Der erste Teil: Deutschland bis zum schwarzen Meer

Die ersten Tage – wir sind gestartet!

Sorry ihr lieben, ohne Internet lässt sich nicht bloggen =)

Sind heute nach einer 114km-Etappe von Pistany an der Elbe bis nach Prag gekommen und hier in Betten und mit heißer Dusche bei einem Couchsurfer untergebracht. Die Jungs und Katharina sind noch ein Bierchen trinken, Ena und Jule surfen im Internet und pflegen das Heimweh (also wahrscheinlich eher Jule, die kämpft noch).

Der Start am Sonntag fand im Regen statt,

die Nacht auf dem Erzgebirgskamm auf dem Skiberg Bournak hat zwar wahnsinnigen Ausblick geboten, war aber saustürmisch und verregnet und kalt. Wir wollten eigentlich noch weiter kommen an dem Tag, aber Jules Garmin-Navi ist noch nicht richtig auserprobt und wollte uns mit unseren todesschweren Gepäckfahrrädern tatsächlich einfach gerade den Berg runter auf der Skipiste leiten… Kennt ihr das Erzgebirge?! Die Kante auf der Tschechischen Seite ist die Definition von steil!!
Naja, deswegen hatten wir die mordtstolle Abfahrt am 1.9., am Montag Morgen, an dem wir dann bis Pistany gekommen sind. Die Strecke war viel bergiger als geplant, und ich denke, wir sind doch recht zufrieden gewesen, dass wir trotz der großen Gruppe (ständig will irgendwer irgendwas anderes! ^^) und der wirklich vielen Berge irgendwas mit 70 km gefahren sind.

Am Ende des zweiten Tages wollten wir auf einen Zeltplatz, der aber geschlossen hatte, und wurden ZACK von einem jungen Tschechen in dessen Garten eingeladen… mit eigener Küche und Bad im Garten und mit Zapfanlage im Keller und ordentlich Slivovic…. und wir haben uns auch gekringelt, wie wir mit Händen und Füßen versucht haben, mit ihm zu kommunizieren!

Soweit! Ich lad morgen mal ein paar Fotos hoch! Seid gedrückt und danke für all die guten Wegwünsche!!

Bis auf das Wetter scheint alles unter einem hervorragenden Stern zu stehen.

Prag-Tabor

Mit Todd hatten wir einen unglaublichen Gastgeber, für mein erstes mal Couchsurfen. Er beherbergt gleichzeitig bis zu 25 Personen in seinem Haus und selbst in seinem eigenen Räumchen dürfen Menschen übernachten. Für unsere Reisegruppe hat er sein Zimmerchen sogar komplett geräumt. Todd selbst arbeitet für die Ärzte Ohne Grenzen in Ländern wie Nigeria oder dem Kongo, wenn er gerade mal keine anderen Couchsurfer empfängt.

Am Mittwoch (3.9) morgen sind wir erst spät in die püschen gekommen. Anschließend hatten wir noch allerhand Kram wie Einkaufen und Räder reinigen zu erledigen. Auch dass aus Prag heraus navigieren gestaltete sich als schwierig, so dass wir erst gegen 17 Uhr die Tschechische Hauptstadt verlassen haben. Im Nachhinein betrachtet wäre ein Ruhetag in Prag vielleicht die bessere Option gewesen, als die 25km zu radeln. Immerhin konnten wir so unser erstes kleines Lagerfeuer am Waldrand machen.

Da wir die ersten drei Tage morgens erst sehr spät losgekommen waren haben wir uns für Donnerstag zum ersten mal eine feste Uhrzeit ausgemacht, wann wir loskommen wollten. 9:30 Uhr konnten wir zwar nicht ganz halten, aber immerhin waren wir schon 10 Uhr on the Road nach Tabor. Bis dahin lagen aber 85km vor uns, die doch mehr schlauchten als gedacht. Als wir dann nach 65km noch feststellen mussten, dass wir doch noch 30km statt 20km und sich unsere Etappenlänge damit auf 95km erhöht, sahen wir Tabor schon in weite Ferne rücken. Eine Essenspause (die zweite heute) weiter, traten wir dann aber doch noch motiviert in die Pedale und bewältigten zunächst 200 Höhenmeter auf 5km und dann die restlichen Weg bis Tabor, wo uns ein unfassbar billiger Campingplatz gegen 20 Uhr aufnahm. Für 6 Personen mussten wir gerade einmal 13€ löhnen. Eine Dusche gab es zwar nicht, aber dafür liegt der Campingplatz mitten in der Innenstadt, was uns noch zum Pizza essen und Bierchen trinken einlud.

Heute (5.9.) ist nun unser erster Ruhetag. Leider wollten uns ein paar tschechische Bauarbeiter diese Ruhe nicht gönnen und uns stattdessen zeigen wozu ihre Presslufthammer in der Lage sind. Also doch wieder zeitig aufstehen und bei strahlendem Sonnenschein die herrlich Innenstadt Tabors genauer inspizieren. Hier gibt es wunderschöne Gässchen und eine unfassbare Dichte an Kneipen aller Art. Jetzt sitze ich auf dem Campingplatz der ebenfalls als Kneipe fungiert und trinke ein frisches Fassbier, dass auf den Namen Kozel hört und weniger als einen Euro kostet. Morgen ist dann der letzte Radtag an dem uns Thomas und Florian begleiten werden bevor sie zurückfahren. Eine Anekdote noch von Thomas: Er ist heute extra ins Schwimmbad gegangen um Duschen zu können. Gebadet hat er aber nicht, weil er ja keine Badehose mit hat. 🙂

Wer gerne die Route verfolgen will, die wir gerade fahren kann im Internet mal nach „Green Ways“ suchen. Dieser Radweg führt von Prag nach Wien und wir werden in zu guten Teilen, wenn nicht sogar komplett folgen.

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Tabor – Wald / Wald – Vranov nad Dyji

In Tabor haben wir unseren Ruhetag bei schönstem Wetter in der herrlichen Stadt genossen und davon ein paar nette Fotos hochgeladen. Es gibt wahnsinnige Burganlagen und eine interessante Stadtgeschichte- die Stadt ist echt einen Besuch wert!

Die Fotos gibt es jetzt übrigens genau wie geplant über unser Flickr-Album. Um dorthin zu gelangen, müsst ihr links in der Seitenleiste auf die Fotos klicken.

Am 6.9., unserem zweiten Tag in Tabor, haben wir uns dann morgens von unseren beiden Begleitern Florian und Thomas verabschiedet- danke euch beiden nochmal für’s mitradeln! Seitdem ist Christian mit uns drei Frauen unterwegs und wenn wir Leute am Wegesrand zum Beispiel fragen, ob sie uns die Wasserflaschen und den 10l-Wassersack auffüllen, dann sind alle plötzlich viel freundlicher =)

Ab Tabor ging es weiter auf dem Greenway, bergauf und bergab und durch Wälder, in denen man beim Vorbeifahren schon die wahnsinnigsten Pilze erspähen kann: Maronen, Goldröhrlinge,  Steinpilze, Schirmpilze, Pfefferpilze, Fliegenpilze ^^, Knollenblätterpilze, Rotfüßchen, Ziegenlippe, Reizger, Täublinge, u. so viele mehr … Nahe an der Österreichschen Grenze haben wir nach 64 Bergkilometern unser Lager im wunderschönen Märchenwald aufgeschlagen (siehe Fotos). Wir Mädels haben die Zelte aufgebaut, Chris ist erstmal in die Pilze geschickt worden, und zum Abendessen gab es zusätzlich zu den eingeplanten Honig-Möhren-Orangen-Linsen dann auch noch eine leckere Pilzpfanne…. da soll nochmal jemand sagen, dass die Campingküche nichts kann!

Vielleicht schiebe ich hier kurz für interessierte ein, dass wir bisher mit Gaskocher unterwegs sind, der eigentlich, von Haus aus mit Schraubkartuschen funktioniert. Wir haben uns aber einen Adapter gekauft, durch den wir den Kocher auch mit den überall erhältlichen Stechkartuschen betreiben können. Wir sind gespannt und berichten dann mal für andere Globetrotter, wie gut man zB in Bangladesh Stechkartuschen bekommt =) Für den Notfall hat Christian aber auch einen Multifuel dabei.

Nach der wundervollen, stillen Nacht im Wald sind wir heute morgen früh aufgebrochen und haben weitere 80 km erradelt. Wir sind dabei vom Greenway immer an der Tschechisch-Österreichschen Grenze entlanggeführt worden. Die Landschaft war ebenfalls wieder herrlich und wir danken all den lieben Freunden und Familienmitgliedern für’s aktive Telleraufessen, denn wir haben perfektes Radfahrwetter mit ein bisschen Sonne und ein bisschen Wolken, nicht zu warm und nicht zu kalt und wenig Wind =) Wir haben auch mittags an einem See Pause gemacht und alle splitterfasernackt gebadet, sehr zur Begisterung vorbeiradelnder Touristen, uns dann mit Bioseife die Haare eingeseift und mit der Wassersack-Dusche wieder ausgespült. Danach gab es unser neues Lieblingsmittagessen: Honigbrot mit Honigbrot und Honigbrot. Dazu Dattelbrot, Kräuteraufstrichbrot und auch ein nichtveganes Käsebrot =)

Am Abend sind wir jetzt in Vranov angekommen, einem kleinen Touristenort mit unglaublich schöner Burganlage und einem Stausee, an dessen Ufer wir gerade Gemüsereis gekocht haben und wo ich gerade mitten auf dem Campingplatz im freien WIFI rumsurfe, während unsere Geräte neben dem Zelt an der Steckdose hängen- ich sag euch, campen war auch mal anders =)

Ich dank euch für all die schönen Kommentare, Tageskäufe und Emails in dieser ersten Woche und kann versichern: uns geht es hervorragend und wir haben eine ganz große Menge an Spaß und grandiosen Eindrücken

Kuss! Jule

 

Vranov nad Dyji – Wien

8. September

In Vranov nad Dyji sind wir in dichten Nebelschwaden aufgewacht. Innerhalb kürzester Zeit haben sich diese allerdings von der Sonne aufschlecken lassen und bei strahlend blauem Himmel konnten Katharina und ich die Wassertemperatur des Stausees testen neben dem wir geschlafen hatten. Im See haben wir auch einen alten Plastiklöffel gefunden, mit dem wir endlich auch mal Jules superkrass beschichtete Töpfe umrühren könnten. Jule zeigte sich ob des dreckigen Löffels allerdings wenig begeistert. Schade! 🙂

Die Rezeption des Campingplatzes war beim verlassen wie schon am Vortag nicht besetzt, so dass wir eine kostenlose Übernachtung hatten, da niemand auffindbar war, der Geld haben wollte. Die letzten Kronen mussten wir demzufolge noch beim Mittagessen in einer kleinen Kneipe verjubeln. Für umgerechnet 20€ gabs für jeden etwas zu essen und zwei Getränke. Der Kellner des kleinen Wirtshauses schien allerdings zum ersten Mal von veganem Essen zu hören und war demzufolge durchaus erstaunt über Enas Bestellung.

Bei Tageskilometer 15 passierten wir dann die tschechisch-österreichische Grenze, die Entlang des Flusses Dyji (auf deutsch: Thaya) verläuft. Die Grenzbrücke muss im zweiten Weltkrieg und 1990 sehr bewegte Zeiten erlebt haben. Nachzulesen ist das alles neben den großen Bildern auf der Brücke.

Die ersten Kilometer in Österreich waren ähnlich bergig wie in Tschechien. Richtig toll wurde es, als wir in die Weinberge und später auch noch an der „Weinstraße“ vorbeikamen. Dort haben wir uns direkt vom Erzeuger auch noch einen „Blauen Portugieser“ geholt. Lustigerweise wurde nach dem Wein auch der Radweg benannt, auf dem wir bis zu unserem Tagesziel, einen Weinberg hinter Haugsdorf, geradelt sind. Der Wein wurde selbstverständlich noch getrunken und zum Abendbrot gab es leckere Knödel mit Rotkraut aus Beuteln.

Tageskilometer: 50

9. September

Schon ganz früh, genau genommen noch in der Dunkelheit, wurden wir von Traktoren geweckt. Die selben Bauern, die Abends zuvor noch bis in die Dunkelheit hineingearbeitet hatten, fuhren jetzt schon wieder Trecker. Ich musste einmal mehr feststellen, dass Bauer kein guter Job für mich wäre, ich aber sehr dankbar bin, dass ihn jemand macht.

Durch den Weckdienst und ein erstaunlich trockenes Zelt (kein Kondenswasser an der Innenwand des Zeltes) konnten wir so früh aufbrechen wie noch nie zuvor. 9:55 Uhr sausten unsere Packesel bereits den Weinberg hinunter. Weitere Berge gab es auf unserer ersten wirklichen Flachetappe nicht und so ging es in gutem Tempo in Richtung Wien.

Unterwegs haben wir Berge von Zuckerrüben gesehen, die auf einen Zug verladen wurden. Auch haben wir bei der Mittagspause die Zuckerrübenernte beobachten können. In dieser Pause hatten wir den Luxus von vier Gartenstühlen, die hinter einer kleinen Kapelle im nirgendwo aufgestellt waren.

In Hollabrunn haben wir an der Tankstelle kurz Wasser aufgefüllt und den Luftdruck gecheckt, als ein älterer Mann zu uns kam und sich über unsere Reise und unsere Herkunft erkundigte. Als wir Dresden sagten, meinte er, dass er schon in der Semperoper war, sonst aber noch nichts gesehen habe. Das witzige daran war, dass sein Autokennzeichen „Oper 1“ lautete und schon viel über den guten Mann verriet. 🙂 Dazu muss gesagt werden, dass man in Österreich alle möglichen Kombinationen an Kennzeichen auf sein Auto anbringen kann.

Bei Stockerau haben wir die ersten ReiseradlerInnen seit der Elbe getroffen. Es war ein älteres Pärchen aus Kanada, welches auf kleinen Fahrrädern saß und eine Art Rollkoffer hinter sich herzog. In diesen Koffer können sie Fahrrad im demontierten Zustand hineinlegen und so einfach und bequem auch mit dem Flugzeug reisen.

Auf unserer heutigen Tour sind wir zudem erstmalig an die Donau gestoßen. Es war ein schönes Gefühl den Fluss zu sehen, der für die nächsten rund 1000 km unser Begleiter sein wird.

Der Radweg entlang der Donau war wirklich hervorragend und so standen wir bereits 16:30 Uhr bei der WG vor der Tür, die uns für die nächsten zwei Tage aufnehmen wollte. Jule kannte Fabi irgendwie um zwei Ecken und trotzdem wurden wir sehr herzlich aufgenommen, wofür wir sehr dankbar sind und uns an dieser Stelle auch noch mal bedanken wollen. Wir konnten unsere dreckigen Körper sowie die Dreckwäsche endlich mal wieder richtig waschen. Derart frisch gemacht sind wir mit Fabi noch quer durch die Innenstadt zu einem veganen Restaurant gelaufen, welches bereits seit 22 Jahren existiert und sich auf das Nachkochen von Fleischgerichten spezialisiert hat.

Tageskilometer: ca. 75

10. September

Heute war Ruhetag und wir sind ein bissel durch die Stadt geschlendert und haben Besorgungen gemacht. Unter anderem konnten wir noch einmal einen Bioladen und einen Weltladen besuchen, was gerade mich sehr freudig gestimmt hat. Generell haben wir uns heute mal getrennt, da man ja auf so einer Radtour auch genügend Zeit miteinander verbringt. Katharina und ich konnten einen bunten Aufzug aus Menschen mit Schildern, Blumen und Kapelle beobachten. Außerdem wurde eine Person auf einer Art Thron durch die Gegend geschoben. Auf den ersten Blick machte dies einen sehr politischen Eindruck. Ich war dementsprechend etwas enttäuscht, dass der Umzug „bloß“ aufgrund des 120. Geburtstag des Kaffee Krone stattfand. Wie dem auch sei, immerhin konnten wir aus den übrigen Blumen einen Blumenstrauß für unsere GastgeberInnen zusammensammeln.

Wien scheint auch eine Stadt für unglaublich reiche Personen zu sein. Die Dichte an Luxusläden und Schickimicki-Restaurants und -Hotels war wirklich erschreckend. Für manches paar Schuhe kann man sich ein ganzes Reiserad kaufen und dann ist immer noch nicht klar, ob die ProduzentInnen fair bezahlt werden.

Ansonsten lief heute wirklich viel organisatorischer Kram, wie Couchsurfinganfragen und Bericht schreiben.

Wien sollte man unbedingt mal besuchen, allerdings länger als wir, wenn man die Hauptstadt Österreichs wirklich kennenlernen will. Für uns geht es morgen jedoch schon wieder weiter.

Tageskilometer: 0

Wir sind allerdings dennoch mit dem Rad zwischen 15 und 32 km durch Wien pedalt.

Grüße aus Wien Chris

Wien – Bratislava

Als wir am 11.9. in Wien aufgewacht sind, zwischen wild durch das Zimmer gespannten Wäscheleinen und einem riesigen Berg Zeug, das irgendwie immer wieder in die Satteltaschen packt, hat es tierisch geregnet- einer der Couchsurfer, die wir in Budapest für nächste Woche angefragt haben, hat uns auch etwas von katastrophalen Wetterberichten erzählt…

Weil es in Fabis WG so wahnsinnig gemütlich war, kamen wir erst gegen 13:00 auf die Straße, dafür hat sich Fabi aber auch noch kurzfristig („gebt mir zehn Minuten!“) entschieden, uns ein Stück zu begleiten. So sind wir auf großartig breiten Radwegen durch den Prater etc zu dritt, viert, fünft nebeneinander gefahren und Fabi hat uns noch ein bisschen was über seine Wahlstadt erzählt- zum Beispiel über das unter heftigen Protesten gebaute, aber nie in Betrieb genommen AKW Lobau, an dem wir vorbeikamen und das heutzutage besichtigt werden kann. Hätte ich (Jule) das vorher gewusst, da wär ich doch gern noch hin!

Den ganzen Nachmittag sind wir durch strömenden Regen schnurgerade auf dem Deich langgefahren, sind vielleicht dreimal abgestiegen und standen wie die Pinguine da, um unsere nassen Kleider nicht noch mehr an den Körper zu bekommen, haben unter einer Donaubrücke die kürzeste Mittagspause aller Zeiten gemacht und kamen nass und kalt und eklig gegen 18:00 in Bratislava an- 73 km mal eben so am Nachmittag runter geschrubbt, Rückenwind und plattes Land und Ankommen-Wollen sei dank!

Mit Bratislava erreichen wir schon das vierte Land unserer Tour, die Slowakei. Wir haben uns entschieden, ein Hostel zu nehmen, um die nassen Kleider trocknen zu können, etwas von der Stadt zu sehen und eine heiße Dusche abgreifen zu können. Wir haben auch ein sehr, sehr schönes und gemütliches Hostel gefunden, das Mansard, direkt in der Stadt. Hier hab ich erstmal auf dem Weg zur Dusche meine Flasche Shampoo, die ich in Wien gekauft habe, weil ich in Vranov meine Seifendose vergessen habe, gegen die Wand neben der Rezeption geworfen und musste hinter Christian, der sich meiner ein wenig geschämt hat, unauffällig den Boden wischen.

Vom Hostel wurde uns ein ganz tolles Slowakisches Restaurant empfohlen, das Flagship, in dem man typisch slowakische Gerichte zu einem fairen Preis bekommt und das in einem ehemaligen Theater untergebracht ist, was eine ganz abgefahrene Stimmung ergibt- offene Galerien, eine Bühne vorn im Zentrum, ein dicker Kronleuchter über allem und hunderte Menschen, die dort bekocht werden. Die Stimmung unter uns ist schön, die Gruppe wächst zusammen und wir haben viel gelacht und uns seehr über den warmen, gemütlichen Abend, erst im Restaurant und später in unseren echten Betten mit echter Bettwäsche (und wieder unter kreuz und quer gespannten Wäscheleinen) gefreut.

Nachts hat es wieder tierisch auf unser schräges Fenster geregnet und dementsprechend unbegeistert war ich über die Idee, den nächsten Tag wieder auf dem Rad zu verbringen.

LG – jule

12.9. Bratislava – Pampa

Den Vormittag vom 12.9. haben wir aber in Bratislava verbracht, Chris und Katharina sind erstmal auf die Suche nach einem Bahnticket für Katharinas Rückreise Anfang Oktober gegangen, Ena und ich haben an einer kostenlosen Stadtführung teilgenommen, die es in vielen verschiedenen Städten weltweit gemmeinnützig gibt. Herrlich, man weiß zu wenig über Bratislava! Die junge Stadtführerin, die das neben dem Medizinstudium ehrenamtlich macht, hat uns einen wahnsinnig guten und unterhaltsamen Überblick über Stadtgeschichte und -kultur gegeben, den wir später dann, als wir nachmittags aus Bratislava wieder aufgebrochen sind, radelnd an die anderen beiden weitergeben konnten.

Hier schieb ich mal ein, wie sich mein Gefühl gegenüber der Reise entwickelt hat. Die letzten paar Wochen oder Monate, bevor es losging, was das ganze Unterfangen immer mehr eine große schwarze Wand, vor der ich viel Angst hatte. Da musste man die Sicherheit einer eigenen Wohnung aufgeben, das Wissen, was man jeden Tag so zu tun hat (nämlich Aufstehen, Kaffee trinken, arbeiten gehen), ich musste mich mit dem Gedanken anfreunden, meine Freunde und meine Familie für eine lange Zeit hinter mir zu lassen, und -nur schwer vorstellbar- meinen Partner für eine so lange Zeit nicht an meiner Seite zu haben. All das, was man sonst immer miteinander teilt, nun mit anderen Menschen zu teilen. Gerade die letzten Tage vor der Abfahrt waren nah am Nervenzusammenbruch und völlig durch den Wind.

Jetzt… jetzt ist es tatsächlich so, wie ich mir dann immer zur Beruhigung gesagt habe. Es ist jeden Tag Aufstehen, Zähne putzen und dann mal so sehen, was ansteht. Wir wachen fast jeden Tag an einem anderen Ort auf, was sicher nicht jedermanns oder jederfraus Sache ist. Aaaber… ist es genau meine Sache! Es macht wirklich Spaß und hat alles Bedrohliche verloren, auch wenn natürlich die Trennung von all den Freunden zu Hause und dem Partner auf keinen Fall leicht fällt. Das ist jetzt für eine ganze Zeit unser Leben, und es ist sicherlich kein schlechtes!

Ein Grund, warum man denn all dieses Schöne, Sichere, Angenehme und Gute aufgibt ist für mich aber auch, dass ich all dieses Schöne, Sichere, Angenehme und Gute immer wieder wirklich krass zu schätzen lerne, wenn ich es eine Zeit lang aufgebe. Wer freut sich schon so enorm über ein Bett oder über eine warme Dusche oder auch nur über ein paar Sonnenstrahlen wie wir das jetzt tun, wenn er zu Hause im Alltag rumgurkt? Und schätzt man wirklich wert, was für unendlich tolle Menschen man da zu Hause um sich herum hat, während man sie ständig haben kann? Abschiede, und gerade die auf Zeit!, sind schon wirklich was tolles, um sein Leben lieben zu lernen =)

Ende Einschub. Wir sind noch beim 12.9., an dem wir viel besseres Wetter hatten, als angekündigt war, und teilweise sogar durch Sonnenschein an der Donau entlanggefahren sind. Die ist in diesem Teil (für ein Wasserkraftwerk mit drei Staustufen) aufgestaut und damit so breit, dass hin und wieder richtiges Meer-Feeling aufkam. Irgendwo am Donauufer haben wir abends in einem Wäldchen unser Zelt aufgeschlagen, uns gegen die Mücken komplett in unsere Regenkleidung geduckt und auf dem Damm mit Blick auf Stauwerk und Donau Dosenbohnen gekocht. Nachdem wir fertig gegessen hatten, hat dann auch direkt ein großes Lastschiff neben uns geankert, nachdem sie mit ihrem riesigen Suchscheinwerfer das Ufer abgeleuchtet und uns ordentlich erschreckt haben. Da haben wir uns dann ins Zelt zurückgezogen, noch ein wenig Mücken gejagt, gelesen und unter heftigen Regenschauern (die Zelte sind dicht!) geschlafen.

LG – jule

13.9. Pampa – Komarom

Müde, weil die Nacht durch den Regen unruhig war, sind wir weiter und weiter an der Donau lang, durch heftigen Gegenwind und sehr schlechte Kiespisten viel langsamer als gedacht. Hier ist der Donauradweg ziemlich schlecht ausgebaut. Dementsprechend haben wir unser Ziel, Esztergom, nicht erreicht und sind stattdessen in der durch die Donau geteilten Stadt Komarom / Komarno geblieben, wo uns Thermalquellen auf die ungarische Seite gelockt haben. Die verrückte Währung Forint ist 1/300stel Euro, wodurch wir plötzlich mit zigtausenden umzugehen hatten.

Gerade, als wir die Grenzbrücke zwischen der Slowakei und Ungarn hinter uns gelassen hatten, haben wir am Straßenrand doch tatsächlich ein Wohnmobil mit Freiberger Kennzeichen gesehen!, und als wir ihm lachend eine Visitenkarte unter den Scheibenwischer klemmen wollten, kam auch Bernd aus Freiberg um die Ecke, dem das Wohnmobil gehörte. Er hat sich wohl ebenso gewundert und gefreut über die Begegnung, und hat auch gemeint, dass er von unserer Reise schon in der Freien Presse in Freiberg gelesen hat =)

Die haben übrigens vor, einen regelmäßigen Artikel auf Grundlage unseres Blogs zu schreiben, kann mal jemand die Artikel ausschneiden?? =)

Tatsächlich waren wir auch noch rechtzeitig in der Therme, um noch eineinhalb Stunden im warmen Wasser unsere geschundenen Hintern und Muskeln entspannen zu lassen oder noch eine Runde zu schwimmen, um auch mal einen anderen Muskel zu benutzen. So sauber, wie wir dann nach der ausgiebigen Dusche waren (das Thermalwasser roch leider ziemlich arg nach Schwefel), waren wir wohl seit Beginn der Reise nicht mehr, yeehah!

Nachts wieder heftiger Regen, esst doch mal eure Teller wieder auf!

LG – jule

14.09. Komarom – Esztergom

In einer Regenpause haben wir das Zelt abgebaut und dann über den Tag, der uns immer weiter den Donauradweg entlanggeführt hat, wirklich Glück und nur zwei kleine Regenschauer gehabt. Der Donauradweg ist anfangs immernoch ein Sauhaufen gewesen, gegen Mittag aber ist er plötzlich komplett neu asphaltiert und richtig, richtig schön zum Fahren gewesen. Leider hielt das Radlerglück nur bis Kravany, was aber abgesehen davon ein unglaublich süßer und netter Ort war, in dem auch noch zufällig heute ein Kirchenfest gefeiert wurde. Deswegen waren wir auch ziemlich verwirrt, als wir in den Ort hinein gefahren sind und aus all den kleinen Lausprechern an den Laternenpfahlen ABBA-Musik ertönte… Ziemlich witzig, ziemlich gruselig!

Unsere Mittagspause haben wir direkt an der Donau abgehalten, wo die Wellen eines vorbeifahrenden Schiffes dann auch fast unsere Picknickplane erreicht haben. Dank unserer eisernen Sitzblockade ließ sich das Donauwasser aber vom Über-Die-Ufer-Treten abhalten.

Beim Mittag haben wir uns gedacht, dass wir auf unserer Website einen Brot-Zähler einführen sollten, der die verzehrten Brote mitzählt; Wir futtern solche Massen an Brot jeden Tag, man kann es kaum für möglich halten!!

Gegen Nachmittag sind wir dann auf das rechte Donauufer gewechselt, haben damit endgültig die Slowakei verlassen, unser fünftes Land angebrochen und sind in Esztergom gelandet- ich zitiere den Donauradweg-Reiseführer:

„Doch plötzlich scheint die Donau auf einen Felsen aufzulaufen. Eine Kuppel, so groß, dass man sie zuerst für eine Luftspiegelung am Horizont hält, blockiert Sicht und Strom. Dann zeichnen sich langsam die Konturen im grauen Dunst ab, und vor geblendeten Augen erscheint die ungarische Peterskirche. Esztergom ist der Sitz des ungarischen Primas. Die klassizistische Kathedrale bildet den ersten Ton im großen Dreiklang der ungarischen Gewaltenharmonie: der zweite und dritte sind das Parlament in Pest und die Burg in Buda.“

Wir wussten nach diesem Artikel gleich: entweder ist Esztergom wirklich schön, oder es gibt wirklich gute Drogen dort!

Den Unterschied zwischen Slowakei und Ungarn sieht man sofort: wo bisher das platte Land regierte, fließt die Donau nun zwischen steilen Bergen in ihrer Schlucht. Auch der Regen scheint sich hier zu sammeln, denn über der Slowakei sieht man blauen Himmel, über Ungarn dicke dunkle Wolken und dazwischen einen Regenbogen. Ich bin froh, dass die Reiseführerschreiber dieses beeindruckende Spektakel am Himmel nicht auch noch zu sehen bekommen haben, sie hätten womöglich einen Herzinfarkt erlitten.

In Esztergom sind wir gerade am Campingplatz angekommen, als es auch aus Eimern zu schütten angefangen hat, haben in einer kleinen Regenpause das Zelt aufgestellt und noch eine kleine Regentour durch die Stadt gemacht.

LG – jule

15.09. Esztergom – Budapest, 16.09./17.09 Budapest

Es regnet noch beim Aufwachen. Irgendwie verändern viele Dinge ihre Bedeutung- Ausschlafen hängt nun nicht mehr davon ab, ob Samstag oder Dienstag ist, sondern eher davon, ob man morgens Tropfen auf dem Zelt hört oder nicht. Bisher war an solchen Regentagen niemand motiviert, direkt nach dem ersten Aufwachen aus dem Zelt zu springen und Frühstück zu machen. Also heißt Regen irgendwie Wochenende, und wir schlafen alle ein kleines bisschen länger. Alle? Nein! Nicht Ena, die schon früh das Zelt verlassen hat, um sich die monströse Esztergomer Kathedrale anzuschauen. Nach dem Frühstück fahren auch wir anderen dort noch rum und dann wieder an die Donau, die jetzt nicht mehr wie vorher die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei bildet, weil die Slowakei zuende ist. Die Landschaft hat sich verändert, beidseitig steigen steile, dicht bewaldete Berge auf und wir fahren mit der Donau durch ihr eingeschnittenes Tal. Es ist Herr-der-Ringe-Stimmung.

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Einmal müssen wir die Donauseite wechseln und nehmen dafür die Fähre, es braucht zwei Männer und den oder die jeweilige FahrradbesitzerIn, um die dicken Räder die Treppe runter in die Gastkabine zu hieven.

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Noch ca. 20 km vor Budapest bekommen wir die Nachricht, dass unser Nachreisender Marcel nun weiß, dass er in ca. 9 Tagen kommen kann! Wir freuen uns auf dich! Bring Nachrichten von Zuhause mit! =) Und wir bekommen noch spontan eine Zusage von einem warm-showers-Mitglied (warm showers ist, wie Couchsurfing, eine Internetplattform, auf der sich Leute anmelden, die privat Reisende aufnehmen wollen oder eben aufgenommen werden möchten, nur warm showers ist explizit für Radreisende), dass er zwei von uns aufnehmen kann. Wir suchen die Adresse auf der GPS-Karte raus und radeln hin, dafür verlassen wir die Donau und kommen in die Berge. Als es schon fast dunkel ist und wir vor einer Bergflanke stehen, die noch 200 weitere Höhenmeter von uns verlangt, wobei uns der Schweiß schon aus allen Poren dampft, entschließen wir uns, das Unterfangen Warm-showers aufzugeben und in die Innenstadt zu fahren, um einen Campingplatz zu suchen. Als wir also dem Warm-Showers-Host per SMS mitteilen, dass wir nicht mit solchen Bergen gerechnet hätten, fragt er uns…

vielleicht könnt ihr es ahnen…

ob wir uns sicher seien, dass wir bei der richtigen Adresse sind- es gibt genau die Straße zweimal in Budapest.

Haha.

Hahaha. Die Zwillingsstraße (in die wir müssen) liegt natürlich direkt in der Innenstadt. Auf Höhe der Donau. Wir hätten uns sicherlich 1,5 Stunden Umweg, große Straßen mit viel Verkehr und ca. 200 Höhenmeter sparen können… Haha.

Aber als wir ankommen und Christian und Katharina dort abgeben wollen, entwickelt sich alles noch unglaublich schön! Der Warm-showers-Host Zoli kommt, als wir vor der Tür stehen, aus dem regional-Bioladen nebenan, für den er mit dem Lastenfahrrad Gemüse ausfährt, begrüßt uns, zeigt uns sein wahnsinnig schönes Haus (mehr Bilder auf der Bilderseite) und seine gemütliche, kreative, herrliche Wohnung und meint, wenn es uns nicht zu eng wäre, dann könnten auch alle vier bei ihm schlafen. Übrigens: zusätzlich zu noch zwei anderen deutschen Reiseradlern in unserem Alter, die gerade von ihrer viermonatigen Tour zurückkommen! Lieben Gruß hier an Johannes und Lukas, die mit ihrer offenen Art und ihren Albaniengeschichten unglaublich viel Lachen in diese Tage gezaubert haben!

Weil es Zoli nicht stört und wir alle gerne viel Zeit in Budapest haben möchten, bleiben wir ganze drei Nächte. Es folgen Stadtführungen, Besichtigungen, chillen auf der Grünen Insel, Staunen ob der wunderschönen Stadt, in der man sich direkt irgendwie zuhause fühlt, Besuche in veganen Restaurants uuund all sowas, was man in einer großen, schönen Stadt machen kann. Budapest ist herrlich, ich empfehle es wärmstens weiter! 39 Euro mit dem Europa-Spezial der deutschen Bahn, sagt Christian, oder zwei Wochen radeln =)

Es ist ziemlich verrückt, dass wir auf einmal in Ungarn sind. Mit dem Rad. Ziemlich verrückt und ganz schön toll. Ziemlich verrückt ist auch ungarisch. Hallo heißt „ciya“ (also wie „see you!“ auf englisch) und tschüss heißt hello. Ziemlich verrückt alles.

Außer all den schönen Dingen muss ich auch meinen Marathon-Ultra-Mantel austauschen, weil er tatsächlich und unerklärlicherweise nach nichtmal 1000 km längs der Felge gerissen ist. Toktoktok, dreimal auf Holz, dass nichts passiert ist, ich Ersatzmäntel dabei habe und wir in Budapest alle Zeit der Welt zum Wechseln hatten. Eigentlich sollte auch Christians Kette das erste Mal getauscht werden- wir haben beide drei Ketten dabei, fahren immer so 2500 km mit einer Kette, tauschen sie dann gegen eine neue, und das dreimal, bis alle Ketten benutzt sind und man mit den gebrauchten Ketten wieder von vorn anfängt – das schont die Ritzel und wir hoffen, diese deswegen bis China nicht tauschen zu müssen.

Das Werkzeug, das den Kettenverschleiß anzeigt (Kettenlehre) hat uns aber gesagt, dass Christians Kette noch top in Schuss ist und wir haben uns entschieden, ihr noch weitere 200 oder 400 km zuzumuten, bis sie in meiner Satteltasche schlummern darf.

Alles in allem war Budapest der Wahnsinn, nicht zuletzt durch Zoli. Danke dir, Köszönöm Zoli!!, wish you all the best and hope to see you again!

18.09. Budapest – Dinnyes

In Budapest haben wir entschieden, nicht direkt weiter der Donau zu folgen, sondern einen Abstecher zum Balaton zu machen! Am 18.09. rollen wir also wieder los, müssen aber noch einen Radladen ansteuern, weil Katharinas Reifen ziemlich platt ist und wir irgendwie zu blöd für ihre Dunlop-Ventile sind. Beim Radladen angekommen lernen wir von dem jungen, sehr netten und kommunikativen, physikstudierenden Radladenmitarbeiter, dass wir einfach zu wenig Gewalt anwenden und die Luft mit mehr Druck in den Reifen zwingen können. Und noch viel mehr, wir reden noch über Atomkraftwerke, Elektroautos, die Ukraine und… bis wir dann doch weiter müssen. Wir fahren am Nachmittag über eine ziemlich wild befahrene, aber zum Glück sehr breite Landstraße, als wir auf dem Tacho dann unseren 1000sten Kilometer zählen und feiern können! Und feiern wollen wir ihn mit Mittagspause, fahren dafür kurz rechts in eine kleine Obstbaumallee, müssen aber feststellen, dass wir da kein Mittagspausenlager errichten können, weil da schon ein Stand mit zwei Menschen steht, die Äpfel in zig verschiedenen Sorten verkaufen. Weil wir schon da sind, sucht sich jeder seinen Lieblingsapfel aus- und dann kriegen wir die doch tatsächlich einfach so geschenkt! Danke, Welt! Juhuu!

Bis zum Abend schaffen wir es zum kleinen See, der auf dem Weg zum Balaton ist, und zelten wild in einem herrlichen Gebüsch mit einer Anzahl an Mücken, wie ich sie in meinem Leben noch nicht erlebt habe. Das Mückennetz in Doppelbettgröße, das mir meine Mama mitgegeben hat, wird zwischen Räder, Bäume und Zelte gespannt und so thronen wir beim Kochen und Abendessen geschützt und sehr königlich unterm Himmelbett und unter den Sternen. Ena und ich bauen auch nur ihr Innenzelt auf, also nur das Moskitogitter, weil es recht warm ist und nicht regnen wird. So schlafen wir direkt unter den Sternen. Unbezahlbar!

19.09. Dinnyes – Balaton!

Und doch, wir bezahlen für die herrliche Nacht im Dickicht- und zwar mit zwei platten Reifen, einmal bei Katharina und einmal bei mir, die wir noch vor dem Frühstück flicken müssen, weil wir uns entschieden hatten, erstmal die Räder zu bepacken und dann Frühstück an einem schönen Reetdach-Aussichtsturm zu essen, an dem wir am Abend davor vorbeigefahren waren.

Mit knurrendem Magen also entpacken wir unsere Räder wieder, flicken bzw. wechseln den Schlauch, fahren dann zum Frühstücken und kommen wieder erst recht spät auf die Straße.

Christian passt das gar nicht, der will nämlich endlich am See ankommen und baden, und seine Laune wir nicht davon besser, dass die Route, die wir am Tag davor am Computer über outdooractive.com berechnet und ins GPS geladen haben, zur Umgehung von offiziell für Radfahrer gesperrten Straßen zigzackige Umwege über kleine Feldwege und dann doch wieder große Landstraßen macht. Die ersten Kilometer brauchen so recht lange, dann hat Katharina auch Probleme mit ihrem Knie und wir drosseln das Reisetempo – aber am Ende wird doch alles gut, wir landen nach 55 km auf einem herrlichen kleinen Campingplatz direkt am See, haben unseren eigenen kleinen Privatstrand, gehen baden und essen Langos für ganz kleines Geld, trinken ein Bierchen und plaudern mit grandioser Aussicht auf den Balaton…. Herrlich, sag ich euch!

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Hier lieg ich jetzt auch auf dem Zeltplatz im Schatten, jetzt wird’s mir aber langweilig und ich verabschiede mich um schwimmen zu gehen, yeehah!, das ist schon eine ziemlich coole Reise =)

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Kuss und Druck an euch alle, uns geht es (bis auf das Knie!) gut, wir haben es warm und gutes Wetter, genug und gutes Essen und einen See und wir freuen uns auf Marcel!

Schön, wenn ihr alle dabei wärt =)

Jule

Balaton – Apatin (Serbien)

20. September
Wie Jule bereits im vergangenen Beitrag erwähnt hat, haben wir am Balaton einen Pausentag eingelegt. Für mich war es bereits der 5. Besuch dieses wunderschönen Gewässers und es zieht mich immer wieder zu ihm hin. Das Wetter war heute bombastisch und so zog es uns Wasserratten mehrmals ins Wasser. Das heißt alle, außer Ena, denn die hatte sich in den Kopf gesetzt, den Balaton zu umrunden und ist dafür über 200 km gefahren. Echt der Hammer, was sie aus sich rausholen kann! 😉 (Anmerkung der Redaktion: Am nächsten Tag ist Ena gefahren als wäre nichts gewesen!)
Außer baden war ich (Christian) heute auch noch in Balatonkenese einkaufen und hab mich dort mit einem älteren österreichischen Ladenbesitzer unterhalten, der sich über das miese Wetter während der Urlaubszeit aufgeregt hat. Ansonsten ist heute nicht viel Spannendes passiert, mal abgesehen davon, dass wir unsere Badestelle ab 16 Uhr mit Anglern teilen mussten und Ena nach ihrer Ankunft (es war bereits dunkel) sogar noch darum bitten musste, dass die Angeln mal beiseite geräumt werden, um ins Wasser zu kommen.

21. September
Wir wachen auf und wer ist noch da?! Richtig!!! Unsere drei Angelfreunde, die sich für ein paar Fischchen das ganze Wochenende blocken. Entweder mögen die Angeln wirklich sehr oder sie mögen ihre Frauen zu Hause nicht. 🙂
Für uns ging der Tag jedenfalls entspannt mit Baden los und ging genauso entspannt an unserer „Stammkneipe“ mit Langos und Palatschinken weiter. Zum Abschied wünschte uns der Besitzer der Kneipe, in der wir drei Tage lang eingekehrt waren, eine gute Weiterfahrt und die hatten wir heute, denn obwohl wir erst 13:30 Uhr losgefahren sind, konnten wir 72 km zurücklegen. Bei Rückenwind und perfektem Asphalt flutschten wir nur so dahin. Es war echt super!
Kurz vor Donau bei Paks bauten wir dann unsere Zelte auf. Es gab was zu futtern und dann spielten wir eine Runde Skat. Jule, die heute zum ersten mal Skat spielte, muss aber noch einiges lernen, damit sie dann mit Marcel und mir mithalten kann. Ja, ich höre den Aufschrei der geneigten Leserschaft förmlich: Das Mädchen hat bisher noch nie Skat gespielt?!?!?! Glaubt mir, ich konnte mir das bis heute auch nicht vorstellen, aber es gibt einfach Dinge, die sind außerhalb unserer Vorstellungskraft.

22. September
Nachts hatte es geregnet und auch am Morgen regnete und stürmte es immer noch. Aufstehen wollte da niemand so richtig und auch Frühstück gabs im Zelt. Der Regen hört dann zumindest zeitnah auf, aber der Wind nicht. Passend dazu ein Hit, den wir selbst komponiert haben und der sich bei Katharina und mir großer Beliebtheit erfreut:
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*

Nach 10 Kilometern pedalen haben wir Paks erreicht. Zu unserer Freude konnten wir eine dm-Drogerie ausfindig machen, in dem wir unsere Vorräte an veganen Aufstrichen auffüllen konnten, die sind nämlich nur sehr schwer erhältlich.
In Paks haben wir die Donau mal wieder getroffen, die wir schon seit Budapest nicht mehr gesehen hatten. Vor lauter Freude wollten wir gleich eine Fährfahrt machen um wieder auf den Donauradweg zu gelangen. Das Problem hierbei sind allerdings die Fährzeiten. Die meisten Fähren verkehren nur im Stundentakt und so mussten wir fast eine Stunde warten. Kurzentschlossen haben wir also unsere Mittagspause vorgezogen und in einer kleinen Garage gespeist. Als es dann endlich losging, waren wir die einzigen Fahrgäste. Das ist aber offensichtlich nicht schlimm, denn der gut deutschsprechende Kassierer scheint eher zum Spaß diesem Job nachzugehen. Jedenfalls war er der Besitzer der Fähre sowie einiger anderer Containerschiffe, wie er uns erklärte.
In Kalocsa hatten wir außerdem mal wieder Internet in einem Kaffee, so dass der seit langem schon fertige Bericht von Budapest zum Balaton endlich den Weg auf unsere Homepage finden konnte. Diverse andere Besorgungen wurden auch noch getätigt, weswegen bereits nach lediglich 50 km für heute Schluss war. In einem kleinen Pappelwald mit unverschämt vielen Mücken haben wir unsere Zelte aufgebaut, gegessen und sind dann schnellstmöglich ins Bett geflüchtet, um diesen blutrünstigen blöden Biestern zu entkommen.

23. September
Entlang des Donaudeiches sind wir die ersten 30 Kilometer geflogen, bis wir Baja erreicht hatten. Dort warteten 4 Langos zu je etwa 300 Forint( also einem Euro) auf uns. Irgendwie wurde Ungarn immer billiger, je weiter wie kamen.
Die frischen, kleinen, spitzen Paprika, welche noch in den beiden vergangenen Tagen unseren Weg säumten und dort in wurstförmigen Netzen an den Hauswänden herunterhingen, waren an unserem letzten kompletten Tag in Ungarn nicht mehr zu sehen.

Stattdessen hat uns der Donauradweg viel an der Deichkrone entlanggeführt. Dort gab es kaum Häuser und Menschen. Auch den Campingplatz, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, gab es nicht mehr und so mussten wir einmal mehr wildcampen. Nicht, dass mir das keinen Spaß macht. Ich hatte mich bloß mal wieder auf die Logistik eines Campingplatzes gefreut und unseren stinkenden Körpern ging es da wohl genauso. Letztendlich haben wir aber ein nettes Plätzchen auf einer Schafweide, die gerade nicht genutzt wurde, gefunden. Bei einem Schlückchen Wein konnten wir zudem noch den Sonnenuntergang über der Donau bewundern. Die Abteilung Paparazzi wird sicherlich Fotos im Flicker-account beisteuern. Ich bin hier im Übrigen der Einzige, der kein Kamera dabei hat.

24. September
Endlich sind wir mal wieder etwas zeitiger aus den Federn gekommen und konnten schon 10:30 Uhr losfahren. Von den 30km in Ungarn gibt es nicht besonderes zu berichten und so verlassen wir nach 10 Tagen dieses Land mit vielen schönen Erinnerungen.
Zum ersten Mal gab es nun Passkontrollen und Ena freute sich tierisch darüber, dass ihr Pass gestempelt wurde.
Ein ganz klein wenig Bammel hatte ich vor unserem ersten Reiseland, welches nicht in der EU Mitglied ist. Sehr schnell wurde ich jedoch vom puren Gegenteil überzeugt. Viele Menschen grüßten und hupten, wie in keinem Land bisher zuvor.

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Mittagspause machten wir direkt an der Donau, die hier Serbien von Kroatien trennt. Es ist schon seltsam die beiden Ufer zu sehen, die bis vor 20 Jahren noch zu einem Land gehörten.
Weiter ging unsere Fahrt entlang einer unbefestigten und holprigen Deichkrone, wo wir auf einmal auf 20-30 Hirsche trafen. Die Tiere hatten jedoch mehr Angst vor uns als wir vor ihnen und so waren sie sehr schnell im Wald verschwunden. Das gleiche gilt für drei weitere Gruppen von Rotwild und einer Wildschweingruppe, die allesamt schnell das Weite suchten. Unfassbar was hier an Wild unterwegs war. Zwischendrin im Nirgendwo sind wir auch noch auf einen älteren Radler getroffen, der uns zielsicher auf Serbisch klarmachen wollte, dass wir in eine andere Richtung, die aber einen Riesenumweg bedeutet hätte, fahren sollten. Wir fuhren dann doch noch 6km auf der Holperpiste, ehe wir wieder Asphalt unter den Rädern hatten. Dort gab es auch gleich ein Gasthaus, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen wollten. Die Diskussion mit dem Kellner verlief etwas schwierig, da wir keine gemeinsame Sprache sprachen und dennoch konnten wir ihm unser Anliegen klar machen. Er schnappte sich drei Flaschen und verschwand im Inneren des Gasthauses. Da warteten wir nun draußen und wurden von Milan angesprochen. Was nun folgte übertraf unsere Vorstellungskraft. Er lud uns auf seine Rechnung zu Speis und Trank ein und meinte, dass wir doch hinter dem Restaurant, welches auch Zimmer vermietete, unsere Zelte aufstellen sollten. Wir könnten dann auch reingehen und uns Duschen. Auch wenn er und seine Freunde das Angebot noch mehrmals wiederholten und darauf bestanden, dass wir doch wenigstens noch etwas mit Ihnen trinken sollten, beließen wir es bei einem Getränk und einem Salat.
Ein bisschen bereuten wir es schon, dass wir das Angebot ausschlugen, denn es wäre sicherlich noch interessant gewesen, ein wenig weiter zu plauschen und mehr über Serbien zu lernen. Milan, wir danken dir auf alle Fälle für deine Gastfreundschaft und sollten wir mal Probleme haben in Serbien, werden wir dein Angebot wahrnehmen und dich anrufen. 😉
Wie gastfreundlich dieses Land ist, zeigte auch noch der Nachbartisch im Restaurant, auch hier versuchte uns ein Fan von Roter Stern Belgrad davon zu zu überzeugen, dass wir doch im Garten übernachten sollten und gab uns kleine Gastgeschenke.
Wie dem auch sei, wir fuhren weiter durch Apatin und es kamen nur noch Felder und kein Platz, wo man einfach mal sein Zelt aufschlagen könnte. Der Wald, den wir schon von weitem sahen, war dann zu allem Überfluss auch noch ein Nationalpark, der eingezäunt war und nur über ein Gitter auf der Straße erreicht werden konnte. Eingezäunt ist hier jede Menge Wild, wie man den röhrenden Hirschen unschwer entnehmen konnte. Es war schon fast stockfinster und irgendwo mussten wir schlafen, also gleich hinter dem Zaun. Sofort kam auf der anderen Seite des Zaunes ein Jäger hervorgesprungen. Freundlich erklärte er uns auf italienisch, dass wir hier nicht zelten können, es aber bei einem Haus im Wald versuchen können. (Anmerkung der Redaktion: Keiner von uns spricht italienisch, verstanden haben wir ihn aber dennoch grob)
Also los, ab durch den „Wald der Röhrenden Hirsche“ und das bei einstelligen Temperaturen und Dunkelheit. Links und rechts war zudem immer mal wieder flüchtendes Wild zu vernehmen. Eine unglaublich interessante Erfahrung, wenn auch etwas beängstigend. Aber ich war ja nicht allein. 😉
Wie dem auch sei, wir haben das Jagdhaus problemlos erreicht und auch noch Mitarbeiter des Parks dort angetroffen, kurz bevor sie losfahren wollten. Diese waren wiederum sehr hilfsbereit und so konnten wir unsere Zelte neben dem Haus aufschlagen. Mittlerweile wieder alleine, kochten wir uns Nudeln mit Gemüse, als ein weiterer Jäger kam und uns noch einen Tee vorbei brachte.
Während ich diesen Bericht schreibe, höre ich direkt vor unserem Zelt ein Wildschwein schnauben, die Hirsche röhren und auch andere Tiere Geräusche fabrizieren. Dazu kommt die Kühlanlage für 40 Stück Wild, die ab und zu angeht und Containerschiffe, die an der nahegelegenen Donau gelegentlich vorbeifahren. Jetzt gehe ich noch einmal raus -nach den Schweinen schauen- und dann ab ins Bett. Echt toll hier! 😉

25.9. Apatin – Piekswald

Neben dem Unterstand, in dem Haken zum Wildaufhängen und Äxte mit blutigen Handabdrücken uns Guten Morgen wünschen, frühstücken wir am Morgen nach unserer Nacht vor dem Forsthaus. Wieder sind ein paar der Wildhüter da, bieten uns Tee an und führen Ena durch die Geweihsammlung.

Forsthaus und unser Lager
Forsthaus und unser Lager

Wir fahren weiter auf serbischen Landstraßen und ohne einen Pfennig Währung in der Tasche, bisher auch – shame on us – ohne überhaupt zu wissen, mit was man in Serbien denn eigentlich bezahlt. Also müssen wir einen Geldautomaten finden und heben dann einfach mal die Summe ab, die in der Mitte steht. 10.000, und auf den ausgespuckten Scheinen steht Dinar. Aha! Dinar also. Und was ist das jetzt wert? Blick über die Straße gleiten lassen- gegenüber, in diesem treckerbrummenden Dorf, steht doch an dem Café sogar WIFI dran- also rein da und mal Emails runterladen, die wir seit Budapest nicht empfangen haben! Und mal auf der Karte ausspähen, wieviel Dinar zum Beispiel so eine Limo wert ist. Aha- ca. 1:100 (wir recherchieren dann im Web 1:115), soso! Irgendwie saugt das Internet mehrere Stunden aus diesem Tag und wir kommen nicht mehr weit, finden aber einen schönen Platz zum Wildcampen, nämlich ein kleines Wäldchen, das zwar vor Dornen strotzt, uns aber an diesem später noch verregneten Abend Schutz und die Möglichkeit, Mückennetz und Regenplane aufzuspannen, bietet.

26.9. Piekswald – Novi Sad

Weil wir mittlerweile herausgefunden haben, dass wir das serbische Leitungswasser nicht trinken können (es ist gelb und google auto-vervollständigt die Suche danach mit dem Wort „Arsen“), müssen wir ab jetzt Kanister einkaufen. An einem kleinen Lädchen erlebt Christian dann etwas, dass ihn noch wochenlang beschäftigen wird: wie meist möchte er sich eine Flasche Bier für den Abend mitnehmen und geht damit gewohnt schwungvoll zur Kasse, wird gefragt, ob er es dort trinken oder mitnehmen will, antwortet immernoch schwungvoll „mitnehmen!“ und – wird hart ausgelacht! Ausgelacht, weil er eine Flasche Bier kaufen möchte! In einem Laden! In dem es Bierflaschen zu kaufen gibt! Mühsam lässt sich -ungläubig- herausfinden, was das Problem sei: Er darf nur eines mitnehmen, wenn er auch eine leere Flasche abgibt. Grummelnd und sichtlich angeschlagen kramt er also in seinen Taschen nach leeren Bierflaschen, die wir zum Glück tatsächlich oft haben, da wir -sehr deutsch- unseren Glasmüll mitnehmen, bis wir einen Glascontainer finden. Auch wenn das erst 60 km oder auch zwei Tage später der Fall ist. Wir vermuten, dass diese illustre Regelung an der Laden- und Dorfgröße liegt, tauschen eine leere gegen eine volle Flasche und setzen die Reise fort.

Über die platte Kornkammer Serbiens, durch die wir hier an immer und immer gleichen Feldern fahren, ziehen jetzt dunkle Wolken und plötzlich gießt es wie aus Eimern- nur um eine Stunde später wieder sonnig und trocken zu sein. Da kommen wir in der Regionshauptstadt Batscha Palanka an, wo wir direkt an einem großen Supermarkt stoppen, um die Gemüsevorräte für das Abendessen aufzufüllen. Und man mag es kaum glauben… auch in dem Supermarkt muss Christian alle Debattierkünste hervorzaubern, um eine Flasche Bier kaufen zu dürfen! Nur gegen eine leere Glasflasche, ist das Credo… Serbien und seine Beziehung zu Glasflaschen fangen an, uns ernsthaft Kopfzerbrechen zu bereiten.

Da nun die Sonne aber scheint, es Mittag ist und wir grad eh alle Taschen offen haben, um die neuen Lebensmittel zu verstauen, picknicken wir unser Mittagessen direkt auf dem Supermarktparkplatz, was sich als grandioses Erlebnis entpuppt! Zuerst kommt, als wir da gerade alle vier auf dem Boden um unsere Brote, Aufstriche, Tofupackungen und Gemüse herumsitzen, ein Arbeiter vom Hinterhof des Supermarktes, um uns einfach so eine große Flasche Zitronenlimo dazu zu stellen, lachend und grüßend und sich über uns freuend. Wir freuen uns ebenso, er geht gleich wieder und wir schmausen weiter, nun auch mit Zuckerwasser. Danach kommt ein Mädel in unserem Alter an, wir können die Sprachbarriere keinen halben Zentimeter überwinden, aber die bedeutet uns, dass sie mal eben zehn Minuten in den Supermarkt müsse, kein Schloss dabei habe und wir auf ihr Rad aufpassen sollen. Wir. Die wir da so vertrauenserweckend dreckig und sonnenverbrannt auf dem Parkplatz sitzen. Wir sind schon nur noch am Kichern, der Tag ist herrlich amüsant.

Es geht weiter- ein älterer Herr kommt auf uns zu und erzählt uns auf Deutsch, dass er 20 Jahre in Deutschland gelebt hat, singt ein Loblied auf unsere Heimat, freut sich über uns, meint, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, dazu zu gehören, dann seien die Deutschen auch echt ganz doll nette Leute und zeigt und ein Foto seiner Enkelin. Zucker! Und wird von seiner Frau ins Auto zitiert- woraufhin sich uns vier Teenagermädchen nähern („Sorry! Are you foreigners?!“) , von denen eine echt gut Englisch spricht und uns über unsere Tour ausfragt, sich vor Staunen und Cool-finden gar nicht mehr einkriegt, lacht und strahlt und so offen und herzlich ist, dass wir schnell über Lieblingsbands und meine (Jules) Dreads und Piercings und all so teenagerrelevante Dinge reden. Wir machen ein Gruppenfoto und sie freuen sich ganz doll und drücken uns zum Abschied ganz fest. Wahnsinn, so viel Freundlichkeit in einer Stunde!!

the reeeally nice serbian girls we met having a break at the supermarket parking
the reeeally nice serbian girls we met having a break at the supermarket parking

Es geht weiter, als wir zwei Straßen später noch einmal an einem Straßenstand anhalten, um Honig zu kaufen. Auch dort wird uns zum Beispiel sofort jedem ein Probierlöffelchen in die Hand gedrückt, wir werden in geschliffenem Deutsch über die Honigunterschiede aufgeklärt und können uns auch von dieser kleinen Interaktion nur schwer wieder loseisen. Es wird uns noch mit auf den Weg gegeben, dass Studieren etwas von Gerstern sei, man müsse ein ordentliches Handwerk lernen! Imkern, zm Beispiel! Irre freundlich, diese Serben, wir sind völlig von den Socken!

Abends erreichen wir dann unser Ziel, Novi Sad, die zweitgrößte Stadt Serbiens. Dort haben wir über Couchsurfing einen Host gefunden, den Aleksa. Der nimmt uns liebevoll auf, gibt uns sein Gäste- und sein Wohnzimmer mit den jeweiligen Doppel-Ausziehcouches (!) und kocht auch noch veganes serbisches Abendessen für uns (!!) – nämlich angebratene Zwiebeln mit frischen Kartoffelstampf und Nudeln vermischt, dazu reichlich Paprikagewürz. Omnomnomnom! Er erzählt uns über sein Erleben des Nato-Bombardements in den 90ern, das uns hier viel begegnen wird

Aleksa, thanks a lot!
Aleksa, thanks a lot!

Thank you, Aleksa, soo much for everything, for the warm home and warm you and shared stories and warm, delicious meal, the city tour and… And hope to see you on the road, soon, or hope to be your host in Germany

Den folgenden Tag verbringen wir auch noch bei Aleksa bzw. in Novi Sad, alle machen die Stadt-Dinge, die man immer so macht… Rumfahren oder lange Schlafen oder Fahrrad putzen oder Sachen reparieren oder Postkarten kaufen… Und, na klar, gehen wieder unserem Lieblingshobby nach: das Zuhause eines netten Gastgebers mit Wäschenleinenfallen auskleiden und überall ganz viel Chaos machen.

Hier wird jetzt auch die Kette vom Christian getauscht, nachdem sie mit seiner Elberadweg-Tour und unserem jetzigen Abenteuer 2600 km in den Gliedern hat.

28.9.

Novi Sad – Belgrad

Wir schaffen es das allererste Mal in unserer Geschichte, von einem Stadtaufenthalt recht frühzeitig aufzubrechen, weil wir alle wissen, dass wir heute ca. 100 recht hügelige Kilometer fahren müssen, um abends in Belgrad anzukommen. Dort haben wir schon ein Hostelzimmer mit fünf Betten gebucht- fünf! Weil Marcel heut Abend zu uns stoßen wird!! Der sitzt wohl im Zug von Budapest und dümpelt uns entspannt hinterher, die Taschen hoffentlich! wie gewünscht mit veganen und fairen Schokoladen, Brotaufstrichen, einem Rad-Rückspiegel für Jule, Kettenspray etc. pp. vollgepackt!

Die Strecke fährt sich enorm gut, wir sind sehr schnell und weil Jule und ihr Navi noch eine wunderbare Abkürzung ohne Straßenbelag und mit hohem, äh, Spaßfaktor finden (hüstel hüstel) (nuja, Ena und Jule machts sogar wirklich Spaß…), sind es auch nur irgendwas mit 90 km, bis wir nach Belgrad reinfahren. Ist herrlich, dass wir immer im Abendlicht, zur untergehenden Sonne in Städte eintrudeln, das macht es immer episch und wunderschön. Vor allem Belgrads Vororte sind echt sehenswert, mit fast mediterranen, kleinen, steilen und engen Kopfsteinpflasterstraßen an der Waterfront, breiten Spazierpromenaden und tausend kleinen Buden am Donaustrand.

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Belgrad selber bietet eine enorme Burg, die über uns, die wir am Wasser auf dem Donauradweg fahren, thront, und sonst eine echt graue und leuchtreklame-strotzende Front. Aber dafür finden wir unser Hostel sehr schnell und kriegen auch alle Räder irgendwie unter und ein echt schönes Zimmer, mit Hochbetten mit Kojen-Vorhängen und Bettwäsche und kleinen süßen Lämpchen. Leider ist bis zum Abend in dem Hostel noch eine russiche Hockeymannschaft untergebracht, die sich mit Grölen und rechtsextremen Parolen und Landser-Songs einen Namen macht, weswegen wir uns auch einfach flux in Richtung Bahnhof auf den Weg machen, um Marcel eine Überraschung zu bereiten und ihn abzuholen und zu hoffen, dass die sympathischen Hockeyspieler danach auch einfach verschwunden sind.

Wir verpassen Marcel leider am Belgrader Hauptbahnhof, dafür finden wir hier mal nicht Radreisende, sondern Interrailer, mit denen wir auch ein Bierchen trinken und ihnen beim Gitarre spielen zuhören, und die Hockeyfreunde sind auch weg, als wir dann endlich Marcel im Hostel treffen.

Das gab eine Freude und ein Umarmen, geneigte Leserschaft! Der Marcel ist da! (Und er hat Schokolade mitgebracht!)

Den 29.9. verbringen wir dann wieder als Pausentag in Belgrad, und wir machen all die Stadt-Dinge, die man macht.

Belgrad selber ist sehr interessant, hat unglaublich oft die Nationalität gewechselt, wurde unglaublich oft zerbombt, ungefähr von allen, und schmilzt auch viele Kulturen ein. Wäre auch schön gewesen, hier noch ein paar Tage zu verbringen, aber irgendwie zieht es uns ja doch auch immer ganz schön weiter. Da gibt’s noch so viel mehr zu entdecken, da immer weiter nach Osten!

Mahnmal-Ruinen des Nato-Bombardements in den 1990ern, Belgrad
Mahnmal-Ruinen des Nato-Bombardements in den 1990ern, Belgrad

30.9.

Belgrad – Badestelle Kovin

Dann beginnt der erste Fahrtag zu fünft, an dem wir abends gern in einem Dorf bei Leuten im Garten zelten würden, weil es hier nirgends Wälder gibt, in denen wir uns verstecken könnten. Dabei fragen wir auch an einer Schule, an der wir dann leider nicht zelten können, dafür meint der Mann, den wir fragen, dass er uns zu einem Stadtstrand bringt, an dem es sehr schön ist und wo wir zu dieser Jahreszeit umsonst zelten können. Wir fahren ihm also hinterher, er im Auto mit seiner kleinen Tochter immer voraus und er wartet an den Kreuzungen, bis wir ihn eingeholt haben =) So nett, diese Serben! Die Stelle ist dann auch echt schön, mit einem zu der Uhrzeit langsam nebelumhangenen Weiher zum Baden, kleinen Sitzgruppen und viel Wiese, um die Zelte auszubreiten.

Nachdem ich (Jule) mich bisher nicht so sehr mit Ruhm bekleckert habe, was das Baden in kälteren Gewässern angeht (im Balaton war ich auch nur bis zum Bauch ^^), wurde mir dann geholfen, als ein auf dem Tisch stehender Kocher mit kochendem Nudelwasser umgekippt und mir direkt über die Beine ausgegossen ist. Ziemlich panisch bin ich gleich und ohne auf den Schmerz zu warten in den See gesprungen, um mich zu kühlen, und dann, als ich gemerkt habe, dass dank Mückenschutz-Regenhose nur ein kleiner Teil von meinem Knöchel Verbrennungen abbekommen hat, beruhigt und belustigt im nächtlichen See schwimmen gewesen. Unter den Sternen und durch die Nebelschwaden durch, das war noch richtig schön. Und ein Glück, dass diese blöden Mücken mich zur Regenkleidung animiert haben!

1.10.

Kovin Badestelle – Wohnwagen in Srebrno Jezero

In der Nacht hat es die ganze Zeit ganz seltsame, tiefe, dumpfe, gröhlende, sehr laute und ferne und mit hohen Kreischen durchzogene Geräusche gemacht, weswegen Ena und ich dann morgens so neugierig waren, was diese Höllentor-Sounds macht, dass wir uns mit Marcel entschieden haben, nicht der befestigten, sondern der unbefestigten Routenvariante zu folgen. Bisher war das immer nur eine mittelgute Idee, weil die dick bepackten Räder doch im Matsch oder mit fetten Schlaglöchern und viel Gerumpel leiden, man hier und da eine Satteltasche verliert oder auch einfach Kopfschmerzen bekommt. Aber so haben wir Katharina und Chris auf die Straße gelassen und zu dritt mal geschaut, was da so passiert- und, nachdem wir am Ufer der Donau barfuß durch überschwemmte Straßen waten mussten, haben wir dann einen riesigen Kiesbagger von Ferne in der Donau entdeckt.

Holperholperholper später haben wir dann die anderen beiden an der vereinbarten Kirche wieder getroffen, wo sie mit zwei Französinnen saßen, die ebenfalls dick bepackte Reiseräder dabei hatten und von Frankreich aus die gleiche Tour bis Istanbul fahren, die wir hier auch erleben. Das war spannend, weil sie zum Beispiel immer bei Leuten im Garten schlafen können (sind ja auch nur zwei…) und deswegen viel mehr Kontakt zu Einheimischen haben, als das bei uns der Fall ist. Außerdem haben wir uns gewundert, weil eins der Mädels vorne auch die großen Packtaschen hat, die wir nur hinten haben- das ist ungewöhnlich! Und prinzipiell war es einfach schön und spannend, mal wieder andere Radreisende zu treffen, denn die haben wir seit der Donau bei Wien nicht mehr gesehen.

Ach… Wien…. das war auch schön =) Ich hab gestern Abend noch ein paar Fotos gefunden, die ich nachträglich hochladen werde.

Gegen 14:25 sind wir in Stara Palanka eingefahren, von dem uns eine Fähre über die Donau auf deren rechte Seite bringen sollte, weil auf der linken Seite nun Rumänien anfängt und laut dem Radreiseführer die rechte serbische Seite besser zu befahren ist. Außerdem sind wir doch gerade so begeistert von den netten Serben, die immerzu feundlich grüßend hupen und winken und brüllen, wenn wir an ihnen vorbei fahren, und wo uns schon Schulkinder stolz „Hello!!“ hinterher rufen. Leider fuhr die Fähre um 14:15, Christian hat sie noch von hinten gesehen, und die nächste erst wieder 17:15, also haben wir im Restaurant winzige Portiönchen Touristen-Veräppel-Pommes gegessen, danach unser Picknick auf der Wiese daneben aufgeschlagen, weil wir noch so viel Hunger hatten, und haben in der prächtig warmen Sonne gefaulenzt. Das Wetter ist seit Tagen herrlich, wir sind tagsüber manchmal leicht rot und werden immer brauner, nur nachts wird es wirklich schon ziemlich kalt. Aber die Schlafsäcke und Jacken halten, was sie versprechen.

Touristenfallen-Restaurant =)
Touristenfallen-Restaurant =)

Die Fährfahrt im Sonnenuntergang war unglaublich schön, nur leider ist auf der anderen Seite aufgefallen, dass bei Marcels Rad ganz viele Speichen lose sind, und das musste kurz notdürftig repariert werden. Daher mussten wir den letzten Teil bis zum angepeilten Zeltplatz auf den Schlaglochpisten im Dunkeln fahren, bis uns 5 km vor dem Ziel wieder die Mega-Acht in Marcels Reifen zum Schieben gezwungen hat. Wir haben viel hin und her überlegt, ob wir denn lieber wild zelten sollen, als wirklich den Campingplatz anzusteuern, wurden aber mal wieder mit amüsanten Reisedetails belohnt:

Auf dem Campingplatz wurde uns gesagt, dass es billiger sei, zu fünft einen Wohnwagen zu mieten, als die Zelte aufzustellen. Also hatten wir nun für 10 Euro einen kleinen Wohnwagen für uns, in dem wir gestapelt und verzahnt lustig schlafen konnten.

Marcel beim Reparieren und unser Wohnwagen
Marcel beim Reparieren und unser Wohnwagen

Einen Monat sind wir nun unterwegs! Wahnsinn! Und schön ist diese Reise!!

Der zweite Monat

Chris erzählt euch mal was:

Heut darf ich also mal wieder einen Bericht schreiben. Na mal schauen, wo das hinführt, ist der letzte Eintrag schließlich schon wieder eine Woche her und die Erinnerungen nicht mehr ganz so frisch. 😉

2.10. Srebrno Jezero – Dobra

Wir waren stehengeblieben bei dem kleinen Wohnwagen, in dem wir zu fünft geschlafen haben. Meine Wenigkeit und Katharina hatten die Ehre, im Bett unter Jule zu schlafen. Das ist auch kein Problem, wäre des Bett in der 1. Etage nicht schon halb durchgebrochen. Besonders beim Rein- und Rausklettern wippte und knarzte es bedrohlich. Am Ende ist aber alles gut gegangen und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Erst wurde jedoch noch an Marcels Rad geschraubt, um es fit zu machen, bis wir eine Fahrradwerkstadt finden würden. In der Zwischenzeit haben Katharina und ich Frühstücksbrot geholt. Keine leichte Aufgabe in einem Touristenort, in dem außerhalb der Hauptsaison so gut wie kein Mensch wohnt. Geschafft haben wir es aber dennoch und so ging es 12 Uhr gestärkt „On The Road“.

Schon nach wenigen Kilometern musste ich allerdings anhalten. Da standen doch tatsächlich 10 riesige Schirmpilze am Wegesrand. Aus den 10 Exemplaren wurden bei genauerem Hinsehen schnell 40 Stück. Unfassbar! Was tun?! Normalerweise macht man aus den Kappen (welche ca. 30cm messen) Pilzschnitzel. Uns fehlten jedoch die Pfanne, Sojasahne und das Paniermehl dafür. Dennoch haben wir mal lieber 10 Pilze fürs Abendbrot mitgenommen.

Ansonsten sind wir heute ins „Eiserne Tor“, dem landschaftlich angeblich schönsten Teil der Donau eingefahren. Hier ist der Fluss besonders eng und links und rechts ragen die Berge teilweise fast 800m empor. Auch die Straße ist in diesem Bereich in einem guten Zustand.

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Gut voran kamen wir allerdings dennoch nicht, da wir wie berichts gestern heftigen Gegenwind hatten. Am Ende sind wir deshalb auf lediglich 43km gekommen, bis wir uns, direkt an der Donau, auf einem kleinen Campingplatz niedergelassen haben. Ein Besitzer war allerdings weit und breit nicht auszumachen und so haben wir einmal mehr für umsonst gecampt. Ein kleines Boot stand zu unserer Belustigung auch noch vor der epischen Kulisse =)

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Statt des Besitzers kam nach einer Weile noch ein Nachbar vorbei, der uns Licht machte und versuchte, mit uns ins Gespräch zu kommen. Aufgrund unserer nicht vorhandenen Serbischkenntnisse wollte es aber nicht recht gelingen. Immer wieder beeindruckend, wie sich die Menschen, denen wir begegnen, sich davon aber nicht beeinflussen lassen und einfach in ihrer Muttersprache weiterreden.

Erwähnenswert ist auch noch, dass es heute Katharina war, die dazu animierte, das Abendessen zuzubereiten, da alle anderen keine Lust dazu hatten- sehr seltene Konstellation. Kredenzt wurde Kartoffelbrei mit Champignons und Schirmpilzen (wir haben die riesigen Schirme sie letztendlich kleingeschnitten). Echt lecker! 😉

3.10. Dobra – Tekija

Die Landschaft war weiterhin herrlich (worüber sich besonders Ena freute) und außerdem gab es ca. 20 unbeleuchtete Tunnel. Selbst kleine Autos klangen in den dunklen Röhren wie 30-Tonner. Ihr könnt euch vorstellen, was dann ein eben solcher für einen Geräuschpegel erzeugen kann.

Zu unserer Mittagspause haben wir leider kaum Brot gefunden- alle Läden waren ausverkauft, das hat uns ziemlich gewundert. Das Mittagessen musste deshalb mit Pommes verfeinert werden. Während unserer Mittagspause ist zudem ein holländisches Frachtschiff an uns vorbeigefahren. In Katharina und mir kam der Ehrgeiz auf, dieses Schiff noch einmal einzuholen. Leider mussten wir das Unterfangen schon nach wenigen Kilometern abbrechen, weil wir einen Umweg von 10 Kilometern mit der Straße fahren mussten. Aber denkste! Marcel hat sich vor alle anderen gepackt und wir sind im Windschatten hinterhergesaust. Immer näher kamen wir den Holländern und trotz der Berge haben wir sie dann an der engsten Stelle der Donau doch noch eingeholt! Es folgte ein kurzes „Schiff Ahoi“, welches auch erwidert wurde, und dann mussten wir sie an einem besonders langen Berg endgültig ziehen lassen. Während der Auffahrt haben wir auf rumänischer Seite ein ca. 50 Meter hohes, in Stein gemeißeltes Gesicht gesehen. Dieses ist einem alten Herrscher aus dem 2. Jahrhundert zuzuordnen.

Übernachtet haben wir auf dem Gipfel des Berges (200m über der Donau). Hier haben uns ein paar Bergbauern ganz herzlich aufgenommen und uns ein Stück Wiese gezeigt, auf dem wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Die Aussicht… herrlich!!

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Tageskilometer waren es im Übrigen 72.

4.10. Tekija – Drobeta Tornu Serverin

Am nächsten Morgen wurden wir vom Wiese Mähen geweckt. Das Aufladen des frisch geschnittenen Grases auf den uralten Traktor hat dann die gesamte Familie (drei Generationen) übernommen. Und vom Bauern wurden wir gebeten, doch bitte kurz anzurufen, wenn wir in der Türkei heile angekommen sind. Dafür hat er Jule seine Nummer gegeben und gestikuliert:

–-Anrufen – Ciao! Sagen – Dobre sagen! – Auflegen! —

Uns bot sich an diesem Morgen ein überwältigender Anblick hinab zur Donau sowie auf die rumänische Seite, auf die hohen Berge hinter uns sowie auf die Bergwiesen, auf denen ein bisschen Vieh grast.

Ähnlich überwältigend (aber eher im negativen Sinne) war der Anblick von Tekija, kurze Zeit nach dem wir losgefahren sind. Der Ort wurde vor kurzem durch eine Schlammlawine komplett verwüstet und die Aufräumarbeiten dauerten bei unserer Durchfahrt noch an. Das einzige Restaurant der Stadt wurde zu einem Versorgungszentrum für die zahlreichen Helfer umgebaut.

Gegen Mittag haben wir die serbisch-rumänische Grenze erreicht. Diese verläuft über die Staumauer eines riesigen Wasserkraftwerks, welches das Wasser der Donau auf einer Länge von 150km anstaut. Die rumänischen Grenzbeamten haben uns an den wartenden Autos vorbeigewunken und nach einem kurzen Blick auf die Reisepässe und Ausweise passieren lassen.

Nun waren wir also wieder in der EU. Zurück lassen wir Serbien, das Land, in dem uns die Menschen bisher am herzlichsten aufgenommen haben. Unglaublich die Gastfreundschaft seiner Einwohner. Allen, die noch nicht dort waren, können wir das Land und seine Menschen nur wärmstens empfehlen.

In Rumänien gab es zunächst einmal viel Verkehr und eine fast parallel zur Straße kreuzende Eisenbahnstrecke. Die wurde Katharina zum Verhängnis und so legte sie sich vor meinen Augen hin. Der erste richtige Sturz auf unserer Tour. Glücklicherweise lief er glimpflich ab und außer ein paar blauen Flecken ist nichts passiert.

Unser Tagesziel war mit Drobeta Tornu Severin, die erste Stadt in Rumänien. Hier haben wir uns nach 38,5 Kilometern ein Internetcafé gesucht und Ena hat in den weiten des World Wide Webs ein Hostel für uns ausfindig gemacht. Als wir vor der Tür standen, stellte sich jedoch leider heraus, dass es nur noch ein freies Zimmer für eine Person gab. Uns, die wir aber auch mit wenig schon zufrieden sind, störte das aber nicht und so haben wir zu fünft (3 im Bett und 2 auf dem Boden) im Zimmer geschlafen.

Die Dusche des Zimmers verdient im Übrigen eine Sondererwähnung. Dieses Gerät hatte sowohl eine gewöhnliche Brause, als auch eine Berieselung von oben und von den Seiten. Zusätzlich hatte die Dusche noch Licht und ein Radio!!!!!! Ja -richtig gehört- ein R-A-D-I-O!!!!!

(Und das für 20 Euro- und zwar pro Zimmer, nicht pro Person ^^)

5.10. – 6.10. Drobeta Tornu Severin

Wir haben 2 Tage in dieser Stadt verbracht, weil von hier aus ein Zug direkt nach Budapest fährt und so die Rückfahrt für Ena und Katharina recht einfach ist. Außerdem konnte Marcels Hinterrad hier in einem Fahrradladen repariert werden (Zur Erinnerung: er hatte ja bereits am zweiten Tag eine Acht).

Passiert ist in Drobeta nicht viel spannendes – außer Einkaufen, in Kneipen was essen und trinken und mal wieder ausgiebig im Internet zu surfen. Außerdem konnte auch mal ein wenige Fernsehen angelunzt werden. War durchaus auch mal wieder schön. Falls es euch mal in die Stadt verschlägt, dann solltet ihr unbedingt auf den Wasserturm gehen, weil es dort eine guten Ausblick auf die Stadt gibt. Katharina hat sogar die Stufen gezählt und es müssten so um die 160 gewesen sein. Bemerkenswert war auch eine Straße, in der die Hälfte der Läden Blumengebinde aus Plaste anbot. Die guten Stücke gab es für 7-10 Lei (1,50-2€). Mir selbst hat es besonders der kleine Markt, auf dem die Bauern und Bäuerinnen ihre Waren feil boten (und seien es nur ein paar Blätter Mangold), angetan. Unglaublich schön das Ganze. 😉

In der zweiten und dritten Nacht haben wir uns im Übrigen den Luxus gegönnt und noch ein weiteres Zimmer gechartert.

7.10. Drobeta Tornu Serverin – Maglavit

Heute hieß es Abschied nehmen von unseren beiden Reisebegleiterinnen Katharina und Ena. Es war ein trauriger Moment, als wir sie nach 5 Wochen gemeinsamer Fahrt zum Bahnhof brachten und 10:40 Uhr die Eisenbahn nach Budapest abfuhr. Auf alle Fälle haben wir uns sehr gefreut über die lange und schöne gemeinsame Zeit und ihr dürft euch herzlich gedrückt fühlen, wenn ihr diese Zeilen lest. Ena wird später auch noch einen Beitrag über die Rückreise auf dieser Internetseite veröffentlichen.

Im Regen und Kälte ging es nun also für die 3 Musketiere Marcel, Jule und Christian weiter gen Osten. Das Pedalen machte bei diesen Bedingungen kaum Freude und auch der starke LKW-Verkehr Richtung bulgarische Grenze tat sein Übriges. Dennoch oder gerade wegen des miserablen Wetters kamen wir blendend voran. Schließlich hatte wir auch keiner Bock irgendwo lange Pause zu machen. 96 km waren es am Ende immerhin, als wir bei Sandra und Costa vor der Tür standen. Sie hatten einen kleinen Hof außerhalb von Maglavit und wir keine Bleibe für die Nacht. Doch das Zelt aufschlagen durften wir bei den beiden nicht. Stattdessen wurden wir hereingebeten und zum Abendbrot eingeladen. Zu Essen gab es Brot, Bohnensuppe, Gurken und Paprika. Es war für uns ein sehr tolles Erlebnis, dass die beiden das Wenige, was sie hatten, mit uns teilten. Wir konnten uns lediglich mit ein paar Zigaretten und einem Bier revanchieren. Sandra und Costa wohnen ohne fließend Wasser, mit gestampftem Lehmboden und Hühnern, ein paar Schafen und einer Kuh. Das Plupsklo- das war gleich über den Hof, hinter der Kuh links. Und Hände Waschen dann in der Waschschüssel- für Deutsche doch tatsächlich wie eine andere Welt.

Äußerst bemerkenswert ist auch, wie viel man trotz unterschiedlicher Sprachen mit Gestikulieren und Aufschreiben miteinander kommunizieren kann. Hilfreich dabei ist freilich auch, dass Jule spanisch kann, eine Sprache, die mit Rumänisch verwandt ist.

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Die beiden haben uns doch tatsächlich 10 Jahre alte Fotos von einem japanischen Radreise-Pärchen gezeigt, die auch bei den beiden geklingelt haben und gelandet sind!! Die Fotos zeigen die beiden Japaner mit einem Tandem und im Winter – und Costa und Sandra zehn Jahre jünger beim Kühe melken.

Geschlafen haben Marcel und ich dann im Übrigen im Essensraum. Jule durfte wiederum partout nicht mit ihrer Matte auf dem Boden schlafen, sondern „musste“ zu Sandra ins herrlich weiche Bett. Costa hat dafür extra auf der mit Stroh gefüllten Couch Platz genommen.

8.10. Maglavit – Zaval

Noch in der Dunkelheit wurden wir von Sandra und Costa geweckt, die sich verständlicherweise um ihre Tiere (Kuh, Schafe, Hühner, Hunde) kümmern mussten. Zum Abschied machten wir noch ein paar gemeinsame Fotos und gaben das Versprechen, dass wir ihnen diese zuschicken werden. Das Pärchen aus Japan, das 10 Jahre zuvor mit dem Tandem bei ihnen gestrandet war, hatte das gleiche gemacht. Vielen Dank noch einmal an diese beiden herzensguten Menschen.

9:10 Uhr, also so früh wie noch die, waren wir an diesem bewölkten Tag bereits unterwegs. Die 77 Tageskilometer sind deshalb auch etwas enttäuschend, aber sei es drum. Der Weg führte uns heute wieder entlang der Donau, wobei wir selbige nur selten zu Gesicht bekamen.

Rumänien präsentierte sich heute außerdem so, wie wir es uns in schlechten Gedanken vorgestellt hatten. Viele Pferdegespanne waren anstatt von Traktoren und Autos unterwegs und die Armut der Menschen war wirklich zum Greifen nahe. Für deutsche Verhältnisse lag auch eine Unmenge von Müll herum, welcher teils vor den Häusern und sogar auf den Ortsdurchfahrten verbrannt wurde. Auch die Straßen boten oft wenig erfreuliches. Zwar gab es heute schon deutlich weniger tote Frösche und Hunde also noch gestern auf den Straßen, dafür lag immerhin ein totes Pferd im Seitengraben.

Mich persönlich faszinieren die Menschen in diesem Land. Sie sind sicher zurückhaltender als die Serben, aber dennoch in der Regel unheimlich freundlich. Oft grüßen wir uns gegenseitig oder klatschen mit Kindern ab. Heute wurde Marcel zudem zweimal angehalten und ihm dann Äpfel beziehungsweise Quitten gereicht. Ein weiteres Highlight war eine Französischlehrerin, welche uns in die Schule mitnahm, wo wir den Wasserkocher nutzen durften, um uns einen Tee zu kochen.

Geschlafen haben wir letztendlich auf dem ersten Campingplatz, den wir in Rumänien gesehen haben. Hier konnten wir uns eine Holzhütte für umgerechnet 10€ mieten. Später kamen hier auch noch rumänische Bauarbeiter vorbei. Einer von ihnen hat uns noch Wein und ein winziges Stück Porree angeboten. Beides wurde dankend angenommen, wenn auch letzteres uns etwas verwirrte. Bemerkenswert waren auch die 5 zeltplatzeigene Hunde, welche unseren Kochplatz belagerten und ständig nach Essen bettelten. In Der Nacht haben diese nervigen Viecher sich dann unsere (veganen!) Schnittabfälle schmecken lassen.

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Im Übrigen haben wir heute den 2000. Kilometer auf unserer langen Meile nach China geschafft. 😉

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9.10. Zaval – Traian

Heut gab es gleich zum Frühstück Nudelreste und zusammengekochtes Quitten-Apfelkompott vom Vortag. Das Kompott ist dabei eine echte Freude, ein Lob dafür an Jule und Marcel. Auch die Hunde haben uns schon wieder genervt und die ganze Zeit um Essen gebettelt. Bekommen haben sie es letztendlich vom Besitzer des Campingplatzes in Form eines Brotes. Überhaupt werden die Hunde hier anscheinend mit Brot gefüttert.

Dann ging es wieder weiter auf unseren Drahteseln, vorbei an den Pferdegespannen, zahlreichen Viehhirten (in unserem Alter- beeindruckend. Ich hab keine Freunde, die Viehhirte sind. Was 2000 km ausmachen!) am Wegesrand und freudig grüßenden Kindern. Was es nur kein bis zwei Mal am Tag hier zu sehen gibt ist die Donau, an der wir ja eigentlich immer noch entlang pedalen. Schade eigentlich, dabei fahren wir ja schon auf dem Donau-Rad-Weg, welcher in Rumänien aber anders als noch in Serbien gar nicht ausgeschildert ist.

Nach ca. 30 km auf unseren Rädern entdeckt Jule in Grojdibodu ein älteres Pärchen, das ebenfalls per Reiserad unterwegs ist. Also nichts wie hin und ein bissel übers Pedalen quatschen. Wie sich herausstellt, sind die beiden aus Köln und von Bratislava, immer die Donau entlang, nach Corabia unterwegs, wo sie in ein Kreuzfahrtschiff steigen und bis Wien fahren werden. Auch eine interessante Perspektive, die Donau noch mal vom Schiff aus zu sehen. Die beiden haben lustigerweise sowohl die beiden Französinnen, die wir getroffen haben, als auch das italienische Pärchen, welches wir um einen Tag bei Alexa in Novi Sad verpasst haben, gesehen. Außerdem hat uns das Kölner Duo noch durch das Tragen von Sicherheitswesten imponiert, dafür verzichteten sie aber auf den Helm. Liebe Eltern und Großeltern: So was wie ohne Helm fahren werden wir natürlich nicht machen. 😉

Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch einmal, dass in Rumänien derzeit Wahlen sind. Wir wissen bloß nicht hundertprozentig, wer alles Antritt und wann Wahl ist. Vielleicht kann das ja jemand mal recherchieren und als Kommentar hier hinterlassen? Wir würden uns freuen! Mit Abstand die meisten Plakate hat jedenfalls Victor Ponta. Von ihm hängt auch in jedem Dorf ein Banner über die Straße. An diesen erfolgen dann die Victor-Ponta-Wertungen: Wer hier als erster mit seinem Fahrrad durchfährt, bekommt abends mehr auf den Teller. 🙂

den Victor-Ponta-Punkt konnte Jule nicht einheimsen...
den Victor-Ponta-Punkt konnte Jule nicht einheimsen…

Außerdem ist heute während der Mittagspause ein Dacia mit Victor Ponta-Anhänger und Beschallung vorbeigefahren. Wir natürlich reflexartig gejubelt, bis uns eine Oma anzeigte, dass unser Victor ein schlechter Politiker sei und sich alles nur in seinen Bauch steckt. Vielleicht kann ja auch noch einer der Mitlesenden recherchieren, ob der Victor einer anständigen Partei angehört? Mersi (rumänisch für Danke)!

Nach der Mittagspause hatten wir heut eine besonders starke Phase und sind 44km ohne Unterbrechung geradelt und auch insgesamt waren es heute 99km, bis wir in Traian eingefahren sind. Und gleich im ersten Haus wurden wir von einer netten Familie aufgenommen! Sie haben noch einen spanisch sprechenden Nachbarn rangeholt und dann wurde gedolmetscht. Von unseren Gastgebern auf Rumänisch zum Nachbarn, auf Spanisch zu Jule weiter, dann auf Deutsch an uns anderen beiden. Und wieder zurück! Außerdem erfreute sich wieder das Gestikulieren großer Freude.

Hier gab es wieder Waschschüsseln und ein Plumpsklo und ein großartiges Schwein!

Wo wir uns noch sehr schwer tun, sind die ganzen Lebensmittel, die wir immer angeboten bekommen (hier ein Sack Paprika, ein Sack Walnüsse, Birnen und Äpfel -klar, sackweise-, Chili und auch Dosenfleisch -da konnten wir uns rausreden- und Kaffee…). Wir wissen dann immer nicht genau, wie wir reagieren sollen. Auf der einen Seite wollen wir nicht unhöflich sein, andererseits wollen wir den Menschen, die vermutlich weniger als wir haben, auch nichts wegessen. Letztendlich werden wir dann meistens so lange beredet, bis wir die meisten Sachen mitnehmen. Die Gastfreundschaft der Rumänen ist wirklich überaus beeindruckend. Kaum vorstellbar, dass uns das in Deutschland auch so passiert wäre. Der Fairness halber möchte ich aber erwähnen, dass die beiden Französinnen in Deutschland genau diese positiven Erfahrungen gemacht haben.

Nach zwei Gläsern hausgemachtem Wein von den eigenen Trauben und netten Gesprächen ging es dann zum ersten mal nach einer Woche wieder ins Zelt zum schlafen. Auch mal wieder schön! 😉

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Und zu bemerken: das mussten wir uns fast erkämpfen, denn nach kurzem Kennenlernen sollten wir auch wieder unbedingt im Haus schlafen. Aber, vielleicht kann man es verstehen, hin und wieder braucht’s die Ruhe und Privatsphäre, ja das Zuhause, des Zelts- und nicht NOCH MEHR neue Eindrücke!

Der Sohn des hier lebenden Pärchens arbeitet in Deutschland, um dem Papa eine Operation leisten zu können.

Anmerkung der Redaktion: Während ich diesen Bericht vollende, (es ist Mitternacht) bellen die gesamte Zeit die Hunde aus der Nachbarschaft. Um 0:06 Uhr hat sogar der Hahn noch angefangen zu krähen. Keine Ahnung, wer um diese Uhrzeit aufstehen muss.

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Chris

 

 

Jule erzählt was:

10.10.

Die Sonne scheint, wir singen und haben das Windschattenfahren optimiert. Alle paarzehn Minuten tauscht der durch, der (oder nat. die) vorne fahren muss, und so sausen wir ab 10:30 mit atemberaubenden Geschwindigkeiten durch Rumänien.

Die Dörfer sehen immer gleich aus, die Landschaft bleibt hügellos, auf unserer rechten Seite sehen wir hin und wieder die Donau- und dahinter das Gebirgchen, das wir auf unserem Weg in die Türkei noch überqueren werden.

„Wo-hin wollen wir radeln- Sieben Jahre lang,

wohin wollen wir radeln? Ist egal!

Wir radeln zusammen- Sieben Jahre lang,

wir radeln zusammen, um die Welt.

Es wird genug für alle seeiiiiin…. ^^“

Am Abend kommen wir wieder in ein kleines Dorf, wenige Kilometer vor der Rumänisch-Bulgarischen Grenze, und klingeln bei der erstbesten Pforte- und siehe da, wieder braucht es zwar ein bisschen, bis man unser Anliegen mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Russisch und Rumänisch und Spanisch und so verstanden hat, aber dann werden wir sofort in den Hof geführt, wo wir zwischen Hühnern und Hunden unser Zelt aufbauen dürfen. Ein älteres Ehepaar lässt uns heute Nacht in ihre Welt, leider sind sie aber recht schüchtern und auch keiner Sprache als Rumänisch mächtig, daher zeigen sie uns nur noch den kleinen Gartenpavillion, in dem wir kochen und auf Sesseln! sitzen dürfen, und gehen in ihr Zuhause.

Wir aber haben tierisch Spaß- zunächst sind die Ähnlichkeiten zwischen dem völlig verfilzten Hund und Jules Frisur so eklatant, dass beide sofort den Spitznamen „Teppich“ bekommen und viele, viele Witze darüber gerissen werden. Dann wird aus den vielen vielen Äpfeln Apfelmus gekocht, und die Walnüsse werden dazu geknackt und gereicht. Es folgt in den herrlichen Sesseln noch eine Runde Skat (jaha, ich gewinn schon manchmal, nehmt euch in acht!), und dazu dürfen wir auch im Haus das Badezimmer mit fließend Wasser benutzen- das gefällt allen sehr, sehr gut.

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Teppich 1 und Teppich 2

11.10.

Im Reiseführer stand über die Bulgarische Grenzstadt Ruse, dass viele unterschätzen, wie schön sie ist, und länger bleiben als geplant. So auch wir.

Wir fahren vernachlässigbare 27 km über die Donau und verabschieden uns auf der Grenzbrücke herzlich von ihr. Ein treuer Reisebegleiter war sie jetzt, lange Zeit!

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Dann düsen wir durch Ruse, finden einen Radladen und eine Post und eine Pizzeria mit Internet und Zack! haben wir entschieden, dass wir hier eine Nacht bleiben wollen- die Nacht zu Christians Geburtstag nämlich, da hatte er sich eh gewünscht, dass wir irgendwo mit Internet halt machen.

Wir finden ein herrliches Hostel in Ruse, in dem wir erstmal unsere Wäsche waschen, weil wir seit zwei Nächten so beunruhigend juckende Stiche bekommen, wenn wir schlafen… Und die Hostelbetreiber sind super drauf, zwei sogenannte Aussteiger aus England, ca 10 Jahre älter als wir, bauen ganz viel eigenes Gemüse an und sind zB in Bulgarien gelandet, weil das einfachere Leben ihnen hier sehr gut gefällt. Kann ich sehr bestätigen! Die beiden bauen sogar Tabak selber an, und die Zigaretten, die ich davon rauche, sind wahnsinnig gut! Irgendwo zwischen Zigarre und Pfeife… Ich krieg dann auch Samen mitgegeben, da freu ich mich aufs Aussäen im April in Deutschland!

Chris, Marcel und ich machen dann noch einen Stadtbummel, wobei uns die beiden Hostelbetreiber anbieten, sogar unsere Wäsche aufzuhängen- man fühlt sich ganz wie zu Hause hier =)

Und wir schlendern durch die Gegend, finden einen LIDL und holen uns ein paar Kaltgetränke (und Marcel findet Apfelstrudelchips…. APFELSTRUDELCHIPS), um den Sonnenuntergang an der Donau zu sehen und in Chris‘ Geburtstag rein zu feiern.

Apfelstrudelchips und 2-l-Bierflasche... diese Jungs!
Apfelstrudelchips und 2-l-Bierflasche… diese Jungs!

Es wird ein herrlicher Abend, an dem viel geschnackt und gelacht wird, wo wir ausgelassen durch die Stadt laufen und zum Beispiel einen Kiosk entdecken, in dem es die Brotchips mit Pilzgeschmack gibt, die wir seit…. hmmm… einigen Ländern so mögen und von denen wir Angst hatten, dass es sie in Bulgarien nicht mehr gibt. Aber doch! So kaufen wir alle Kioskvorräte leer. Und dann findet Chris noch lachend Wein, auf dem Radfahrer abgedruckt sind- der muss also auch noch mit. Ich versuche, der lachenden und verdutzten Kioskbetreiberin unser seltsames Verhalten zu erklären…

Als wir fast im Hostel sind, fällt uns allen gleichzeitig auf, dass wir auf den geplanten süßen Milchreis mit Apfel-Birnenkompott (so viele Obstgeschenke!!) nicht wirklich Lust haben- etwas Herzhaftes muss her, und das finden wir, als wir den ganzen Weg wieder in die Innenstadt zurück gehen: mit Käse gefüllten Blätterteig, der uns schon in einigen Ländern über den Weg gelaufen ist.

Im Hostel zurück entwickelt sich dann ein tolles Gespräch mit den Hostelbetreibern, mit viel Lachen und ausgelassener Stimmung. So ausgelassen, dass ich ihnen fast ihren Tabak wegrauche…. Tsss. Chris bekommt dann zu seinem ersten Geburtstag (24:00 bei uns) einen selbst-ausgesuchten LIDL-Kuchen und einen heimlich besorgten Tacho, und geht dann zu seinem zweiten Geburtstag (24:00 in Deutschland) skypen.

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Die Hostelbesitzer wollten uns nicht glauben, dass wir am nächsten Morgen wieder früh auf den Rädern sein wollen, aber…

12.10.

… nachdem Chris und ich erst um 3 oder 4 im Bett waren, sitzen wir vor neun schon wieder am Frühstückstisch. Es wird recherchiert, wie die Route nach Istanbul weiter geht. Wir würden sehr gern über die türkische Grenze fahren und dann auf ein Schiff steigen, um etwas Zeit reinzuholen und die Stadtautobahnen Istanbuls zu umgehen. Es scheint aber so, als ob das einzige Schiff, das eine weite Distanz parallel zur Küste fährt, schon ab Burgas in Bulgarien geht, und wir würden viel lieber mit eigener Muskelkraft über die EU-Außengrenze radeln. Und mal sehen, was die Frontex da so treibt.

Was wir gefunden haben, ist ein türkischer Zug, den wir wohl ca. 150 km hinter der Grenze nehmen werden.

Von Ruse aus geht es durch herrliche Landschaft, die jetzt eben wieder sehr bergig ist. Keinen Meter fahren wir heute einfach platt, immer geht es keuchend etliche Kilometer und Höhenmeter herauf und und dann brausbrausbraus wieder herunter- ich bin (wegen des wenigen Schlafs?) sehr fit und es macht tierisch Spaß. Auch sieht die Landschaft endlich mal wieder anders und eben auch sehr schön aus, und auch die bulgarischen Dörfer machen einiges her.

Dass es Chris‘ Geburtstag ist, merkt man dann aber eigentlich nur noch an den hin und wieder angestimmten Geburtstagsliedern, sonst ist es ein zügiger Radeltag, an dem wir trotz der Berge 80 km machen, bevor wir uns abends an einer kleinen Seitenstraße, hinter Gebüsch und im Sonnenuntergang, einen Zeltplatz suchen. Es wird derbe kalt momentan, beim Teppichhund hat das Thermometer 8 Grad am Morgen angezeigt. Das würde vielleicht 6 Grad in der Nacht bedeuten? Ich friere auch schon in meinem Schlafsack und überlege, mir in Istanbul für die kalten Bergetappen durch die Türkei noch einen fetteren Schlafsack zu kaufen. Wundert mich, weil ich mit meinem Schlafsack auch in Freiburg schon im Frost unter freiem Himmel geschlafen habe (Grüße an die ISE-Crew ^^). Bevor ich aber noch einen teuren und schweren Schlafsack kaufe, werde ich noch ein bisschen testen, ob ich meinen nur falsch benutze, da ich bekannterweise ein großer Freund des auf-dem-Bauch-mit-einem-angeklapptem-Knie-Schlafens bin und das Ding deswegen so selten wie möglich zu mache. Und dann auch noch die Kapuze so zuziehen, dass nur die Nasenspitze rausschaut und man sich gar nicht mehr bewegen kann… Naja, vielleicht gewöhn ich mich dran.

Wir kochen noch eine Runde Nudeln (welch Geburtstagsessen!) mit Sojabolognese (schon besser) und bewundern in der Schweinekälte, die uns den Atem in Wolken vorm Gesicht stehen lässt, den atemberaubenden Sternenhimmel. Weit weg von größeren Menschenansammlungen und elektrischem Licht und (mir nicht einleuchtend) auch unbehelligt vom Mond, der doch gestern noch dick und fast-noch-voll am Himmel stand, breitet sich über uns die Milchstraße mit all ihren Feinheiten und in ihrem Teppich von Schwestergalaxien aus. Oh, wenn es doch nicht so kalt wäre, wenn ich einfach wieder unterm Sternenzelt schlafen könnte!

13.10.

auf dem Weg nach Varna

Obwohl wir nach Einbruch der Dunkelheit mal wieder nicht lang durchgehalten haben und um 22:00 oder 23:00 im Bett waren, schlafen wir ohne Wecker bis um neun. Seit wann schlafen wir so viel? Zu viel Sonne? Zu viel Berge? Zu viel Radeln und Frischluft oder zu viel Nacht? Zu viel Eindrücke, die da im Schlaf sortiert und in kleine, neuangelegte Schachteln eingeordnet werden wollen?

Eigentlich würden wir gern die 110 km bis zum MEER heute schaffen, aber mit dem Start wird das schonmal schwieriger. Auch die Strecke ist so wie die beiden Tage zuvor- ein Hügel und Berg jagt den nächsten, immer wieder von 40m auf 200m auf 40m auf 450m auf 200m…. die Abfahrten machen immernoch Spaß, aber Marcel und ich merken deutlich, dass der vorige Tag schon Spuren hinterlassen hat. Chris, der immer nobel-gemütlich die Berge hochtrullert, ist viel fitter als wir… Aber wir glauben ihm nicht, dass es am Fahrstil liegt! =)

Mittags brauchen wir unser einzig wahres Mittagessen (naaa, wer hat bisher aufgepasst und weiß, was kommt?… genau!), Brot, und halten in einem kleinen Dorf, wo zwei Männern beim Weißeln der kleinen, schmucken Kirche sind. Wir fragen nach einer Bäckerei, die hat aber bis 15:00 Mittagspause, also essen wir das auf, was wir noch haben, und bleiben dabei in der Nähe der Kapelle, weil die beiden Männer so lustige Musik anhaben. Der eine gesellt sich später zu uns und erzählt uns schon wieder eine so unfassbare Geschichte… wie er früher zur See fuhr, dann ein Schiffsunglück passierte, das Schiff entzweibrach („wie die Titanic!“) und er dabei 10 m tief stürzte und sich den Kopf schwer verletzte. Und wie er danach entschied, nicht mehr für sich und das Geld, sondern für Gott zu arbeiten, und nun rund um sein Heimatdorf in den Dörfern Kirchen mit seinen eigenen Händen baue. Dies sei die Dritte.

Als wir ihn später nochmal nach Wegdetails fragen, da holt er aus und erzählt uns, wie kriminell die Stadt sei, in die wir führen, und der Weg dahin, dass wir ja auf der Autobahn (!) fahren sollen, weil es da drum herum weniger gefährlich sei, da sein „weniger Gypsies!“. Und inflationär benutzt er in seinem deutsch-russisch-englisch-Mix den Begriff „ZAPPZERAPP!!“ für Klauen, mit der dazu gehörenden einsackenden Handbewegung. ZAPPZERAPP macht die Regierung, ZAPPZERAPP machen die Gypsies, ZAPPZERAPP machen die Leute in der Stadt! Richtig beunruhigend fanden wir seine Warnungen im Endeffekt nicht, weil er uns noch empfahl, in seinem Dorf zu bleiben, da würden nämlich einmal im Jahr irgendwelche sehr großen geflügelten Wesen Gottes (leider hat er sich unklar / auf Russisch ausgedrückt, ich weiß nicht, ob es Drachen oder Engel oder Außerirdische UFOS waren) bruchlanden und das wäre super, aber von der Polizei geheim gehalten. Nuja. Weiß nicht.

Weiß nicht.

Weiter ging es, berg- und talwärts, super Abfahrten und böse Anstiege. Ziemlich müde haben wir um 17:30 einen Ort gefunden, in dem wir endlich Brot kaufen und Geld abheben konnten, und uns entschieden, auch gleich dort bei Leuten zu fragen, ob wir im Garten zelten dürfen.

Hier jedoch waren alle Menschen recht abweisend. Vielleicht lag es an der schon fast kleinstädtischen Größe des Ortes (in den ganz kleinen Dörfern war es nie ein Problem). Oder passiert in Bulgarien wirklich mehr? (Chris, dessen Familie viel hier im Urlaub war, winkt ab) Oder haben die Leute irgendwie alle Angst voreinander? Auf jeden Fall scheinen sie viel distanzierter (fast deutsch!) als die Rumänen. Ob das was mit dem Wohlstand zu tun hat, der hier auch deutlich größer ist?

Beim dritten Haus wurde unsere Frage auf Brocken-Bulgarisch (ist dem Russischen zum Glück sehr ähnlich) mehr oder weniger verstanden, die gute Dame des Hauses hat aber lieber noch ihre englischsprechende Kollegin angerufen, die dann mit dem Handy zwischen uns dolmetschen sollte. Was rauskam: wir durften zwar wegen Platzmangels nicht im Hof campen, wurden aber auf die Wiese vorm Haus verwiesen. Fühlte sich auch sicher an (nicht zuletzt, weil auch alle Nachbarn uns vom Klingeln schon kannten), und wir wurden eingeladen, uns im Haus zu waschen, wurden gefragt, ob sie uns noch Licht oder Strom raus legen sollen, uns wurde vom Opi Kuchen geschenkt und so weiter und so fort… Sehr nett also! Und auch die Nacht war dann gut, bis auf den Zwischenfall, dass ich irgendwann davon geweckt wurde, dass jemand über die Zeltschnüre stolperte und die Töpfe umwarf. Ich hab mich gleich zu Tode erschrocken, aus dem Tiefschlaf in totalen Alarmmodus mit Puls von 180 und hab den beiden Jungs zugeschrieen „Aufwachen!!“, schon halb auf dem Weg zum Pfefferspray und der Trillerpfeife. Dreh ich mich aber zu den Jungs um, da liegt Chris nicht im Schlafsack… Sondern stolpert grad draußen über Töpfe… Puuuh, Fehlalarm. Hat aber ewig gedauert, bis ich wieder schlafen konnte.

14.10.

Heute- der Tag, an dem wir am Meer ankamen

40 km haben noch bis Varna am Schwarzen Meer gefehlt, als wir gestern Abend unser Zelt aufgestellt haben. Da hab ich doch gleich mal den Wecker auf 7:00 gestellt und morgens ein bisschen Dampf gemacht, dass wir ja schön zeitig am Meer sind =)

Und ja, erstmal ging es…. bergauf und bergab im dicken Nebel… anstrengend heute, mir tun tierisch der Nacken und irgendwie die hinteren Augenhöhlen weh, ich hoffe, ich werd bei der Kälte und den Temperaturunterschieden nicht (allzu) krank! Aber 40 km sind schnell gemacht, auch wenn uns auf dem Weg dahin der Steinwald (ein nicht geklärtes Naturphänomen- doch außerirdische Engelsdrachen?) ablenkte, und die unzähligen Prostituierten, die den Straßenrand bevölkerten.

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Als wir da aber durch waren, da mussten wir uns noch durch die dicke Stadt kämpfen, durch den Park an der Waterfront und…..! Da war es! Das Meer! Rauschig und diesig, mit Meergeruch und Meeraussehen, mit Sand und Salz und Möwen, mit Strandlokalen und Urlaubern und UNS.

In einem Lokal haben wir gleich herrlich gegessen und geschlemmt, die Sonne in der recht kühlen Luft genossen und uns grandios des Lebens gefreut.

Auf unserem Tacho steht übrigens genau und ganzgenau 2500 km bis hier- wenn das nicht ulkig ist =)

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Am Nachmittag wollten wir dann noch 5 km weiter aus der Stadt bis zum nächsten Campingplatz fahren und dort einen halben Pausentag und Sonnenbaden machen, irgendwie sind es aber 20 km und 250 Höhenmeter geworden und die Sonne war schon hinter den Bergen verschwunden, als wir (ganz unten am Fuß der hohen Klippen, auf denen unsere Hauptstraße morgen langgeht!) KEINEN Campingplatz gefunden haben. Klar, ist Oktober, ist keine Saison… Meine Laune war miserabel, ich hatte diese Nacken- und Augen(?!)schmerzen und war müde und schlapp und wollte so gern mal wieder ins Internet gehen und eine warme Dusche… Da fragt der Christian nochmal kurz im Hotel, das da unten ganz einsam steht, ob wir so ein Doppelzimmer (für das mir vorher 30 Euro gesagt wurde) auch zu dritt bevölkern dürften, dann könnten wir es uns gerade so leisten.

Und was sagen sie? Dass das klar geht UND sie mit dem Preis wegen Nebensaison runter gehen, auf 25 Euro… und jetzt haltet euch fest! Wir haben ein fettes Zimmer mit Balkon direkt zum Meer (15 m Luftlinie), sind die einzigen Gäste, haben eben auf der Dachterrasse mit Meerblick Abendbrot gegessen. Und… da oben wird gerade der Whirlpool beheizt, damit wir noch mit Meerblick baden können =)

ich versuch mal sofort gesund zu werden und morgen vor Sonnenaufgang aufzustehen, um den überm Meer (nach Osten! ^^) von da oben (im Whirpool!) erleben zu können…

Jetzt haben wir das Fenster auf, die Wellen rauschen, ich lieg im warmen Bett…. Hmmmm

Was haben wir immer für ein Glück!!

Liebste Grüße

Jule

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— auf dem lang(sam)en Weg nach China —