Thailand – Laos

Es berichtet Chris – der rasende Reporter

13.2.

Der heutige Vormittag hält eine Besichtigungstour der Ruinen der alten Hauptstadt für uns bereit. Um ehrlich zu sein, viel zu sehen gab es nicht und das obwohl Sukothai wohl schon einer der 10 bedeutendsten Attraktionen des Landes sein soll. Was es gab, waren Unmengen von Touristen, darunter auch Reisegruppen, was wir so auf unserer Tour noch nicht erlebt hatten. Unter einer Palme haben wir dann ein wenig entspannt und uns beim Anblick, all der Touristen gefreut, dass wir das Fahrrad als Reisemittel gewählt haben. 🙂

Anschließend ging es zum Mittagessen und auf einmal schreckt Marcel völlig entgeistert auf. Er hatte unsere gesamten thailändischen Geldreserven (umgerechnet 230€) in seinem Versteck (eine stinkende Socke) vergessen. Soweit unproblematisch, aber leider war die Socke am Vortag zusammen mit unserer restlichen Kleidung in die Wäscherei gewandert. Ohne zu zögern ging es also in die Wäscherei. Dort wurden gerade 9000 Baht gebügelt. Es waren unsere Baht! Die Mitarbeiterinnen haben sich halb totgelacht, als sie uns sahen und haben gleich Fotos von uns gemacht. Passiert ihnen wohl auch nicht alle Tage, dass sie so viel Geld in einer stinkigen Socke finden. Uns jedenfalls ist ein Stein vom Herzen gefallen und wir haben uns noch 1000 Mal bedankt.

15 Uhr war die frische Kleidung dann verstaut und wir sind noch einmal in die Pedalen getreten. Mit einer Satten Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,5 km/h haben wir die 70km nach Phitsanulak hinter uns gebracht. Da waren wir selbst ein wenig überrascht von uns. Kurz vor Phitsanulak konnten wir uns sogar über 6km im Windschatten eines Rennradfahrers halten.

Dann haben wir noch einen kleinen Nachtmarkt gefunden, was gegessen und sind dann schlafen gegangen.

14.2.

Sind einen Tag im Hotel versackt, ansonsten gibt’s nichts zu berichten.

15.2.

Auf der hervorragend asphaltierten und breiten Straße, kamen uns zum heutigen Sonntag etliche Menschen auf Rennrädern entgegen. Unumstrittener Höhepunkt bleibt ein Rennradler, vor dem ein Mädel mit einer roten Flagge am Mopped hergefahren ist. Da legt wohl jemand großen Wert auf Sicherheit. Zum Mittagessen haben wir uns den thailändischen Klassiker Gebratener Reis mit Gemüse „gegönnt“. Ich mag das Essen sehr, Marcel und Jule ist es aber etwas zu eintönig.

Kurz vor der Mittagspause (11 Uhr! Ja wir essen oft recht zeitig. Sind ja auch früh auf^^) gab es im Übrigen noch eine kleine Schrecksekunde, denn ein LKW verlor unmittelbar neben uns einen kleinen Teil seiner Ladung. Neben mir rollte dann eine Blechkanne her. Passiert ist aber nichts.

In der Mittagshitze konnten wir einen Wasserfall ausfindig machen. Dort tummelten sich auch etliche Thailänder und Thailänderinnen, die auf Felsen saßen, welche vom Wasser umspült wurden. Uns gefiel der Ort auch richtig gut und man konnte sich sogar hinter den Wasserfall setzen und überhaupt überall herumtollen. Klasse! Da sind wir eben doch noch kleine Kinder.

Wie so oft, gebe ich dann den Spielverderber und ermahne die Anderen, dass wir doch weiterradeln sollten. Schließlich sind wir ja nicht zum Vergnügen hier. 🙂

Wir verließen dann kurz nach dem Wasserfall die fette Straße. Vorher verließ die Luft aber noch Marcels Hinterreifen und wir hatten den ersten richtigen Platten unserer Tour. Was das anbelangt, haben wir echt Glück gehabt.

Geschlafen haben wir kurz hinter Nakhon Thai im Gebüsch.

16.2.

Heute gab es etliche Berge zu bestaunen. An sich sind diese nicht weiter der Rede wert, aber die Außentemperaturen machen selbst kleine Hügel zu echten Härteprüfungen. Am Wegesrand gibt es jetzt auch immer wieder sogenannte „Geisterhäuser“ zu beobachten. Das sind kleine Häuschen, die auf einem Holzpfahl stehen. Dort sollen sich die bösen Geister niederlassen, damit sie nicht in die Wohnhäuser gehen. Damit diese sich wohler fühlen, werden gelegentlich vor die Häuschen auch Getränke wie Cola gestellt, geöffnet und mit einem Strohhalm versehen. Der Höhepunkt war ein Geisterhaus, vor dem eine ganze Kleiderstange mit Kinderkleidung stand. Geisterhäuser gibt es im Übrigen auch etliche in Laos und Vietnam.

Abgesehen von solchen Schmankerln gab es optisch wieder nicht all zu viel geboten. Nach einer langen Abfahrt begegnete uns dann ein deutscher Reiseradler. Lustigerweise hat er sich nahezu die gleiche Stecke rausgesucht wie wir, nur umgedreht. Später begegneten uns dann noch zwei lustige Pedaleure, die sich in Laos getroffen hatten und nun ein Stück zusammen radeln.

Am Abend kamen wir dann auf einer Art Zeltplatz an. Der Erste seit Serbien. Der menschenleere Platz wusste durch etliche kleine bis mittelgroße Windmühlen (holländischer Stiel) zu überzeugen. Sehr interessante Kombination, in dieser hügeligen Landschaft. Ansonsten hatten wir in unserem Zelt 1A-wlan und Nachts das erste Gewitter seit der Türkei.

17.2.

Der Morgen nach dem Gewitter war wenig erfreulich. Es waren nicht nur die Kochsachen, die wir wie üblich draußen stehen gelassen haben, nass und dreckig, sondern auch Matratzen und Schlafsäcke. Der Boden des Zeltes war offensichtlich mit der Zeit durchlöchert worden und wir haben das nicht mitbekommen, weil es über Monate keinen Regen gab. Schlimm ist es aber nicht, die Sachen trocknen schließlich wieder und das Zelt hat mittlerweile etliche wunderschöne Panzertape-Flicken.

Die Strecke wurde heute wirklich ansehnlich. Nach einem Aufstieg auf über 800m über Null, konnten wir eine herrliche Abfahrt genießen und auf verkehrsarmen wegen durch Bananenhaine und eine sehr hübsche und wenig befahrene Landschaft fahren. Nach dem Mittagessen (es gab das Übliche^^) kamen wir dann auf eine Straße mit nahezu gar keinem Verkehr, dafür aber einem Bautrupp, der sich durch die Hügel schlängelt und die Teerdecke erneuert. Ein bisschen Angst hab ich immer, wenn ich mit meinen Rädern über den noch heißen Asphalt rolle, passieren tut letztendlich aber immer nichts. Dann waren wir auf einmal an der laotischen Grenze und wenig später dann auch am MEKONG!!!!!! Einfach nur genial, diesen legendären Fluss einmal entlang pedalen zu können. Uns hat das so gut gefallen, dass wir uns gleich mit Eis und Bier an das Ufer des mächtigen Flusses setzten.

Die Straße wurde in der Folge wieder besser, nachdem sie kurz vor dem Mekong zu einer Schotterpiste wurde. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit begegnete uns dann noch Klaus, der durch Südostasien pedaliert und auch schon die Panamericana entlang pedalt ist. Wer mehr über seine Reisen erfahren will, kann das auf folgender Homepage tun: http://rad-fernweh.de

Wir hatten in der Folge überlegt mit Klaus nach Chiang Khan zurückzuradeln. Die Stadt hatten wir gerade erst passiert und es wäre sicher ein interessanter Abend geworden. Letztlich haben wir es dann aber gelassen, denn wie sagt man doch so schon: Vorwärts immer, rückwärts nimmer! In der Folge habe vor allem ich mich geärgert, dass wir nicht doch umgekehrt sind. Wir haben zwar noch ein schönes Plätzchen zwischen Bananenstauden gefunden, aber kurz darauf fing es an heftig zu Gewittern und wir mussten uns unter eine Hütte ohne Seitenwände zurückziehen. Es hörte zwar wieder auf zu Gewittern, doch die Hitze blieb und ich konnte kaum schlafen. Auch Marcel und Jule hatten mit der Hitze und zusätzlich noch mit Ameisenstichen zu kämpfen. Bei einer nächtlichen Inspektion viel mir auf, dass sich die Ameisen eine Gigantische Ameisenstraße rund um unser Moskitonetz aufgebaut hatten. Da gab es Tausende kleiner Ameisen und einige große Ameisen, die erstere beschützten. Das Ziel der Kolone waren, die eigentlich leergeputzten Töpfe. Wir hatten alles mit Toastbrot saubergewischt, aber anscheinend nicht sauber genug.

Doch die Nacht hatte noch eine weitere Überraschung für uns parat: Nämlich ein zweites, noch heftigeres Gewitter, bei dem wir die Donnerschläge deutlich spühren konnten. Zudem kam die Gischt, des herunterprasselndes Regens zu uns hereingeweht. Zur Erinnerung unsere Holzhütte hatte keine Wände. Jule war noch am nächsten Morgen hocherfreut von dem tollen nächtlichen Gewitter! Vielleicht hätten wir doch zur Regenzeit hier vorbeikommen sollen. 🙂

18.2.

Mit wenig Schlaf ging es zeitig auf die Piste. Heute konnten wir den ganzen Tag am wunderschönen Mekong entlang radeln. Der Fluss ist in seiner Naturbelassenheit wirklich sehr beeindruckend. Er ist oft ganz anders, als er zuvor in unseren Köpfen existierte, aber dennoch wunderschön. So ist der Mekong beispielsweise außer für sehr kleine Fischerboote, die aus Holz bestehen, nicht schiffbar. Wer hätte das gedacht?! Auch verwandelt sich der Mekong immer wieder in ein Gebilde, dass er an eine Sumpflandschaft erinnert, als an einen Fluss. Dann ist er unheimlich Breit und zerklüftet. Auf der ganzen Breite sind Inseln und Inselchen, die aus purem Fels bestehen oder mit ein paar Sträuchern bewachsen sind. Das Wasser hat eine Fließgeschwindigkeit, die unheimlich stark variiert und von fast nicht vorhanden, bis für so einen großen Fluss sehr zügig reicht. Ihr seht ein sehr beeindruckender Fluss! 🙂

Beeindruckend gut kamen wir heute auch voran und nach 100km war, es gerade einmal früher Nachmittag. Wir suchten einen „Seven Eleven“ (Supermarktkette) auf, um unser Vorräte aufzufüllen und ich wollte mir ein Bierchen gönnen, hab es aber nicht bekommen. Da verkaufen die doch tatsächlich Bier nur von 11-14 und 17-21 Uhr. Das soll einer verstehen. Mein Bier wurde von der Verkäuferin also wieder zurückgestellt, da es noch nicht mal 16 Uhr war. Das erinnerte stark an die serbische Regelung, nach der man Flaschenbier nur erhalten konnte, wenn man eine leere Flasche abgegeben hat.

Ein Bierchen hat sich dann trotzdem noch auftreiben lassen, welches ich vor dem „Seven Eleven“ genüsslich verzehrt habe. Jule und Marcel haben einstweilen eine Kokosnuss ausgezutscht. Diese gibt es hier regional und sind unheimlich lecker. Erst lässt man sich ein kleines Löchlein reinschlagen und trinkt dann den Inhalt mit einem Strohalm aus. Wenn man fertig ist, gibt man die Kokosnuss ab und sie wird mit der Machete geöffnet. So kommt man auch an den festen Inhalt.

Es passiert nicht oft bei uns, das wir einen derartigen sportlichen Ehrgeiz an den Tag legen, dass wir gerne schneller sein wollen, als unsere Mitreisenden und wenn dann ist das meist bei Marcel der Fall. Heute Nachmittag war allerdings einer dieser Momente. Obwohl wir schon über 100km in den Beinen hatten, wollte jeder dem anderen zeigen, dass er in dem Moment noch die meisten Körner übrig hat und so schossen wir die Hügel förmlich hinauf, bis wir dann nach 138km in Si Chiang Mai zum stehen kamen und uns ein Hotelzimmer nahmen. Das ist im Übrigen unsere zweitlängste Etappe überhaupt. Die über 160km von Samsun nach Ordu werden wir wohl nicht mehr toppen können.

In Si Chiang Mai gab es keinen Strom wegen des Gewitters am Vortag und so haben wir unsere abendliche Portion Reis mit Gemüse bei Kerzenschein zu uns genommen. Ich habe dabei einen neuen Rekord aufgestellt, da ich sowohl zum Abendbrot, als auch zum Mittag 2 Portionen Reis mit Gemüse verputzt hatte.

Vom dunklen Si Chiang Mai aus konnten wir direkt auf das hell leuchtende, gegenüberliegende laotische Ufer schauen, denn dort lag Vientiane, unser morgiges Ziel.

Als wir alle Hoffnung schon aufgegeben hatten, kam gegen 22:30 Uhr der Strom zurück, wir stellten die Klimaanlage auf Maximalleistung und konnten so entspannt in der Hitze schlafen.

19.2.

Nach einem Frühstück mit Mekongblick ging es ab in Richtung laotische Grenze. Ein letztes Mal konnten wir die Pick-ups bestaunen, auf deren Ladefläche Personen befördert wurden. Das ist an sich nichts besonderes in Südostasien. Besonders ist aber die Vermummung, da bei vielen der Mitfahrenden, das ganze Gesicht mit Tüchern und T-Shirts verhüllt wurde. Vermutlich machen sie das wegen dem Fahrtwind und/oder der Sonne. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte es aber auch ein Bild von IS-Kämpfern auf einem Pick-up sein.

Die Straße führte uns vorbei an abgeknickten Strommasten, die wohl für den gestrigen Stromausfall verantwortlich waren. Nun lagen die Stromkabel auf Häusern, Geschäften und Restaurants, welche teilweise dennoch Essen anboten. Insgesamt waren sicherlich an die 20 Strommasten umgeknickt.

In dem Moment, als wir die zerstörerische Natur begutachten konnten, passierten uns einige Campingwagen. Die Ersten, die wir seit den Bostrotters gesehen haben, doch es sollten heute nicht die Letzten bleiben.

Nach 45km hatten wir die Grenze erreicht, von der uns nur bekannt war, dass sie mit dem Fahrrad nicht passiert werden kann und man in einen Bus einsteigen müsste. Probieren wollten wir es dann aber trotzdem. Nachdem der Ausreisestempel in unseren Pass sauste, schwangen wir uns auf unser Fahrrad und konnten doch tatsächlich über den Mekong übersetzen. Das war absolut großartig, zumal die Fahrradverbotsschilder noch zu sehen waren.

Was bleibt also von Thailand? Um ehrlich zu sein nicht viel, so wie wir durchgerast sind. Wir haben über die Ganze Zeit nicht ein richtiges Gespräch mit einem Thailänder geführt, was sicher zum Teil an uns liegt, aber auch an den Menschen in Thailand. Sie sind eher verschlossen und desinteressiert an Fremden und lassen sich auch nur selten zu einem Gruß hinreisen. Nach all den unglaublich Positiven Erfahrungen lag die Messlatte aber auch ein bisschen hoch, jedenfalls war Thailand, so wie wir es in der kurzen Zeit kennengelernt haben, definitiv nicht unser Favorit. Zu weit Weg waren wir von den Menschen. Vielleicht bringt das die zunehmende Verwestlichung und der so genannte Fortschritt mit sich, dass es sozial kälter wird. In Deutschland grüßt einen schließlich auch keiner.

Nun sind wir allerdings in Laos, aber noch nicht ganz. Noch heißt es abwarten bis die Grenzbeamten ihre Mittagspause beenden. Dann wechseln 3x 30$ den Besitzer und zack haben wir, dank Visa-on-arrivel, eine Aufenthaltsgenehmigung für einen Monat im Pass.

Sofort nach der Grenze machen auch wir Mittagspause. Es gibt ein Gericht, welches wir in Thailand lieben und hassen gelernt haben: Gebratener Reis mit Gemüse und Spiegelei. War recht schmackhaft und auch das laotische Bier (Beerlao), weiß durchaus zu überzeugen.

Nach kurzer Zeit auf dem Sattel, sahen wir unser erstes deutsches Autokennzeichen seit der Türkei. Es gehörte zu einem Campingwagen eines Rentnerpaares aus Köln. Sie beteiligen sich, zusammen mit den anderen Campingwagen die wir heute sahen, an eine geführte Reise für Camper quer durch Asien. Dabei kann jeder individuell fahren und nur das Tagesziel steht fest. Der Tross hat es interessanter Weise sogar geschafft vom Iran über Pakistan nach Indien zu Reisen. Das ist sonst keinem gelungen, dem wir begegnet sind.

Nach 65km sind wir dann in Vientiane angekommen. Die laotische Hauptstadt ist wirklich sehr überschaubar. Keine 200.000 Einwohner hat die Stadt und es fühlt sich sogar nach noch weniger an. Dafür sind eine Menge Touristen zu bestaunen. In manchen Straßenzügen gibt es von ihnen mehr als Laoten.

Nachdem wir ein nettes Hotel für insgesamt 150.000 Kip (15€) gefunden hatten, machten wir uns auf zur vietnamesischen Botschaft, um unser Visum zu beantragen. Leider Gottes hatte die Botschaft Betriebsurlaub wegen des Neujahrsfestes und das noch eine ganze Woche lang. Na großartig! Nach etwas Bedenkzeit haben wir uns dann dazu entschlossen, das Visum einfach in Savannakhet zu besorgen und nach einem Pausentag in Vientiane weiterzufahren.

Am Abend sind wir dann in einem Lokal, welches von einem Franzosen betrieben wird, eingekehrt. Ein interessantes Klientel ist da in seiner Kundschaft zusammengekommen. Da saß an einem Tisch eine Familie. An einem anderen Tisch waren zwei deutsche Rentnerehepaare. Wieder an einem anderen gab es 3 Westler mit durchschnittlichem Aussehen und Karohemd zu begutachten, während ihnen gegenüber 3 junge aufgebrezelte Laotinnen saßen. Einen Tisch weiter saßen dann 3 deutsche Motorradrocker, die wir fasst gefragt hätten, ob sie in Südostasien mit dem Bike unterwegs sind und wie das so ist. Dann kamen jedoch nach einem kurzen Anruf, auch an ihren Tisch zwei recht hübsche und viel jüngere Laotinnen hinzu. Dieses widerliche Schauspiel konnte man leider des öfteren in den Touristenvierteln Vientianes „bewundern“. Begleitet wurde es teilweise von einem Auftreten der westlichen Männer, als gäbe es die Kolonialzeit noch. Das sie in Laos nur zu Gast sind, ist ihnen anscheinend nicht bewusst.

Später sind wir dann noch über den Nachtmarkt geschlendert und haben uns mit einem Bierchen an das Mekongufer gesetzt, um uns anzuschauen, wo wir gestern geschlafen haben. Tatsächlich war unser heutiger Schlafplatz von dem Gestrigen lediglich 1,6km entfernt. Fahren mussten wir aber 65km. 🙂

20.2.

Zum Frühstück gab es leckeres Baguette mit Omelette. Klasse!

Dann haben wir den Flug gebucht oder es jedenfalls versucht. Nach ewigem hin und her haben wir uns dann für Ho Chi Minh-Stadt nach Frankfurt entschieden. Eine tolle Lösung war das zwar nicht, aber so wussten wir, das unsere Fahrräder gut aufgehoben sind und sie nichts extra kosten. Am 10. März werden wir dann also wieder in Deutschland sein. Ist nicht mehr lang hin und kommt sicherlich für alle etwas überraschend. Auch für uns. 🙂

Näheres dazu könnt ihr weiter unten in unserem Sonderbeitrag nachlesen.

Nach dem ganzen Kaos mit dem Flug haben wir uns Vientiane angeschaut. Im Prinzip gibt es da aber auch nicht all zu viel zu sehen, außer einer Stupa und einem Triumphbogennachbau.

Schnell noch ein paar Vorräte eingekauft, bevor es in die ländlichen Gegenden geht und dann war der Tag auch schon wieder rum.

21.2.

Der erste Radeltag in Laos und es hat mal wieder richtig Spaß gemacht die 114km unter die Räder zu nehmen. Nicht nur der brennende Müll am Straßenrand erinnerte an Myanmar und Indien. Auch laufen nun wieder Kühe, Ziegen und Hühner über die Straßen. Was uns besonders gut tut, ist die Herzlichkeit der Menschen. Oft grüßt man einander mit „Sabaai-dii“, wobei vor allem die Kleinsten eine herrliche Begeisterung an den Tag legen. In Laos gibt es sogar noch mehr Menschen, die mit Trickots von Fussballclubs herumlaufen, als im restlihen Südostasien. Besonders hoch im Kurs sind neben spanischen und englischen Klubs auch Bayern München und Borussia Dortmund. Überhaupt ist Fussball überall in der Welt ein recht wichtiges Thema. Oftmals konnten wir den Menschen nur erklärlich machen, woher wir kommen, wenn wir ihnen sagten, das Deutschland die Fussball-WM gewonnen hat. Wenn die Menschen das Wort „Germany“ kannten, sprachen sie uns dennoch häufig auf die WM an und so verwundert es nicht, das man das Trickot der deutschen Nationalmannschaft in Laos öfters sieht, als in Deutschland.

Eine laotische Spezialität sind auch die vielen bunten Schmetterlinge, welche zusammen mit den Libellen zahlreich unterwegs sind. Besonders gern hocken die Tierchen auch auf der Straße und toschieren gelegentlich auch mal unseren Helm.

Unterwegs sind wir auf DER Hauptstraße des Landes, wobei der Verkehr recht spärlich ist und die eine Spur auch vollkommen ausreicht. Wenig Rücksicht nehmen die Verkehrsteilnehmenden allerdings bei Überholmanövern auf uns. Da stört es nicht wirklich, dass wir gerade entgegenkommen. Es heißt also ständig wachsam sein und alles im Blick behalten.

Am Abend haben wir dann zum ersten Mal seit langer Zeit gefragt, ob wir im Garten einer Familie übernachten dürfen und ja gleich bei der Ersten hatten wir Erfolg. Diese nette Familie zelebrierte gerade ein Familienfest und wir haben zusammen auf ein Bierchen angestoßen. Leider hat in der Folge ein bereits betrunkener Laote das Wort an sich gerissen, der schon seit 1979 in den USA lebt. Der gute Mann hat dann auch etliche Klischees, die es über amerikanische Staatsangehörige gibt bestätigt und vor allem eine ziemliche Selbstüberschätzung an den Tag gelegt, die sich auch darin ausdrückte, das wir nicht mit ihm reden konnten, sondern er einen Monolog führte. Spannend war der Mann dennoch, denn wie kommt es, das man als Laote in ein Land auswandert, kurz nachdem dieses gegen das eigene Land Krieg geführt hat? Das wollte er uns bei all dem Redefluss dann allerdings doch nicht verraten. Wir sind ihm und seiner Familie auf alle Fälle dankbar, dass sie uns bei sich aufgenommen hat und wir eine Dusche und einen Zeltplatz für die Nacht hatten.

22.2.

Am Morgen haben wir unsere Gastgeber noch verabschiedet und den Tipp erhalten, es doch auch mal in einem Tempel zu versuchen um dort zu übernachten.

Die heutige Strecke ähnelte der vom Vortag und wir konnten uns immer wieder an Kindern, aber auch Erwachsenen erfreuen, die uns mehr oder weniger aufgeregt grüßten. Ansonsten gibt es wenig Grund unterwegs anzuhalten und dennoch Genießen wir es sehr durch die Landschaft und Dörfer zu pedalieren. Es scheint, als hätte das Fahrrad genau das richtige Tempo für Laos, zudem radeln wir wegen der Hitze in Laos 2 km/h langsamer als normal. Wir sind mittlerweile auch dermaßen braun, dass ich im Spiegel immer zwei mal hinschauen muss, ehe ich mich erkenne. Da sind auch einige herrliche Übergänge von braun zu weiß in der Haut vorhanden. 🙂

Zum Mittag gab es aus Mangel an Alternativen Nudelsuppe. Hierzu werden ein paar Reisenudeln kurz aufgekocht, ein bisschen Grünes rangeschnippelt und mit Brühe versehen. Dazu je nach dem wer kocht noch Tomate oder ein gekochtes Ei. Wir haben jedenfalls schon nach dem 2. Tag die Nase voll von Nudelsuppe.

Nach dem Essen treffen wir zum ersten mal auf unserer Tour Reiseradler die auch zu Dritt unterwegs sind. Normalerweise ist das nämlich eine sehr untypische Anzahl und mehr als 2 Personen trifft man so gut wie nie, da dass für viele zu stressig ist. Gut das es bei uns klappt. 🙂

Am Abend haben wir dann noch fischende Menschen dabei beobachtet, wie sie in einem kleinen Tümpel erfolglos ein paar Fischen nachjagten. Dabei hatte jeder seine ganz eigene Technik entwickelt.

Das Letzte was wir dann immer machen bevor wir eine Tagesetappe beenden, ist die Wasservorräte, inklusive unseres großen Wassersacks, auffüllen und Eistee sowie Feierabendbierchen kaufen. Dann haben wir wieder eine Familie gefragt, ob wir für eine Nacht bleiben könnten und ja wir konnten. Die Kommunikation verlief recht schwierig und so haben sie uns erst einmal in Ruhe Nudeln mit Tomatensauce auf der Veranda kochen lassen. Später haben wir uns dann mit Händen und Füssen etwas unterhalten können und der Familienvater hat seinen ältesten Sohn in Vientiane angerufen. Er lernt dort Englisch und so konnten wir ein paar Informationen miteinander austauschen und festhalten, dass er gerne bei uns vorbeikommen darf, sollte er einmal nach Deutschland kommen. Nachdem es dann noch angefangen hatte zu regnen, wurden wir von den netten Leuten in das ansonsten fast leere, aber riesige Wohnzimmer hereingebeten, wo wir übernachten durften.

Pedaliert sind wir im Übrigen fast 130km.

23.2.

Nach dem aufwachen wurden noch ein paar Postkarten geschrieben und dann festgestellt, das Jule ein ziemlich angeschwollenes Auge hat. So etwas ähnliches hatte ich auch bereits, ist aber von alleine wieder verschwunden. So war es dann auch bei Jule nach 2 Tagen.

Mit 8 Uhr haben wir heute eine sehr gute Startzeit erwischt und das war auch gut so, denn so haben wir das englische Pärchen nicht verpasst, welches uns auf ihren Rädern bereits nach 4km entgegenkam. Am Nachmittag passierte uns auch noch ein älterer Franzose auf dem Mountainbike und mit Rucksack. Eine mehrtägige Tour mit Rucksack ist schon ein interessanter Einfall und das bei der Hitze. 🙂

Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum berichten die denn immer so ausführlich von Pedaleuren die sie treffen?! Für Leute die sich auf die lange Meile begeben, ist es einfach schön Gleichgesinnte zu treffen, denn sie haben ähnliches erlebt wie man selbst und wissen am besten um die Freuden und Härten des Radlerlebens, wie schwierig es war loszufahren und seinen Weg zu gehen. All das schweist Pedaleure zusammen und so gibt es auch eine sehr hohe Solidarität untereinander, wie man sie wohl kaum unter einer anderen Gruppe von Reisenden findet.

Unsere Route wich heute erstmals von unserem Ursprungsplan nach China zu radeln ab. Etwas wehmütig sahen wir der nach links abknickenden Straße nach, die in Richtung Grenzgebirge zu Vietnam verschwand. Aber wie hat schon einst der berühmte Philosoph Marcel gesagt „Der Weg ist das Ziel!“ und unserer führte uns etwas abseits des Mekongs über hügelige Passagen. Wie in den letzten Tagen ging es vorbei an zahlreichen Nutztieren, die neben und auf der Straße unterwegs waren. Die größten sind die Wasserbüffel, von denen wir heute einige sahen, wie sie einen Fluss durchschwammen und nur noch ein kleiner Teil ihres Kopfes herausschaute.

Am Abend erreichten wir dann Thakhek, wo wir schon einmal unser Abendbrot einnahmen. Während wir da so saßen kam eine Horde von Ziegen vorüber gelaufen, hat sich an den Blumen des Restaurants zu schaffen gemacht und wurde prompt verjagt. Später kamen die Ziegen, mitten im Straßenverkehr, noch einmal aus der anderen Richtung angerannt. Wie fast alle Nutztiere laufen auch diese Ziegen frei umher und von einem Besitzer ist weit und breit nichts zu sehen. Am Abend scheinen die Tiere dann von selbst den Weg wieder Nachhause zu finden.

Wir haben den Weg noch zu einem Kloster gefunden und bekamen dort von den Mönchen einen schnieken Platz für unser Zelt zugewiesen. Das Highlight daran war, dass wir nur 15m vom Mekong entfernt schliefen. Leider viel die Kommunikation mit den Mönchen recht schwer, dabei hatten wir doch so viele Fragen zum Leben eines Mönches. 😦

Nachts gab es dann ganze Wolken von Insekten, so das wir uns schnell in unser viel zu warmes Zelt zurückziehen mussten. Irgendwann montieren wir uns noch eine Klimaanlage ins Zelt.

Woran merkt man, dass es draußen zu heiß ist?

Wenn man sich nach dem Verzehr einer Wassermelone die Hände waschen will, dazu sein Trinkwasser nutzt und bemerkt, dass es so warm ist wie Badewannenwasser.

24.2.

Die Mönche stehen leider bereits im dunkeln auf, weswegen wir nur eine sehr kurze Nacht hatten. Nach dem Frühstück mit Mekongblick, ging es deshalb bereits 7:41 Uhr auf die Straße. Der frühe Vogel fängt den Wurm, sag ich mal. Nur schade das wir Vegetarier sind.

Für den heutigen Tag hatten wir uns für eine schöne Straße, abseits der Hauptstraße entschieden. Der Verkehr hielt sich deshalb in Grenzen und wir konnten direkt am Mekong entlangradeln. Einziges Manko: Der Asphalt war ziemlich rau und man hat das Gefül nicht vom Fleck zu kommen.

An einer Bude hat sich Jule während der größten Mittagshitze einen Eiscafé bestellt. Zubereitet wird dieser wie folgt: Einfach Eis und Café in eine durchsichtige Plastiktüte und dann noch einen Strohhalm hinein. Fertig! Sah lustig aus, wie Jule mit ihrem Beutel Eiscafé am Lenker herumfuhr. Das Kaffee und auch Soßen, nicht nur in Laos, gerne mal in durchsichtigen Plastiktüten mitgenommen werden, hatten wir schon öfters gesehen, aber selbst haben wir so etwas noch nicht bekommen.

Kurz vor unserem Tagesziel Savannakhet hat Marcel noch einen Stand ausfindig gemacht, an dem es kleine halbrunde Teigkreise mit viel Rohrzucker gab. Lecker!

Dann erreichten wir Savannakhet und fanden auch gleich ein nettes Hotel für 15€. Fix Duschen und dann ab zum vietnamesischen Konsulat um das Visum zu beantragen. Am Konsulat war es sehr leer und wir kamen sofort dran. Unerwarteter Weise gab es kein Expressvisum, anders als in Vientiane. Zudem swaren auch noch die Kosten höher als in der laotischen Hauptstadt. Wir hatten mit maximal 70$ pro Person gerechnet und sollten dann 75$, also 225$ insgesamt löhnen. Der sich bei mir befindliche Dollarvorrat belief sich aber nur noch auf 223$. Nun viel Jule ein, dass sie noch einen Dollar hätte und Marcel meinte es müssten sogar 2$ sein, die sie damals wiederbekommen hatte, als sie in Yangon einen Tempel besucht hatten. Bezahlt hatten sie damals in Kyat, aber das Wechselgeld kam in Dollar zurück. Was für ein glücklicher Zufall! Das Geld reichte also, wenn auch äußerst knapp! 🙂

Dann probierten wir an verschiedenen Ständen noch die ein oder andere Leckerei, bevor wir uns in unser klimatisiertes Hotelzimmer zurückzogen.

Im Übrigen sind wir die letzten 4 Tage immer über 100km gefahren, das haben wir so auch noch nicht geschafft.

25.2.

Am Morgen hole ich mit Marcel Baguettes und so haben wir ein richtig fürstliches Mahl mit Marmelade, Käse, Honig und Erdnussbutter.

Heute ist der erste Tag an dem wir auf unser Visum warten. Von Savannakhet gibt es in etlichen Reiseberichten nur schreckliches zu hören. Das Städtchen soll unheimlich langweilig sein. Was wir bisher gesehen haben, bestätigt diesen Eindruck durchaus. Jule und ich können uns deshalb auch nicht dazu aufraffen, das klimatisierte Hotelzimmer zu verlassen. Nur Marcel dreht eine Runde und kommt nach 2 Stunden wieder mit der Aussage: „Ihr habt den spannenderen Tag gehabt.“

Der Laptop ist nun am kreisen, denn es müssen noch zahlreiche Dinge für die Ankunft in Deutschland organisiert werden und der normale Kram mit skypen, Bericht schreiben und Mails lesen steht ja auch noch an.

Zum Abendbrot sind wir dann doch noch rausgegangen und Marcel und ich haben uns auch noch den Sonnenuntergang am Mekong angeschaut. War echt schön und wir haben dann auch noch den deutschen „Südostasienexperten“ Reinhold getroffen, der gerade eine kleine Fahrradtour macht. Er konnte echt spannende Dinge über Thailand und seine Nachbarstaaten berichten. So wurde der König von Thailand in den 50er/60er Jahren von einer kleinen Führungselite wieder eingesetzt, um besser über das Volk herrschen zu können. Seit dem wird das Land immer zerrissener in diejenigen, die pro König sind (Gelbhemden) und die Rothemden. Der Riss zieht sich auch durch Familien, die dann kaum noch miteinander reden. Auch wir haben uns schon gewundert, dass der König quasi überall im Land mit Fahnen und Plakaten präsent ist. Er schaut einen deutlich öfter an, als etwa Atatürk in der Türkei und die Religionsführer im Iran. Nach einem sehr interessanten Gespräch mit Reinhold sind wir dann heimgegangen und haben schon bald geschlafen.

26.2.

Auch der zweite Pausentag in Savannakhet wurde nicht viel spannender. Jule blieb gleich den gesamten Tag im Hotelzimmer. Marcel und ich haben uns immerhin aufgerafft, um eine Post aufzusuchen und die beiden Museen der Stadt abzuklappern. Im ersteren waren wir die einzigen Gäste. Hier gab es im ersten Raum Gegenstände menschlichen Lebens von vor 2000 Jahren im Raum Savannakhet zu begutachten. Im zweiten Raum ging es um den Vietnamkrieg und im dritten Raum um Besuche von Würdenträgern und Industrie. Für 50 Cent Eintritt war das schon in Ordnung. Das angepriesene Dinosauriermuseum war dann mit seinen 2 Räumen wirklich eine große Enttäuschung. Dort lagen ein paar Knochen herum und fertig.

Am Abend haben wir uns dann wieder mit Reinhold getroffen und über Gott und die Welt gesprochen. Sehr nette Sache. 🙂

Das war es dann auch schon.

27.2.

11 Uhr sind wir zum aller letzten Mal auf dieser Reise Visa abholen gegangen. 🙂

Alles sehr unproblematisch und als wir fertig waren, kam noch die Frau eines Angestellten zu uns, um mit uns zu plauschen. War sehr nett und wir bekamen sogar noch einige Bananen mit auf den Weg gegeben.

Dann ging es entspannt auf die Straße in Richtung Vietnam, die dank japanischer Hilfe in einem hervorragenden Zustand war und so kamen wir gut voran. Obwohl wir erst 12 Uhr gestartet waren, haben wir immerhin noch 90km geschafft.

Bei der Familie, bei der wir heute anklopften, gab es sogar jemanden der Englisch sprechen konnte. Sonst ist das gemeinsame kommunizieren ja doch etwas schwerer. Mit der Familie konnten wir dann auch zusammen Abendbrot essen, wobei wir etwas kochten und auch unsere Gastgeber. Das ganze kam dann zusammen auf den Boden und alle anderen saßen um das Essen verteilt. Eines der Kinder hieß im Übrigen TV. 🙂

Auf dem Grundstück gab es außerdem Gänse, Enten und Hühner, die um uns herumliefen und den Weg zum Klo blockierten. Wir konnten außerdem einem Kampf zweier Hähne beiwohnen, die geben es sich aber ordentlich. Mit hochgeklappter Halskrause wird immer wieder angegriffen.

Die Nacht brachte dann wenig Schlaf ein, da in der Nachbarschaft eine Hochzeit gefeiert wurde. Dort wurde die Musik sehr laut aufgedreht und das ganze bis 6 Uhr morgens.

Leider wollten weder Marcel noch Jule mit mir auf dieser Hochzeit vorbeischauen und alleine habe ich mich auch nicht getraut, obwohl unser Gastgeber meinte, dass die Leute sich freuen würden, wenn ein „Falang“ (ein Mensch der nicht aus Laos stammt) vorbeischauen würde. Das Wort „Falang“ hören wir in Laos im Übrigen häufig, wenn wir vorbeiradeln.

4 Uhr war ich aufgrund der Musik putzmunter und konnte einfach nicht schlafen. Jetzt packte mich meine Neugier und ich dachte: ‚Da schaust du mal hin.‘ Da stand ich nun, bei den noch verbliebenen 25 Leutchen. Um keinen peinlichen Moment aufkommen zu lassen, bin ich einfach zu den 5 Menschen gegangen, die gerade am tanzen waren. Und ich hatte auch richtig Bock mal wieder zu zappeln. Vom Hochzeitspaar war nichts mehr zu sehen, aber die Hochzeitsgäste versuchten mit mir zu kommunizieren. Leider war die Musik barbarisch laut und es konnte auch keiner Englisch. Was aber immer geht, ist Bier und das brachte der größte Schluckspecht von allen immer wieder in einer Plastikkanne vorbei. Erst dachte ich, es sei Schnaps, weil es in Kleinstmengen ausgeschenkt wurde, aber dann war es wirklich nur Bier. Nach einer Weile wurde ich dann von einem Mann der um die 50 war an einen Tisch gezogen, an dem 8 weitere Personen saßen. Er deutete sofort auf ein Mädchen, das auch schon mit getanzt hatte hin und mir schwante nichts gutes. Ich tat aber so, als würde ich ihn nicht verstehen. Damit hatte ich nur wenig Erfolg und er zeigte auf seinen Penis, dann auf das Mädchen und dann auf das Haus. Ich versuchte dem guten Mann klar zu machen, das ich kein Interesse habe. Da kam auch schon ein zweiter Mann, der mit seinem Becken unmissverständliche Bewegungen machte. Als dem Mann klar wurde, dass ich an der jungen Dame wirklich kein Interesse hatte, deutete er noch auf zwei andere Frauen hin, doch auch da lehnte ich ab. Nun zog, der ja schon ziemlich betrunkene Laote an meinem Bart und meinen Haaren. Er machte mir klar, dass diese doch stinken würden und ich froh sein könnte, wenn ich mit diesen Mädels eine Nacht verbringen könnte. In Laos haben die Jungs im Übrigen keine langen Haare und noch weniger haben einen Bart. Nebenbei versuchte man mich noch betrunken zu machen, was bei den Kleinstmengen, die hier an Bier ausgeschenkt werden, aber eher schwieriger ist, auch wenn ich schon immer etwas mehr bekam.

Jedenfalls wurde es mir dann doch zu viel und ich bin im zügigen Schritt von der Hochzeit „geflohen“. Zwei sind mir noch ein kleines Stück mit der Taschenlampe hinterhergekommen und ich habe meine vorsichtshalber ausgelassen, damit sie mich nicht so leicht verfolgen können. Die Entscheidung stellt sich sehr bald als grober Fehler raus, denn ich bin noch in einen Graben gefallen, der da plötzlich das Feld kreuzte und in der Dunkelheit nicht zu sehen war. Bei der Gelegenheit hab ich mir die Hand ein bisschen aufgerissen, was mich nun beim radfahren behindern wird. Nunja, da war ich auch mal auf einer laotischen Hochzeit, die fast meine eigene geworden wäre. 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s