Iran 10.-16.12., gastbeitrag von jules muddi

iran 10. bis 16.12. — von jules muddi

jaaaa- ich hatte nun also das vergnügen, die drei reiseradler für eine woche im iran zu treffen. visumantrag ging sehr flott, & am 9.12. nachm. bin ich über istanbul nach isfahan geflogen. 40 kg freigepäck, darunter 1 kg frisches schwarzbrot, vegane aufstriche, bahlsen-kekse & mitbringsel für meine frühere kollegin ursula, mit der ich 1988, schwanger mit jule, am friederikenstift hannover zusammengearbeitet hatte und die 1990 mit ihrem mann ali und 2 töchtern in den iran gegangen war….. ich habe sie über 10 ecken im internet über amazon (sie hat ein buch über den iran geschrieben) + ihre tochter ín potsdam wiedergefunden + sie hat uns zu sich nach teheran eingeladen.- ich kam mitten in der nacht total müde in isfahan an, taxi für 5 € für eine sehr weite strecke, hotel wirkte wie aufgegeben. spaziergang im ersten morgenlicht zur 33-bogen-brücke – seit jahren hat der fluss endlich mal wieder wasser.

um 8:30 bekam ich mein zimmer, hab 3 std. wie tot geschlafen (jule hatte mir morgens gemailt, dass sie noch 75 km durch die wüste radeln müssen) + mich dann ggü. an der promenade auf eine bank gesetzt. & schon bald sah ich 2 radler kommen. stand auf (in langer jacke & schal um den kopf, also irgendwie inkognito), aber schon rief es „MAMA!“ – das war so schön. sie hatten gerade ihren 5000. km auf dem tacho gehabt! haben dann in der hotellobby schwarzbrot, aufstriche + vegane weihnachtskekse gegessen + sind dann zum wunderschönen meidan-e-imam in isfahan gegangen — nach dem platz des himml. friedens in beijing der zweitgrößte platz der welt + einer der schönsten, ich fand ihn schöner als den markusplatz. dort stießen wir gleich auf hamid, „king of the place“, der uns unaufgefordert führte, und auf leute, die die radler vorher schon getroffen hatten, das japanische paar aus der botschaft in trabzon, den älteren griech. radler konstantin — sehr nett. haben die lotfullah- oder frauen-moschee besichtigt, wunderschön, geld getauscht (1 € war 41.000 rial bzw. 4100 toman, ein paar tage später waren es schon 43.000). abends hatten „die jungs“ ein date mit ihrem couchsurfer im süden der stadt & wir mit meinem im hotel. er (ingenieur, knapp 40) war sehr hilfreich gewesen bei der preisrecherche für hotels (das geht ja im iran nicht per internet wie in anderen ländern, auch mails kommen meist nicht an oder zurück) + wir waren mit ihm zur schönen khaju-brücke & haben ihn abends in ein empfohlenes restaurant eingeladen. es gab ganz interessante gespräche, bis es auf das – wie jule sagte – übliche faible für hitler kam……

am 11.12. kamen die jungs zu uns + wir sind dann zum chehel sotun, dem palast der 40 säulen gegangen (persien hat eine große gartenkultur). an sich sind es nur 20 (jede aus einem zypressenstamm), aber sie spiegeln sich im wasser… hier habe ich das erste mal die schönen spiegelmosaiken gesehen, denen wir später noch mehrmals begegnen sollten, z. b. im golestan-palast. es gab auch schöne postkarten & eine hübsche teestube mit safran-eis. dann wieder zum großen platz, wo wir hamid gleich wiedertrafen. erstmal zum buchladen (wo ursulas buch im fenster stand!), diesmal ging es in die große imam-moschee (alles, was heute imam heißt, hieß früher schah) an der südseite des platzes, ggü. dem eingang zum basar am anderen ende. diese blauen & türkisen fliesen sind eine pracht, das war orient pur. wir haben dann in einem restaurant am platz um einen innenhof herum gegessen, überall wird man gefragt, woher man kommt, und ich denke, germany steht auf der beliebtheitsskala ganz oben – aus verschiedenen gründen: man hört immer wieder das „arische“ – sie grenzen sich ja sehr bewusst von den arabern ab – aber auch, weil deutschland keine ausbeutungsbestrebungen hatte bei öl, tabak und sonstwas, sondern viel zusammenarbeit vor allem auf technischer ebene. jedenfalls, als ich beim bezahlen am eingang (immer fürchterliche verwirrung mit den vielen nullen, zumal es mal um rial & mal um toman geht, die es offiziell gar nicht gibt) sagte „germany“, bückte er sich unter den tresen, holte eine hohner-mundharmonika hervor & spielte extra für mich – very touching. wir sind dann durch den basar, haben stoffdruckern zugesehen, waren hin & weg von der überfülle an gewürzen und haben nördlich des basars (total verwinkelt, es ging immer durch tunnel, krimifähig; ohne hamid hätten wir das nie gefunden) in einer gegend, die wohl im kommen ist, das isfahan traditional house gefunden – um einen innenhof & wunderschön. wir haben für den 12. dann reserviert und gleich die 1,4 mio. abgedrückt – das sind keine 30 €; das melal hotel am fluss hatte 50 gekostet.

am 12.12. sind marcel, jule und ich ins armenische viertel südlich des flusses, um dort die vank-kathedrale aus dem 17. jhdt. anzusehen. da gab es einen schönen shop, und drin dudelte „jingle bells“!! danach sind wir durchs jolfa-viertel + am fluss entlang zum hotel zurückgegangen, es war richtige wochenend-stimmung. überall familien und picknicks. jule + ich sind dann in das andere hotel umgezogen, das war für mich mit dem taxi ein horrortrip, denn der fahrer hatte null ahnung, null orientierung & sprach null englisch. wir haben die gr. isfahan-rundfahrt gemacht; die 3 radler warteten schon lange vor dem hotel + gingen bereits davon aus, dass er mich für 20 kamele eingetauscht hatte (blond!)……… dann ging es noch einmal alle läden entlang u. a. auf der suche nach briefmarken, und dann in ein restaurant im 1. stock mit tollen bunten glasfenstern, wo man auf einen diwan krabbelte, schuhe aus natürlich. dann war chillen angesagt, auf dem platz mit den mitgebrachten zeitungen. das ist übrigens eine große picknick-nation. ursula erzählte mir später, dass sie anfang der 80er mal in freiburg versuchten, ein visum für ali für eine reise nach frankreich zu besorgen + vor der botschaft auf dem rasen saßen, wofür sie dort sehr angemacht wurden!! heute auch anders…. gegen abend sind jule & ich mit hamid ein gr. stück bus nach norden gefahren zum kaveh terminal, um uns zu erkundigen wegen der weiterfahrt nach teheran am 13.12.- wir wollten gern in kashan einen zwischenstopp einlegen, weil das so schön sein sollte, und haben die tickets bis kashan gekauft. der 13. war ein ganz hoher feiertag, ähnlich karfreitag hier, 40 tage nach dem tod des imam hussein, & alle hatten frei (sonst wird ja sonnabend gearbeitet). es sollte um 10 h losgehen, 2,5 std. bis kashan, und an der hotelrezeption sagte man uns, wir sollten für die anfahrt zum terminal eher mehr zeit einplanen als an einem normalen werktag wegen des verkehrs- das war aber quatsch, um 8:45 h waren die straßen noch völlig frei, so dass wir um 9 h schon da waren. dann kam (gegen 10!) die spannende fahrradverladung, das fahrrad reiste teurer als sein besitzer (knapp 2 €/2,50). es ging durch karge wüste mit ein paar lehmziegelruinen + dann setzte man uns an der südlichen einfallstr. ab – weitab vom busterminal nach teheran, das hat mich doch sehr an costa rica erinnert! das ging so weiter, denn als wir so gegen 13:30 h am richtigen terminal waren, hieß es da zuerst, heute ginge kein bus mehr nach teheran. am zweiten schalter dann doch: 19 uhr. na, besser als nix! leider nur zum terminal teheran-süd, denn ursula hatte mir vorher gemailt, dass wir versuchen sollten, einen bus in richtung argentin (das ist der terminal im norden) zu buchen, weil das näher an ihnen dran ist – in der 15-mio.-stadt etwas anderes als in hannover…. christian verhandelte mit den leuten hinterm schalter, dass wir räder + gepäck dort einstellen konnten + blieb auch selbst zeitunglesend dabei. marcel, jule & ich nahmen ein taxi für 5000 (gut 1 €) in die stadt. und der fahrer war so nett!! ein pensionierter sportlehrer; machte uns den fremdenführer, wartete nach der moschee, um uns weiterzufahren – und die highlights hatten doch auf: das hamam, der boroujerdi palast, das tabatabai-haus (hier fand jule in einer seitengasse das lange gesuchte lonely planet büchlein mit farsi „phrases“) & der bag-e-fin, ältester garten persiens mit vielen quellen. als marcel & ich da wieder rauskamen, haben wir jule nicht gefunden – es stellte sich heraus, dass sie direkt am ausgang saß, umringt von jungen leuten, mit denen sie adresse & handy-nr. austauschte. so geht das da dauernd. wegen des feiertags war dann enormer rückreiseverkehr in richtung teheran, wir fuhren direkt am hellerleuchteten heiligtum der fatima von qom vorbei + es gab dann einige unfälle + staus auf der autobahn – offenbar klappt es doch nicht immer, wenn man sich nicht an die spuren hält.

um 22:30 h waren wir dann am südlichen busterminal in teheran, und ursula & ali haben uns sehr herzlich willkommen geheißen. sie hatten einen pickup für die fahrräder organisiert + einen kleinbus für uns alle. und es kam noch toller: sie wohnen seit ihrer übersiedlung aus hannover nach teheran 1990 im norden der stadt in einer doppelwohnung (zu jules großem amusement mit einer doppeltür im küchenschrank verbunden), so dass wir eine ganze wohnung für uns hatten – beide töchter sind inzwischen in deutschland. 1990 endete die stadt ungefähr hier, inzwischen geht sie wirklich direkt bis an die steile kante des elburus, und überall werden ältere häuser abgerissen + hochhäuser gebaut. ich habe geschlafen wie tot, + als ich am sonntag (14.12.) aufwachte, waren die drei schon weg in richtung indische botschaft + ursula & ali zur arbeit. aus dem wohnzimmer, nach norden, guckte man aufs schneebedeckte damavand-gebirge (5670 m), teil des elburus. mittags kam ursula zurück + wir haben uns nach einem kl. imbiss per sammeltaxi und metro (die linie 1 endet seit wenigen jahren dort im norden nahe des tajrish-platzes, noch vor 100 jahren ein bergdorf mit ziegenherden & -hirten) auf den weg in die stadt gemacht. alles (wie auch die museen) recht überheizt, irre lange züge, rappelvoll, das ganze zum spottpreis. in der city sind wir ausgestiegen (nahe der dt. botschaft, die früher im norden lag, heute ist das mitte) + sind mit jule in der zentralbank ins juwelenmuseum gegangen, nachdem wir die anderen 3 getroffen hatten – die jungs wollten sich die parolen an der ehem. US-botschaft ansehen. die juwelensammlung ist wohl die wertvollste der welt (eher durch zufall 1979 dageblieben, da sie immer in der bank aufbewahrt wurde): mehrere kronen, ein riesendiamant (180 karat) & ein globus von 60 cm durchmesser aus einigen kg gold mit gut 50.000 edelsteinen besetzt.- danach haben wir uns alle im café naderi getroffen, einem kultcafé aus den fünfzigern, wo eine musterstudentin von ursula mit dem schönen namen xxxx (Anm. der Redaktion: wir haben sie hier im Blog Fatima genannt) dazukam, die unbedingt ein paar deutsche treffen wollte (ursula ist frauenärztin wie ich, hat aber nach der übersiedlung in den iran noch ein germanistik-fernstudium gemacht + ist jetzt dozentin am spracheninstitut). es war sehr nett + es wurde beschlossen, am nächsten tag in die berge zu gehen! ali hatte dann etwas für uns gekocht + wir haben den tag glücklich, erschöpft und satt ausklingen lassen, in unserem „eigenen“ wohnzimmer – ursula mailte mir nach meiner rückkehr, dass sie sich sehr darüber gefreut hat, dass christian gegen ende sagte, er habe sich wie zuhause gefühlt. am montag (15.12.) ging der wecker um 10 vor 6 + dann ging es mit ali mit sammeltaxi los, wir haben keine halbe stunde gebraucht bis dort, wo der weg nach oben losging, eine klamm hinauf. fatima kam auf die minute dazu. und sowas glaubt man nicht: an dem weg, der einen kl. fluss begleitete, waren mehrere 100 restaurants aufgereiht, z. t. auch diwane im fluss, was bei hitze schön sein muss – da muss ja im sommer was los sein! an einem der obersten haben wir gefrühstückt; marcel & fatima sind weiter- und wir zurückgegangen + mit ali über den tajrish-basar gestromert + dann mit der metro zum golestan-palast (krönungssaal), wo im park papageien flogen. übrigens immer (bis auf den letzten tag) sehr sonnig und um die 16 grad – es kam mir nie wie dezember vor! danach sind wir über den gr. basar, wo ali sich seit kindheit an sehr gut auskennt, u. a. arbeitet da auch ein halbbruder von ihm, den wir besuchten. ein teil der unterhaltung ging an mir vorbei, ich meine, man hat versucht, jule zu verheiraten…… ;-)) mir riss an meiner kl. umhängetasche „fürs nötigste“ der henkel ab, schwupps zu einem mann mit einer gr. nähmaschine + schon war die tasche wieder heile. wir waren dann in einem restaurant am rande des basars, wo hinter uns 4 männer auf einem diwan lümmelten + wasserpfeife rauchten. dort kein WC zum draufsetzen, also habe ich an dem tag 10 std. ausgehalten…… nämlich bis zur wohnung von alis neffen (sohn des basaris), den wir dann noch besucht haben. das war auch eine erfahrung! seine frau, rebecca, behielt ihr kopftuch auf, aber ali sagte zu jule & mir, wir könnten unsere abnehmen. das habe ich später hinterfragt: na, wegen ali!! rebecca ist nur angeheiratet!! wäre sie blutsverwandt, hätte das kopftuch fallen dürfen! die 16j. tochter, die englisch gedolmetscht hat, hatte keins auf. es gab kaffee, obst & pistazien, + der kaffee war noch nicht alle, da gab es auch noch tee — sehr speziell, 6 leute, 3 sprachen & im hintergrund der fernseher mit einer türkischen serie (ohne kopftücher) —- dann hat uns der neffe im auto durch den dichten verkehr nach hause gefahren.- am dienstag (16.12.) mussten die drei reiseradler das dritte mal zur indischen botschaft + sollten ihr visum nun endlich bekommen, was auch geklappt hat. ursula hatte frei (sie haben uns wechselweise bespaßt, die guten seelen) + ist mit mir zum niavaran palastkomplex gefahren, der sommerresidenz des letzten schahs, dieses gebäude (das modernste) war allerdings geschlossen. wir haben die zweistöckige bibliothek gesehen und einen älteren palast aus der kadscharenzeit. auch hier viele grüne papageien, geräusche wie im regenwald! an dem tag war es etwas trübe + nieselte. teheran zieht sich über 1000 höhenmeter am hang hoch, die autos haben keinen kat, entsprechend sind smog + geruch, und hier oben im norden war immer schon die bevorzugte wohngegend, vor allem im sommer.- wir sind dann auch noch zum tajrisch-basar, haben die erfolgreichen visa-beschaffer getroffen, pistazien gekauft + sind dann nach hause, wo ali wieder toll gekocht hatte – reis (dort etwas bräunlich+ sehr schmackhaft) mit berberitze, das fand ich sehr lecker, etwas säuerlich, eine art tsatsiki, salat – ich hatte extra noch geld getauscht, weil ich alle am abend in ein vegetarisches restaurant einladen wollte, aber niemand hatte mehr hunger! so haben wir gepackt (ich habe viel nicht mehr benötigtes gepäck von den dreien mitgenommen, hatte einen koffer von 37 kg + eine reisetasche von fast 9 + habe von hier 2 umzugskartons an christians + marcels eltern verschickt), jule noch doppelkopf spielen beigebracht, uns ein stündchen aufs ohr gelegt + um halb zwei nachts kam mein taxi zum flughafen – wo ich die übrigen millionen auch nicht mehr ausgeben konnte….. über istanbul zurück, die drei sind 23 std. später dann nach kalkutta geflogen, dem himmel sei dank über afghanistan + pakistan hinweg — wieder mit dem pickup zum flughafen.

übrigens sind diese visabeschaffungen zu aller nerverei auch ziemlich teuer (meist um 75 pro nase), und da marcel nun erfreulicherweise als dritter radler fest dabei bleibt, ist weiterer spendenbedarf vorhanden…… ;-))

es war eine trotz der kürze sehr beeindruckende reise + ich denke, ich werde den iran nochmal bereisen, vielleicht mit der bagdad-bahn ab istanbul. ich wurde häufig gefragt „ist das nicht gefährlich?“ oder „das ist ja mutig“ – nein. stimmt nicht. abgesehen davon, dass einige leute iran mit irak verwechseln, ist es für touristen völlig ungefährlich. die gastfreundschaft + das freundliche entgegenkommen habe ich so noch nirgends erlebt + der zauber des orients + die enorme vielfalt sind höchst interessant. und nach dieser reise frage ich mich, ob die iranische revolution nicht von mehr leuten getragen wurde, als wir glauben mochten.

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— auf dem lang(sam)en Weg nach China —