Myanmar 2 – ein druckfrischer Bericht!

Exklusiv aus dem wundervollen Myanmar meldet sich nun die Jule wieder, um dem werten Publikum Feierabende, Überstunden oder langweilige Vorlesungen zu versüßen.

Für die, die es vergessen haben: wir sind in Myanmar angekommen, hatten aber die Straßen noch nicht so gefunden gehabt.

Dafür wundervoll strahlende Menschen und viele goldene Kuppeln!

20.1.
Mit der schönen Hoffnung, ab jetzt wieder auf echten, asphaltieren Straßen unterwegs zu sein, starten wir am Morgen aus unserem kleinen Hotel. Nach kürzester Zeit hingegen hat uns die Sandpiste wieder- wir schieben und strampeln und rütteln durch den Tag, der sehr sonnig und heiß ist. Je weiter wir nach Süden kommen, desto heißer wird es hier (logischerweise). Vor wenigen Tagen haben wir irgendwo am Wegesrand einen Stein gesehen, der uns bescheinigt hat, den nördlichen Wendekreis des Krebses überquert zu haben. Äquator, da sind wir! (naja, fast)

Neben unserer „Straße“ sehen wir nun zu meinem Entzücken Erdnussfelder, und Erdnüsse liegen auch auf dem „Mittelstreifen“ des einspurigen Feldweges. Dieser Feldweg wird von den Einheimischen doch tatsächlich hartnäckig „Highway“ genannt. Irgendwann erreichen wir einen kleinen Fluss, der jetzt, in der Trockenzeit, kaum Wasser führt. Ein junger Einheimischer auf seinem Motorrad muss uns erst zeigen, was hier zur Flussüberquerung dient, damit wir es als Furt erkennen und über den Fluss kommen. Eine Furt… sowas gibt’s in Deutschland nicht mehr.

Christian beim Flussüberqueren
Christian beim Flussüberqueren

Danach wird wenigstens die Sandpiste recht glatt, fest und gut und wir kommen parallel zu einem weiteren Fluss ziemlich gut voran. Zur Mittagspause hüpfe ich dann auch mal flux in diesen Wasserlauf, um die Hitze besser wegstecken zu können. Die Leute hier hingegen tragen Wollpullover und fragen uns ständig, ob wir denn im T-Shirt nicht frören. Angemerkt: es sind locker über 30 °C.

Schon am frühen Nachmittag kommen wir in einer der ehemaligen Hauptstädte des burmesischen Reiches an, in Shwe Bo. Wir nehmen uns ein recht teures und für unsere Verhältnisse luxuriöses Hotel. Einerseits sind die Hotels hier für Touristen immer recht teuer, andererseits lockt uns auch die WLAN-Verheißung. Seit dem Grenzübertritt gab es keinen Kontakt nach Hause, das ist für die Psyche schwierig. Am Nachmittag finde ich dann eine SIM-Karte für das Handy- bevor wir nach myanmar eingereist sind, wurde uns in diversen Blogs und auf allen möglichen Webseiten weis gemacht, dass Myanmar das „Land Ohne Internet“ sein würde. Hier hätten, wenn überhaupt, nur gute Hotels in den drei großen Städten WIFI. Und jetzt? Die Realität sieht anders aus: ich kaufe für 2 Dollar eine SIM-Karte, die nicht einmal aktiviert werden muss, und zack! haben wir Hochgeschwindigkeitsinternet auf dem Smartphone. Und das wohl laut Aussage der Verkäuferin in allen Städten. So viel verrate ich schon einmal: auch auf dem platten Land, irgendwo unter Palmen beim Wildzelten, hat später manchmal das Internet ausgereicht, um mit Deutschland zu skypen. Wobei erwähnt werden will, dass das Internet immer wieder stundenlang ausfällt, überall und ohne Muster. Wenn es aber grad tut, dann wohl ziemlich flächendeckend.

Wir machen so Stadtsachen: rumlaufen, Vorräte auffüllen, lecker essen und im Internet rumhängen. Und im Bett schlafen. Und duschen =)

Man munkelt, es hätte sogar eine Badewanne gegeben und der werte Herr C. hätte es sich riiichtig gut gehen lassen.

21.1.
Von Shwe Bo aus geht es nun endlich durchgängig auf Asphalt weiter- auch wenn dieser furchtbar schlecht präpariert wurde und es uns auf unseren ungefederten Tourenrädern ziemlich böse durchschüttelt. Dies hier ist nun eine Region, in der Melonen angebaut werden. Riesige LKW mit tausenden Wassermelonen überholen uns, wir kaufen eine tolle, reife Honigmelone und machen Mittagspause an einem typischen Imbiss: man sitzt in Bambus-Liegestühlen unter einem palmgedeckten Dach und genießt das Leben =) Dank des point-it’s (einem Zeige-Kommunikationsbuch vom Christian, wo einfach für tausende Reisesituationen die richtigen Symbole abgedruckt sind) bekommen wir auch mal wieder vegetarisches Mittagessen. Und was für welches! In Myanmar scheint es üblich, dass man zB Reis oder Nudeln bekommt und dazu zig Schälchen mit Beilagen, Gemüsen, Saucen, Nüssen…, die alle nachgeliefert werden, wenn man sie aufgefuttert hat. Und alles ist wirklich anders als alles asiatische, was ich bisher gegessen habe, und wahnsinnig schmackhaft! Myanmar für Vegetarier ist wärmstens zu empfehlen. Jedenfalls, solange man es begreiflich machen kann, denn es ist wirklich schwer, burmesisch so auszusprechen, dass die Leute uns auch verstehen.

Christian, das point it und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach
Christian, das „point it“ und die Frage nach vegetarischem Essen. Alles unter einem Palmendach

Vor unserem Tisch steht ein typischer kleiner Stand an der Straße, an dem eine junge Frau Bethelnüsse mit ein paar Gewürzen und einem weißem Pulver mischt und in ein frisches grünes Blatt einwickelt. Das verkauft sie an alle möglichen Männer, die vorbei kommen und sich die Nuss im Blatt dann in den Mund stecken und darauf rum kauen. Dabei entsteht ganz viel blutrote Spucke, die mit viel Freude in ganz Myanmar verteilt wird. Scheint ungefähr den gleichen Sinn zu haben wie Rauchen: verfärbt die Zähne, schmeckt scheiße und man kann viel Geld dafür bezahlen.

Am späteren Nachmittag radeln wir an überwucherten Tempeln vorbei in Saiagan ein. Immer wieder sieht man von den Kuppen der Hügel, über die unserer hübsche Straße führt, eine beeindruckend riesige goldene Kuppel. Als wir sie und den dazugehörigen Tempel erreichen, bleiben wir ein wenig und schauen uns um.
Als wir dann in die Stadt reinkommen, geht die Sonne gerade unter. Zum Glück finden wir direkt ein günstiges Guest House, das uns auch alle drei für einen guten Preis in einem Doppelzimmer schlafen lassen will. Als wir schon eingecheckt haben und ich schon auf dem Klo sitze, kommt aber jemand mit dem Auto (im Land der Motorroller schon eine Rarität an sich), der partout nicht verraten will, welche Position er hat, und sagt uns, dass das Guest House keine Lizenz für Touristen hat und dass wir ein anderes Hotel nehmen müssen. Ein junger Mitarbeiter bringt uns auch gleich zu einem deutlich größeren, feineren Hotel in der Nähe, wo uns der junge Angestellte auch sagt, dass wir für ca. 34 Dollar zu dritt in einem Raum schlafen dürften. Dann holt er aber leider noch den Hotelmanager, der das Wort übernimmt und plötzlich meint, dass er sich um unsere Sicherheit Gedanken machen würde, schliefen wir in einem Zimmer. Als ich da nachhake, wie er das meint, sagt er, dass es nicht möglich ist, dass ich als Frau mit zwei Männern in einem Raum schlafe. Und als wir mehrmals betonen, dass das wirklich kein Problem sei und wir das seit 5 Monaten so machen, sagt er, in Myanmar sei das nun aber nicht möglich (was Quatsch ist, haben wir hier schon oft erlebt!). Dann meint er aber, dass wir beide Zimmer für 25 Dollar haben könnten. Wir fragen noch ein paar mal nach, ob er damit wirklich meint, dass beide Zimmer zusammen 25 Dollar kosten (und nicht jedes der beiden Zimmer einzeln), er bejaht immer wieder und zufrieden gehen wir zur Rezeption, um all diese nervigen Formalitäten zu erledigen, die seit der Türkei zu jedem Hotelaufenthalt gehören. Wir bezahlen auch extra im Voraus, damit wir uns mit dem Preis wirklich sicher sein können. Und als wir daaaann, nach all dem Passdaten-Abschreiben und -Kopieren etc. schon ein Bier bestellt (und bezahlt) haben, da meint er, jetzt würde er gern noch die zweiten 25 Dollar für das zweite Zimmer haben wollen. So ein Halunke! Was haben Christian und ich uns aufgeregt! X-mal haben wir nachgefragt, ob er das wirklich so meint, und 50 Dollar können und wollen wir nicht bezahlen und jetzt ist es dunkel und wirklich schwer für uns, noch etwas zu finden!
Erbost lassen wir uns das Geld wieder geben und machen uns vom Acker. Dem jungen Hotelangestellten scheint das alles unangenehm zu sein, er zeigt uns noch die Karte eines anderen Hotels und erklärt uns grob den Weg dorthin.
Als wir versuchen, das neue Hotel zu finden, biegen wir dann irgendwann zu einem buddhistischen Tempel ab, weil wir überlegen, ob dort eventuell ein Kloster angeheftet ist und wir dort vielleicht schlafen könnten.
Einerseits haben wir Pech, weil dieser Ort ein unbewohnter Tempel ist. Andererseits haben wir enormes Glück, weil wir vor dem Tempel Tun Lwin, einen Motorrad-Taxi-Fahrer, treffen, der englisch spricht und uns helfen will. Zuerst muss er noch eine Kundin wegfahren, dann kommt er aber nach fünf Minuten wieder und empfiehlt uns diverse Hotels. Als wir ihm erklären, dass die uns alle viel zu teuer sind und dass wir gehofft hatten, noch einmal in einem Kloster unter zu kommen, da meint er doch tatsächlich, er kenne eins und bringe uns hin!
So düsen wir dem Mopped hinterher durch die nächtlichen Straßen. Als es in kleine rumpelige Seitenstraßen geht, hält er extra einmal an und sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen, das sei wirklich der Weg zum Kloster. Und kurz danach wird uns die Klosterpforte von zwei jungen Mönchen geöffnet und Tun Lwin geht hinein, um für uns um Unterkunft zu bitten. Als er schon fast im Haupthaus verschwunden ist, meint er, wir sollen doch vielleicht auch besser mitkommen und auch mit fragen, und so laufen wir hinterher. Als wir dann an der Tür angekommen sind und uns unseres Schuhwerks entledigt haben, da kniet Tun Lwin schon auf dem Boden vor dem Obermönch, der auf seinem Stuhl sitzt und sich die Bitte anhört. Wir werden auch alle mit auf den Teppich zu Füßen des Mönchs geholt, nehmen Anbeteposition ein und gucken scheel in der Gegend rum, weil wir nichts sagen können. Es ist eine äußerst exotische, lustige Situation =)
Der Mönch gibt unserer Bitte dann tatsächlich statt und wir dürfen zum zweiten Mal in einem buddhistischen Kloster übernachten. Dieses hier ist jedoch sehr viel kleiner als das, in dem wir vor ein paar Nächten waren: es wohnen hier scheinbar nur der ca. 40-jährige Obermönch, ein ca. 15-jähriger und ein ca. 12-jähriger. Vielleicht sind die anderen Mönche aber auch nur im Urlaub =) Die Anlage besteht aus dem Haupt- oder Gebetshaus mit dem Buddhaschrein, einem Nebenhaus, in dem geschlafen und gegessen wird, einem sehr schönen, schattigen Garten und einem Gästehaus, in dem wir einquartiert werden. Es ist riiichtig schön!!

Wir gehen dann noch mit Tun Lwin in ein Restaurant, um ihn zum Dank zum Essen einzuladen und weil wir uns auch so freuen, endlich jemanden gefunden zu haben, der ganz passabel Englisch spricht und uns die myanmarische Kultur vielleicht etwas näher bringen könnte. Er weigert sich leider, mehr als einen Softdrink zu bestellen, aber dennoch haben wir viel Spaß miteinander. Und für uns gibt es wieder leeecker lecker myanmarisches Essen.

Als wir dann ins Kloster zurückkommen, setzen wir uns noch mit den drei Mönchen und ein paar Schaulustigen im Hauptraum zusammen, weil der Obermönch sich wünscht, dass wir versuchen, für ihn den Kontakt zu ein paar westlichen Meditationsschülern aufzunehmen, die früher einmal dort im Kloster Meditationsseminare gemacht haben. Zuerst denken wir, es gehe nur darum, den Laptop und unser mobiles Internet bereit zu stellen- das hätten wir gekonnt und mit Freude gemacht! Dann stellt sich aber heraus, dass der Mönch leider nur noch Fotos und keine Adressen von den gesuchten Menschen hat- und da können wir schweren Herzens auch rein gar nichts machen. Dennoch bekommen wir aber Zwieback, Datteln, Kaffee und Tee serviert und sollen davon fleißig essen, während die Mönche (ich glaub nach 15:00) nichts mehr essen dürfen.

im Kloster Nr 2

Dann geht’s glücklich in unsere Mönchszellen-Bettchen. Was für eine traumhafte Wendung!

23.01.15
Am frühen Morgen kochen wir unseren Kaffee auf dem Benzinkocher im Klostergarten, kurz danach bringen uns die Mönche dann aber auch nochmal ganz viel Frühstück, und parallel zum Frühstück wechsele ich an Christians und meinem Rad zum zweiten Mal auf dieser Tour die Kette, weil das lang schon überfällig ist. Es geht mittlerweile ratzfatz, noch bevor das Wasser in der Kaffeetasse ist, ist die erste neue Kette schon aufgezogen =) Jetzt können wir wieder ein paar tausend Kilometer ordentlich in die Pedale treten, bis wir daran erneut denken müssen.
Danach kommt Tun Lwin vorbei und holt uns ab, denn er hat extra einen Vormittag frei gemacht, um uns die schönen, berühmten Tempelanlagen auf einem Berg über der Stadt zu zeigen. Dafür müssen wir taaauuusende Stufen hochlatschen, aber es lohnt sich wirklich sehr: wir sehen unglaublich weit über neblige Wälder, aus denen goldene Pagoden und Kuppeln ragen, über den Fluss und die metallenen Bogenbrücken in alle Richtungen… ganz arg schön!
Und wir finden dort oben an ein paar Touriständen richtig schöne Postkarten und kaufen erst einmal insgesamt 50 (!) Stück. Freunde und Familie zu Hausen warten =)

Tun Lwin kauft uns dann noch ein kleines Beutelchen mit aufgeschnittener grüner, unreifer Mango, die mit rötlichem Gewürzpuder bestreut ist. Das ist ein ganz neues Geschmackserlebnis irgendwo zwischen sauer, süß und würzig und von mir wärmstens weiterempfohlen.

Hier sehen wir auch seit Ewigkeiten mal wieder andere Touristen. Am Fuß des Berges sprechen wir ein kanadisches Ehepaar an, das uns erzählt, als junge Hippies schon vor 42 Jahren einmal hier in Myanmar gewesen zu sein. Nun sind die Kinder aus dem Haus und sie sind wieder zurück gekommen. Das ist inspirierend und sehr schön =)

Wieder im Kloster verabschieden wir uns sehr dankbar und herzlich, machen noch einige Fotos und tatsächlich kommt der Obermönch mit so einer Stange um die Ecke, in die er sein Smartphone einspannen kann, um bessere Selfies zu schießen. Es ist der Brüller!

die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange
die Möche, ihr Smartphone und ihre Selfie-Stange

Dann radeln wir noch los, weiter Richtung Süden. Es ist wieder sehr heiß, wir werden brauner und brauner und wünschen uns ein Eis. Gibt es aber hier nicht. Also wünschen wir uns eine kalte Limonade- Kühlschränke gibt es aber mangels Elektrizität auch nicht. Wahn. Da begnügen wir uns mit lauwarmen Getränken in einem kleinen Örtchen, in dem bei unserer Ankunft wieder so eine Prozession startet, an der Ochsenfuhrwerke, laufende, sehr schön gemachte Menschen und Reiter beteiligt sind. Und dann kommen zwei als ein Elefant verkleidete Männer und tanzen zu ohrenbetäubender Musik – das ist sooo lustig!!

DSCF6333

Am Abend zelten wir mal wieder wild, auf Sand, zwischen Dünen und Palmen in der totalen Stille. In der Ferne wacht eine riesige goldene Buddhastatue über uns. Wir kochen Nudeln mit Ketchup, weil wir hier wirklich Schwierigkeiten haben, ordentliche Lebensmittel einzukaufen. Einerseits gibt es in den kleinen Läden wirklich schwer begrenzte Auswahl und andererseits kennen wir davon nur einen Bruchteil. Oh man, wir freuen uns sehr auf den Tag, an dem es mal wieder echte, normale Nudeln mit guter Tomatensauce gibt =) Und Früüühstück… man, echtes Brot und mehr als eine Marmelade, das wäre der Hammer.

Aber das Zelten ist wunderschön. Ganz leise, ganz voll mit Sternen und Sichelmond, der hier liegt, anstatt wie in Deutschland zu stehen. Kann mir das mal jemand erklären?

24.01.
Happy Birthday, meine Mama! Und auch alles Liebe Wolf!!

Wieder ist es ein heißer Radeltag über sehr holprige Straßen. So holprig, dass ich jetzt Muskelkater in den Armen statt in den Beinen bekomme.
Wir schaffen die 117 km bis nach Bagan, dem touristischen Highlight Myanmars

Bagan Link

Genauer gesagt bleiben wir in dem kleinen Ort Nyaung U, weil es dort wohl die günstigeren Hostels gibt. Wir werden auch direkt von einem hilfsbereiten Motorroller-Fahrer zu unserem gewünschten Hotel gebracht und schnappen einer hektischen, unsympathischen und eben auch zu ihrem Pech unentschlossenen Dame aus den USA ihr Zimmer weg- sie war langwierig am handeln, wir wollten einfach nur das Zimmer, und dann hat sie sich furchtbar aufgeplustert. Ayay!
Überhaupt gibt es hier nun unendlich viele Touristen. So viele europäische und nordamerikanische Menschen haben wir seit ca. Istanbul nicht mehr gesehen. Und wir können nicht umhin es ziemlich cool zu finden, zwischen den Busreisenden mit unseren Rädern durchzurollen!

Und zu unserer großen Begeisterung hat das touristische Ambiente der Stadt auch einen großen Vorteil: es scheint hier westliches Essen zu geben! Und so genießen wir wenig später frisch geduscht (ach, die kleinen Freuden… ^^) im Garten eines ganz schönen Restaurants, unter Bäumen mit zig ganz hübschen Papierlampions, eine …. Pizza!! Geilo!

25.01.
Bagan ist so berühmt, weil hier ca. 3000 kleine Tempel und Stupas verteilt zwischen Bäumen auf einem riesigen Areal stehen, und das ist sehr, sehr beeindruckend, wenn man es zB von einem Tempel aus von oben betrachtet. Oder wenn man sich zB mit dem Fahrrad treiben lässt und einen Tempel nach dem anderen anschaut.

Ha, morgens tappen die Jungs direkt in eine grandiose Touristenfalle…. da kommt ein junger, sympathischer und gut englisch sprechender junger Mann auf dem Roller vorbei und meint, uns einen seiner Lieblingstempel zu zeigen. Dort oben würde er uns seine Kunst (Sandbilder) zeigen, und wir könnten dann immernoch entscheiden, ob wir die mögen und ob wir ihm vll sogar was abkaufen wollen.

Bagan
Bagan

Der Tempel zunächst, den er uns zeigt, ist wirklich sehr cool und wir sind sehr eingenommen von der 360°-Aussicht über 3000 Pagoden. Auch seine Bilder sind richtig, richtig schön- so schön, dass die Jungs sie zu einem Preis kaufen, der, wie wir später merken, ca. dem 6-fachen des gängigen Preises für die allgegenwärtigen Sandbilder entspricht. Da müssen wir die Tage noch viel drüber lachen =)

Traurig daran ist vor allem, dass wir uns mit dem jungen Koko eigentlich ziemlich lange und ziemlich gut unterhalten hatten, und dass er uns dann dennoch so verarscht hat. Das ist für mich wieder ein Beispiel dafür, was das Geldverdienen mit den Menschen macht.

Wenn wir uns also grad nicht das Geld aus der Tasche ziehen lassen, streunen wir alle ganz entspannt durch die Tempelanlagen und freuen uns sehr, mal wieder eines unserer schon lange im Kopf ausgemalten Reisehighlights erreicht zu haben. Für den Nachmittag trennen wir uns dann, weil ich gern ein wenig meine eigenen Wege gehen möchte.

Zum Sonnenuntergang klettere ich mit Händen und Füßen auf die Ruine eines Tempels, um irgendwo zu sein, wo keine anderen Touristen sind. Wie zu erwarten ist das sehr schön =)

Marcel und Christian erzählen mir später, sie hätten sich noch ein bisschen verfahren und es dann recht hektisch auch auf eine Pagode zum Sonnenuntergang geschafft- da müsst ihr sie aber mal selber interviewn =)

26.01.

Für heute haben wir beschlossen, den Tag über in Bagan zu verbringen, wieder durch die Pagoden zu tingeln und dieses wunderschöne Weltkulturerbe auf uns wirken zu lassen. Dann, so zwei Stunden vor Sonnenuntergang, satteln wir die Räder auf uns fahren noch 30 km aus dem Touristengebiet raus, um nicht noch eine teure Nacht im Hotel zahlen zu müssen. Wir suchen eine Zeit lang vergeblich nach einer Stelle zum Zelten, finden nur ganz viele Dornen und Menschen, die direkt an allen Orten vorbei laufen, die wir uns aus der Ferne so ausgesucht haben, fragen dann in einem Kloster, ob wir dort das Zelt aufstellen dürfen, werden aber nicht verstanden oder abgelehnt. Ganz am Ende finden wir eine wirklich hübsche Stelle unter Palmen, auf der wir unser Zelt aufschlagen.

DSCF6574Wieder ist es nicht wirklich total abgelegen, einige auf den Feldern arbeitende Menschen tingeln wenige hundert Meter entfernt vorbei. Weil es aber schon recht dunkel ist, wird das für heute Abend kein Problem mehr darstellen. Es gibt wieder Nudeln mit gebratenem Gemüse und Ketchup. Zeit, dass wir myanmarisch kochen lernen. Es deutet sich aber auch schon an, dass ein Geheimnis der unglaublich guten Speisen hier das Glutamatpulver sein könnte- ich habe es in den Läden schon sehr viel öfter gesehen als Salz =)

27.01.
Am nächsten Morgen packen wir unter interessierten Blicken einiger Einheimischer unser Zelt zusammen und wollen die Räder satteln, als mir auffällt, dass ich sowohl hinten als auch vorne einen Platten habe. Immer ich! Manno! Eigentlich habe ich zwei Ersatzschläuche dabei, als ich die jedoch auspacke, fällt auf, dass einer der beiden in der Satteltasche mit meinem Reise-Nähzeug gekuschelt hat und auch erstmal geflickt werden muss, bevor er wieder zu gebrauchen ist. Ersatzschlauch und Nähzeug ist keine schöne Liebesbeziehung. Ich gebe den Tip für zukünftige Tourenradler: in unterschiedlichen Satteltaschen verpacken. Ist ebenso inkompatibel wie Brötchen und gebrauchte Socken.

Also mache ich mich an das Flicken des Hinterrads, während Christian parallel den Schlauch des Vorderrads austauscht und Marcel sich in der Zeit nochmal über die Einstellung seiner Bremsen hermacht.

Mit etwas Verzögerung kommen wir dann auf die Straße. Leider nicht lange, denn schon im nächsten Ort fällt mir auf, dass das Hinterrad immernoch Luft verliert- dabei habe ich heute morgen doch schon 6 Dornen aus dem Mantel gezogen und zwei Löcher im Schlauch geflickt! Also sattel ich nochmal ab und mach mich noch einmal an das Hinterrad, während die Jungs sich auf dem Markt um das Abendessen kümmern. Ich finde tatsächlich noch eine fast 1,5 cm lange Dorne, die auf der Mantel-Außenfläche nicht sichtbar war, mir dafür aber ooordentlich den Finger einkratzt, als ich sie innen ertaste. Nach diesem Loch aber ist es gut, wir können an der nächsten Motorradwerkstatt den Reifen wieder voll aufpumpen lassen und es geht richtig los.
Jetzt wird es wohl jeden Tag heißer, von ca. 11:30 bis 16:00 läuft uns (also wenigstens Marcel und mir) der Schweiß aus allen Poren, die T-Shirts, Hosen (!) und unsere Haut haben dicke weiße Salzkrusten. Wo kommt all dieses Salz her?? Weil wir nun meist ohne T-Shirt radeln, rufen wir bei der ordentlich angezogenen myanmarischen Bevölkerung noch mehr Entzücken hervor.
Wir sind dann zum Mittag wirklich hungrig, finden aber erst einmal lange kein Restaurant- dafür aber eine Chipsbude, die wir spontan fast leer kaufen wegen all des Salzhungers. Als wir dann endlich ein Lunch-Restaurant finden, servieren uns die Menschen dort waaahnsinnig gutes Essen. Wie immer sind es zig Zutaten zum Reis und ich bin vom Geschmack der einzelnen Komponenten total begeistert. Sehr schöne Mittagspause! =)
Am Nachmittag machen wir dann noch einmal unter einem dicken Bodhi-Baum Rast. Der Bodhi (Ficus Religiosa) ist laut Legende der Baum, unter dem der Buddha seine Erleuchtung genossen haben soll- vor allem aber ist es ein wunderschönes, dickes Gewächs mit zig Luftwurzeln und Stammteilen, die zusammen einen feeetten Stamm von mehreren Metern Durchmesser bilden können. Wir fahren durch eine ganze Allee dieser Bäume, das sieht ganz toll aus, und die Menschen haben oft unter einem davon ein kleines Café errichtet oder sogar einen Laden, dessen Waren an den Luftwurzeln aufgehängt sind. Märchenhaft. Und wir chillen unter so einem Bodhi auf einer aus Palmwedeln geflochtenen Plattform (wie ein Tagesbett oder das iranische Tacht), schauen nach oben, am goldenen Palmwedeldach vorbei durch die grünen Blätter in den blauen Himmel. Ganz schön schön.

die schicken Bäume und die Menschen in Symbiose

Und die Menschen sind alle so begeistert von uns! Wenn wir vorbeiradeln, unterbrechen sie ganz oft ihre (zuallermeist landwirtschaftliche) Arbeit, um uns zu winken und Grüße zuzurufen, begleitet von einem umwerfenden Lächeln. Alle strahlen! Wenn eine Gruppe Menschen hinten in der Ferne auf einem Feld arbeitet, dann schreien sie uns weeeiiit hinterher, winken groß und freuen sich tierisch, wenn wir das mitbekommen und den Gruß erwidern. Und als ich zB einfach nur angehalten habe, um eine neue Wasserflasche zu kaufen, wurde ich sofort gebeten, mich kurz hinzusetzen und dann irgendwie um alle Sprachbarrieren herum ein wenig ausgefragt.

Am Abend erreichen wir dann leider direkt zum Sonnenuntergang eine kleine Stadt, die wir erst noch mit letzter Kraft durchqueren müssen, damit wir noch vor der Dunkelheit einen guten Zeltplatz finden. Der ist heute in hügliger, an den Mond erinnernder Landschaft, bietet tolle Aussicht auf zwei kleine Tempel und mal wieder das ganze, schöne Myanmar-Wildzelt-Programm: viele Sterne, ein hübscher Mond, kaum Insekten und eine so milde Nacht, dass wir die langärmligen Shirts nur wegen der Angst vor Mücken rauskramen.
Myanmar ist wirklich schön.

28.01.
Da bin ich schon vor Sonnenaufgang wach und schau mir diesen über unserer Mondlandschaft an.

DSCF6623Kuhhirten treiben ihre Tiere an unserem Zelt vorbei. Für die müssen wir aussehen wir Wesen von einem anderen Stern. So verrückte Ausrüstung, so viel Zeug, so viel Technik! Die Räder mit all ihren Hebeln und Kabeln, das bunte Plastikzelt! Die aufblasbaren Isomatten!
Wieder ist’s schon beim Losradeln zu heiß für das T-Shirt. Mittags erreichen wir Magwe und finden dort a) eine Art Bäckerei mit mehreren Sorten weißem Brot, die wir alle mal ausprobieren. Wir sind nämlich verzweifelt auf der immerwährenden Suche nach anständigem Frühstück. Die meisten dieser Teilchen sind mit irgendwas gefüllt, manche sind ganz arg eklig, manche sind toll. Lesen können wir nunmal gar nichts, also wird immer mal alles durchprobiert.
b) schauen wir uns dann in Magwe noch eine Pagode auf einem Hügel über dem Fluss an, die in der Mittagssonne wirklich krass golden vor sich hin strahlt. Es ist wieder einmal schön, das buddhistische Bauwerk anzuschauen, ein wenig barfuß durch den Tempel zu gehen und die Aussicht zu genießen. Und danach essen wir (wie immer sehr gut) in einem kleinen Restaurant oberhalb des Flusses, in dem sich die Betreiber mal wieder einen Keks freuen, uns als Gäste zu haben. Sie füllen uns auch den Dusch-Wassersack mit Brauchwasser auf, weil wir beschlossen haben, mit dieser Salzkruste nicht noch eine Nacht schlafen zu wollen.

Was mir sehr hängen bleibt ist, dass der Restaurantbesitzer mit seiner kleinen, vll. 2-jährigen Tochter auf dem Arm zu uns kommt, auf mich zeigt und der kleinen sagt: „laile“. Das heißt „Schön“. Das ist mir jetzt schon sehr oft passiert, dass die Menschen begeistert die Augen aufreißen und ausrufen, dass sie mich beautiful oder eben „laile“ finden. Ich muss allein aufgrund meiner Hautfarbe und der europäischen Gesichtszüge sehr dem Schönheitsideal entsprechen, denn an jeder Ecke wirbt hier ein Plakat mit leicht asiatisch angehauchten, aber sehr weißhäutigen Frauen. Und überall gibt es Cremes zu kaufen, die die Haut bleichen sollen.
Zuerst ist das natürlich ziemlich nett und schmeichelnd. Ich finde das dann aber auch einerseits einfach sehr unterhaltsam, urkomisch, dass in Deutschland alle extra ins Solarium laufen oder Selbstbräuner kaufen oder sich bis zum Hautkrebs auf den Balkon schmeißen, um den braungebrannten Idealen zu entsprechen, während man hier eben mit dem Sonnenschirm durch die Gegend läuft und Aufheller benutzt. Andererseits finde ich es dann auch ganz furchtbar mitzubekommen, wie den kleinen Kindern solche niemals erreichbaren Schönheitsideale eingepflanzt werden. Ayay.

Nach einem Radelnachmittag mit ganz viel Hügeln und Hitze und ganz vielen Grüßen an die wundervolle Bevölkerung finden wir dann ein Plätzchen nahe unserer Straße, auf dem wir unser Zelt aufschlagen können. Es ist in einer kleinen Sandkuhle, was dazu führt, dass wir nach Sonnenuntergang (mal wieder sehr hübsch hier draußen, bei einem kleinen kühlen Bierchen über den roten Feldern) sehr viel Spaß damit haben, uns von der Böschung der Sandkuhle aus gegenseitig den Wassersack als Dusche über den Kopf zu halten. Und schön ist das, danach nass in der Nacht zu stehen und fast ein bisschen zu frieren. Es folgen Kochen auf dem Benzinkocher und dann auch schon Ab-ins-Zelt. Diese Hitze und diese Hügel schlauchen sehr.

Achja, und es ist der Tag, an dem Christian und Marcel sich fragen, wie sehr sie wohl den Zug der Zeit verpasst haben, weil sie beide kein Smartphone besitzen. Denn: nachdem es hier scheinbar für Mönche eh zum guten Ton gehört, irgendwo in der Kutte ein Smartphone stecken zu haben, werden wir am Nachmittag dann auch aus einem Ochsenkarren via Smartphone fotografiert =)

So weit und bis bald! Wir haben Spaß!

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Myanmar 2 – ein druckfrischer Bericht!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s