Myanmar 3 – Von Zügen und LKW’s

29.1.

Ich krabel gegen 7 Uhr als erster aus unserem Zelt und da seh ich zwei Ochsenkarren in der ferne vorüberziehen. Die Insassen, wie immer ziemlich interessiert an uns, halten kurz an, um dann weiterzurollen und sich der Feldarbeit hinzuwenden. Nach einer ganzen Weile kommen sie wieder ohne ihre Karren und betrachten unser Treiben nun aus der Nähe. Dann brechen wir wortwörtlich die Zelte ab und begeben uns wieder auf die lange Meile. Von kurz hinter Titagauk werden wir heute 85km bis nach Aunglan fahren.

Vom ersten Kilometer an geht es Hügel, mit teils steilen Rampen, hinauf und wieder herunter. Jule und Marcel mögen dieses Terrain sehr, ich hingegen tue mich mit den ständigen Belastungswechseln für die Muskulatur schwer. Lieber fahre ich da eine konstante Steigung hinauf oder eben im Flachen. Leider habe ich zudem bei der Hitze das trinken etwas vergessen und zusammen mit dem Terrain war bereits nach 30km besiegelt, dass ich mich heute würde durchquälen müssen. Die Beine waren quasi den ganzen Tag lang sehr schwer, müde und ich bin kaum vorangekommen. Das langsame Tempo und die vielen Pausen, die wir machen mussten, gefiel wohl auch dem Polizisten nicht, der uns die letzten 25km begleitete, damit wir auch ja nicht etwas anderes machen als im Touristenhotel übernachten (und das ist ja das Einzige was wir dürfen). Nun ja, da ich ja ziemlich schlaff war, hätten wir uns heute eh für ein Hotel entschieden.

Im Hotel selbst war dann auch ein Pärchen mittleren Alters aus Holland untergekommen. Die beiden pedalieren ein Jahr lang durch Asien und haben ihre „Lange Meile“ in Pakistan begonnen! Für Jule und Marcel gab es ein interessantes Abendessen mit den Beiden und für mich das Bett.

30.1.

Da ich immer noch nicht ganz fit bin und wir kein Risiko eingehen wollen haben wir uns dazu entschlossen die 71km nach Pyay in einem LKW zurückzulegen. Diese Art von LKW’s dient als Bus und die Passagiere Sitzen auf Holzbänken, auf der Ladefläche, sowie die jungen Männer auf dem Dach. Man staunt wirklich, wie viele Menschen sich teilweise in einen solchen LKW reinstappeln lassen.

Die 2,5-stündige Fahrt verläuft äußerst holprig und gepolstert sind die Sitze (nur Jule konnte einen ergattern) natürlich nicht. Glücklicherweise haben auch unsere Räder die Tour gut überstanden, nur unsere Sachen und wir selbst sind ziemlich dreckig geworden, da der LKW auch Kohle geladen hatte.

In Pyay haben wir uns eine Unterkunft gesucht, die ganz passabel war. Dort sind auch etliche andere Touris abgestiegen. Unter anderem ein spanisches Pärchen welches mit dem Rucksack unterwegs war. Mit denen sind wir dann gleich Mittagessen gegangen.

Marcel und ich haben uns dann noch die örtliche Pagode angeschaut und anschließend hab ich mich ins Internetcafé zurückgezogen. Das Internet war dort das erste mal seit der Türkei nahezu tadellos und nur von 20min Stromausfall unterbrochen.

Später hab ich die anderen noch auf dem Markt besucht, wo sie sich gerade durch die lokalen Köstlichkeiten durchschlemmten. Unter anderem gab es Tofu-Spiese, Pfannkuchen und Wachteleier auf einem Teig. Alles sehr interessant und schmackhaft.

Dann gings zurück ins Hotel und dann ab ins Bett.

31.1.

Heute vor fünf Monaten sind wir gestartet. Damals gab es leichten Regen und viele Freunde und Verwandte sind extra zum Abschied gekommen. Das war irgendwie schön und traurig zugleich. Nun fühlt sich unser Ziel Shang Hai schon ziemlich nahe an.

Zum Frühstück heute gab es Käse (wenn auch nicht den besten)!!! Welch große Gaumenfreude, die wir schon lange nicht mehr genießen konnten. Ausreichend Toast gabs auch. Da wir ne Menge Zeit hatten, ging Marcel nach dem Frühstück erst einmal eine Weile spazieren, Jule blieb auf unserem Zimmer und ich las auf der Bank vor dem Hotel ein Buch und trank ein Bierchen der Marke „Myanmar“. Sehr gelungener Vormittag. 🙂

Das Buch von George Orwell heißt im Übrigen „Tage in Burma“ und spielt in der Zeit der Kolonialherrschaft Englands.

Als wir anschließend Zugtickets für den Nachtzug kaufen gehen, fühle ich mich unweigerliche in die Zeit des Kolonialismus zurückversetzt. Das Möbilar ist bald älter als das Bahnhofsgebäude selbst und beides stammt vermutlich noch aus der Kolonialzeit. Auch die kleinen Wagons, welche auf dem Bahnhof stehen, ohne Lokomotive, dafür aber mit vielen Insassen, sind schon sehr alten Baujahres.

Dann plötzlich kommt ein Bus über die Wiese gefahren… aber nein es ist ein Zug! Die Gleise sind im hohen Gras kaum noch auszumachen und der Zug sieht tatsächlich aus wie ein kleiner Bus. Sehr skurril. Ein Bahnangestellter kommt vom Bahnhof und wirft einen Brief durchs Fenster des fahrenden Minizuges. Außerdem steigen ein paar Personen ein und andere aus, ohne das der fahrbare Untersatz auch nur einmal im Bahnhof angehalten hätte.

Unser Zugticket hatten wir im Übrigen mittlerweile in der Tasche. Für gute 3€ bekommt man in Myanmar noch 11 Stunden Zugfahrt geboten und das in der gehobenen Klasse!

Bis der Zug abfahren sollte, verblieb noch eine Menge Zeit und die haben wir fürs Internetcafé und schlemmen genutzt. Mittags war ich mit Marcel Nudeln Essen und Bierchen und Trinkschokolade schlürfen.

Dann haben wir die Räder zum Bahnhof gebracht. Die mussten als Sperrgepäck 3,5 Stunden vor Abfahrt des Zuges abgegeben werden!!! Wenn man diesen winzigen Bahnhof sieht kommt einen das echt lächerlich vor und das war es auch, denn nach 30min war das alles erledigt und nun warteten die Räder 3 Stunden und Marcel ebensolange beim Gepäck.

Die Zugfahrt war überhaupt erst notwendig geworden, weil uns einmal mehr das Visum im Nacken sitzt und wir etwas Zeitdruck von uns nehmen wollten. Mit dem Zug können wir immerhin wertvolle 2-3 Tage rausholen.

Und dann ist es auch soweit wir betreten den uralten Zug und nehmen auf den Sesseln platz. Bei der Verladung der Räder haben wir auch zugesehen, sah sehr zufriedenstellend aus und die Zugfahrt konnte also beginnen. Was uns nun erwartete, konnten wir freilich noch nicht ahnen.

1.2.

Kurz vor Mitternacht ruckelte der Zug dann also los und verließ den Bahnhof von Pyay. Die beiden Kanadier, die wir in Tamu getroffen hatten, hatten uns vorgewarnt: „Die Strecke ist der Hammer und es wird euch aus den Sitzen heben!“ Ich hatte mir gedacht: So schlimm wird das schon nicht, wir sind ja schließlich auch schon Zug im Iran und Indien gefahren. Es dauerte keine 2 Minuten, da wurde ich eines besseren belehrt. Der Zug begann heftigst nach links und nach rechts zu schwanken, wie ein Schiff, das in Seenot geraten ist und von den Wellen hin- und hergeworfen wurde. Wir guckten uns sehr verwundert gegenseitig an und auch die Einheimischen jaulten auf. Nach kurzer Zeit flogen die ersten Gepäckstücke, von den Gepäckablagen und mussten umgehend besser postiert werden. Was für ein Wahnsinn! Hier hatte seit der Kolonialzeit wirklich niemand etwas an den Schienen gemacht. Nach einer Weile ebbte die links-rechts-Schaukelei etwas ab und wurde ersetzt durch ein auf und ab, was sich nicht minder wie eine Achterbahn anfühlte. Wir hatten das Gefühl es würde den ganzen Zug aus den Gleisen heben und mit jedem Schlag hoben wir ein Stück aus unseren Sesseln ab. Das ganze Abteil sah einfach zu witzig aus, wenn es bei einer buckeligen Passage im Sekundentakt abhob. Das ganze Szenario war so komisch, dass Jule einen Lachanfall bekam, der sich über Minuten hinwegzog und immer wieder heftiger wurde, je heftiger die Bodenwellen waren. Auch Marcel konnte später in der Nacht mit einen Lachanfall aus dem gleichen Grund dienen.

Dann wollten wir doch noch versuchen ein bisschen zu schlafen. Jule legte sich dazu auf den Fußboden mit Matratze und Schlafsack und Marcel und ich versuchten es uns in den Sesseln bequem zu machen. Von wirklich schlafen konnte allerdings keine Rede sein. Hatte man es geschafft einmal einzudösen, kam auch schon die nächste „Achterbahnpassage“ und das ganze Abteil war wieder wach. Ich habe dann recht schnell die Mission „Schlafen“ aufgegeben und mich meinem Buch zugewandt. Aber auch das konnte ich in den buckeligeren Passagen nicht lesen. Ich kann es hier nicht in Worte fassen, was wir da erlebt haben, weil das einfach nicht zu fassen ist, man muss es halt erlebt haben, sonst glaubt man nicht, dass ein Zug der mit 30 km/h dahinschleicht zu solchen Dingen fähig ist.

Nach fast 11 Stunden kamen wir dann am Hauptbahnhof in Yangon an und jetzt schlug der Moment der Wahrheit. So schön wie die Zugfahrt auch war, so viele Sorgen machte ich mir auch um unsere Fahrräder. Ich war mir eigentlich sicher, dass sie bei diesem Geholper hinüber sein mussten, aber wie durch ein Wunder war nichts passiert. Ich konnte es kaum glauben.

Vor dem Bahnhof wartete dann Nicole (eine alte Schulfreundin von Jules Onkel) auf uns. Sie musste schnell weiter (Treffen mit dem Minister), erklärte uns aber noch den den Weg und drückte uns einen Beutel mit richtigem Brot und Käse in die Hand. Lecker!!! Auch hatte Nicole ein ziemlich gutes Mountainbike und sogar einen Helm. Was man nicht alles zu Gesicht bekommt in der großen Stadt.

Der Verkehr in Yangon ist unheimlich entspannt. Die Verkehrsteilnehmenden fahren rücksichtsvoll und vorausschauend. Da haben wir in anderen Großstädten deutlich schlimmeres erlebt. Devis Haus konnten wir dann auch problemlos erreichen. Sie ist Praktikantin in der Entwicklungspolitik und da ihre WG ausgeflogen war (waren sie wirklich^^), konnten wir bei ihr übernachten und die Wäsche waschen. Letzteres tat mal wieder Not bei all dem Schweiß, in dem wir in den letzten Tagen badeten.

Der Tag sollte mit der Shwedagon Pagode noch die größte Pagode der Welt bereithalten. Als wir allerdings 8 € Eintritt löhnen sollten, bemerkten wir, dass wir ohne Kohle aus dem Haus gegangen waren. Vermutlich hätten wir den Preis aber auch nicht bezahlt. So blieb uns also nur die Möglichkeit im großen Bogen um den goldenen Kegel herumzulaufen.

Anschließend sind wir noch mit Devi Essen gegangen. Sie hat extra eins unserer Portemonnaies mitgebracht, trotzdem hatte das Geld wieder nicht gereicht und so mussten wir uns was borgen. Was sind wir doch für arme Schlucker. 🙂

Anmerkung der Redaktion: am nächsten Tag konnte die Reisegruppe stinkende Socken einen Geldautomaten mit vorgehaltener Kreditkarte um 300.000 Kyat erleichtern. Von der Beute reisen sie jetzt von Hotel zu Hotel und leben wie die Könige und Königinnen in Taka-Tuka-Land.

Im Restaurant saßen neben uns auch noch zahlreiche andere Touristen. Zum ersten mal seit Istanbul aber nicht das Klientel von Backpackern sondern hauptsächlich schmierige Leute. Generell treibt sich in Yangon ein seltsames Klientel an Westlern herum, hätte ich so eher in Thailand erwartet. Nun aber zurück zum Essen, das war nämlich Klasse. Es gab eine Art Kartoffelbrei, verschiedene Spieße und Pommes. Außerdem haben wir einige Bierchen getrunken und sind der nie langweilig werdenden Frage: wie fähig sind die Deutschen in politischer Beteiligung? nachgegangen. War also ein gelungener Abend.

Dann gings mit dem Taxi zurück zu Devis Wohnung und auch alsbald ab ins Bett.

2.2.

Heute haben wir bei Seven Diamonds Geld eingesammelt, welches wir zu viel auf ihr Konto überwiesen hatten. War ein ganz schönes Theater mit der ganzen Geldgeschichte. Wir hätten von Anfang an das Geld in bar an die Grenze bringen sollen. Die Leute bei „Seven Diamonds“ waren aber sehr nett, auch wenn wir nicht die volle Summe wiederbekommen haben, weil wohl die Bank einiges verschlungen hat.

Marcel und Jule sind dann noch bissel die Stadt angucken gegangen, während ich mich zum chillen in die Wohnung zurückgezogen habe. Dabei habe ich allerdings einen Mönch verpasst, der in einer Pagode viele Dinge erklärt hatte. Als er fertig war, wollte er von meinen beiden Mitreisenden 10.000 Kyat, also 9€. Als man sich mit der Summe nicht einverstanden zeigte, wurde er sauer. Jule zeigte ihm, das sie nur noch 2$ in der iranischen Geldbörse hat und keine Landeswährung mehr. Darauf meinte der Mönch, die Dollar nimmt er auch. 🙂

Es war nicht das erste Mal, dass Jule schlucken musste, denn sie hatte sich vorher ein positiveres Bild vom Buddhismus aufgebaut.

Am Abend sind wir dann noch einer Einladung von Nicole nachgegangen, die Pizza in ihre Wohnung bestellt hatte. Die Pizza war absolut genial und konnte unsere Gaumen voll überzeugen. Am Tisch saßen außerdem noch zwei Deutsche, die in Yangon arbeiten und 2 die gerade auf eine Rundreise durch Myanmar aufbrachen. Auch dieser Abend wurde wieder sehr interessant. Wir haben eine Menge über Myanmar erfahren und wie die Entwicklungspolitik in diesem Land abläuft. Gut das wir diesen Einblick erhalten konnten, denn mit Einheimischen können wir uns in Myanmar selten länger unterhalten. Da diese Unterhaltungen meistens bei Übernachtungen entstehen und die sind ja nur in Hotels gestattet wo man niemanden trifft. Bei Übernachtungen von Ausländern bei Ausländern wird allerdings meist nochmal ein Auge zugedrückt.

Eine Anekdote zum Mopedverbot in Yangon möchte ich noch loswerden: Mopeds sind eigentlich das Hauptverkehrsmittel der Bevölkerung in Myanmar. Der Legende nach soll aber ein hoher Politiker in den 70ern davon geträumt haben, dass er von einem Motorrad aus erschossen wird. Daraufhin hat er die Zweiräder aus der ganzen Stadt verbannt.

3.2.

Nach Frühstück und Verabschiedung von Devi ging es für uns wieder auf die Piste. Vielen herzlichen Dank im Übrigen noch mal an Devi und Nicole für die gute Zeit! 🙂

Bereits nach 5 km hatte Jule einen Platten, nachdem sie erst am Morgen einen repariert hatte. Seit wir vor einigen Tagen im Dornengebüsch übernachtet haben, hat sie leider immer mal wieder einen Platten im Vorderreifen. Vielleicht versteckt sich noch ein kleiner Dorn irgendwo im Mantel, den wir bisher noch nicht finden konnten.

Nach kurzer Reparatur ging es weiter in flottem Tempo, wozu uns die zweispurige, größtenteils tischebene Straße animierte. Außerdem gab es die kleinen schönen Dörfer, die wir so ins Herz geschlossen haben, leider heute nicht zu bestaunen. Stattdessen wurde links und rechts der Straße viel an fahrbaren Untersätzen geschraubt.

Zum Mittagessen gab es Reis mit verschiedenen, sehr leckeren Beilagen und zur Freude von 2/3 unserer Reisegruppe enthielten diese eine Menge Knoblauch. Ich mags nicht so. 🙂

Wir konnten während des Essens beobachten wie ein LKW mit Ziegelsteinen beladen wurde. Dazu werden von einer Person immer 2 Ziegel im Doppelpack nach oben geworfen. Oben dann in Empfang genommen und gestapelt. Dauert alles recht lange.

Noch ehe der Truck fertig beladen war machten wir uns aber auf in Richtung Bago und vor den Toren der Stadt treffen wir einen bärtigen Reiseradler. Er kommt aus Indien und hat lustiger Weise schon ein paar Mal von uns gehört, da er einige Tage hinter uns radelte. Jetzt ist er aber einen anderen Weg gefahren und auf dem Weg nach Yangon. Dann wird er aber unsere Verfolgung aufnehmen. Mal schauen ob wir ihn noch einmal wiedersehen. An dem Tag konnten wir zumindest erst einmal keinen weiteren Vorsprung herausholen, denn wir parkten unsere Räder nach 85 km in einer Garage in Bago.

Da es noch ein Weilchen hell war, haben Marcel und ich noch zwei große liegende Buddhas angeschaut. Der erste lag im Freien rum und hatte fast keine Besucher. Die Ausmaße des Buddhas waren aber wirklich Gigantisch und ein Fußzeh war schon so groß wie wir.

Bei dem überdachten Buddha war die Größe ähnlich beeindruckend, nur war dieser noch goldener und verzierter. Das lockte dann auch mehr Menschen an. Mein Favorit ist aber der erste Buddha. Zum Abschied unserer kleinen Besichtigungstour ging es noch auf eine große, goldene Pagode. Seltsamer weise durften hier nur Männer aufsteigen. Hatten wir im Buddhismus noch nicht erlebt, das Frauen derartig diskriminiert werden. Von der Pagode aus konnten wir einen sehr schönen Sonnenuntergang Genießen. Insgesamt macht Bago einen sehr guten Eindruck und die Stadt ist eine Perle die vom Tourismus noch nicht entdeckt wurde.

Von der Pagode aus konnten wir dann auch noch einem Elfmeterschießen beiwohnen, welches auf dem Nachbarplatz ausgetragen wurde. Das interessante dabei war dass die 300 Zuschauer direkt um den 11-Meter-Bereich herumstanden, ja sogar schon drinstanden. Jeder Schuss wurde frenetisch bejubelt, dabei schien es egal welche Mannschaft traf. Besonders erfreut war man aber, wenn jemand verschoss. Und bei jedem Schuss rückte die Menge noch näher an das Tor. Der Schütze kam dann mitten aus der Masse gerannt. Dann der letzte Schuss… DRÜBER!!! Die Masse jubeld und geht dann schnell auseinander und auch wir ziehen uns von der Pagode zurück und gehen Abendbrot essen, bevor es Zeit zum schlafen ist. Jule hat bei ihrem Abendbrot noch zwei Reiseradlerinnen aus der Schweiz getroffen. Das Essen war jedoch leider sehr fettig…

4.2.

…und das rechte sich in der Nacht, als die Speise einen anderen Ausgang als vorgesehen nahm. Da Jule von der Nacht geschwächt war, haben wir überlegt noch einen Tag in Bago zu bleiben, haben uns dann aber doch dazu entschlossen wenigstens 65km zu pedalieren.

Leider Gottes ging der Tag erneut mit einem platten Vorderreifen bei Jule los und dieses Mal wurde gleich der ganze Mantel ausgetauscht. Morgen macht Jule einen Pausetag um mal nach dem Rechten zu schauen und sich auszuruhen.

Heute wurde die Strecke wieder etwas schöner, da der Straßenverkehr abgenommen hat. Man sieht auch endlich wieder Ochsenkarren und die Menschen scheinen abseits des Hauptverkehr entspannter zu leben. Naja, das ist jedenfalls mein Eindruck. Vorbeigekommen sind wir auch an zahllosen Melonenhändlern die ihre Felder direkt hinter den Hütten haben. Die Melonen sind meist sehr kunstvoll aufeinandergestappelt und viel größer und länglicher als bei uns im Supermarkt. An einem Stand liesen wir uns eine viertelste Melone gut schmecken.

Dann ging es weiter. Leider stimmte die Kilometerangabe in unserer Karte nicht und so mussten wir anstatt der 65 km 92 fahren. Das war weniger erfreulich, aber Jule hat dennoch tapfer durchgehalten.

Besonders häufig waren heute Grasbrände zu sehen, die hier offensichtlich absichtlich gelegt werden. Auch Müll brennt immer mal wieder am Straßenrand.

Außerdem haben wir einen deutschen Reiseradler getroffen, welcher gerade sein Abi fertig gemacht hat und jetzt durch Südostasien pedaliert. Respekt! Das hätte ich mir nach dem Abi noch nicht zugetraut! Überhaupt scheinen wir jetzt wieder unter Pedaleuren zu sein, den kurze Zeit später überholte uns beim Wasser nachfüllen ein Australier, der später genau wie wir im „Happy Guest House“ untergekommen ist. Hier hatte unser Zimmer als besonders Highlight einen Gecko zu bieten, der ab und an laute Quickgeräusche von sich gab. Sehr interessant! Der Ort in dem wir ankamen, heißt im Übrigen Kyaikhto, falls ihr den auf der Karte suchen wollt.

5.2.

Das Frühstück war heute eine echte Frechheit. Es gab wie immer 2 Scheiben Toast, aber keine Möglichkeit nachzubestellen! Wie soll bitte ein Mensch der sich mit dem Rad fortbewegt von so einer dürftigen Portion satt werden?! Notgedrungen mussten wir noch unser eigenes Essen dazuholen.

Nach dem Frühstück ging es für Marcel und mich mit dem Fahrrad in Richtung „Golden Rock“. Das goldene Steinchen ist nach Bagan wohl die Hauptattraktion des Landes. Bereits auf den ersten Kilometern sausten 12 Reiseradlerinnen und Reiseradler an uns vorbei. Einen (Niti) habe ich gestoppt und er erklärte mir, dass er der Reiseleiter der Gruppe sei. Peter, der auch zu der Gruppe gehörte, war der Einzige der sein eigenes Fahrrad mit hatte. Die Gruppe, die durch Myanmar pedaliert, konnte sich auf einen Gepäckwagen, der den Großteil des Gepäcks trägt, verlassen. Auch mal eine interessante Art zu Reisen. Wer sich dafür interessiert kann „China by bike“ googleln. Dort werden verschiedene Routen in Südostasien angeboten.

Für uns ging der Weg weiter zur Basisstation des „Golden Rock“, wo wir unsere Räder stehen liesen und mit dem LKW weiterfuhren. Selbiger wurde mit Menschen vollgepackt, so das es unbequem war und dann ging es den abenteuerlichen Weg mit unfassbar steilen Rampen hinauf. Gut das wir hier nicht radeln mussten. Auf dem Berg mussten wir dann 6 $ Eintritt zahlen, während Einheimische wie üblich kostenlos hineindurften. Entlohnt wurden wir mit einem sehr schönen Ausblick. Der Stein an sich ist schon durchaus imposant, aber sicherlich nicht so sehenswert, dass es sich lohnen würde, wegen ihm einen großen Umweg zu machen. Erstaunlich ist, dass sich der Stein immer noch an der Stelle hält, obwohl er kaum mit dem Untergrund verbunden ist. Dafür werden täglich aber etliche Goldplättchen an ihn geklebt. Bis in Greifnähe kommen allerdings nur Männer. Frauen müssen, warum auch immer, etwas Abstand halten.

Nach der Besichtigung des Steines fuhren wir mit dem LKW wieder die Serpentinen abwärts. Die muss sogar als noch abenteuerlicher bezeichnet werden. Unten angekommen haben wir den australischen Reiseraler vom Vortag wiedergetroffen. Er war mittlerweile umgezogen und hatte sich mit einem älteren Pärchen bekannt gemacht. Die beiden waren mit dem Rucksack unterwegs, sind aber früher auch schon mal von Feuerland nach Alaska pedalt.

Damit sollten es aber noch nicht genug Radreisende für heute gewesen sein, denn bei der Rückfahrt trafen wir noch 2 und als wir in Kyaikhto zum Abendessen rausgingen, waren da nochmals 2 Pedaleure. Radeln scheint in der Gegend absoluter Trendsport zu sein, ist aber auch wenig verwunderlich, da wir uns auf der Hauptroute zwischen Thailand und Myanmar befinden.

Zum Abendessen gab es mal wieder Nudeln, Reis und Gemüse, das Übliche also. Dazu gab es im „Sportprogramm“ Livetischtennis. Nach dem Essen haben wir uns das Ganze aus der Nähe angeschaut und ich konnte es mir nicht nehmen lassen und hab auch einmal zum Schläger gegriffen. Daraus wurde dann sogar ein Match, bei dem ich nicht total unterging, aber dennoch in 3:0 Sätzen verlor. Spaß hats aber auf alle Fälle gemacht. 🙂

Wer sich nun fragt, was hat Jule eigentlich den ganzen Tag gemacht? Hier die Antwort:

Am Rad geschraubt und mit selbigen etwas rumgedüst. Außerdem gechillt und am Rechner rumgehangen.

Jetzt sitzen wir alle in unseren Betten und ich tippe die letzten Zeilen des aktuellen Berichtes ein und werde ihn gleich hochladen.

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