Indien – Myanmar

Bin mal wieder an der Reihe mit Blog schreiben. 🙂

Außerdem haben wir unsere Website noch etwas verbessert und zwei neue Unterseiten eingefügt. Zum einen die Rubrik „Visa“ in der wir unser Erfahrungen für andere Reisende aufbereitet haben und zum anderen die Rubrik „Links“. Hier werdet ihr zu Internetseiten anderer Reiseradler und Reisradlerinnen weitergeleitet. Falls wir mal nichts neues hochladen und ihr trotzdem was spannendes lesen wollt, könnt ihr da stöbern. 😉

Grüße aus Myanmar Chris

11.1.

Zum Frühstück waren die Jungs, die bereits am Vortag um uns rumwuselten, wieder da. Sie drehten noch eine Runde mit meinem Fahrrad und anschließend konnten auch wir auf dem Drahtesel sitzend Priphema verlassen. Die ersten 30km ging es immer straff bergauf bis nach Kohima, der Hauptstadt Nagalands. Insgesamt hat sich der Aufstieg über satte 70km gezogen, dabei haben wir 1600 Höhenmeter gemacht.

In Kohima haben wir eine befreundete Familie von Rias Onkel besucht. Auch deren Gastfreundschaft war unbeschreiblich. Immer wieder wurde neues Essen heran gebracht. Zu unserer Freude war auch frittierte Kartoffelteig und Tee dabei. Unser Keksspezialist Marcel (alias Krümmelmonster^^) konnte sich besonders an den Butterkeksen ergötzen.

Wir quatschten eine Menge mit dem Familienoberhaupt und er erzählte uns Geschichten von seinen Verwandten und anderen Reisenden, die schon bei ihm vorbeikamen. Außerdem führte er uns in die Sammlung alter Gegenstände aus Nagaland, die er im laufe der Zeit zusammengetragen hat. Da fanden sich unter anderem jede Menge Bronzestatuen, Bekleidungsstücke, Sperre und auch der eine oder andere Skalp. Die Bewohner Nagalands haben nämlich früher den Skalp eines jeden besiegten Feindes gesammelt und sich auch ein Tattoo pro besiegten Gegner machen lassen. Noch heute kann man in entlegenen Gegenden des Bundesstaates alte Männer mit solchen Tattoos sehen.

Unser Weg führte aber nach 2 Stunden Pause weiter auf dem „Asien Highway Number 1“. Nur leider wurde die Straße nun seinem Namen nicht mehr gerecht. Die Buckelpiste war teils in katastrophalem Zustand. Überall waren Löcher, die wir normalerweise mit Handzeichen, den hinter uns Fahrenden anzeigen. Hier waren es so viele, dass wir die Handzeichen einstellten und einfach mit mehr Abstand zueinander fuhren. Auch war der Asphalt teilweise auf ganzer Straßenbreite weggebröckelt und nur noch Steine vorhanden.

Mit dieser Straße und bei immer noch bergigem Terrain sind wir nicht gut vorangekommen, so dass wir nach 60km in Mao übernachten mussten.

5km vor der Stadt holte uns aber noch ein Auto ein. Es waren unsere Gastgeber vom Mittagessen. Sie waren 1 Stunde lang hinter uns hergefahren, nur um uns Tee, Kekse und andere Leckereien vorbeizubringen! Echt unglaublich! Vielen Dank dafür! 🙂

In Mao bezogen wir ein Hotel für insgesamt 400 Rupien, also 5€. Dementsprechend sah die Bude dann allerdings auch aus. Für eine Nacht sollte das aber reichen. Essen gingen wir noch in einem örtlichen Lokal, wo uns Reis mit verschiedenen Beilagen serviert wurde. Es war ein eher mittelprächtiges Essen und wie gewohnt sehr scharf. Für 2/3 unserer Reisegruppe zu scharf. Nur Marcel besteht immer darauf, dass das Essen doch gar nicht scharf sei. Vielleicht hat der gute Mann aber auch nur seine Geschmacksknospen schon abgetötet. Das ist jedenfalls meine Vermutung. 🙂

In ganz Indien haben uns die indischen Menschen immer gesagt, dass es ja sehr kalt sei und noch kälter werden würde. Wir haben ihnen dann darauf geantwortet, dass das für uns warm ist und uns das nichts ausmacht. Heute Nacht sollten wir das allerdings revidieren. Das Thermometer sank doch tatsächlich auf fast 0°C und besonders Jule, hatte in ihrem zugigen Raum, zu kämpfen (zur Erinnerung die Winterausrüstung hatten wir ja nach dem Iran Heim geschickt). Besonders der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist erstaunlich, welcher teils satte 20°C beträgt.

12.1.

Am frühen Morgen gab es das gewohnt karge Frühstück, bestehend aus ungetosteten Toastbrot mit Marmelade und Früchten. Dann machten wir uns an die lange Abfahrt von 1800m über Null auf 750m über Null. Leider war die Straße genauso schlecht wie am Vortag und damit eine echte Belastung für alle Gelenke.

Eine sehr schöne Abwechslung boten uns im Übrigen immer die mit Menschen völlig überladenen Busse, Jeeps und LKW’s. Oft waren die Reisenden christliche Jugendgruppen, welche das ein oder andere Liedchen vor sich herträllerten.

Die Menschen in Nagaland und Manipur, welches wir seit heute morgen durchquerten, sind im Übrigen überwiegend Christen, was sie vom eher hinduistischen Indien unterscheidet. Auch fühlen sich die Menschen vor Ort von der Regierung vernachlässigt und nicht als Teil Indiens. Die Unabhängigkeitstendenzen beantwortet die Regierung mit einer sehr starken Militärpräsenz und etlichen Straßencheckpoints.

Auf unseren heute insgesamt 111km nach Imphal passierte für indische Verhältnisse relativ wenig spannendes. Der größte Aufreger des Tages, war ein Kleinwagen, der hinter einer Kurve genau vor mir anhielt und mich ausbremste. Eine Frau machte Anstalten auszusteigen um sich mit mir zu unterhalten. Als sie die Tür öffnet kommt von hinten eine der dreirädrigen Motorrikschas, die in vielen Teilen Indiens als Taxis fungieren, und knallt gegen die Tür. Ich sehe nur noch, wie die Rikscha auf zwei Rädern weiterfährt und schließlich umfällt. Schnell krabbeln die Insassen aus dem Wagen und hieven das Dreirad auf und eine weitere Person erscheint. Anscheinend geht es allen Beteiligten den Umständen entsprechend gut und wir fahren weiter. Den anschließenden Streit zwischen den beiden Fahrern können wir eh nicht schlichten.

Am Abend erreichen wir unseren Couchsurfing-Host in Imphal leider nicht und so schlafen wir wieder im Hotel. Das hat auch sein Gutes, denn so können wir unsere Wäsche endlich mal wieder Waschen lassen und haben noch einmal Internet bevor es nach Myanmar geht, wo wir mit eher schlechtem Empfang rechnen.

Das Essen im hoteleigenen Restaurant war dann ein Kulturschock für mich. In dem piekfeinen Schuppen wurde einem doch tatsächlich der Stuhl unter den Po geschoben, dass Essen vom Personal aufgetan und das Flaschenwasser serviert, als wäre es ein guter Bordeaux. Dennoch war das Essen mit zusammen 10€ echt billig.

Nach dem harten Tag, auf der wohl schlechtesten Straße seit wir in Freiberg losgeradelt sind, ging es erschöpft in die Heia. Gute Nacht!

13.1.

Nach langem hin und her haben wir uns für einen Pausentag entschieden, damit die Wäsche gewaschen werden kann. Außerdem haben wir uns einen ersten Ausreisestempel geholt, den man aber offensichtlich nicht braucht, wir wir später an der Grenze erfahren haben.

Da Geldautomaten in Myanmar eher eine Seltenheit sind, wollten wir auch noch einige Dollar mitnehmen. Der ganze Prozess zog sich allerdings über Stunden, da das Bank finden recht schwierig war. Das Geld abheben dann ebenfalls, da meine Kreditkarte in Indien nur eingeschränkt funktioniert. Bei jeder Abbuchung muss ich zuvor in Deutschland anrufen, damit die Karte entsperrt wird.

Mittags haben wir eine Portion Reis in einem Straßenlokal verzehrt und morgens sowie Abends gab es was im Hotel. Auch haben wir das Internet voll ausgenutzt und bis Nachts 3 Uhr den Rechner im Betrieb gehabt und das obwohl der Wecker 4 Stunden später wieder klingelte.

14.1.

Letzter Radeltag in Indien und da hatten wir uns etwas vorgenommen. Mehr als 100km und 1000 Höhenmeter sollten nach 6,5 Stunden reiner Fahrzeit zu Buche stehen.

Aber schön der Reihe nach:

Nach einem guten Frühstück im Hotel ging es 50km eben dahin, ehe es auf 1500m hinauf ging. Die Aussicht auf die noch unbewohnten, grünen Bergwälder war auch heute wieder atemberaubend. Immer wieder gab es auch kleine Bergdörfer, die teilweise ziemlich verschlafen waren. Auch haben wir heute besonders oft unseren Reisepass an Check-Points vorzeigen müssen. An einem gab es während der Wartezeit sogar einen Saft spendiert.

Nach dem Aufstieg folgte die Abfahrt. Gleich zu Beginn verabschiedete sich eine Schraube aus Marcels Bremse, welche anschließend notdürftig ersetzt werden musste. Schon in Imphal hatte sein Stevens einen neuen Bowdenzug für die Schaltung bekommen. Der ausführende Fahrradladen war erstaunlich kompetent.

Marcel war allerdings nicht der einzige, dem der Berg zu schaffen machte. Immer wieder sahen wir liegengebliebene Pickups und LKWs welche teils völlig überladen waren. Einige dieser Gefährte scheinen schon seit einigen Tagen zu streiken, zumindest deuten alte Feuerstellen darauf hin und teilweise sind die Fahrer auch schon verschwunden. Bei einem Pickup lag der Fahrer allerdings hinter dem Fahrzeug mitten auf der Fahrbahn und hat geschlafen. Uns wäre das zu gefährlich gewesen.

Nach der Abfahrt, welche unheimlich Spaß machte und uns in engen Kurven, teilweise durch Bambuswälder führte, ging es zu unserem erschrecken noch einmal straff bergauf. Das wäre alles kein Problem, doch heute sitzt uns die Dunkelheit im Nacken und in der fahren wir besonders im Grenzgebiet eher ungern. Zu allem Überfluss wartete am Gipfel des Berges auch noch ein übermotivierter Armist, der nicht nur unsere Pässe sehen wollte, sondern auch noch die Taschen kontrollierte und sie auf dem Laptop und dem Smartphone einige Dokumente zeigen lies. Letztendlich ist alles gut gegangen und wir sausten in der Dämmerung nach Moreh hinein, wo wir in der „Sangai Lodge“ für zusammen 2,50€ unterkamen. Das Hotel wurde uns von Karina und Jan, die wir im Iran getroffen hatten, empfohlen. Sie hatten hier insgesamt 13 Nächte verbrecht und vom Besitzer (R.K.) in höchsten Tönen geschwärmt. Der sehr herzliche Mann verdient dieses Lob vollkommen zu recht und auch wir waren seiner Hilfe sicher und so verschaffte er uns sehr leckere Nudeln zum Abendbrot und als Nachtisch gab es Milchreis. Klasse!

Moreh war die erste und einzige indische Stadt in der Alkohol ganz offen auf der Straße verkauft wird. Auch wir ließen uns das sehr leckere Bier der Marke „Myanmar“ schmecken, bevor wir im Doppelbett zu dritt schlafen gingen.

15.1.

Mal wieder einen Tag Pause.

Den Vormittag hatten wir gemeinsam mit Christian aus Norwegen verbracht. Da er bereits seit einer Woche auf sein Permit wartet, konnte er uns die Grenzstation zeigen und uns schon einmal kurz mit nach Myanmar zu den Grenzbeamten nehmen. Machte nen guten ersten Eindruck dieses Myanmar. 🙂

Das Permit benötigt jeder Mensch der von Indien nach Myanmar und umgekehrt, über den Landweg einreisen möchte. Erhältlich ist es bei der „Seven Diamonds Travel Agency“ in Yangon. Wir haben uns um dieses Permit schon seit vielen Monaten gekümmert und so wurde uns an der Grenze bestätigt, dass der Grenzübergang kein Problem sei. Der Norweger hingegen kam ohne Permit an die Grenze und musste eine Woche darauf warten und zusätzlich 125$ anstatt der üblichen 100$ löhnen.

Nach der Grenze zeigte uns Christian auch noch den Grenzfluss, in dem wir baden gehen konnten. Klasse!!! Das erste mal planschen seit dem Schwarzen Meer.

Für die arbeitende Bevölkerung waren wir auch eine Attraktion. Sie sammelten Steine aus dem Fluss, die andere Personen, darunter auch Kinder, nebenan mit dem Hammer zerkleinerten und so Kies produzierten. Klar wir haben schon davon gehört, dass es solche Arbeiten gibt, aber so etwas dann in echt zu sehen, ist schon etwas betrübliches. Da sitzen Kinder da und zerkleinern Steine mit dem Hammer. Ich kann das kaum glauben.

16.1.

Früh am Morgen hatte die Frau des Hotelbesitzers uns ein leckeres Frühstück vorbereitet. Anschließend verabschiedeten wir uns von diesem unglaublich netten Ehepaar mit dem Versprechen ihnen eine Postkarte zu schicken. Auch Christian (der Norweger – nicht ich^^) konnte heute die Grenze überqueren. Allerdings mussten wir zuvor noch 1 Stunde warten, da sich die indischen Beamten ein Päuschen gegönnt hatten. Die ganze Prozedur hatte sich dann so lange hingezogen, dass wir uns dazu entschlossen hatten an dem Tag die Grenzstadt Tamu nicht mehr zu verlassen. Wir hatten einfach keine Ahnung, ob wir in der verbleibenden Zeit ein Dorf erreichen könnten und Wildcampen wollten wir im Grenzgebiet nicht. So ging es also ins Hotel, welches Internet versprach, aber dann leider doch keins hatte.

Der Grenzübergang zwischen Indien und Myanmar an sich, ist im Übrigen erst seit 15 Monaten für den Tourismus geöffnet. Die meisten wissen das auch noch nicht und so wird man im Grenzbereich so gut wie keine Touristen antreffen. Wir haben in einem deutschen Radforum von der Möglichkeit der Grenzüberquerung erfahren, da waren wir schon auf Reisen. Ohne den Beitrag hätten wir wohl von Teheran aus gleich nach Myanmar fliegen müssen (Danke an Karina und Jan dafür!). Überhaupt haben seit Öffnung der Grenze wohl nicht viel mehr als 200 Individualreisende die Grenze überquert. Laut R.K. ist der überwiegende Teil davon aus Deutschland und mit dem Reiserad unterwegs. Dennoch sind es so wenige, dass wir schon ewig keinen Pedalritter mehr gesehen haben.

An unserem ersten Abend in Myanmar sind wir noch schick essen gegangen. Es gab Reis mit Dahl sowie Gemüse und war ziemlich lecker. Außerdem war das Essen zum ersten mal seit einem Monat nicht mehr scharf. Eine Wohltat für unsere Zunge! 🙂

17.1.

Es ist morgens 7 Uhr und eine Person kommt in das Zimmer, in dem Marcel und ich gerade noch geschlafen haben. Außerdem betritt mit dieser Person ein Kuchen, in dem Kerzen stecken den Raum. ES IST MARCELS GEBURTSTAG!!! Neben dem Kuchen gibt es auch noch einen Rock, den hier sehr viele Männer tragen und eine Warnweste, die als „Schwarzer Peter“ von Geburtstagskind zu Geburtstagskind wandert.

Wir halten uns aber nicht lange auf und so geht es raus auf die Straße und direkt zum ersten von zwei Polizei-Check-Points am heutigen Tag. Anschließend tut sich uns eine Straße auf, die weit besser ist, als wir zu hoffen gewagt hatten. Die Strecke ist größtenteils eben, der Asphalt in einem guten Zustand und es ist kaum Verkehr auf der Straße. Das vorrangige Verkehrsmittel sind PS-arme Motorräder, es kommt aber auch vor dass ein Ochsenkarren den Weg kreuzt. Außerdem fahren wir jetzt wieder auf der rechten Spur.

Der erste Tag in einem neuen Land ist für uns immer etwas besonderes. Es gibt so viele neue Eindrücke und heute passt einfach alles. Die Landschaft ist wunderschön und wir haben die ganze Zeit rechts neben uns die Berge im Blick, welche bereits zu Indien gehören. Auch die Menschen haben es uns vom ersten Tag an angetan. Sie starren genauso interessiert wie die Inder und Inderinnen auf die 3 Weißen, die da auf dem Fahrrad vorbeikommen, doch sie grüßen gelegentlich auch von sich aus, im Gegensatz zu ihren Nachbarn. Freudig grüßen wir zurück. Sagen wir dazu noch „Mingalar ba“, was so viel heißt wie „Hallo“, dann kommt es vor, das uns die Worte noch einmal im Chor entgegenschallen. Mich persönlich freut es immer sehr, dass wir den Menschen mit unserem bloßen vorbeiradeln schon eine Freude bereiten. Das wir etwas zurückgeben können, an die Menschen, die uns so herzlich in ihrem Land willkommen heißen.

Insgesamt wirkt das Leben in Myanmar viel entspannter als in Indien. Auch ist es wesentlich ruhiger und das nervige Gehupe hat ein Ende. In Indien sind etliche Verkehrsteilnehmende der Meinung hupen zu müssen, sobald sich etwas auf der Straße bewegt.

Ich merke gerade, Indien kommt etwas schlecht weg. Das kann ich so nicht stehen lassen! Wir hatten eine sehr schöne Zeit dort, nur war der erste Eindruck von Myanmar eben ein sehr positiver. 🙂

Zum Mittag Essen haben wir uns wieder in ein Restaurant begeben. Auch hier war das Essen super, wie schon am Vorabend. Zu meiner Freude konnten ich mir außerdem noch ein kühles Bierchen im Humpen bestellen. Auch unseren beiden Guids, die uns zum Lokal geführt hatten, spendierten wir eine Runde Bier. Die Jungs konnten nämlich Englisch und somit den Lokalbesitzern klar machen, das wir Vegetarier sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach, obwohl wir das birmanische Wort für vegetarisch kennen (Mangsovirat). Aber anscheinend ist Zeichensprache nicht die Stärke der lokalen Bevölkerung.

Dieser Eindruck wurde bestätigt, als wir Abends an einem buddhistischen Kloster fragten, ob wir unser Zelt hier aufstellen dürften. Wir waren schon fast wieder gegangen, als wir doch irgendwie herausbekamen, dass wir bleiben können. Die buddhistischen Klöster wurden uns von anderen Reisenden empfohlen, da man normalerweise nur in überteuerten Touristenhotels unterkommen darf und es Privatpersonen verboten ist Reisende bei sich aufzunehmen. Die Mönche genießen allerdings ein solch hohes Ansehen, dass wir bei ihnen problemlos bleiben konnten, zumal es weit und breit kein Hotel gab.

Der Abend mit den Mönchen und den vielen anderen Menschen die sich hier aufhielten wurde zu einem sehr spannenden. Wir wurden von allen Seiten bestaunt und man versuchte irgendwie mit uns zu kommunizieren. Irgendwann führte man uns in einen Raum mit einer erhöhten Stufe. Auf dieser Erhöhung nahmen die Mönche platz, während wir und die anderen Menschen darunter Platz nahmen. Dann wurde uns, und nur uns, Tee und Essen serviert. Mir war das ganze etwas unangenehm, da wir sicherlich deutlich mehr finanzielle Mittel hatten als alle anderen Personen im Raum. In Myanmar ist das aber anscheinend ein Zeichen der Gastfreundschaft.

Später packte ich dann noch meine Familienfotos aus, welche ich oft zeige, wenn wir aufgrund der Sprachbarriere kaum mit den Menschen kommunizieren können. In Windeseile wurde ich von allen Seiten bedrängt und so viel Interesse an meiner Familie hatte ich überhaupt noch nicht erlebt. Sogar die Mönche machten einen langen Hals von ihrer Stufe herunter.

Mit vielen spannenden Erlebnissen im Kopf gingen wir dann schlafen, wobei wir den Haufen der Interessierten kaum loswerden konnten. Erst als wir schon auf unseren Luftmatratzen saßen entschieden sie sich zu gehen.

18.1.

Frühs ging es zeitig raus. Unterstützt wurden wir dabei von einem Mönch, der die Straßenbeschallung in Form von von Kindern gesungen Liedern auf volle Lautstärke stellte.

Als kleines Zeichen unserer Dankbarkeit für die kostenlose Unterkunft haben wir dann Brot und Früchte dagelassen. Leider hatten wir nun selbst kein Frühstück mehr, weswegen wir bis zum nächsten Ort fahren mussten um uns dort eine Art Bananenbrot im Blatt eingewickelt, zu kaufen.

Auf dem Weg dahin wurden wir von einem Polizisten auf dem Motorroller eskortiert. Er war auch schon am Vorabend im Kloster um unsere Personalien aufzunehmen. Im Pass vorzeigen sind wir ja mittlerweile wirklich Profis. 🙂

Nach dem Frühstück fuhren wir zusammen mit unserem neuen Freund weiter. Nach insgesamt 15km verabschiedete er sich allerdings von uns und mit ihm die gute Straße. Es gab immer wieder Abschnitte mit festgefahrenen Steinen und völlig ohne Asphalt. Wir waren wohlgemerkt auf einer Straße die im Navi und auf der Karte eingetragen war, als wäre es in Deutschland eine Bundesstraße.

Kalewa konnten wir dennoch schon 11 Uhr erreichen, wo wir zu Mittag speisten. Genauer genommen Marcel und ich, denn Jule ging es im Magen rum und sie setzte eine Mahlzeit aus. Jule hat schon seit ein paar Tagen immer mal wieder Magenschmerzen und Unwohlsein, aber nichts schlimmes.

Nach dem Mittag versuchten wir die Brücke über den Fluss zu finden, um Richtung Shwe Bo weiterzureisen. Wir konnten allerdings keine Brücke und noch nicht einmal eine Autofähre finden. Später sollte uns klar werden, das so etwas gar nicht existiert. Wir setzten jedoch fürs erste mit einem schmalen Holzboot über, welches von zwei Frauen manövriert wurde und auf das unser Gepäck + Räder geradeso passte. Eine wirklich abenteuerliche Sache, wie wohl auch die anderen Menschen am Strand fanden. Jedenfalls schauten sie begeistert dem Treiben zu.

Auf der anderen Seite haben wir uns auf die Suche nach der Bundesstraße begeben und mussten dafür einen unfassbar steilen Weg passieren, bei dem sich Sand und Steine abwechselten. So rollten wir einige Kilometer im Schneckentempo dahin, wobei wir auch ganz viel schieben mussten. Die Straße wollte aber einfach nicht auftauchen. Nach einer ganzen Weile erreichten wir eine Siedlung mit 5 Hütten. Wir kauften ein bisschen Wasser ein und fragten einen Lastwagenfahrer, der uns kurz zuvor überholt hatte und nun eine Pause machte, ob er uns mitnehmen könnte. Zu unserer Zufriedenheit war die Antwort positiv und wir hievten all unseren Krempel auf die leere Ladefläche seines Kippers. Wir waren sehr froh, dass wir mitgenommen wurden, denn in diesem Terrain konnten wir einfach nicht vorankommen.

Auf der Ladefläche bekamen wir jedes Loch und jeden der zahlreichen Steine mit. Was für uns eine Menge Spaß bedeutete, war für die Räder leider weniger lustig. Besonders heikel waren die Holzbrückchen, da diese sehr harte Schläge mit sich brachten. Ein wunder, dass der LKW hier überhaupt passieren konnte.

Als wir so auf dem LKW standen wurde uns auch zusehends klar, dass wir unsere Bundesstraße schon gefunden hatten – wir befuhren sie gerade. Einfach unfassbar, was einem hier als wichtige Hauptstraße verkauft wird. Damit ihr einen Vergleich habt: in Deutschland wäre das nicht einmal eine Forststraße gewesen.

Nach geschätzten 25km hielt der LKW-Fahrer an und wir verließen die Ladefläche. Leider konnten wir ihm nicht begreiflich machen, dass wir gerne noch ein Stück mitfahren würden, da er in die selbe Richtung fuhr. Dennoch vielen Dank fürs mitnehmen!

Da waren wir nun also im Örtchen Thickegyin und unsere Laune war, ob der immer noch schlechten Straße, nicht gerade am Höhepunkt. Als sich unsere Räder kurz nach Ortsausgang auch noch im Sand festgruben, überlegten wir nach Kalewa zurückzukehren und mit einem Boot weiterzufahren oder eine andere Straße zu suchen.

Fürs erste fuhren wir aber zurück nach Thickegyin. Hier nahmen sich ein paar sehr nette Frauen unser an. Wir durften unser Zelt im Garten aufstellen und bekamen sogar noch ein schmackhaftes Abendbrot. Auch versuchten sie uns einen Fahrer zu organisieren, der uns nach Taze bringen würde. Als dieser uns jedoch die utopische Summe von 180$ nannte, lehnten wir ab.

18.1.

Am nächsten Morgen bekamen wir einen Tee und gefüllt Rollen spendiert. Die waren so fettig, dass sie schon fast nicht mehr essbar waren. Außerdem wurde Jule mit der traditionellen Bemalung verziert. Dazu wird eine Paste aus einem Stamm gewonnen und dann ins Gesicht geschmiert. Je nach Region sieht das Muster unterschiedlich aus, ist allerdings nicht sehr aufwendig.

Wir hatten uns einstweilen doch für weiterradeln entschieden und wollten das erstbeste Fahrzeug anhalten, welches uns passieren würde. So viel sei vorweg genommen: es sollte uns am ganzen Tag nur ein einziges vierrädriges Fahrzeug überholen und das war ein Traktor ohne Anhänger. In der Gegenrichtung waren immerhin ca. 10 LKW unterwegs. Ganz schön was los auf dieser „Bundesstraße“. Die meisten Personen bewegten sich mit Motorrollern fort, aber auch das waren nicht all zu viele.

Die ersten Tageskilometer mussten wir unsere Räder immer wieder schieben, da sie sich im Sand festfraßen. Dann wurde die Straße besser und wir kamen mit 17 km/h gut voran. In dieser Phase passierten wir auch unseren 6000 Kilometer auf unserer langen Meile. Nach ca. 30km wurde die Straße leider wieder schlechter, besonders der Sand machte uns zu schaffen, der uns immer wieder zum schieben zwang.

Auch die fettigen Rollen meldeten sich bei Marcel wieder an und nahmen einen anderen Ausgang als vorgesehen. Wir waren also dazu gezwungen 2 Stunden zu pausieren. Zum Glück waren wir gerade bei einem kleinen Lokal, wo Jule und mir ein schmackhaftes Mittagessen pünktlich 11:30 Uhr zubereitet wurde. Wir nehmen langsam typische Deutsche Zeiten an. Auch stehen wir mittlerweile auf, sobald es hell wird.

Nach der Pause wurde der Weg weniger sandig, dafür mussten wir aber wieder über knüppelharte Hügel. Es ging nie lange bergauf, aber eben immer wieder und Flachstücke waren nicht mehr vorhanden.

Auf einem der Hügel entschied sich Marcel, der immer noch nicht wieder ganz fit war, am Rande der „Bundesstraße“ Kacken zu gehen. Just in diesem Moment kam ein Moped vorbei und die beiden Passagiere hielten sogar noch neben uns an, um mit uns zu quatschen. Es interessierte sie überhaupt nicht, was Marcel da gerade machte. Für Jule und mich war der Anblick allerdings zu herrlich. 🙂

Nach insgesamt 45 Kilometern mussten wir dann der Strecke Tribut zollen und erschöpft vom Rad steigen. Es zwingt uns ja auch keiner weiter zu fahren und Zeit haben wir ja. Im Wald, der uns die ganze Zeit umgab, fand sich dann auch ein schönes Fleckchen für unser Zelt und so waren wir einmal mehr von einer gewaltigen Geräuschkulisse umgeben: Wir hörten fast nichts. 🙂

Es war wirklich unglaublich still. Nur das zirpen der Grillen und ein paar Vögel waren zu hören. Hin und wieder hörten wir auch wie ein motorisiertes Gefährt sich die Hügel rauf und runter quälte (warum soll es denen besser gehen als uns?^^).

Zum Abendbrot gab es die mitgebrachten Reste vom Mittag und Fertignudeln, welche wir noch aus Indien im Gepäck hatten und dann ging es auch schon recht bald ins Bett.

19.1.

Der Tag beginnt so wie der letzte aufgehört hat, nämlich mit Essen. Heute wie auch schon die letzten Tage steht Zuckerbrot mit Tomaten, Marmelade und Früchten auf dem Speiseplan. Wirklich glücklich macht einen das auf Dauer nicht, aber die Frühstückskultur in Südostasien ist eben nicht die gleiche wie in Europa.

Dann ging es aufs Rad. Nach 8 Kilometern bekamen wir etwas zu Gesicht, was wir schon lange nicht mehr gesehen hatten: Asphalt. Noch gab es ihn bloß stückchenweise und bei besonders steilen Bergen, bei denen unsere Räder sonst durchgedreht hätten, aber immerhin. Der Asphalt zeigte auch eine weitere wunderbare Eigenschafte, so kann man auf ihm herrlich dahinrollen und wird nicht durchgeschüttelt. Wir können Asphalt absolut weiterempfehlen! 🙂

Auch heute hatten wir wieder Mittagessen bei ein paar kleinen Hütten. Auch heute war es wieder viel zu viel und wir haben uns noch eine gute Menge für das Abendessen eingesteckt. Auch gab es 3 Flaschen Wasser geschenkt, nachdem wir am Vortag Bananen bekommen hatten.

Die besser werdende Straße, wurde immer wieder von sandigen Abschnitten abgelöst. Irgendwann begann dann der Verkehr rapide zuzunehmen und dann kam da auf einmal Asphalt und eine Stadt. Nach der Stadt verschwand der Asphalt ein letztes mal und es gab noch einmal Sand und eine Menge Steine auf der Fahrbahn zu bestaunen, ehe der Asphalt endgültig unter unseren Rädern zurück war. Noch ehe wir es selber realisierten waren wir in Taze, dass erklärte uns jedenfalls der Polizeichef, welcher uns zu einer Passkontrolle in sein Büro hereingewunken hatte. Da es schon relativ spät war, bestand er darauf, dass wir ein Hotel aufsuchen müssten, wozu wir an sich auch verpflichtet sind, es aber wegen der hohen Preise nur ungern tun. Mit Hilfe der Polizei wurde uns aber ein Zimmer organisiert, in dem wir zu dritt für 9€ schliefen. Auch konnten wir Staub und Schweiß endlich mal wieder von uns abspülen. Zum Hotel selbst wurden wir von 3 Polizisten auf Mopeds eskortiert und diese besprachen dann auch alles mit dem Hotelbesitzer. In dem Moment passierten 2 kanadische Reiseradler die Straße. Die ersten Pedaleure die wir seit dem Iran gesehen hatten. Sie entschlossen sich spontan dazu die Nacht im gleichen Hotel zu verbringen und so konnten wir bei einem kühlen Bierchen der Marke „Myanmar“ ein paar Geschichten austauschen. Im Übrigen hatten wir zu dem Zeitpunkt kaum Geld (man findet nicht überall einen Geldautomaten) und generell haben wir auf die beiden Jungs, die bereits im Berufsleben stehen, wohl einen eher ärmeren Eindruck hinterlassen, so dass sie uns zum Bier eingeladen haben. Vielen Dank dafür! 😉

Nun sitze ich hier im Bett und tippe die letzten Zeilen des Berichtes ein. Neben mir schläft Marcel bereits und Jule schreibt Tagebuch.

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Indien, zweiter Bericht von Jule

Indien!

05.01.2015

Endlich wieder radeln!
Morgens verlassen wir nach drei Wochen endlich mal wieder die großen grauen Städte. Fast haben wir vergessen, wie man seine Satteltaschen am Rad befestigt und die Gänge wechselt- aber nur fast! Wir holpern über die schlaglochlastigen Pisten aus Guwahati raus und zuckeln zur nächsten Brücke, die über den Brahmaputra-Fluss führt. Der ist unglaublich breit und sehr hübsch. Wir fahren parallel zu einem neuen Brückenteil, der gerade gebaut wird, und bestaunen die gewaltigen Stahlbetonkonstruktionen, die da ins Wasser gesetzt werden. Unter unserer Fahrspur rattern Züge im zweiten Level der Brücke. Überall ist tierisch viel Verkehr, aber im Endeffekt ist es soo viel entspannter, als wir uns Indien nach den Berichten anderer Menschen vorgestellt hatten. Wir dachten, dass das Radeln auf Indiens Straßen die Hölle wird, dabei ist es tatsächlich total mit dem Iran vergleichbar und nicht sonderlich gefährlich (wenn man nicht auf deutsche StVO besteht).

Unser Highlight des Morgens ist aber mal wieder so richtig „Indien“: wir fahren an einem Mann vorbei, der offiziell aussieht und einem anfahrenden Bus mit einem langen Knüppel oder Stiel ordentlich zwei übers Hinterteil zieht. So, wie man einer seeehr bräsigen Kuh klar machen würde, dass sie weiter gehen soll- nur, eben, dass es sich um einen jetzt noch weiter verdellten Bus handelt =)
Auf der nördlichen Flussseite angekommen, trennen uns nur ca. 50 km Luftlinie vom Himalaya-Staat Bhutan, der mich persönlich immer sehr fasziniert, weil Bhutan als erster Staat der Welt offiziell nicht nur Wirtschaftsfaktoren, sondern auch das „Glück“ der Menschen in seine politischen Ziele aufgenommen hat (ich hab da eine sehr hübsche Doku gesehen, „What happiness is“). Leider sehen wir von Bhutan nichts, weil die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass man nie bis zu den Bergen schauen kann. Das ist sehr, sehr schade, denn wie oft kommt man schon so nah am Himalaya vorbei?!
Wir fahren dann auf kleinen Straßen parallel zum Fluss und erleben endlich ein Indien, dass nicht in der Stadt spielt. Die Besiedlungsdichte ist dennoch sehr hoch und es gibt kaum mal ein paar hundert Meter, auf denen keine Bambushütte oder ein kleines Betonhaus steht. Sehr oft die die Häuser der Menschen hier aus Holz, meist Bambus, gebaut und dann mit Lehm verputzt, dazu stehen sie an einem kleinen braunen Teich und außen rum stehen ein paar Kokos- und Bethelnuss-Palmen, Bananen und ein kleiner Bambuszaun. Bambus ist eh das weit überwiegende Baumaterial, auch die Baugerüste in den Städten sind zB meist einfach miteinander verknotete Bambusstämme. Das sieht abenteuerlich aus und ist total beeindruckend!
Unsere Straße führt uns also unter vielen Kokosnüssen und Bananen vorbei, alle Menschen am Wegesrand schauen uns entgeistert und begeistert an und ständig stehen Kühe und Ziegen auf der Straße. In den Wiesen neben der Straße grasen Wasserbüffel, man sieht viele Störche und auch mal einen Marabu und überall werden irgendwelche Lebensmittel angebaut. Tatsächlich fahren wir auch durch ein Dorf, in dem eine Familie gerade eine Horde Affen aus ihrer Hütte jagt! Da stehen wir also mit unseren Rädern direkt neben einer Affenfamilie!

Christian schaut sich Affen an
Christian schaut sich Affen an

Bei unserer Mittagspause setzt sich ein lustiger Mann zu uns, der kein Englisch spricht und in regelmäßigen Abständen feststellt, dass wir kein Hindi sprechen. Er macht Segnungsgesten, berührt unsere Füße und dann seinen Scheitel und scheint sich offensichtlich sehr zu freuen, dass wir mit ihm unser Brot teilen. Er ruft auch noch einen Freund ran und schenkt dem meine letzte Banane und dann verabschieden wir uns =)
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Wir fahren an einem Mann vorbei, der gerade mit einer langen Bambusstange Kokosnüsse von einer Palme schlägt und kommen abends in einem kleinen Ort an, in dem wir uns ein Hotel nehmen. Wir wissen noch nicht, wie die Menschen hier drauf sind und ob wir weiter abends an den Türen klingeln können und fragen, ob wir das Zelt auf den Hof stellen können. Noch sind wir hier ein wenig wie Außerirdische. Und wild zelten kommt nicht in betracht, dafür sind hier viel zu viele Menschen und außerdem wohl auch haufenweise wilde Tiere, vor denen wir ordentlich Respekt haben. Das Hotel aber ist ganz nett, es hat einen schönen Garten und der Sohn des Besitzers ist sehr offen und freut sich über ein wenig Unterhaltung mit uns.

06.01.
Weiter geht die Fahrt durch diese Landschaft und immer, wenn wir anhalten, um ein paar Bananen zu kaufen oder einen Schluck Wasser zu trinken, bleiben Menschen um uns stehen und starren uns einfach nur an. Teilweise stehen nach 5 Minuten 15, 20 oder 30 Leute in einem Kreis um uns herum, machen wild Fotos mit ihren Handys und betrachten uns stumm von allen Seiten. Mir ist das tierisch unangenehm.
Unsere Mittagspause wollen wir irgendwo machen, wo nicht so viele Leute um uns rum stehen, deswegen biegen wir ein paar Meter in die Felder einer Teeplantage ein (wo es auch einfach sehr hübsch ist). Nach wenigen Minuten aber stehen wieder unglaublich viele Menschen um uns herum, betrachten uns und die Räder und sind einfach nur verblüfft. Das ist surreal!
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Am Abend erreichen wir Tezpur, eine mittelgroße Stadt, und nehmen wieder ein Hotelzimmer. Ich komme mir ziemlich weit weg von den Menschen vor und fühle mich in den Hotels sehr eingesperrt und vermisse die Zeit im Iran, wo wir keinerlei Hemmung hatten, immer mal die Menschen zu fragen, ob wir bei ihnen übernachten könnten. Im Iran hatten wir viel mehr Kontakt zu der Bevölkerung, wurden ständig zum Tee eingeladen und haben viel über die Kultur lernen können. Hier beschränkt es sich bisher meist auf angestarrt werden und sich abends im Hotel abkapseln, das macht mich traurig.

07.01.
Von Tezpur aus starten wir morgens in dichtem Nebel. Wir überqueren wieder den Brahmaputra, wobei wir wirklich nur eine graue Nebelwand sehen. Die Brücke scheint ins Nirgendwo zu führen.
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Dann radeln wir auf der Südseite des Flusses weiter, gegen Mittag kommt die Sonne raus und wir erreichen die Ausläufer des berühmten Kaziranga-Nationalparks, der laut meines Reiseführers 2/3 der weltweiten Population an indischen Panzernashörnern beheimatet. Während wir hier durch die beeindruckend schöne Landschaft tingeln, fahren wir zu unserer großen Begeisterung schon an einigen Hinweisschildern vorbei, die vor kreuzenden Elefanten warnen und darauf aufmerksam machen, dass Tiger, Nashörner und Elefanten Vorfahrt haben, falls sie vorbei kommen sollten =) Und tatsächlich: nach einer Kurve sehen wir vor uns zwei domestizierte Elefanten auf der Straße langeiern, mit ganz viel Grünschnitt und ein paar Männern auf dem Rücken
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Wir überholen die beiden Dickhäuter und halten davor einmal am Straßenrand an, um sie uns nochmal aus der Nähe anzusehen, und als die beiden dicht an uns vorbei kommen, betasten sie uns und das Rad auch einmal kurz mit dem Rüssel. Waaa!
Noch etwas weiter sehen wir dann auf der linken Seite der Straße, vielleicht 500 m von uns, ein Nashorn grasen. Wir lassen uns in der Nähe von vielen anderen indischen Touristen am Straßenrand nieder und machen unsere Mittagspause mit Rhino-Blick. Verrückt, sag ich euch!
Als wir später weiter fahren, bleibt irgendwann ein Jeep neben uns stehen und zwei deutsche Touristen hüpfen raus und stellen sich vor. Die beiden sind auch Vielreisende und große Fotografen und sind die ersten europäischen Touristen, die wir seit Kolkata sehen. Gegen Nachmittag kommen wir im zentralen Touristenkomplex in der Nähe des Parkeingangs an und dürfen unser Zelt im Garten eines Hotels aufstellen. Der Manager ist sehr begeistert von uns und dem Zelt. Und überall um unser Zelt hüpfen Affen herum!

 

Im Hintergrund auf der Mauer die Äffchen...
Im Hintergrund auf der Mauer die Äffchen…

08.01.
Wir stehen schon um 6:00 auf, weil wir die morgendliche Safari durch den Nationalpark mitmachen wollen. Dafür werden wir drei von einem Jeep abgeholt und dann holpern wir auch schon querfeldein durch dichten Dschungel und sehen allerlei tolle Vögel (inkl. Eisvogel und Pelikan und Marabu!), Rhinos, Affen, Wild und, ganz toll, wilde Elefanten nur wenige Meter von uns entfernt. Der Fahrer macht extra den Motor nicht aus, um im Notfall durchstarten zu können, und tatsächlich gehen wir dem einen Elefanten irgendwann auf die Nerven, das lässt er uns spüren und wir holpern lieber weiter. Vor allem Christian ist total begeistert von diesem Ausflug.

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Als wir später am Vormittag wieder zum Zelt/Hotel kommen, frühstücken wir erst einmal im Hotelgarten und werden dabei sehr neugierig von Äffchen beobachtet. Wir beobachten zurück. Dann geht’s wieder auf’s Rad und bei herrlichem Sonnenschein und Sommertemperaturen weiter. Die Inder jammern alle über den kalten Winter und können sich wirklich nicht vorstellen, dass diese Temperaturen unserem deutschen Sommer entsprechen. Jetzt biegen wir irgendwann nach Süden ab und die Landschaft verändert sich. Statt am Fluss und an Reis- und Getreidefeldern entlang führt der nun hügelige Weg nur noch durch wunderhübsche Teegärten.

Wir finden sogar einen Ort, an dem wir eine kurze Pause machen können, ohne dass sich eine Traube um uns bildet. Als wir dann weiter fahren, wollen wir im nächsten Ort in einem kleinen Shop unsere Vorräte aufstocken. Wir haben Glück und eine junge Frau im Laden spricht sehr gutes Englisch, was es sehr viel leichter macht, an die sonst eher raren Nudeln etc. zu kommen. Wir unterhalten uns ein wenig und fragen sie auch, ob sie wüsste, wo wir innerhalb der nächsten Kilometer ein Hotel finden könnten, und irgendwann lädt sie uns im Namen des Ladenbesitzers, ihres Vaters, ein, bei ihnen zu Hause im Innenhof zu zelten. Das entpuppt sich als unverhofft wunderbare Erfahrung, denn Rias Familie nimmt uns sehr herzlich auf, bekocht uns königlich mit traditionellen und sehr leckeren Spezialitäten, kann uns viel über die indische Kultur näher bringen und lädt uns auch am Ende des Abends noch ein, doch bitte im Gästezimmer zu schlafen. Wir machen auch noch ein Feuer im Hof und werden einmal durchs Dorf geführt, wobei wir auf der einen Seite einiges sehen können, unsere Gastgeberin Ria aber auch einfach stolz präsentieren kann, dass sie ein paar Fremde aufgegabelt hat =) Sehr viele Selfies müssen wir machen, damit sie in Zukunft eine Batterie an Profilbildern für Facebook und co. hat.
Am späteren Abend darf ich dann wiederum mit ihr im Elternschlafzimmer schlafen, weil es nicht gern gesehen ist, wenn Frauen und Männer zusammen in einem Raum bleiben. Das ist aber auch sehr spannend, weil ich mit der sehr aufgeweckten 16jährigen über ihre Frauenrolle im heutigen Indien sprechen kann. Sehr, sehr spannend!

Thank you sooo much, Ria and Family!!

 

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09.01.
Morgens wird uns von Rias Mutter noch richtig tolles Frühstück gemacht, und als wir dann schon völlig überdankbar losfahren wollen, werden wir alle nacheinander nochmal auf einen Stuhl auf der Veranda gesetzt und Rias Mama segnet uns, mit einem roten Punkt und Reis auf der Stirn. Und schenkt jedem von uns dann noch einen kleinen Plastik-Ganesha, der im Dunkeln leuchtet =) Und dann machen wir noch ein paarhundert Fotos, versichern uns, dass diese tolle Familie unsere Adressen richtig aufgeschrieben hat, kriegen noch eiiiniges aus dem Laden geschenkt und setzen unseren Weg mit glückgefüllten Herzen fort. Ich kann endlich eine bessere Beziehung zu Indien aufbauen.

gesegnet werden von Rias Mama
gesegnet werden von Rias Mama

Diese verrückt fürsorgliche Familie hat auch noch arrangiert, dass wir sowohl für das Mittagessen heute (nach 40 km) als auch für die Nacht (nach 85 km) eine Verabredung haben. Also bekommen wir bei Freunden der Familie suuuper Mittagessen serviert und lernen noch mehr Menschen kennen. Auch Ria, ihr kleiner Bruder und ihr Onkel kommen mit dem Auto hinterher, um uns noch einmal zu sehen. Ah ja, auch eine SIM bekommen wir von diesen tollen Menschen, um in Indien erreichbar zu bleiben. Der Wahn!

Der Nachmittag bleibt in Erinnerung, weil wir zuerst an einer echten Schweinehälfte vorbeifahren, die auf dem Tisch einer der Straßenschlachtereien liegt. Der Vorderhälfte eines Schweins, das man auf Höhe des Bauchnabels durchgesägt und ausgenommen hat, sodass man jetzt an den Rippen vorbei durch den ganzen Hohlkörper bis zum Hals schauen kann. Omnom! Und kurz danach fährt eine Autoriksha, so ein dreirädriges kleines Taxi, an uns vorbei, aus dessen linker Seite der Vorderteil von einem leider noch lebenden Schwein raushängt. Das ist niiicht schön anzusehen.
Um so schöner hingegen ist es, dass ein anderer Onkel von Ria für uns organisiert hat, dass wir in der Stadt, in der wir abends ankommen, in einem sehr sauberen, guten Hotel untergebracht werden. Mit dem Teil der Familie haben wir leider kaum Kontakt, aber dennoch freuen wir uns enorm über die zwei (wg. Geschlechtertrennung) Zimmer, die sie für uns organisiert (und bezahlt!) haben. Wir duschen uns ausgiebig (leider kalt, warme Duschen sind hier wohl wirklich selten) und hängen dann den Abend sehr entspannt rum. Tut auch mal gut, einfach ein paar Indieneindrücke verdauen zu können!

10.01.
Heute verlassen wir den Bundesstaat Assam und fahren rüber nach Nagaland. So episch, wie das klingt, ist es auch: kurz nach der Grenze müssen wir anfangen, uns in Serpentinen durch dicht mit Dschungel und Ananasplantagen bewachsene Berge bergauf zu schlängeln. Das Panorama wird immer besser, die Berge sind dunkelgrün, lianen- und palmenbewachsen und verschwinden am Horizont im Dunst.
An der Straße stehen Stände, die Ananas, Bananen, verschiedenstes Obst und Gemüse, aber auch tote bunte Vögel und irgendwelche Nager verkaufen. Am Abend erreichen wir einen kleinen Ort, in dem wir bleiben wollen, weil die Sonne sich im Untergehen befindet und wir in der Dunkelheit wirklich nicht fahren wollen. Also fragen wir zuerst, ob es ein Hotel gibt, aber da ist in diesem Nest keine Chance. Dann wollen wir in der Kirche übernachten, werden aber weiter bugsiert zu einem wirklich schönen kleinen Bungalow auf einem Hügel über dem Ort, in dem wohl vor über 100 Jahren die britischen Kolonialherren gewohnt haben. Man fegt noch einmal aus und dann dürfen wir da schlafen =) Ganz viele Menschen kommen vorbei, um uns kennen zu lernen und man entschuldigt sich ganz oft, dass man uns besser bewirtet hätte, wenn man denn nur gewusst hätte, dass wir kommen. Die ganze Zeit wuseln eine Hand voll kleiner Jungs um uns rum, für die wieder der Inbegriff von „spannend“ sind und mit denen wir auch einen Haufen Spaß haben.

Indien 1 von Jule

Ihr Lieben,
ich schreib mal kurz einen Status Quo, damit ihr eine Idee habt, wo wir gerade rumlümmeln und warum – und weil ich mir vorstellen kann, dass wir jetzt recht lange nicht mehr wirklich gutes Internet bekommen.

Christian ist stehengeblieben bei diesem völlig unvorstellbaren Moment, als wir unsere deutschen Freunde vor einem kleinen, recht ranzigen Hotel in Kalkutta in die Arme schließen konnten. In meinem Falle hatte sich, sofern ihr das mitbekommen habt, mein Partner Jules (also „Dschuls“ und nicht mit dem Possessiv meines Namens zu verwechseln! ^^ ) von daheeme spontan entschlossen, mich hier zu besuchen, und innerhalb der letzten drei Wochen einen wahnsinnigen Aufriss betrieben, um das möglich zu machen. Vom Passbeantragen über Familienspenden sammeln bis Visa-on-arrival-Abholen hat dann doch aber alles, alles geklappt und ich weiß nicht, ob man sich meine Freude vorstellen kann, als ich ihn nach vier Monaten dumpfen bis stechenden Vermissens wieder im Arm hatte.
Hier möchten wir beide nochmal sehr, sehr groß Danke sagen, an alle, die da geholfen haben. Vor allem an meine und Jules‘ Familie und an Jamie und Moe. Ihr könnt euch nur schwer vorstellen, wie toll diese kurze Insel in der langen Trennung war.

Die zwei Wochen in Kalkutta sind dementsprechend sehr geprägt von unserem Besuch gewesen. Zunächst aber muss man betonen, dass wir tatsächlich die gute Couchsurfing-Seele Amrita gefunden haben, die uns alle sechs (!) für 10 Tage (!!) aufgenommen hat- in ihrer Wohnung haben wir einen lustigen chaotischen Haufen gebildet, haben zu viert im Doppelbett geschlafen, die freien Quadratmeter des Fußbodens besiedelt und vor allem sehr viel Spaß gehabt. Und Jules und ich haben uns auch mal in ein Hotel abgeseilt, um auch Ruhe für uns zwei zu haben.

Indien… Ist komplett anders. Ist super-chaotisch und laut, ich kann keinesfalls ohne Ohropax schlafen. Jeder, wirklich jeder Autofahrer und Motorradfahrer und Fahrradfahrer klingelt und hupt wirklich jedes Mal, wenn er oder sie um eine Ecke biegt, an einem anderen Fahrzeug vorbeifährt, jemanden überholt, wenn es ihm oder ihr nicht schnell genug geht… es ist so laut! Und es ist schmutzig, auf der einen Seite wegen des wenigen Regens in der Trockenzeit staubig, auf der anderen Seite liegen überall die Müllberge am Straßenrand. Mülleimer sucht man vergebens. Die Stadt riecht gerne nach brennendem Plastik, wenn jemand gerade einen der Müllberge „beseitigt“. Tagsüber schlafen überall an den Straßenecken Hunde wie tot, nachts machen sie einen Heidenkrach, wenn die Autos und Radfahrer wie auf ein geheimes Kommando ab ca. 23:00 Ruhe geben.
Gleichzeitig ist Kalkutta total grün- es wuchert nur so vor sich hin, Palmen, Aufsitzerpflanzen, fette Bäume und Stadt vermischen sich sehr hübsch zu einem Gebilde, das an überwucherte Tempel im Dschungel erinnert. Das gefällt mir sehr gut.
Und wir gefallen wohl den Indern sehr gut, denn gerne bleiben sie einfach neben uns stehen und betrachten uns von allen Seiten =) Aber klar, wir sind so deutlich viel größer und heller, wir stechen wirklich krass raus.
Indien ist so, so, so anders, dass ich kaum noch Fotos mache. Ich weiß einfach einerseits nicht, was ich fotografieren soll, weil wirklich alles anders und merk-würdig im Wortsinne ist. Andererseits ist das Foto auch eindeutig nicht das richtige Medium, um Indien einzufangen. Es passiert so viel gleichzeitig und dazu sind die Geräusche, das Geklingel, der Lärm und auch die ständigen Gerüche so zentral, dass ein Foto die Realität wirklich nicht annähernd wiedergäbe.

Wie dem auch sei, ich lade euch mal ein paar erste Indieneindrücke hoch und überlege nochmal, ob ich ein Video einbinde. Außerdem warten wir dann mit dem Bericht über die zwei Wochen Kalkutta auf die Gastbeiträge unserer Gäste, die sich erfreulicherweise interessiert gezeigt haben.

Derweil sind Marcel, Christian und ich jetzt wieder allein zu dritt unterwegs und bereiten uns auf’s Radeln in Indien vor. Bisher sind wir nur ein wenig in Kolkata vom Flughafen zum Fahrrad-Unterstell-Couchsurfing-Freund und von dem zum Bahnhof gefahren, was natürlich an sich schon recht spannend war. Wer kann schon am Ende seines Lebens behaupten, in Kalkutta Rad gefahren zu sein? Aber jetzt soll es wirklich mal wieder eine Radtour werden!

03.01.
Von Kalkutta sind wir eben am 03.01. 23 Stunden Zug nach Guwahati gezuckelt, wobei ich am Morgen des 03. krank geworden bin und es Christian in der Nacht im Zug erwischt hat. War aber alles grad noch so okay, sicherlich anstrengend, aber solche Durchfallsachen können (nach eigener Guatemala-Erfahrung) noch viel furchtbarer sein. Ich hatte ein wenig Bauchkrämpfe, was das Packen und das Räder-Abholen schwierig gemacht hat, aber erstaunlicherweise ging die Radfahrt durch Kalkuttas Verkehr zum Bahnhof dann wirklich gut. Dort mussten wir durch diese Massen an Menschen zum Gepäckschalter und für unsere Räder Formulare ausfüllen, damit die im Gepäckwagen mitfahren dürfen. Ein Mitarbeiter hat uns dabei geholfen und als er die Marke der Räder aufschreiben wollte, hat er fröhlich-unwissend „Unfug“ eingetragen =) (auf Marcels Lenker klebt ein Aufkleber, der für „Mehr Unfug!“ wirbt)
Am Bahnhof haben wir uns dann noch von Amrita und Risch verabschiedet, die wir beide lieb gewonnen und die uns in Kolkata seeeehr viel geholfen haben. Danke, ihr beiden!!

THANKS Amrita and Risch!! Dhonnobad!

Im Zug hatten wir die „Sleeper“-Klasse gebucht, was nach AC2 und AC3 die dritte Klasse von oben ist. Es ist die günstigste Klasse, in der man ein Bett reservieren kann.
Die Klasse ist weder schön noch besonders hässlich und damit besser als gedacht. Alles ist Metall, ein wenig Pritschenbezug, Gitter, dicke, sich drängende Ventilatoren. Immer sechs Betten sind quer zur Fahrtrichtung und schauen sich an, so wie das im deutschen Sleeper ist, aber die Abteile sind nicht durch eine Tür abgetrennt, sondern Teil eines 80-Menschen-Großraumwagens. Am Fußende der sechs Querbetten ist der Gang und dann kommen zwei Betten parallel zur Fahrtrichtung, an der Außenwand. Am Ende der Abteile sind jeweils Waschbecken, unter denen schon nach einer Stunde haufenweise ausgegessene Kokosnussschalen lagen 🙂
Das gibt’s hier nämlich an jeder Ecke: einen Stand, an dem einem zuerst eine grüne Kokosnuss geköpft wird, damit man das Kokoswasser mit einem Strohhalm raustrinken kann. Danach gibt man sie dem Verkäufer wieder und er schlägt sie komplett auf, damit man das leckere, zarte Fruchtfleisch (am besten unter Zuhilfenahme der schon abgeschlagenen Schalenstücke) auslöffeln kann.
Dann gibt’s am Ende des Zugabteils noch ein Loch-im-Boden-Klo und ein Sitzklo. Für Situationen wie diese find ich die Stehdinger ja wirklich genial!
Als wir dann unsere Sitze bezogen hatten, haben wir zunächst feststellen müssen, dass unser Fenster nicht aufgeht- ziemlich traurig, wenn man 23 Stunden durch ein Land fährt, von dem wir bisher sehr wenig gesehen haben, und das sich im nicht-städtischen Bereich bisher als wunderschön dargestellt hat. Dann sind wir fasziniert: alle 10 Minuten hält der Zug kurz an irgendeinem Bahnhof und zig Menschen steigen ein und aus- die meisten laufen laut schreiend durch die Abteile und bieten alles an, was man auf so einer Reise gebrauchen könnte. Der Zug hat offene Türen, man kann jederzeit rein- oder raushüpfen, das erklärt auch, warum alle Leute uns vor den Diebstählen während der Nacht warnen und wir nicht die einzigen sind, die ihr Gepäck unter den Sitzen festschließen. Aber der Durchgangsverkehr an Händlern ist wirklich der Wahn! Man fragt sich, wie man da nachts schlafen können soll, aber tatsächlich ist ab ca. 22:30 totale Ruhe, fast alle Leute löschen die Lichter und schlafen gleichzeitig. Und tatsächlich geht das Licht im Abteil im Gegensatz zum deutschen Schlafwagen komplett aus, es ist stockdunkel. Womit sich auch besser nachvollziehen lässt, warum man mich vor nachts grapschenden Männern gewarnt hat- aber ich lieg ganz oben, die Jungs unter mir, und bin auch in der Stimmung, jedem übergriffigen Mann ordentlich eins über die Rübe zu ziehen. Mir geht’s nämlich so mittel, mein Bauch rumort, die meiste Zeit lieg ich da auf der harten Pritsche und vertreibe mir die Zeit mit Schlafen. So bekomme ich auch bis zum nächsten Morgen gar nicht mit, dass sich Christian ab der Mitte der Nacht immer wieder übergeben musste.
Ab 5:00 morgens geht es dann auch wieder los, Männer laufen durch den Gang, steigen über die paar Menschen, die auf dem Fußboden schlafen und schreien die Schlafenden an, ob diese nicht schon einen Kaffee, einen Tee, eine Decke, ein Aufblaskissen oder irgendeine der indischen Spezialitäten kaufen wollen.
Am Nachmittag erreichen wir dann Guwahati und müssen wieder an zig unterschiedliche Stellen, um unsere Räder wieder zu bekommen. Die Mächtigkeit der Bürokratie ist lächerlich, wenn man sie mit dem Resultat vergleicht: unsere Räder liegen nämlich mehr schlecht als recht auf zig anderen Gepäcksäcken, die am Bahnhof im hohen Bogen aus dem Gepäckabteil geschleudert werden. Nur, weil wir selber Hand anlegen, ergeht es unseren Rädern da deutlich besser.

Und nachdem wir uns dann in Guwahati ein Hotel gegönnt haben, konnten wir gut genesen und zur Weiterfahrt unsere Satteltaschen wieder ordentlich packen. Nach dem Flug passen all unsere Habseligkeiten in die Hälfte der Taschen, das ist auf jeden Fall mal entspannt. Wir sind ewig nicht geradelt und mich erinnert das Gefühl ein wenig an die Tage, bevor wir Ende August aus Freiberg abgefahren sind. Noch wissen wir nicht, wie die Straßen hier aussehen, wir wissen nicht, wo wir abends landen werden, und wir wissen nicht, wie oft wir irgendwo an Nahrungsmittel kommen. Das führt jetzt gerade zu einem mulmigen Gefühl, aber zum Glück wissen wir mittlerweile, dass die Realität auf der Straße anders aussehen wird- wir werden unseren Weg finden, alles wird sich ergeben und es wird mit Sicherheit einzigartig und schön.
Marcel und ich sind vorhin schon mal zum Brahmaputra-Fluss gelaufen, an dem wir die nächsten Tage entlang fahren werden. Selbst hier in der Stadt ist er viel weniger vermüllt und viel schöner, als ich erwartet hatte. Und auf dem Rückweg haben wir bemerkt, dass das, was wir über unseren Köpfen für Vögel gehalten hatten, richtige Flughunde waren! Mit ca. 40 cm Spannweite! So richtig große Batmans!! Wahnsinn… Wir bleiben gespannt!

Auf jeden Fall geht es morgen dann weiter und weil unsere SIM-Karten (außer für Notrufe) nicht funktionieren, müssen wir auf das sicherlich nicht allzu bald auftauchende nächste Internet-Café warten, bis wir uns bei euch melden können. Also wie immer- keine Sorgen machen, wir beweisen ja ständig auf’s neue, dass wir sehr gut aufeinander aufpassen können!

Es gibt Fotos! Eilmeldung von Jule

Ihr Lieben-

da uns eine Darmerkrankungswelle in Nordindien ans (saubere, schöne, angenehme, von eurem Geld geleistete ^^) Hotelbett kettet und es hier Internet gibt, habe ich eine schöne Überraschung:

Pünktlich zum Jahreswechsel sind unsere Fotos von flickr zu Picasa umgezogen und machen nun hoffentlich viel weniger Probleme. Ihr könnt nun auf jeden Fall schonmal einen schönen Haufen Iran-Fotos anschauen.

Die Fotoalben erreicht ihr wie vorher, wenn ihr in der linken Seitenleiste auf die Fotos klickt.  Im Gegensatz zu vorher sind nun aber einzelne Länderalben verlinkt- bisher nur eines, und zwar das vom Iran. Weitere werden folgen =)

 

Außerdem schreiben wir am ersten Indien-Bericht und auch noch an einem kleinen Nachtrag zum Iran, der all das kritische beinhaltet, was wir und im Land selber nicht zu bloggen getraut haben.

Viel Spaß!

iran 10. bis 16.12. — gastbeitrag von jules muddi

iran 10. bis 16.12. — von jules muddi

jaaaa- ich hatte nun also das vergnügen, die drei reiseradler für eine woche im iran zu treffen. visumantrag ging sehr flott, & am 9.12. nachm. bin ich über istanbul nach isfahan geflogen. 40 kg freigepäck, darunter 1 kg frisches schwarzbrot, vegane aufstriche, bahlsen-kekse & mitbringsel für meine frühere kollegin ursula, mit der ich 1988, schwanger mit jule, am friederikenstift hannover zusammengearbeitet hatte und die 1990 mit ihrem mann ali und 2 töchtern in den iran gegangen war….. ich habe sie über 10 ecken im internet über amazon (sie hat ein buch über den iran geschrieben) + ihre tochter ín potsdam wiedergefunden + sie hat uns zu sich nach teheran eingeladen.- ich kam mitten in der nacht total müde in isfahan an, taxi für 5 € für eine sehr weite strecke, hotel wirkte wie aufgegeben. spaziergang im ersten morgenlicht zur 33-bogen-brücke – seit jahren hat der fluss endlich mal wieder wasser.

um 8:30 bekam ich mein zimmer, hab 3 std. wie tot geschlafen (jule hatte mir morgens gemailt, dass sie noch 75 km durch die wüste radeln müssen) + mich dann ggü. an der promenade auf eine bank gesetzt. & schon bald sah ich 2 radler kommen. stand auf (in langer jacke & schal um den kopf, also irgendwie inkognito), aber schon rief es „MAMA!“ – das war so schön. sie hatten gerade ihren 5000. km auf dem tacho gehabt! haben dann in der hotellobby schwarzbrot, aufstriche + vegane weihnachtskekse gegessen + sind dann zum wunderschönen meidan-e-imam in isfahan gegangen — nach dem platz des himml. friedens in beijing der zweitgrößte platz der welt + einer der schönsten, ich fand ihn schöner als den markusplatz. dort stießen wir gleich auf hamid, „king of the place“, der uns unaufgefordert führte, und auf leute, die die radler vorher schon getroffen hatten, das japanische paar aus der botschaft in trabzon, den älteren griech. radler konstantin — sehr nett. haben die lotfullah- oder frauen-moschee besichtigt, wunderschön, geld getauscht (1 € war 41.000 rial bzw. 4100 toman, ein paar tage später waren es schon 43.000). abends hatten „die jungs“ ein date mit ihrem couchsurfer im süden der stadt & wir mit meinem im hotel. er (ingenieur, knapp 40) war sehr hilfreich gewesen bei der preisrecherche für hotels (das geht ja im iran nicht per internet wie in anderen ländern, auch mails kommen meist nicht an oder zurück) + wir waren mit ihm zur schönen khaju-brücke & haben ihn abends in ein empfohlenes restaurant eingeladen. es gab ganz interessante gespräche, bis es auf das – wie jule sagte – übliche faible für hitler kam……

am 11.12. kamen die jungs zu uns + wir sind dann zum chehel sotun, dem palast der 40 säulen gegangen (persien hat eine große gartenkultur). an sich sind es nur 20 (jede aus einem zypressenstamm), aber sie spiegeln sich im wasser… hier habe ich das erste mal die schönen spiegelmosaiken gesehen, denen wir später noch mehrmals begegnen sollten, z. b. im golestan-palast. es gab auch schöne postkarten & eine hübsche teestube mit safran-eis. dann wieder zum großen platz, wo wir hamid gleich wiedertrafen. erstmal zum buchladen (wo ursulas buch im fenster stand!), diesmal ging es in die große imam-moschee (alles, was heute imam heißt, hieß früher schah) an der südseite des platzes, ggü. dem eingang zum basar am anderen ende. diese blauen & türkisen fliesen sind eine pracht, das war orient pur. wir haben dann in einem restaurant am platz um einen innenhof herum gegessen, überall wird man gefragt, woher man kommt, und ich denke, germany steht auf der beliebtheitsskala ganz oben – aus verschiedenen gründen: man hört immer wieder das „arische“ – sie grenzen sich ja sehr bewusst von den arabern ab – aber auch, weil deutschland keine ausbeutungsbestrebungen hatte bei öl, tabak und sonstwas, sondern viel zusammenarbeit vor allem auf technischer ebene. jedenfalls, als ich beim bezahlen am eingang (immer fürchterliche verwirrung mit den vielen nullen, zumal es mal um rial & mal um toman geht, die es offiziell gar nicht gibt) sagte „germany“, bückte er sich unter den tresen, holte eine hohner-mundharmonika hervor & spielte extra für mich – very touching. wir sind dann durch den basar, haben stoffdruckern zugesehen, waren hin & weg von der überfülle an gewürzen und haben nördlich des basars (total verwinkelt, es ging immer durch tunnel, krimifähig; ohne hamid hätten wir das nie gefunden) in einer gegend, die wohl im kommen ist, das isfahan traditional house gefunden – um einen innenhof & wunderschön. wir haben für den 12. dann reserviert und gleich die 1,4 mio. abgedrückt – das sind keine 30 €; das melal hotel am fluss hatte 50 gekostet.

am 12.12. sind marcel, jule und ich ins armenische viertel südlich des flusses, um dort die vank-kathedrale aus dem 17. jhdt. anzusehen. da gab es einen schönen shop, und drin dudelte „jingle bells“!! danach sind wir durchs jolfa-viertel + am fluss entlang zum hotel zurückgegangen, es war richtige wochenend-stimmung. überall familien und picknicks. jule + ich sind dann in das andere hotel umgezogen, das war für mich mit dem taxi ein horrortrip, denn der fahrer hatte null ahnung, null orientierung & sprach null englisch. wir haben die gr. isfahan-rundfahrt gemacht; die 3 radler warteten schon lange vor dem hotel + gingen bereits davon aus, dass er mich für 20 kamele eingetauscht hatte (blond!)……… dann ging es noch einmal alle läden entlang u. a. auf der suche nach briefmarken, und dann in ein restaurant im 1. stock mit tollen bunten glasfenstern, wo man auf einen diwan krabbelte, schuhe aus natürlich. dann war chillen angesagt, auf dem platz mit den mitgebrachten zeitungen. das ist übrigens eine große picknick-nation. ursula erzählte mir später, dass sie anfang der 80er mal in freiburg versuchten, ein visum für ali für eine reise nach frankreich zu besorgen + vor der botschaft auf dem rasen saßen, wofür sie dort sehr angemacht wurden!! heute auch anders…. gegen abend sind jule & ich mit hamid ein gr. stück bus nach norden gefahren zum kaveh terminal, um uns zu erkundigen wegen der weiterfahrt nach teheran am 13.12.- wir wollten gern in kashan einen zwischenstopp einlegen, weil das so schön sein sollte, und haben die tickets bis kashan gekauft. der 13. war ein ganz hoher feiertag, ähnlich karfreitag hier, 40 tage nach dem tod des imam hussein, & alle hatten frei (sonst wird ja sonnabend gearbeitet). es sollte um 10 h losgehen, 2,5 std. bis kashan, und an der hotelrezeption sagte man uns, wir sollten für die anfahrt zum terminal eher mehr zeit einplanen als an einem normalen werktag wegen des verkehrs- das war aber quatsch, um 8:45 h waren die straßen noch völlig frei, so dass wir um 9 h schon da waren. dann kam (gegen 10!) die spannende fahrradverladung, das fahrrad reiste teurer als sein besitzer (knapp 2 €/2,50). es ging durch karge wüste mit ein paar lehmziegelruinen + dann setzte man uns an der südlichen einfallstr. ab – weitab vom busterminal nach teheran, das hat mich doch sehr an costa rica erinnert! das ging so weiter, denn als wir so gegen 13:30 h am richtigen terminal waren, hieß es da zuerst, heute ginge kein bus mehr nach teheran. am zweiten schalter dann doch: 19 uhr. na, besser als nix! leider nur zum terminal teheran-süd, denn ursula hatte mir vorher gemailt, dass wir versuchen sollten, einen bus in richtung argentin (das ist der terminal im norden) zu buchen, weil das näher an ihnen dran ist – in der 15-mio.-stadt etwas anderes als in hannover…. christian verhandelte mit den leuten hinterm schalter, dass wir räder + gepäck dort einstellen konnten + blieb auch selbst zeitunglesend dabei. marcel, jule & ich nahmen ein taxi für 5000 (gut 1 €) in die stadt. und der fahrer war so nett!! ein pensionierter sportlehrer; machte uns den fremdenführer, wartete nach der moschee, um uns weiterzufahren – und die highlights hatten doch auf: das hamam, der boroujerdi palast, das tabatabai-haus (hier fand jule in einer seitengasse das lange gesuchte lonely planet büchlein mit farsi „phrases“) & der bag-e-fin, ältester garten persiens mit vielen quellen. als marcel & ich da wieder rauskamen, haben wir jule nicht gefunden – es stellte sich heraus, dass sie direkt am ausgang saß, umringt von jungen leuten, mit denen sie adresse & handy-nr. austauschte. so geht das da dauernd. wegen des feiertags war dann enormer rückreiseverkehr in richtung teheran, wir fuhren direkt am hellerleuchteten heiligtum der fatima von qom vorbei + es gab dann einige unfälle + staus auf der autobahn – offenbar klappt es doch nicht immer, wenn man sich nicht an die spuren hält.

um 22:30 h waren wir dann am südlichen busterminal in teheran, und ursula & ali haben uns sehr herzlich willkommen geheißen. sie hatten einen pickup für die fahrräder organisiert + einen kleinbus für uns alle. und es kam noch toller: sie wohnen seit ihrer übersiedlung aus hannover nach teheran 1990 im norden der stadt in einer doppelwohnung (zu jules großem amusement mit einer doppeltür im küchenschrank verbunden), so dass wir eine ganze wohnung für uns hatten – beide töchter sind inzwischen in deutschland. 1990 endete die stadt ungefähr hier, inzwischen geht sie wirklich direkt bis an die steile kante des elburus, und überall werden ältere häuser abgerissen + hochhäuser gebaut. ich habe geschlafen wie tot, + als ich am sonntag (14.12.) aufwachte, waren die drei schon weg in richtung indische botschaft + ursula & ali zur arbeit. aus dem wohnzimmer, nach norden, guckte man aufs schneebedeckte damavand-gebirge (5670 m), teil des elburus. mittags kam ursula zurück + wir haben uns nach einem kl. imbiss per sammeltaxi und metro (die linie 1 endet seit wenigen jahren dort im norden nahe des tajrish-platzes, noch vor 100 jahren ein bergdorf mit ziegenherden & -hirten) auf den weg in die stadt gemacht. alles (wie auch die museen) recht überheizt, irre lange züge, rappelvoll, das ganze zum spottpreis. in der city sind wir ausgestiegen (nahe der dt. botschaft, die früher im norden lag, heute ist das mitte) + sind mit jule in der zentralbank ins juwelenmuseum gegangen, nachdem wir die anderen 3 getroffen hatten – die jungs wollten sich die parolen an der ehem. US-botschaft ansehen. die juwelensammlung ist wohl die wertvollste der welt (eher durch zufall 1979 dageblieben, da sie immer in der bank aufbewahrt wurde): mehrere kronen, ein riesendiamant (180 karat) & ein globus von 60 cm durchmesser aus einigen kg gold mit gut 50.000 edelsteinen besetzt.- danach haben wir uns alle im café naderi getroffen, einem kultcafé aus den fünfzigern, wo eine musterstudentin von ursula mit dem schönen namen xxxx (Anm. der Redaktion: wir haben sie hier im Blog Fatima genannt) dazukam, die unbedingt ein paar deutsche treffen wollte (ursula ist frauenärztin wie ich, hat aber nach der übersiedlung in den iran noch ein germanistik-fernstudium gemacht + ist jetzt dozentin am spracheninstitut). es war sehr nett + es wurde beschlossen, am nächsten tag in die berge zu gehen! ali hatte dann etwas für uns gekocht + wir haben den tag glücklich, erschöpft und satt ausklingen lassen, in unserem „eigenen“ wohnzimmer – ursula mailte mir nach meiner rückkehr, dass sie sich sehr darüber gefreut hat, dass christian gegen ende sagte, er habe sich wie zuhause gefühlt. am montag (15.12.) ging der wecker um 10 vor 6 + dann ging es mit ali mit sammeltaxi los, wir haben keine halbe stunde gebraucht bis dort, wo der weg nach oben losging, eine klamm hinauf. fatima kam auf die minute dazu. und sowas glaubt man nicht: an dem weg, der einen kl. fluss begleitete, waren mehrere 100 restaurants aufgereiht, z. t. auch diwane im fluss, was bei hitze schön sein muss – da muss ja im sommer was los sein! an einem der obersten haben wir gefrühstückt; marcel & fatima sind weiter- und wir zurückgegangen + mit ali über den tajrish-basar gestromert + dann mit der metro zum golestan-palast (krönungssaal), wo im park papageien flogen. übrigens immer (bis auf den letzten tag) sehr sonnig und um die 16 grad – es kam mir nie wie dezember vor! danach sind wir über den gr. basar, wo ali sich seit kindheit an sehr gut auskennt, u. a. arbeitet da auch ein halbbruder von ihm, den wir besuchten. ein teil der unterhaltung ging an mir vorbei, ich meine, man hat versucht, jule zu verheiraten…… ;-)) mir riss an meiner kl. umhängetasche „fürs nötigste“ der henkel ab, schwupps zu einem mann mit einer gr. nähmaschine + schon war die tasche wieder heile. wir waren dann in einem restaurant am rande des basars, wo hinter uns 4 männer auf einem diwan lümmelten + wasserpfeife rauchten. dort kein WC zum draufsetzen, also habe ich an dem tag 10 std. ausgehalten…… nämlich bis zur wohnung von alis neffen (sohn des basaris), den wir dann noch besucht haben. das war auch eine erfahrung! seine frau, rebecca, behielt ihr kopftuch auf, aber ali sagte zu jule & mir, wir könnten unsere abnehmen. das habe ich später hinterfragt: na, wegen ali!! rebecca ist nur angeheiratet!! wäre sie blutsverwandt, hätte das kopftuch fallen dürfen! die 16j. tochter, die englisch gedolmetscht hat, hatte keins auf. es gab kaffee, obst & pistazien, + der kaffee war noch nicht alle, da gab es auch noch tee — sehr speziell, 6 leute, 3 sprachen & im hintergrund der fernseher mit einer türkischen serie (ohne kopftücher) —- dann hat uns der neffe im auto durch den dichten verkehr nach hause gefahren.- am dienstag (16.12.) mussten die drei reiseradler das dritte mal zur indischen botschaft + sollten ihr visum nun endlich bekommen, was auch geklappt hat. ursula hatte frei (sie haben uns wechselweise bespaßt, die guten seelen) + ist mit mir zum niavaran palastkomplex gefahren, der sommerresidenz des letzten schahs, dieses gebäude (das modernste) war allerdings geschlossen. wir haben die zweistöckige bibliothek gesehen und einen älteren palast aus der kadscharenzeit. auch hier viele grüne papageien, geräusche wie im regenwald! an dem tag war es etwas trübe + nieselte. teheran zieht sich über 1000 höhenmeter am hang hoch, die autos haben keinen kat, entsprechend sind smog + geruch, und hier oben im norden war immer schon die bevorzugte wohngegend, vor allem im sommer.- wir sind dann auch noch zum tajrisch-basar, haben die erfolgreichen visa-beschaffer getroffen, pistazien gekauft + sind dann nach hause, wo ali wieder toll gekocht hatte – reis (dort etwas bräunlich+ sehr schmackhaft) mit berberitze, das fand ich sehr lecker, etwas säuerlich, eine art tsatsiki, salat – ich hatte extra noch geld getauscht, weil ich alle am abend in ein vegetarisches restaurant einladen wollte, aber niemand hatte mehr hunger! so haben wir gepackt (ich habe viel nicht mehr benötigtes gepäck von den dreien mitgenommen, hatte einen koffer von 37 kg + eine reisetasche von fast 9 + habe von hier 2 umzugskartons an christians + marcels eltern verschickt), jule noch doppelkopf spielen beigebracht, uns ein stündchen aufs ohr gelegt + um halb zwei nachts kam mein taxi zum flughafen – wo ich die übrigen millionen auch nicht mehr ausgeben konnte….. über istanbul zurück, die drei sind 23 std. später dann nach kalkutta geflogen, dem himmel sei dank über afghanistan + pakistan hinweg — wieder mit dem pickup zum flughafen.

übrigens sind diese visabeschaffungen zu aller nerverei auch ziemlich teuer (meist um 75 pro nase), und da marcel nun erfreulicherweise als dritter radler fest dabei bleibt, ist weiterer spendenbedarf vorhanden…… ;-))

es war eine trotz der kürze sehr beeindruckende reise + ich denke, ich werde den iran nochmal bereisen, vielleicht mit der bagdad-bahn ab istanbul. ich wurde häufig gefragt „ist das nicht gefährlich?“ oder „das ist ja mutig“ – nein. stimmt nicht. abgesehen davon, dass einige leute iran mit irak verwechseln, ist es für touristen völlig ungefährlich. die gastfreundschaft + das freundliche entgegenkommen habe ich so noch nirgends erlebt + der zauber des orients + die enorme vielfalt sind höchst interessant. und nach dieser reise frage ich mich, ob die iranische revolution nicht von mehr leuten getragen wurde, als wir glauben mochten.