgenommen hat. Man sieht auch endlich wieder Ochsenkarren und die Menschen scheinen abseits des Hauptverkehr entspannter zu leben. Naja, das ist jedenfalls mein Eindruck. Vorbeigekommen sind wir auch an zahllosen Melonenhändlern die ihre Felder direkt hinter den Hütten haben. Die Melonen sind meist sehr kunstvoll aufeinandergestappelt und viel größer und länglicher als bei uns im Supermarkt. An einem Stand liesen wir uns eine viertelste Melone gut schmecken.

Dann ging es weiter. Leider stimmte die Kilometerangabe in unserer Karte nicht und so mussten wir anstatt der 65 km 92 fahren. Das war weniger erfreulich, aber Jule hat dennoch tapfer durchgehalten.

Besonders häufig waren heute Grasbrände zu sehen, die hier offensichtlich absichtlich gelegt werden. Auch Müll brennt immer mal wieder am Straßenrand.

Außerdem haben wir einen deutschen Reiseradler getroffen, welcher gerade sein Abi fertig gemacht hat und jetzt durch Südostasien pedaliert. Respekt! Das hätte ich mir nach dem Abi noch nicht zugetraut! Überhaupt scheinen wir jetzt wieder unter Pedaleuren zu sein, den kurze Zeit später überholte uns beim Wasser nachfüllen ein Australier, der später genau wie wir im „Happy Guest House“ untergekommen ist. Hier hatte unser Zimmer als besonders Highlight einen Gecko zu bieten, der ab und an laute Quickgeräusche von sich gab. Sehr interessant! Der Ort in dem wir ankamen, heißt im Übrigen Kyaikhto, falls ihr den auf der Karte suchen wollt.

5.2.

Das Frühstück war heute eine echte Frechheit. Es gab wie immer 2 Scheiben Toast, aber keine Möglichkeit nachzubestellen! Wie soll bitte ein Mensch der sich mit dem Rad fortbewegt von so einer dürftigen Portion satt werden?! Notgedrungen mussten wir noch unser eigenes Essen dazuholen.

Nach dem Frühstück ging es für Marcel und mich mit dem Fahrrad in Richtung „Golden Rock“. Das goldene Steinchen ist nach Bagan wohl die Hauptattraktion des Landes. Bereits auf den ersten Kilometern sausten 12 Reiseradlerinnen und Reiseradler an uns vorbei. Einen (Niti) habe ich gestoppt und er erklärte mir, dass er der Reiseleiter der Gruppe sei. Peter, der auch zu der Gruppe gehörte, war der Einzige der sein eigenes Fahrrad mit hatte. Die Gruppe, die durch Myanmar pedaliert, konnte sich auf einen Gepäckwagen, der den Großteil des Gepäcks trägt, verlassen. Auch mal eine interessante Art zu Reisen. Wer sich dafür interessiert kann „China by bike“ googleln. Dort werden verschiedene Routen in Südostasien angeboten.

Für uns ging der Weg weiter zur Basisstation des „Golden Rock“, wo wir unsere Räder stehen liesen und mit dem LKW weiterfuhren. Selbiger wurde mit Menschen vollgepackt, so das es unbequem war und dann ging es den abenteuerlichen Weg mit unfassbar steilen Rampen hinauf. Gut das wir hier nicht radeln mussten. Auf dem Berg mussten wir dann 6 $ Eintritt zahlen, während Einheimische wie üblich kostenlos hineindurften. Entlohnt wurden wir mit einem sehr schönen Ausblick. Der Stein an sich ist schon durchaus imposant, aber sicherlich nicht so sehenswert, dass es sich lohnen würde, wegen ihm einen großen Umweg zu machen. Erstaunlich ist, dass sich der Stein immer noch an der Stelle hält, obwohl er kaum mit dem Untergrund verbunden ist. Dafür werden täglich aber etliche Goldplättchen an ihn geklebt. Bis in Greifnähe kommen allerdings nur Männer. Frauen müssen, warum auch immer, etwas Abstand halten.

Nach der Besichtigung des Steines fuhren wir mit dem LKW wieder die Serpentinen abwärts. Die muss sogar als noch abenteuerlicher bezeichnet werden. Unten angekommen haben wir den australischen Reiseraler vom Vortag wiedergetroffen. Er war mittlerweile umgezogen und hatte sich mit einem älteren Pärchen bekannt gemacht. Die beiden waren mit dem Rucksack unterwegs, sind aber früher auch schon mal von Feuerland nach Alaska pedalt.

Damit sollten es aber noch nicht genug Radreisende für heute gewesen sein, denn bei der Rückfahrt trafen wir noch 2 und als wir in Kyaikhto zum Abendessen rausgingen, waren da nochmals 2 Pedaleure. Radeln scheint in der Gegend absoluter Trendsport zu sein, ist aber auch wenig verwunderlich, da wir uns auf der Hauptroute zwischen Thailand und Myanmar befinden.

Zum Abendessen gab es mal wieder Nudeln, Reis und Gemüse, das Übliche also. Dazu gab es im „Sportprogramm“ Livetischtennis. Nach dem Essen haben wir uns das Ganze aus der Nähe angeschaut und ich konnte es mir nicht nehmen lassen und hab auch einmal zum Schläger gegriffen. Daraus wurde dann sogar ein Match, bei dem ich nicht total unterging, aber dennoch in 3:0 Sätzen verlor. Spaß hats aber auf alle Fälle gemacht. 🙂

Wer sich nun fragt, was hat Jule eigentlich den ganzen Tag gemacht? Hier die Antwort:

Am Rad geschraubt und mit selbigen etwas rumgedüst. Außerdem gechillt und am Rechner rumgehangen.

Jetzt sitzen wir alle in unseren Betten und ich tippe die letzten Zeilen des aktuellen Berichtes ein und werde ihn gleich hochladen.

 

Myanmar 3 und der erste Thail von Thailand

Die drei unerschrockenen und unglaublich gutaussehenden Reiseradler melden sich nun – durchtrainiert, braungebrannt und immer strahlend – aus Thailand. Ihr KÖNNT euch nicht vorstellen, wie viel Spaß es mir gerade macht, auf den Knopp „hochladen“ zu drücken und wenige Sekunden später sind unsere Bilder auf der Website. Das ist eine Arbeit, die während der letzten drei Monate immer so nervenaufreibend lange gedauert hat… Yeah! Und dabei muss ich erwähnen, dass ich diesem Bericht gerade den letzten Schliff zum upload gebe, während ich in Thailands Bergen auf einem Zeltplatz sitze. Einem Zeltplatz! Mit WIFI! Thailand ist wirklich sooo Europa =)

Dann noch zu dem Myanmar-Fotoordner: den hatte ich mit der falschen Berechtigungsstufe versehen. Wenn ihr auf den Link geklickt habt, wurdet ihr gebeten, mir eine Anfrage zu schicken. Das ist jetzt behoben und jeder kann wie er oder sie lustig ist auf die Fotos schauen. Also einfach links in der Seitenleiste nochmal auf das Zelt unter Palmen klicken =)

Nundenn, erst einmal viel Spaß mit dem nächsten Teil der langen Reise!

Jule

6.2.

Eigentlich haben wir uns den Wecker ganz früh gestellt, um vor der Hitze schon ein paar Kilometer abzuradeln und dann mittags etwas länger Pause zu machen. Kommt aber -wie immer- anders als man denkt, weil wir beim Frühstück im Hotel eine Reiseradlerin aus Amerika treffen, mit der wir uns blendend unterhalten. Ihr Blog ist http://www.theloongwayhome.com

Danach geht es in Hitze und Hügeln weiter, ich persönlich kann immer noch nicht viel essen und komme nicht gut hinter den Jungs her. Am Nachmittag aber fährt neben uns plötzlich ein junger Mann auf einem Motorrad mit einer Art Beiwagen, auf dem irgendwelche Töpfe und Utensilien stehen. Als ich ihn nach kurzem Gespräch auf ganz passablem Englisch frage, was er denn verkauft, da sagt er doch wirklich: „icecream!“ Jaa, so wünschen sich Radler das =)

Er ist tatsächlich ein Stück hinter uns her gefahren, nur um uns nun auf der Strecke auf eine Kugel Eis einzuladen. Leider muss ich wegen meiner Magenquerelen ablehnen, und leider meinen die beiden Jungs auch, dass es eher so gar nicht lecker war. Wir sind im Nachhinein sehr froh, dass nicht noch jemand krank geworden ist. Aber klar- dennoch beeindruckend, wie freundlich die Menschen ständig zu uns sind!

Diese Eisepisode spielte sich übrigens ab, während wir immer wieder durch Anpflanzungen von Bäumen geradelt sind, deren Stamm spiralenförmig die Rinde abgezogen wurde und an denen kleine Schälchen hingen. Der Eisverkäufer konnte uns dann auf jeden Fall beantworten, was für ein Saft aus diesen Bäumen gewonnen wird – und es ist Kautschuk! So radeln wir hier nun also durch endlose Kautschukplantagen. Ist das nicht der Wahnsinn?

Später radeln wir gerade durch eine kleine Stadt, als es heißt: Anhalten! Kuchenpause! Kamera zücken! Wir haben den 7000. Kilometer auf dem Tacho.

Und hiermit möchten wir einen Aufruf starten: wer eine schöne Idee oder einen Wunsch für das Foto zum 8000. Kilometer (das wird wohl in Thailand sein) hat, der möge sie uns schicken. Der Gewinner gewinnt die Realisierung seines Wunschfotos, 13.000 km von Deutschland entfernt! =)

Am Abend dann biegen wir dann (zack!) in eine Kautschukplantage ein, um dort unser Zelt aufzuschlagen, kochen uns Kokosmilchlinsen (ach Yangon, du hast unsere Vorräte großzügig gefüllt) und haben einen schönen Abend in der schönen Natur dieses schönen Landes.

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07.02.

Am Morgen radeln wir noch die letzten fehlenden 20 km bis Hpa-an, der Hauptstadt des Bundesstaates Kayen. Kayen ist ganz platt mit maigrünen Reisfeldern und sich dazwischen senkrecht und atemberaubend erhebenden Karsbergen. Eine ganz andere Landschaft als bisher, und mal wieder aaarg schön.

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In Hpa-an wollen wir auch mindestens zwei Tage bleiben, um uns die vielen vom Reiseführer empfohlenen Natur-Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzusehen: da soll es Grotten geben (mit Buddhastatuen, natürlich), Berge zum Bewandern und Seen zum Schwimmen. Zuerst aber müssen wir ein günstiges Hostel finden und das wird noch fast ein wenig abenteuerlich, weil Navi, Stadtplan und Jule heute nicht gut miteinander kommunizieren. Nach ein bisschen gezirkel aber erreichen wir das „Soe Brothers Hostel“, das uns ein feines Zimmer zu für Myanmar unschlagbar günstigen Preisen überlässt. Außerdem freuen wir uns krass über kleine Luxusgüter, die man aus Hostels in anderen Regionen der Erde gewöhnt ist, die hier aber nie selbstverständlich sind: heißes Wasser für Kaffee zB, oder, noch viel rarer hier: ein wirklich gut funktionierendes WLAN!

Wir machen einen Attraktionen-Abarbeiten-Plan für die nächsten Tage und radeln dann los, um uns eine Höhle anzusehen, in der es erst einmal Buddhastatuen geben soll, wenn man dann aber weiter läuft, soll man zu einer Höhle kommen, in der man schwimmen gehen kann! Das wollen wir. Ja, nun, was soll ich sagen, wir verfahren uns noch zweimal, um nach ca. 20 Radminuten wieder an unserem Hotel vorbeizufahren. Ein schwarzer Tag. Christian ist das zu viel und er bleibt dann auch gleich beim Hotel, um in Ruhe Internetarbeit erledigen zu können, Marcel und ich geben nicht auf und sind dann auch recht bald an den Höhlen- und recht enttäuscht. Es ist alles arg anders, als wir uns das ausgemalt hatten, und zum Baden bietet sich nur ein 5×10 m Wasserloch an, um das herum ca. 12 Restaurants ihren Betrieb aufgenommen haben, um die Massen an (bevorzugt einheimischen) Touristen zu füttern. Es ist Mordsgaudi und mit „Schwimmen in der Grotte“ hat es gar nichts zu tun. Dafür aber ist das Badeloch quellgespeist und sehr klar und hübsch und wir gesellen uns den Nachmittag zu den zig badenden myanmarischen Kindern und Jugendlichen. Wir werden herrlich erfrischt und es macht auch viel Spaß, denn die Menschen hier gehen zu unserer großen Belustigung komplett angezogen ins Wasser- mit Jeans, T-Shirt und Jacke.

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Das ist so ungewohnt! Außerdem gibt es eine ganz kleine Höhle, in der ebenfalls sehr klares Wasser ist, und dort waschen sich immer wieder ein paar Mönche. Darüber hängen ihre dunkelroten Kutten zum Trocknen.

08.02.

Heute schließen wir uns einer Touri-Tour an, bei der wir mit 3 Französinnen zusammen auf eine Motorrad-Riksha gepackt und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gefahren werden. Wir schauen uns im Laufe des Tages zB einige Grotten und Höhlen an. Aus einer riesigen Höhle (Football-Stadion-Größe, sagt der lonely planet) geht es sogar hinten wieder raus. Das sieht schon seeehr fett aus, wie nach dem langen Gang durch komplette Dunkelheit, unter Fledermäusen und zwischen Stalaktiten hindurch, das Sonnenlicht wieder durch die Höhle scheint. Dazu schaut man da auch auf einen sehr idyllischen See zwischen Reisfeldern. Leider zusammen mit ca. 50 anderen Touristen. Über diesen See werden wir dann auch im Einbaum wieder zurück zum Höhleneingang gebracht. Teilweise verläuft die Wasserstraße als Kanal durch die Reisfelder- das ist supertoll.

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Beim Mittagessen gehen wir auch tatsächlich nochmal baden, weil das ausgesuchte Restaurant neben einem Wasserloch ist. Dieses Mal springe ich wie die Myanmaris komplett angezogen ins Wasser- das hat den Vorteil, dass es noch eine halbe Stunde später angenehm kühlt und dass die Kleider halbwegs gewaschen sind. Später, zurück im Hotel, gehe ich übrigens mit den Kleidern duschen, um sie dort mehr oder weniger sauber zu bekommen.

Nach noch mehr Höhlen und ungezählten Buddhastatuen setzen wir uns noch zum Sonnenuntergang vor eine spezielle Höhle am Fluss, um einem ganz besonderen Spektakel zuzusehen (zusammen mit ca. 50 anderen Touristen): ab einer bestimmten Sekunde strömen sicherlich 10 Minuten lang ununterbrochen abertausende von Fledermäusen aus dem kleinen Felsloch. Sie verdunkeln richtiggehend den Himmel und ziehen ein Band über den ganzen Abendhimmel. Das ist ganz wahnsinnig!

09.02.

So viele Dinge an einem Tag! Das muss ungefähr Rekord sein… Für alle Menschen und alle Zeiten…. So viel kann niemand schonmal erlebt haben =)
Zunächst wollen wir gern wandern gehen. Für die geplante Wanderung muss man wohl um 08:00 morgens vor irgendeiner High School stehen und einen überdachten Pick-up erwischen, der einen mit zum Fuß des Berges nimmt. Somit stehen wir um 08:00 morgens vor dieser High School- genau wie 6 andere Touristen, die wohl den gleichen Reiseführer lesen. Auch eine der netten Französinnen von gestern ist wieder dabei, und als der Transport-LKW kommt, steigen wir drei und sie auf das Dach, weil sonst nicht alle rein passen würden. Und weil es einen Heidenspaß macht! Herrliche Dinge, die man in Deutschland nicht mal zu denken wagt! So holpern wir also (zu eurer Beruhigung schon von einer Art Zaun/Geländer gesichert) über den Köpfen aller Menschen durch die Stadt und aufs platte Land hinaus. Das ist noch viel witziger als sonst, weil uns natürlich noch mehr Menschen bemerken, sich nach uns die Hälse verrenken und uns grüßen- und wenn wir dann lachend zurück grüßen, dann fühlt sich das von unserem Hochsitz aus an, als wären wir die königliche Familie und würden eine Kutschfahrt durch unsere Ländereien unternehmen… Sooo lustig.

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Neben unserem Vehikel taucht dann auch bald die mehr-oder-weniger-neunzig-Grad Flanke des Berges auf, auf den wir heute rauf wollen. Beeindruckend. Der Aufstieg beginnt in einem Garten, in dem 1121 identische Buddhastatuen aufgestellt sind (!), das sieht schonmal recht fett aus. Es folgen gefühlte 80 Millionen Stufen, bis wir von Normalnull auf 722 Meter hochgelaufen sind. Das sind 267 Stockwerke, ich hab grad extra nachgerechnet =)

Ich bin so, so, so klitschnass geschwitzt. Aber wir können wohl doch fühlen, dass uns dieses Radfahren trainiert hat. Wirklich bemerkenswert furchtbar anstrengend finde ich das Hochwandern nicht.

Es belohnt uns eine herrliche Aussicht über diese verrückte Landschaft, mit der wir unsere eingepackten Toasts verspeisen. Was wurden wir gestern von einem Franzosen ausgelacht, als er bei der Tour gesehen hat, dass wir uns Stullen geschmiert und mitgebracht hatten. Scheinbar bedienen wir damit ein großes Deutschland-Klischee =)

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Das Runterwandern über mindestens genauso viele Stufen ist dann schon anstrengender, uns zittern allen die Waden sehr enorm. Unten angekommen laufen wir dann noch weiter zur Hauptstraße und halten den Daumen raus, um per Anhalter zurück nach Hpa-an zu kommen, und tatsächlich hält nach einer Minute ein Pickup, auf dessen Ladefläche wir hüpfen dürfen. Genial! Fahrtwind, Freiheit, das ganze Leben…

Im Hotel warten unsere gepackten Satteltaschen auf uns und wir satteln auf, um nicht noch eine Nacht das Zimmer zahlen zu müssen, sondern aus der Stadt heraus zu kommen und zelten zu können. Beim Aufsatteln und Weiterradeln treffen wir aber schon wieder so viele andere Reiseradler, das wir Mühe haben, vorwärts zu kommen. Das ist eine wahnsinnige Dichte hier! Viele fahren „nur“ Südostasien, also zB Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam und Myanmar, aber heute treffen wir auch Adam aus Australien, der vor 5 Jahren in Australien gestartet ist, um dann bis Thailand zu kommen, in Thailand 3 Jahre hängen zu bleiben und nun weiter zu radeln =)

Unser Weg führt weiter durch Kautschukplantagen und weil wir jetzt schon recht nah an einer internationalen Grenze sind und uns das Wildzelten da nicht so geheuer ist, entscheiden wir uns, noch einmal bei einem Kloster zu fragen, ob die ein Plätzchen für die Nacht hätten.

Zunächst ist es etwas kompliziert und der Mönch meint, wenn wir unser Zelt aufstellen wollten, dann sollten wir weiter bis zum nächsten Ort fahren (?), aber dann ist es plötzlich gar kein Problem, mal wieder im Gebetsraum zu schlafen =) Und so liegen unsere Matratzen heute wieder einmal unter einer LED-blinkenden Buddhastatue.

Bevor wir aber schlafen können, müssen wir uns noch seeehr amüsieren und wundern, in was für einem Kloster wir hier gelandet sind… Es scheint wieder nur einen erwachsenen Mönch zu geben, der Rest der ca. 25 Köpfe sind junge Buben und Männer zwischen ca. 7 und 15 Jahren. Zuerst bringen die guten Seelen uns noch ganz gesittet Kekse, Kaffee und ein Licht zu unseren Bambusstühlen vor dem Nebenhaus, dann aber drehen die Kids ziemlich durch, machen Feuer, kabbeln und prügeln sich, bringen mehrere Lautsprecher mit verschiedenster Musik an, tanzen und johlen, springen übers Feuer und machen Halligalli in Tüten! Es ist für uns unfassbar unterhaltsam und ganz schwer mit den Mönchsroben zu vereinbaren.

Nach dem Abendessen (Nudeln mit guter Tomatensauce, haben wir im Supermarkt gefunden!! Wir kommen näher an Thailand! Geilo!!) entdecken wir dann noch einen riiieesigen Skorpion in der Nähe des Kochers… Große Aufregung bei uns, aber ein kleiner Mönch haut beherzt und gelangweilt mit ’nem Backstein drauf und dann ist auch schon gut.

10.02.

Nach dem Aufstehen frühstücken wir in den drei Bambusstühlen vor dem Gebetsraum und sehen dabei die Sonne als roten Ball zwischen den Palmen aufgehen. Dann geht es für uns weiter in Richtung der Thailändischen Grenze, von der uns noch 100 km trennen. Eigentlich sollte diese Distanz für uns kein Problem mehr sein, wir wissen aber, das im Grenzgebiet recht fiese Berge auf uns warten. Zunächst aber verabschiedet uns Myanmar noch einmal mit seinen riiichtig miesen Straßen, bei denen man kaum vorwärts kommt, weil die Bodenwellen jeden Schwung fressen. Und mit seinen riiichtig herzlichen Menschen, die sich so freuen, wenn wir irgendwie in ihre Nähe kommen. Unsere erste Essenspause machen wir schon um 10:00, weil wir da schon 2,5 Stunden im Sattel sind. Danach biegen wir von der sehr viel befahrenen Straße auf den neuen Highway ab, der noch nicht fertig gebaut und somit noch geschlossen ist. Hier warten in der prallen Sonne ein paar Kilometer Sand, Steine und Staub neben Baggern auf uns, bis wir in diese erwarteten Berge kommen. Die Anstiege haben es in sich, es geht leider nach jedem steilen „bergauf“ auch wieder 2/3 bergab, weswegen es sich nur schleppend aufwärts zieht. Und es geht auf Mittag, es wird sengend heiß. Mein größtes Problem ist, dass der laufende Schweiß so sehr in den Augen brennt, dass ich immer wieder anhalten muss, um mir die Hände abzutrocknen (natürlich auch klitschnass geschwitzt) und die Augen zu wischen. Außerdem verpasse ich die Gelegenheit, mir meine Wasserflaschen aufzufüllen, bevor für lange, trockene, heiße Zeit nichts mehr kommt. So quäle ich mich dann arg hinter den Jungs die Berge hoch.

Aber auch so eine Etappe ist irgendwann zu Ende- wir erreichen den Wendepunkt, es saust mit locker über 60 km/h bergab, es wird fast kühl und Marcel hält an einem Militärkontrollpunkt, an dem uns Wasser geschenkt wird. Und an dem viel zu junge Soldaten mit viel zu großen Waffen stehen, das erschüttert uns schon etwas.

Marcel muss dort an seinem Rad rumschrauben, weil sein Umwerfer beim vielen Schalten abgebrochen ist =) Naa, wahrscheinlich war der angebrochen, als Marcel ein paar Tage zuvor auf die Seite gefallen ist. Dabei ist übrigens auch eine Pedale gebrochen, weswegen Marcel nun seit Hpa-an Pedale in pink-metallic spazieren fährt. Sehr fesch =)

Als nun der Umwerfer abgebaut ist, können wir endlich von den bewaffneten aus weiterfahren und düsen düsen düsen weiter, bis wir in der Grenzstadt auf Myanmarischer Seite ankommen. Man fährt hier auf der Hauptstraße einfach immer geradeaus, bevor man an einem Torbogen steht- das ist die Grenze zu Thailand. Nun müssen wir noch kurz unsere Pässe irgendwo vorzeigen und ein elektronisches Foto von uns machen lassen, und zack! haben wir das thailändische Visum in Form eines Stempels im Pass. Kostet nichts, ist kein Aufwand und ist 4 Wochen gültig, wir sind begeistert!

Drüben in Thailand, auf der wunderbar glatten, breiten, guten Straße (im Linksverkehr) rollen wir nur noch bis Mae Sod, dem thailändischen Grenzort. Hier nehmen wir uns ein Hotel (im Gegensatz zu Myanmar so fein, sauber und günstig!) und ruhen uns ordentlich aus. Wenn wir nach solchen Etappen duschen und die weißen Hotelhandtücher benutzen, dann können wir uns duschen wie wir wollen- die Handtücher werden beim Abtrocknen ganz dreckig braun. Ay, ihr wollt nicht wissen, wie siffig wir manchmal sind. Und wie selten wir die Kleider wirklich sauber waschen können. Und dass wir die Radelklamotten nun mal nicht wechseln können =)

Aber die erfreulichen Dinge des Tages: Thailand! Endlich wieder gutes WIFI! Endlich können wir uns um die Internet-Dinge kümmern, die in Indien und Myanmar liegen geblieben sind. Und mit zu Hause skypen. Demnach nutzen wir das Internet lustvoll, nachdem wir das erste Mal thailändisch Essen (nicht so viel toller als das myanmarische, wie alle behauptet haben) und im lang ersehnten Supermarkt waren (schon fett, aber auch nicht so toll, wie alle behauptet haben).

11.02.

Das ist unser erster Tag in Thailand! Und er geht sehr entspannt los, weil Marcel sich um das Ersatzteil für seine Schaltung kümmern muss. Dementsprechend können Christian und ich bis fast zum Mittag rumhängen und einfach mal nichts tun. Es ist ein großes Glück, dass dieses Schaltungsmalheur nun gerade so in Thailand passiert und nicht mehr in Myanmar, denn hier ist es wirklich kein Problem, an das Ersatzteil zu kommen. Also sind wir zu Mittag wieder auf der Straße, um nun von Thailand begrüßt zu werden: mit sehr guten, ganz glatt asphaltierten Straßen auf der einen Seite, aber mit wirklich steilen, fiesen, bösen Bergen (warum wieder in der Mittagshitze?! Sind wir bescheuert?!) auf der anderen Seite. Aber das schöne an Thailand ist: wenn man mal an einem kleinen Shop oder Restaurant am Straßenrand anhält, um wieder zu Kräften zu kommen, dann gibt es für uns schon fast vergessene Dinge wie Eis am Stiel, Milchshake oder Eiskaffee…. Ich bin sehr zufrieden!

Am Abend sind wir auf 800 m, die sich wie 1600 angefühlt haben, weil es immer wieder runter ging und so steil war. Recht fertig und immer noch mit dem Muskelkater vom Wandern fallen wir fast vom Rad, als wir vor einem Rangerhaus stehen, die es hier in den Wäldern gibt. Wir beschließen, das Zelt hinter dem Haus aufzubauen, weil wir meinen, dass es ein Thailand mit dem wilden zelten unproblematisch sein sollte. Und wirklich, abends kommt zwar noch ein Offizieller vorbei, der macht uns aber nur das Licht an und freut sich mit uns. Wir kochen und fallen ins Bettchen.

12.02.

Und wer nun fleißig den Blog verfolgt hat, der weiß: wenn wir einen Tag lang jammern, dass es bergauf geht, dann freuen wir uns am nächsten Tag normalerweise, dass es bergab geht. Philosophisch, nicht wahr? Und so rollen wir von unserem Rangerhaus los, zzzziiiiiisch mit unserer persönlichen Höchstmarke 67 km/h den Berg runter. Eigentlich den ganzen Tag. Spannend ist das sonst nicht weiter, weil wir hier auf der autobahnähnlichen Schnellstraße fahren, von der aus man nichts weiter interessantes sieht oder mitbekommt. Wir haben unseren komfortablen Seitenstreifen und besten Asphalt und es fühlt sich so an, als würde uns Thailand einen Kurzurlaub von den Eindrücken der Reise genehmigen- alles ist einfach und komfortabel und man muss nicht viel verarbeiten oder nachdenken.

Am Abend erreichen wir Sukothai (hier der Wiki-Link), weil wir hier die bedeutenden Ruinen der untergegangenen Hauptstadt des ersten thailändischen Königreiches anschauen wollen. So landen wir in einem sehr niedlichen Hotel mit kleinen Holzbungalows und den Annehmlichkeiten, die es seit Thailand wieder ganz selbstverständlich in Hotels gibt: WLAN, warme Dusche, sauberes Bad, Toilette… Nur die Klimaanlage macht Höllensounds und möchte uns wohl sehr gern vom Schlafen abhalten

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— auf dem lang(sam)en Weg nach China —