Indien – Myanmar

Bin mal wieder an der Reihe mit Blog schreiben. 🙂

Außerdem haben wir unsere Website noch etwas verbessert und zwei neue Unterseiten eingefügt. Zum einen die Rubrik „Visa“ in der wir unser Erfahrungen für andere Reisende aufbereitet haben und zum anderen die Rubrik „Links“. Hier werdet ihr zu Internetseiten anderer Reiseradler und Reisradlerinnen weitergeleitet. Falls wir mal nichts neues hochladen und ihr trotzdem was spannendes lesen wollt, könnt ihr da stöbern. 😉

Grüße aus Myanmar Chris

11.1.

Zum Frühstück waren die Jungs, die bereits am Vortag um uns rumwuselten, wieder da. Sie drehten noch eine Runde mit meinem Fahrrad und anschließend konnten auch wir auf dem Drahtesel sitzend Priphema verlassen. Die ersten 30km ging es immer straff bergauf bis nach Kohima, der Hauptstadt Nagalands. Insgesamt hat sich der Aufstieg über satte 70km gezogen, dabei haben wir 1600 Höhenmeter gemacht.

In Kohima haben wir eine befreundete Familie von Rias Onkel besucht. Auch deren Gastfreundschaft war unbeschreiblich. Immer wieder wurde neues Essen heran gebracht. Zu unserer Freude war auch frittierte Kartoffelteig und Tee dabei. Unser Keksspezialist Marcel (alias Krümmelmonster^^) konnte sich besonders an den Butterkeksen ergötzen.

Wir quatschten eine Menge mit dem Familienoberhaupt und er erzählte uns Geschichten von seinen Verwandten und anderen Reisenden, die schon bei ihm vorbeikamen. Außerdem führte er uns in die Sammlung alter Gegenstände aus Nagaland, die er im laufe der Zeit zusammengetragen hat. Da fanden sich unter anderem jede Menge Bronzestatuen, Bekleidungsstücke, Sperre und auch der eine oder andere Skalp. Die Bewohner Nagalands haben nämlich früher den Skalp eines jeden besiegten Feindes gesammelt und sich auch ein Tattoo pro besiegten Gegner machen lassen. Noch heute kann man in entlegenen Gegenden des Bundesstaates alte Männer mit solchen Tattoos sehen.

Unser Weg führte aber nach 2 Stunden Pause weiter auf dem „Asien Highway Number 1“. Nur leider wurde die Straße nun seinem Namen nicht mehr gerecht. Die Buckelpiste war teils in katastrophalem Zustand. Überall waren Löcher, die wir normalerweise mit Handzeichen, den hinter uns Fahrenden anzeigen. Hier waren es so viele, dass wir die Handzeichen einstellten und einfach mit mehr Abstand zueinander fuhren. Auch war der Asphalt teilweise auf ganzer Straßenbreite weggebröckelt und nur noch Steine vorhanden.

Mit dieser Straße und bei immer noch bergigem Terrain sind wir nicht gut vorangekommen, so dass wir nach 60km in Mao übernachten mussten.

5km vor der Stadt holte uns aber noch ein Auto ein. Es waren unsere Gastgeber vom Mittagessen. Sie waren 1 Stunde lang hinter uns hergefahren, nur um uns Tee, Kekse und andere Leckereien vorbeizubringen! Echt unglaublich! Vielen Dank dafür! 🙂

In Mao bezogen wir ein Hotel für insgesamt 400 Rupien, also 5€. Dementsprechend sah die Bude dann allerdings auch aus. Für eine Nacht sollte das aber reichen. Essen gingen wir noch in einem örtlichen Lokal, wo uns Reis mit verschiedenen Beilagen serviert wurde. Es war ein eher mittelprächtiges Essen und wie gewohnt sehr scharf. Für 2/3 unserer Reisegruppe zu scharf. Nur Marcel besteht immer darauf, dass das Essen doch gar nicht scharf sei. Vielleicht hat der gute Mann aber auch nur seine Geschmacksknospen schon abgetötet. Das ist jedenfalls meine Vermutung. 🙂

In ganz Indien haben uns die indischen Menschen immer gesagt, dass es ja sehr kalt sei und noch kälter werden würde. Wir haben ihnen dann darauf geantwortet, dass das für uns warm ist und uns das nichts ausmacht. Heute Nacht sollten wir das allerdings revidieren. Das Thermometer sank doch tatsächlich auf fast 0°C und besonders Jule, hatte in ihrem zugigen Raum, zu kämpfen (zur Erinnerung die Winterausrüstung hatten wir ja nach dem Iran Heim geschickt). Besonders der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist erstaunlich, welcher teils satte 20°C beträgt.

12.1.

Am frühen Morgen gab es das gewohnt karge Frühstück, bestehend aus ungetosteten Toastbrot mit Marmelade und Früchten. Dann machten wir uns an die lange Abfahrt von 1800m über Null auf 750m über Null. Leider war die Straße genauso schlecht wie am Vortag und damit eine echte Belastung für alle Gelenke.

Eine sehr schöne Abwechslung boten uns im Übrigen immer die mit Menschen völlig überladenen Busse, Jeeps und LKW’s. Oft waren die Reisenden christliche Jugendgruppen, welche das ein oder andere Liedchen vor sich herträllerten.

Die Menschen in Nagaland und Manipur, welches wir seit heute morgen durchquerten, sind im Übrigen überwiegend Christen, was sie vom eher hinduistischen Indien unterscheidet. Auch fühlen sich die Menschen vor Ort von der Regierung vernachlässigt und nicht als Teil Indiens. Die Unabhängigkeitstendenzen beantwortet die Regierung mit einer sehr starken Militärpräsenz und etlichen Straßencheckpoints.

Auf unseren heute insgesamt 111km nach Imphal passierte für indische Verhältnisse relativ wenig spannendes. Der größte Aufreger des Tages, war ein Kleinwagen, der hinter einer Kurve genau vor mir anhielt und mich ausbremste. Eine Frau machte Anstalten auszusteigen um sich mit mir zu unterhalten. Als sie die Tür öffnet kommt von hinten eine der dreirädrigen Motorrikschas, die in vielen Teilen Indiens als Taxis fungieren, und knallt gegen die Tür. Ich sehe nur noch, wie die Rikscha auf zwei Rädern weiterfährt und schließlich umfällt. Schnell krabbeln die Insassen aus dem Wagen und hieven das Dreirad auf und eine weitere Person erscheint. Anscheinend geht es allen Beteiligten den Umständen entsprechend gut und wir fahren weiter. Den anschließenden Streit zwischen den beiden Fahrern können wir eh nicht schlichten.

Am Abend erreichen wir unseren Couchsurfing-Host in Imphal leider nicht und so schlafen wir wieder im Hotel. Das hat auch sein Gutes, denn so können wir unsere Wäsche endlich mal wieder Waschen lassen und haben noch einmal Internet bevor es nach Myanmar geht, wo wir mit eher schlechtem Empfang rechnen.

Das Essen im hoteleigenen Restaurant war dann ein Kulturschock für mich. In dem piekfeinen Schuppen wurde einem doch tatsächlich der Stuhl unter den Po geschoben, dass Essen vom Personal aufgetan und das Flaschenwasser serviert, als wäre es ein guter Bordeaux. Dennoch war das Essen mit zusammen 10€ echt billig.

Nach dem harten Tag, auf der wohl schlechtesten Straße seit wir in Freiberg losgeradelt sind, ging es erschöpft in die Heia. Gute Nacht!

13.1.

Nach langem hin und her haben wir uns für einen Pausentag entschieden, damit die Wäsche gewaschen werden kann. Außerdem haben wir uns einen ersten Ausreisestempel geholt, den man aber offensichtlich nicht braucht, wir wir später an der Grenze erfahren haben.

Da Geldautomaten in Myanmar eher eine Seltenheit sind, wollten wir auch noch einige Dollar mitnehmen. Der ganze Prozess zog sich allerdings über Stunden, da das Bank finden recht schwierig war. Das Geld abheben dann ebenfalls, da meine Kreditkarte in Indien nur eingeschränkt funktioniert. Bei jeder Abbuchung muss ich zuvor in Deutschland anrufen, damit die Karte entsperrt wird.

Mittags haben wir eine Portion Reis in einem Straßenlokal verzehrt und morgens sowie Abends gab es was im Hotel. Auch haben wir das Internet voll ausgenutzt und bis Nachts 3 Uhr den Rechner im Betrieb gehabt und das obwohl der Wecker 4 Stunden später wieder klingelte.

14.1.

Letzter Radeltag in Indien und da hatten wir uns etwas vorgenommen. Mehr als 100km und 1000 Höhenmeter sollten nach 6,5 Stunden reiner Fahrzeit zu Buche stehen.

Aber schön der Reihe nach:

Nach einem guten Frühstück im Hotel ging es 50km eben dahin, ehe es auf 1500m hinauf ging. Die Aussicht auf die noch unbewohnten, grünen Bergwälder war auch heute wieder atemberaubend. Immer wieder gab es auch kleine Bergdörfer, die teilweise ziemlich verschlafen waren. Auch haben wir heute besonders oft unseren Reisepass an Check-Points vorzeigen müssen. An einem gab es während der Wartezeit sogar einen Saft spendiert.

Nach dem Aufstieg folgte die Abfahrt. Gleich zu Beginn verabschiedete sich eine Schraube aus Marcels Bremse, welche anschließend notdürftig ersetzt werden musste. Schon in Imphal hatte sein Stevens einen neuen Bowdenzug für die Schaltung bekommen. Der ausführende Fahrradladen war erstaunlich kompetent.

Marcel war allerdings nicht der einzige, dem der Berg zu schaffen machte. Immer wieder sahen wir liegengebliebene Pickups und LKWs welche teils völlig überladen waren. Einige dieser Gefährte scheinen schon seit einigen Tagen zu streiken, zumindest deuten alte Feuerstellen darauf hin und teilweise sind die Fahrer auch schon verschwunden. Bei einem Pickup lag der Fahrer allerdings hinter dem Fahrzeug mitten auf der Fahrbahn und hat geschlafen. Uns wäre das zu gefährlich gewesen.

Nach der Abfahrt, welche unheimlich Spaß machte und uns in engen Kurven, teilweise durch Bambuswälder führte, ging es zu unserem erschrecken noch einmal straff bergauf. Das wäre alles kein Problem, doch heute sitzt uns die Dunkelheit im Nacken und in der fahren wir besonders im Grenzgebiet eher ungern. Zu allem Überfluss wartete am Gipfel des Berges auch noch ein übermotivierter Armist, der nicht nur unsere Pässe sehen wollte, sondern auch noch die Taschen kontrollierte und sie auf dem Laptop und dem Smartphone einige Dokumente zeigen lies. Letztendlich ist alles gut gegangen und wir sausten in der Dämmerung nach Moreh hinein, wo wir in der „Sangai Lodge“ für zusammen 2,50€ unterkamen. Das Hotel wurde uns von Karina und Jan, die wir im Iran getroffen hatten, empfohlen. Sie hatten hier insgesamt 13 Nächte verbrecht und vom Besitzer (R.K.) in höchsten Tönen geschwärmt. Der sehr herzliche Mann verdient dieses Lob vollkommen zu recht und auch wir waren seiner Hilfe sicher und so verschaffte er uns sehr leckere Nudeln zum Abendbrot und als Nachtisch gab es Milchreis. Klasse!

Moreh war die erste und einzige indische Stadt in der Alkohol ganz offen auf der Straße verkauft wird. Auch wir ließen uns das sehr leckere Bier der Marke „Myanmar“ schmecken, bevor wir im Doppelbett zu dritt schlafen gingen.

15.1.

Mal wieder einen Tag Pause.

Den Vormittag hatten wir gemeinsam mit Christian aus Norwegen verbracht. Da er bereits seit einer Woche auf sein Permit wartet, konnte er uns die Grenzstation zeigen und uns schon einmal kurz mit nach Myanmar zu den Grenzbeamten nehmen. Machte nen guten ersten Eindruck dieses Myanmar. 🙂

Das Permit benötigt jeder Mensch der von Indien nach Myanmar und umgekehrt, über den Landweg einreisen möchte. Erhältlich ist es bei der „Seven Diamonds Travel Agency“ in Yangon. Wir haben uns um dieses Permit schon seit vielen Monaten gekümmert und so wurde uns an der Grenze bestätigt, dass der Grenzübergang kein Problem sei. Der Norweger hingegen kam ohne Permit an die Grenze und musste eine Woche darauf warten und zusätzlich 125$ anstatt der üblichen 100$ löhnen.

Nach der Grenze zeigte uns Christian auch noch den Grenzfluss, in dem wir baden gehen konnten. Klasse!!! Das erste mal planschen seit dem Schwarzen Meer.

Für die arbeitende Bevölkerung waren wir auch eine Attraktion. Sie sammelten Steine aus dem Fluss, die andere Personen, darunter auch Kinder, nebenan mit dem Hammer zerkleinerten und so Kies produzierten. Klar wir haben schon davon gehört, dass es solche Arbeiten gibt, aber so etwas dann in echt zu sehen, ist schon etwas betrübliches. Da sitzen Kinder da und zerkleinern Steine mit dem Hammer. Ich kann das kaum glauben.

16.1.

Früh am Morgen hatte die Frau des Hotelbesitzers uns ein leckeres Frühstück vorbereitet. Anschließend verabschiedeten wir uns von diesem unglaublich netten Ehepaar mit dem Versprechen ihnen eine Postkarte zu schicken. Auch Christian (der Norweger – nicht ich^^) konnte heute die Grenze überqueren. Allerdings mussten wir zuvor noch 1 Stunde warten, da sich die indischen Beamten ein Päuschen gegönnt hatten. Die ganze Prozedur hatte sich dann so lange hingezogen, dass wir uns dazu entschlossen hatten an dem Tag die Grenzstadt Tamu nicht mehr zu verlassen. Wir hatten einfach keine Ahnung, ob wir in der verbleibenden Zeit ein Dorf erreichen könnten und Wildcampen wollten wir im Grenzgebiet nicht. So ging es also ins Hotel, welches Internet versprach, aber dann leider doch keins hatte.

Der Grenzübergang zwischen Indien und Myanmar an sich, ist im Übrigen erst seit 15 Monaten für den Tourismus geöffnet. Die meisten wissen das auch noch nicht und so wird man im Grenzbereich so gut wie keine Touristen antreffen. Wir haben in einem deutschen Radforum von der Möglichkeit der Grenzüberquerung erfahren, da waren wir schon auf Reisen. Ohne den Beitrag hätten wir wohl von Teheran aus gleich nach Myanmar fliegen müssen (Danke an Karina und Jan dafür!). Überhaupt haben seit Öffnung der Grenze wohl nicht viel mehr als 200 Individualreisende die Grenze überquert. Laut R.K. ist der überwiegende Teil davon aus Deutschland und mit dem Reiserad unterwegs. Dennoch sind es so wenige, dass wir schon ewig keinen Pedalritter mehr gesehen haben.

An unserem ersten Abend in Myanmar sind wir noch schick essen gegangen. Es gab Reis mit Dahl sowie Gemüse und war ziemlich lecker. Außerdem war das Essen zum ersten mal seit einem Monat nicht mehr scharf. Eine Wohltat für unsere Zunge! 🙂

17.1.

Es ist morgens 7 Uhr und eine Person kommt in das Zimmer, in dem Marcel und ich gerade noch geschlafen haben. Außerdem betritt mit dieser Person ein Kuchen, in dem Kerzen stecken den Raum. ES IST MARCELS GEBURTSTAG!!! Neben dem Kuchen gibt es auch noch einen Rock, den hier sehr viele Männer tragen und eine Warnweste, die als „Schwarzer Peter“ von Geburtstagskind zu Geburtstagskind wandert.

Wir halten uns aber nicht lange auf und so geht es raus auf die Straße und direkt zum ersten von zwei Polizei-Check-Points am heutigen Tag. Anschließend tut sich uns eine Straße auf, die weit besser ist, als wir zu hoffen gewagt hatten. Die Strecke ist größtenteils eben, der Asphalt in einem guten Zustand und es ist kaum Verkehr auf der Straße. Das vorrangige Verkehrsmittel sind PS-arme Motorräder, es kommt aber auch vor dass ein Ochsenkarren den Weg kreuzt. Außerdem fahren wir jetzt wieder auf der rechten Spur.

Der erste Tag in einem neuen Land ist für uns immer etwas besonderes. Es gibt so viele neue Eindrücke und heute passt einfach alles. Die Landschaft ist wunderschön und wir haben die ganze Zeit rechts neben uns die Berge im Blick, welche bereits zu Indien gehören. Auch die Menschen haben es uns vom ersten Tag an angetan. Sie starren genauso interessiert wie die Inder und Inderinnen auf die 3 Weißen, die da auf dem Fahrrad vorbeikommen, doch sie grüßen gelegentlich auch von sich aus, im Gegensatz zu ihren Nachbarn. Freudig grüßen wir zurück. Sagen wir dazu noch „Mingalar ba“, was so viel heißt wie „Hallo“, dann kommt es vor, das uns die Worte noch einmal im Chor entgegenschallen. Mich persönlich freut es immer sehr, dass wir den Menschen mit unserem bloßen vorbeiradeln schon eine Freude bereiten. Das wir etwas zurückgeben können, an die Menschen, die uns so herzlich in ihrem Land willkommen heißen.

Insgesamt wirkt das Leben in Myanmar viel entspannter als in Indien. Auch ist es wesentlich ruhiger und das nervige Gehupe hat ein Ende. In Indien sind etliche Verkehrsteilnehmende der Meinung hupen zu müssen, sobald sich etwas auf der Straße bewegt.

Ich merke gerade, Indien kommt etwas schlecht weg. Das kann ich so nicht stehen lassen! Wir hatten eine sehr schöne Zeit dort, nur war der erste Eindruck von Myanmar eben ein sehr positiver. 🙂

Zum Mittag Essen haben wir uns wieder in ein Restaurant begeben. Auch hier war das Essen super, wie schon am Vorabend. Zu meiner Freude konnten ich mir außerdem noch ein kühles Bierchen im Humpen bestellen. Auch unseren beiden Guids, die uns zum Lokal geführt hatten, spendierten wir eine Runde Bier. Die Jungs konnten nämlich Englisch und somit den Lokalbesitzern klar machen, das wir Vegetarier sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach, obwohl wir das birmanische Wort für vegetarisch kennen (Mangsovirat). Aber anscheinend ist Zeichensprache nicht die Stärke der lokalen Bevölkerung.

Dieser Eindruck wurde bestätigt, als wir Abends an einem buddhistischen Kloster fragten, ob wir unser Zelt hier aufstellen dürften. Wir waren schon fast wieder gegangen, als wir doch irgendwie herausbekamen, dass wir bleiben können. Die buddhistischen Klöster wurden uns von anderen Reisenden empfohlen, da man normalerweise nur in überteuerten Touristenhotels unterkommen darf und es Privatpersonen verboten ist Reisende bei sich aufzunehmen. Die Mönche genießen allerdings ein solch hohes Ansehen, dass wir bei ihnen problemlos bleiben konnten, zumal es weit und breit kein Hotel gab.

Der Abend mit den Mönchen und den vielen anderen Menschen die sich hier aufhielten wurde zu einem sehr spannenden. Wir wurden von allen Seiten bestaunt und man versuchte irgendwie mit uns zu kommunizieren. Irgendwann führte man uns in einen Raum mit einer erhöhten Stufe. Auf dieser Erhöhung nahmen die Mönche platz, während wir und die anderen Menschen darunter Platz nahmen. Dann wurde uns, und nur uns, Tee und Essen serviert. Mir war das ganze etwas unangenehm, da wir sicherlich deutlich mehr finanzielle Mittel hatten als alle anderen Personen im Raum. In Myanmar ist das aber anscheinend ein Zeichen der Gastfreundschaft.

Später packte ich dann noch meine Familienfotos aus, welche ich oft zeige, wenn wir aufgrund der Sprachbarriere kaum mit den Menschen kommunizieren können. In Windeseile wurde ich von allen Seiten bedrängt und so viel Interesse an meiner Familie hatte ich überhaupt noch nicht erlebt. Sogar die Mönche machten einen langen Hals von ihrer Stufe herunter.

Mit vielen spannenden Erlebnissen im Kopf gingen wir dann schlafen, wobei wir den Haufen der Interessierten kaum loswerden konnten. Erst als wir schon auf unseren Luftmatratzen saßen entschieden sie sich zu gehen.

18.1.

Frühs ging es zeitig raus. Unterstützt wurden wir dabei von einem Mönch, der die Straßenbeschallung in Form von von Kindern gesungen Liedern auf volle Lautstärke stellte.

Als kleines Zeichen unserer Dankbarkeit für die kostenlose Unterkunft haben wir dann Brot und Früchte dagelassen. Leider hatten wir nun selbst kein Frühstück mehr, weswegen wir bis zum nächsten Ort fahren mussten um uns dort eine Art Bananenbrot im Blatt eingewickelt, zu kaufen.

Auf dem Weg dahin wurden wir von einem Polizisten auf dem Motorroller eskortiert. Er war auch schon am Vorabend im Kloster um unsere Personalien aufzunehmen. Im Pass vorzeigen sind wir ja mittlerweile wirklich Profis. 🙂

Nach dem Frühstück fuhren wir zusammen mit unserem neuen Freund weiter. Nach insgesamt 15km verabschiedete er sich allerdings von uns und mit ihm die gute Straße. Es gab immer wieder Abschnitte mit festgefahrenen Steinen und völlig ohne Asphalt. Wir waren wohlgemerkt auf einer Straße die im Navi und auf der Karte eingetragen war, als wäre es in Deutschland eine Bundesstraße.

Kalewa konnten wir dennoch schon 11 Uhr erreichen, wo wir zu Mittag speisten. Genauer genommen Marcel und ich, denn Jule ging es im Magen rum und sie setzte eine Mahlzeit aus. Jule hat schon seit ein paar Tagen immer mal wieder Magenschmerzen und Unwohlsein, aber nichts schlimmes.

Nach dem Mittag versuchten wir die Brücke über den Fluss zu finden, um Richtung Shwe Bo weiterzureisen. Wir konnten allerdings keine Brücke und noch nicht einmal eine Autofähre finden. Später sollte uns klar werden, das so etwas gar nicht existiert. Wir setzten jedoch fürs erste mit einem schmalen Holzboot über, welches von zwei Frauen manövriert wurde und auf das unser Gepäck + Räder geradeso passte. Eine wirklich abenteuerliche Sache, wie wohl auch die anderen Menschen am Strand fanden. Jedenfalls schauten sie begeistert dem Treiben zu.

Auf der anderen Seite haben wir uns auf die Suche nach der Bundesstraße begeben und mussten dafür einen unfassbar steilen Weg passieren, bei dem sich Sand und Steine abwechselten. So rollten wir einige Kilometer im Schneckentempo dahin, wobei wir auch ganz viel schieben mussten. Die Straße wollte aber einfach nicht auftauchen. Nach einer ganzen Weile erreichten wir eine Siedlung mit 5 Hütten. Wir kauften ein bisschen Wasser ein und fragten einen Lastwagenfahrer, der uns kurz zuvor überholt hatte und nun eine Pause machte, ob er uns mitnehmen könnte. Zu unserer Zufriedenheit war die Antwort positiv und wir hievten all unseren Krempel auf die leere Ladefläche seines Kippers. Wir waren sehr froh, dass wir mitgenommen wurden, denn in diesem Terrain konnten wir einfach nicht vorankommen.

Auf der Ladefläche bekamen wir jedes Loch und jeden der zahlreichen Steine mit. Was für uns eine Menge Spaß bedeutete, war für die Räder leider weniger lustig. Besonders heikel waren die Holzbrückchen, da diese sehr harte Schläge mit sich brachten. Ein wunder, dass der LKW hier überhaupt passieren konnte.

Als wir so auf dem LKW standen wurde uns auch zusehends klar, dass wir unsere Bundesstraße schon gefunden hatten – wir befuhren sie gerade. Einfach unfassbar, was einem hier als wichtige Hauptstraße verkauft wird. Damit ihr einen Vergleich habt: in Deutschland wäre das nicht einmal eine Forststraße gewesen.

Nach geschätzten 25km hielt der LKW-Fahrer an und wir verließen die Ladefläche. Leider konnten wir ihm nicht begreiflich machen, dass wir gerne noch ein Stück mitfahren würden, da er in die selbe Richtung fuhr. Dennoch vielen Dank fürs mitnehmen!

Da waren wir nun also im Örtchen Thickegyin und unsere Laune war, ob der immer noch schlechten Straße, nicht gerade am Höhepunkt. Als sich unsere Räder kurz nach Ortsausgang auch noch im Sand festgruben, überlegten wir nach Kalewa zurückzukehren und mit einem Boot weiterzufahren oder eine andere Straße zu suchen.

Fürs erste fuhren wir aber zurück nach Thickegyin. Hier nahmen sich ein paar sehr nette Frauen unser an. Wir durften unser Zelt im Garten aufstellen und bekamen sogar noch ein schmackhaftes Abendbrot. Auch versuchten sie uns einen Fahrer zu organisieren, der uns nach Taze bringen würde. Als dieser uns jedoch die utopische Summe von 180$ nannte, lehnten wir ab.

18.1.

Am nächsten Morgen bekamen wir einen Tee und gefüllt Rollen spendiert. Die waren so fettig, dass sie schon fast nicht mehr essbar waren. Außerdem wurde Jule mit der traditionellen Bemalung verziert. Dazu wird eine Paste aus einem Stamm gewonnen und dann ins Gesicht geschmiert. Je nach Region sieht das Muster unterschiedlich aus, ist allerdings nicht sehr aufwendig.

Wir hatten uns einstweilen doch für weiterradeln entschieden und wollten das erstbeste Fahrzeug anhalten, welches uns passieren würde. So viel sei vorweg genommen: es sollte uns am ganzen Tag nur ein einziges vierrädriges Fahrzeug überholen und das war ein Traktor ohne Anhänger. In der Gegenrichtung waren immerhin ca. 10 LKW unterwegs. Ganz schön was los auf dieser „Bundesstraße“. Die meisten Personen bewegten sich mit Motorrollern fort, aber auch das waren nicht all zu viele.

Die ersten Tageskilometer mussten wir unsere Räder immer wieder schieben, da sie sich im Sand festfraßen. Dann wurde die Straße besser und wir kamen mit 17 km/h gut voran. In dieser Phase passierten wir auch unseren 6000 Kilometer auf unserer langen Meile. Nach ca. 30km wurde die Straße leider wieder schlechter, besonders der Sand machte uns zu schaffen, der uns immer wieder zum schieben zwang.

Auch die fettigen Rollen meldeten sich bei Marcel wieder an und nahmen einen anderen Ausgang als vorgesehen. Wir waren also dazu gezwungen 2 Stunden zu pausieren. Zum Glück waren wir gerade bei einem kleinen Lokal, wo Jule und mir ein schmackhaftes Mittagessen pünktlich 11:30 Uhr zubereitet wurde. Wir nehmen langsam typische Deutsche Zeiten an. Auch stehen wir mittlerweile auf, sobald es hell wird.

Nach der Pause wurde der Weg weniger sandig, dafür mussten wir aber wieder über knüppelharte Hügel. Es ging nie lange bergauf, aber eben immer wieder und Flachstücke waren nicht mehr vorhanden.

Auf einem der Hügel entschied sich Marcel, der immer noch nicht wieder ganz fit war, am Rande der „Bundesstraße“ Kacken zu gehen. Just in diesem Moment kam ein Moped vorbei und die beiden Passagiere hielten sogar noch neben uns an, um mit uns zu quatschen. Es interessierte sie überhaupt nicht, was Marcel da gerade machte. Für Jule und mich war der Anblick allerdings zu herrlich. 🙂

Nach insgesamt 45 Kilometern mussten wir dann der Strecke Tribut zollen und erschöpft vom Rad steigen. Es zwingt uns ja auch keiner weiter zu fahren und Zeit haben wir ja. Im Wald, der uns die ganze Zeit umgab, fand sich dann auch ein schönes Fleckchen für unser Zelt und so waren wir einmal mehr von einer gewaltigen Geräuschkulisse umgeben: Wir hörten fast nichts. 🙂

Es war wirklich unglaublich still. Nur das zirpen der Grillen und ein paar Vögel waren zu hören. Hin und wieder hörten wir auch wie ein motorisiertes Gefährt sich die Hügel rauf und runter quälte (warum soll es denen besser gehen als uns?^^).

Zum Abendbrot gab es die mitgebrachten Reste vom Mittag und Fertignudeln, welche wir noch aus Indien im Gepäck hatten und dann ging es auch schon recht bald ins Bett.

19.1.

Der Tag beginnt so wie der letzte aufgehört hat, nämlich mit Essen. Heute wie auch schon die letzten Tage steht Zuckerbrot mit Tomaten, Marmelade und Früchten auf dem Speiseplan. Wirklich glücklich macht einen das auf Dauer nicht, aber die Frühstückskultur in Südostasien ist eben nicht die gleiche wie in Europa.

Dann ging es aufs Rad. Nach 8 Kilometern bekamen wir etwas zu Gesicht, was wir schon lange nicht mehr gesehen hatten: Asphalt. Noch gab es ihn bloß stückchenweise und bei besonders steilen Bergen, bei denen unsere Räder sonst durchgedreht hätten, aber immerhin. Der Asphalt zeigte auch eine weitere wunderbare Eigenschafte, so kann man auf ihm herrlich dahinrollen und wird nicht durchgeschüttelt. Wir können Asphalt absolut weiterempfehlen! 🙂

Auch heute hatten wir wieder Mittagessen bei ein paar kleinen Hütten. Auch heute war es wieder viel zu viel und wir haben uns noch eine gute Menge für das Abendessen eingesteckt. Auch gab es 3 Flaschen Wasser geschenkt, nachdem wir am Vortag Bananen bekommen hatten.

Die besser werdende Straße, wurde immer wieder von sandigen Abschnitten abgelöst. Irgendwann begann dann der Verkehr rapide zuzunehmen und dann kam da auf einmal Asphalt und eine Stadt. Nach der Stadt verschwand der Asphalt ein letztes mal und es gab noch einmal Sand und eine Menge Steine auf der Fahrbahn zu bestaunen, ehe der Asphalt endgültig unter unseren Rädern zurück war. Noch ehe wir es selber realisierten waren wir in Taze, dass erklärte uns jedenfalls der Polizeichef, welcher uns zu einer Passkontrolle in sein Büro hereingewunken hatte. Da es schon relativ spät war, bestand er darauf, dass wir ein Hotel aufsuchen müssten, wozu wir an sich auch verpflichtet sind, es aber wegen der hohen Preise nur ungern tun. Mit Hilfe der Polizei wurde uns aber ein Zimmer organisiert, in dem wir zu dritt für 9€ schliefen. Auch konnten wir Staub und Schweiß endlich mal wieder von uns abspülen. Zum Hotel selbst wurden wir von 3 Polizisten auf Mopeds eskortiert und diese besprachen dann auch alles mit dem Hotelbesitzer. In dem Moment passierten 2 kanadische Reiseradler die Straße. Die ersten Pedaleure die wir seit dem Iran gesehen hatten. Sie entschlossen sich spontan dazu die Nacht im gleichen Hotel zu verbringen und so konnten wir bei einem kühlen Bierchen der Marke „Myanmar“ ein paar Geschichten austauschen. Im Übrigen hatten wir zu dem Zeitpunkt kaum Geld (man findet nicht überall einen Geldautomaten) und generell haben wir auf die beiden Jungs, die bereits im Berufsleben stehen, wohl einen eher ärmeren Eindruck hinterlassen, so dass sie uns zum Bier eingeladen haben. Vielen Dank dafür! 😉

Nun sitze ich hier im Bett und tippe die letzten Zeilen des Berichtes ein. Neben mir schläft Marcel bereits und Jule schreibt Tagebuch.

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu „Indien – Myanmar“

  1. Danke Ihr Lieben, ein Lebenszeichen von Euch – das tut gut.
    Wünsche Euch immer 3 cm Asphalt unter den Rädern!
    LG Kornelia

  2. Ich als Freiberger ,kannte Euch nicht, jetzt kenne ich Euch und fiebere mit Euch mit.Haltet durch und kommt gesund an Eurem Ziel an.
    Gruß Ernst
    Bei uns liegt zur Zeit Schnee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s