Iran Nr. 3

Aus der Feder von Chris:

9.12.

Was war ich froh, dass wir das mit der sternenklaren Nacht in der Wüste doch noch hinbekommen haben, denn die Jule hat schon die ganze Zeit davon geschwärmt wie gern sie das erleben würde. 🙂

Der kalte Morgen danach war leider weniger erfreulich. Bei einer solchen Kälte macht das Frühstücken einfach keinen Spaß: Es frieren einem bald die Finger ab, das Wasser ist so kalt, dass die Zähne wehtun und die Gaskartuschen können das teilweise gefrohrene Wasser kaum erwärmen. Zu allem Überfluss hatten wir nicht einmal genügend Brot dabei.

Unsere Drahtesel haben wir dann dennoch bestiegen und die relativ menschenleere Steppe (andere mögen es Wüste nennen) entschädigte für das karge Morgenmahl. Nur ab und an begegnete uns ein LKW, während wir auf der immer besser werdenden Schotterstraße unterwegs waren. Dann schließlich kamen wir zu einem Bautrupp, hinter dem die geteerte Straße anfing. Eines Tages wird wohl auch die restliche Piste befestigt sein und der Verkehr auch durch diese Gegend rollen. Bis dahin kann allerdings noch eine gewisse Zeit vergehen, denn die Bauarbeiten schreiten recht langsam voran, zumindest deutet der geteerte Teil der Straße darauf hin, da dieser vom ersten Kilometer an schon wieder mit Löchern durchsetzt ist.

Die Straße führte uns lange Zeit vorbei an einem riesigen Salzsee, an verlassenen Häusern und an viel Nichts. So leer wie die Gegend waren auch unsere Mägen, denn außer ein paar Keksen konnten wir ihnen Leider nichts anbieten. Nach insgesamt 58 Kilometern sind wir dann endlich in Varzaneh angekommen. Das war der erste Ort seit über 100km und er hatte auch gleich eine Imbissbude, wo wir uns mit Falafel und Pizza eindeckten. Mit gefüllten Mägen sind wir dann locker flockig weitergeradelt. Mittlerweile gab es auch wieder mehr Verkehr und grüßende Menschen um uns herum.

Heute sollte dann auch endlich einmal der große Tag sein, an dem wir in einer Moschee übernachten wollten. Wir hatten schon so oft gehört, dass diese Gotteshäuser auch Reisende aufnehmen würden. Wir hatten allerdings keinen Erfolg. Es versammelte sich zwar ein beachtliche Anzahl an Menschen um unser herum, die Räume blieben aber verschlossen. Stattdessen lud uns eine der herumstehenden Personen zu sich nachhause ein. Wie sich später herausstellen sollte, war es nicht sein Haus, sondern dass seines Schwagers. Wir haben natürlich trotzdem dankend angenommen. Sogleich wurde noch die Schwiegermutter herbeigeholt, die auch für uns kochte. Besonders interessant war, dass sie auch in der Wohnung den Tschador (der traditionelle schwarze Umhang) anbehielt. Wir hielten uns dementsprechend ebenfalls mit dem entledigen der Kleidungsstücke zurück und das obwohl unsere Gastgeber die Räumlichkeit wirklich beachtlich einheizten. Nach gefühlten 100 Tassen Tee und einem regen Austausch mittels der mitgebrachten Farsi – Deutsch-Vokabelliste, ging es mit über 100km Radstrecke in den Beinen, ins Bett.

10.12.

Heute also der letzte Radtag in diesem Jahr, an dessen Ende wir immerhin auf 68km kommen sollten. Erstmal galt es allerdings etwas für das Fotoalbum zu tun, denn schließlich hatten wir unseren 5000. Kilometer absolviert. Schon Mittags erreichten wir Esfahan, die mit 2 Millionen Einwohnern drittgrößte Stadt des Irans. An einer Ampel wurde ich von Jule und Marcel getrennt. Als ich wieder herankam, quatschten die Beiden mit einer Frau, was im Iran absolut nichts unübliches ist. Als ich dann allerdings noch näher heran kam, sah ich, dass unter dem Kopftuch Jules Mutter Britta steckte. Sie ist uns extra besuchen gekommen und wird uns die kommende Woche begleiten.

Als erstes rollen wir zu ihrem Hotel, welches sich auf der anderen Straßenseite befindet. Aufgrund der schwierigen Bebauung, müssen wir mit unseren Rädern aber einen kleinen Bogen machen. Als wir vor dem Hotel ankommen, steht Britta immer noch auf der anderen Straßenseite. Wir müssen lachen, denn so haben wir im Iran auch angefangen. Man muss lernen, dass man hier eben nicht wartet bis der Verkehr abreist oder ein Auto anhält um einen über die Straße zu lassen, denn beides wird nicht passieren. Stattdessen muss man einfach selbstbewusst und in konstanten Tempo über die Straße gehen, sobald es eine kleine Lücke gibt. Die Autos und Motorräder bremsen dann schon. Britta wird diese Lektion bereits am ersten Tag lernen. Fürs erste holt Jule ihre Mutter aber noch von der anderen Straßenseite ab, um sie mit hinüber zu nehmen.

Unser Besuch hatte auch dringend erwartetes Material mit. So konnten wir mal wieder eine richtige Brotzeit machen mit veganen-bio-Aufstrichen, Brot und Brötchen sowie selbst gebackenen Keksen. Richtig Klasse! Vielen Dank dafür! 😉

Nach dem Essen gab es erst einmal einen kleinen Stadtspaziergang zum angeblich zweitgrößten Platz der Welt. Eingerahmt wird dieser von herrlich verzierten Häuserzeilen, in denen sich eine Menge Verkaufsstände befinden. Aber nicht nur das. Der Platz scheint auch ein Magnet für zahlreiche Touristen zu sein. So habe wir u.a. eine Frau, die wir in Yazd kennengelernt hatten, wiedergetroffen und den griechischen Reiseradler Konstantin kennengelernt, von dem uns bereits unser Host in Tabriz berichtet hatte. Während ich noch mit dem Pedaleur quatschte besichtigten die anderen drei eine anliegende Moschee, in der sie die Japaner sahen, die wir sowohl in Trabzon, als auch in Yazd getroffen hatten. Wie klein ist doch die Welt?!

Konstantin ist ein außergewöhnlicher Reiseradler. Trotz seiner geschätzten 60 Jahre begibt er sich alleine auf einem Zweirad in Richtung Indien und das mit einem herkömmlichen Rad für schlappe 300€!!! Besonders unfair: Mit seinem billigen Fahrrad hatte er bislang keinerlei Problem. Nicht zu fassen.

Abends ging unsere Reisegruppe dann getrennte Wege. Während Jule und Britta im Hotel eincheckten, suchten Marcel und ich unseren Host (Mehmet) auf. Schnell hatten wir ihn gefunden, doch wir mussten erfahren, dass wir nicht bei ihm, sondern bei einem Kumpel (Ali) übernachten würden. Auch wohnt dieser nicht in der Nähe des Treffpunktes, sondern 5km den Berg rauf. Wir haben also unsere Räder nach oben gebuckelt während die beiden Hosts Taxi gefahren sind.

Ali zeigte uns im Laufe unseres Aufenthalts seine Bilder, die er gemalt hat. Viele dieser Werke verkauft er wohl auch als Zuverdienst zu seinem Studium (Teppichdesign). Nach einigen netten Gesprächen ging es für uns ab in die Heia.

11.12.

Große Städte und Sightseeingprogramm, das ist so eine Sache mit Christian. Würde Jule jetzt schreiben, dann würden bestimmt detaillierte Bilder von wunderschönen Moscheen und Palästen in euren Köpfen entstehen. In der tat sind Gebäude wie die Blaue Moschee auch unglaublich aufwendig und schön verziert. Es ist wirklich spannend so etwas mal zu sehen und an einem Platz zu sein, der so viele Menschen von höchster Bedeutung ist. Bei Palästen aber schalte ich weitgehend ab. Für mich sind das ein paar protzige Hütten, die sich die reichen Herrscher einst hingestellt haben, während die Bevölkerung kaum genug zum Essen hatte. Das ist für mich in etwa so, als würde ich heute zu den Villen der Aldi-Familie Pilgern oder das Anwesen der kik-Manager besichtigen. Ihr mögt vielleicht lachen, aber ich bin mir absolut sicher, dass die Menschen in 100 Jahren eben das machen werden.

Zum Mittag Essen hat uns Britta heute in ein traditionell iranisches Restaurant eingeladen, welches interessanter Weise sogar einen Weihnachtsbaum besaß. Das Essen war gut und den Deutschen Gästen wurde auch gleich eine Deutsche Fahne auf den Tisch gestellt.

Am Abend sind Marcel und ich mit unseren Hosts durch die Straßen gezogen. Folgt man ihnen nur 15 Minuten, so drängt sich bereits das Gefühl auf, dass Mehmet und Ali in Esfahan ungefähr die Hälfte der Menschen kennen. Überall halten sie einen kurzen Plausch und quatschen mit den Leutchen, die wohl vornehmlich Künstler sind.

12.12.

Heute ist wieder nichts spannendes passiert bei Marcel und mir. Einzig erwähnenswert ist, dass wir im Internet waren, weil das nicht alle Tage klappt.

Britta und Jule hatten da schon mehr Action, da sie noch einmal das Hotel gewechselt haben. Während wir Jule auf dem Fahrrad begleitet haben, hatte Britta noch eine ungewollte Stadtführung mit dem Taxi bekommen. Vielleicht wird Britta noch einen Gastbeitrag für unsere Homepage schreiben. Dann bekommt ihr einige Geschichten noch ausführlicher zu lesen, da die beiden Damen ja doch oft ein etwas anderes Programm als wir hatten.

Am Abend noch eine böse Überraschung. Mehmet, der inzwischen mit seinen Freunden nach Shiraz gefahren war, hat uns angerufen und gesagt, dass wir für die Übernachtungen Geld zahlen sollen an Ali. Das ist natürlich eine Unart, denn so etwas macht Plattformen wie Couchsurfing kaputt. Dazu wollten wir auf keinen Fall einen Beitrag leisten, was wir Ali (bei dem wir ja eigentlich übernachteten) auch klar machten. Er hatte damit kein Problem. Dennoch machte es die gute Stimmung zwischen uns etwas kaputt. Die letzten Tage waren eigentlich recht lustig und so hatte Ali unter anderem auch einige kleine Bilder extra für uns gemalt. Um uns dennoch irgendwie erkenntlich zu zeigen, haben wir ihm dann unsere Peace-Fahne dagelassen, welche den weiten Weg von Freiberg bis nach Esfahan zurückgelegt hatte. Ali, welcher selber mit vielen Peace-Symbolen hantiert, hat sich darüber auch sehr gefreut. Vielen Dank für die tolle Zeit!

Eine Geschichte bleibt noch, die zu unserem Host erzählt werden muss: Am ersten Abend hat er uns den Kreidekasten hingereicht und jeder durfte eine Farbe wählen. Dann hat er an seine Wand ein Rechteck gezogen und wir konnten frei drauf losmalen. Das ganze wurde noch signiert und fertig. 🙂

13.12.

Heute sollte es nun also mit dem Bus wieder nach Teheran gehen. Um Jules Mutter auch mal etwas anderes als immer nur die großen Städte zu zeigen, haben wir noch einen Zwischenstopp in Kashan eingelegt. Das Städtchen hat eine ähnliche alte Bausubstanz wie Yazd, hab ich mir von den Anderen sagen lassen. Gesehen habe ich das Städtchen nämlich nicht, da ich auf das Gepäck und die Räder auf dem Busterminal aufgepasst habe. War auch mal schön einige Stunden Zeit zum lesen und Postkarten schreiben zu haben.

Die Weiterfahrt nach Teheran war dann sehr staureich. Grund dafür war ein Feiertag, der dem Imam Hussein gilt, welcher vor vielen Jahrhunderten ermordet wurde und einer von 12 Nachfolgern Mohammeds ist. Ihm galten auch all die Schwarzen Trauerfahnen, welche wir während unserer Reise durch den Iran gesehen hatten.

In Teheran kamen wir dann auch sehr spät an und wurden am Busterminal von Ursula und Ali, bei denen wir die restlichen Tage verbringen sollten, in Empfang genommen. Ursula ist eine alte Freundin von Britta und vor mehr als 20 Jahren zusammen mit Ali (gebürtiger Perser) und den beiden Töchtern in den Iran ausgewandert.

Die Beiden hatten einen Pick-Up bestellt, auf den unsere Räder und das Gepäck verladen wurden. In einen weiteren Minibus wurden dann wir verladen. 🙂

Ali und Ursula haben uns eine Hälfte ihrer wunderschönen Wohnung zur Verfügung gestellt. Besonderes Highlight für den geplagten Radreisenden war eine europäische Toilette und eine Badewanne. Super Sache!

Da es schon spät war und am nächsten Tag die indische Botschaft auf uns wartete, ging es dann husch husch ins Bett.

14.12.

Die zweite Nacht in Folge viel zu zeitig aufstehen. Obwohl wir in Teheran ja fast schon U-Bahn-Profis sind, hat uns Ali bis zum Gleis gebracht. Das ist nur ein Beispiel der Fürsorglichkeit die uns in den nächsten Tagen noch zu Teil werden sollte. Es war fast ein bisschen wie Zuhause bei den Eltern und Großeltern. 🙂

Weniger fürsorglich ging es auf der indischen Botschaft zu. Es herrschte die gewohnt miserable Stimmung, ohne die Anscheinend keine Visa-Ausstellung abläuft. Immerhin bekommen wir heute ein festes Datum gesagt, wann unsere Visen abholbereit sind. Einziges Manko: Es ist nach unserem Abflug. Nach kurzen Verhandlungen können wir es aber wohl auch 2 Tage eher bekommen. In der Botschaft spricht Jule außerdem noch mit einem Niederländer der gleich wieder geht, als er hört wie schwierig man hier sein Visum bekommt.

Nachdem der wichtigste Tagespunkt absolviert ist, besorgen sich Jule und Marcel nach einer langen Odyssee durch die Stadt Bücher. Später gehen dann Ursula, Britta und Jule ins Juwelen-Museum, während Marcel und ich die alte Amerikanische Botschaft anschauen. Letztere wurde nach der islamischen Revolution (Ende der siebziger) besetzt und geschlossen. Heute verziert antiamerikanische Hetze die Botschaftsmauern. Allerdings hatten wir uns die deutlich umfangreicher vorgestellt. Da haben wir einige Male schon schlimmere Sachen gesehen.

Beim Kaffee trinken waren wir dann wieder vereint und hatten auch noch Zuwachs bekommen. Fatima hatte sich uns angeschlossen. Das junge Mädchen war sehr aufgeweckt und trug das Kopftuch kaum noch über den Haaren. Immer wieder rutschte es sogar komplett runter und das war nicht ungewollt.

Am Abend hat dann der liebe Ali für uns gekocht und wir haben zusammen gegessen.

15.2.

Keine 72 Stunden her und mir fällt auf Anhieb nicht ein was wir gemacht haben. Ah doch da kommt es. Ich hab nachts noch lange mit Zuhause geskypt. Lieben Gruß an die Mama und die Schwester. 🙂

Entsprechend lange hab ich dann auch am Morgen geschlafen und den Tag für Internetrecherche genutzt, was ich mir schon sehr lange vorgenommen hatte. War mal wieder richtig schön. Die anderen sind noch vor dem Sonnenaufgang aufgestanden und in Richtung der Berge aufgebrochen, die direkt an Teherans Norden angrenzen. Marcel und Fatima sind eine etwas größere Strecke gelaufen und wohl relativ einsam in den Bergen gewesen. Ab und an zeigen Totenkopfsymbole, dass die Strecke wohl recht gefährlich ist, was aber nicht stimmt. Ein Highlight war eine 200m Rutschpartie über den Schnee. Eine schöne Aussicht über Teheran hatten Fatima und Marcel aber wohl nicht, denn über Teheran lag eine riesige Smogwolke, die bloß bei Regen und Wind durchbrochen wird.

Jule, Ali und Britta sind auch ein Stückchen gewandert, aber nicht all zu viel. Sie hat es stattdessen auf den Basar gezogen. Am Abend haben die lieben dann berichtet, dass sie Jule fast verheiratet hätten. Das ist tatsächlich kein Scherz und war richtig ernst. Jedenfalls von der Partei des Mannes. Ein Ladenbesitzer auf dem Basar hatte anscheinend gegenüber Ali geäußert, das er Jule für seinen Sohn als passend empfinden würde. Eben jener wurde dann auch kurz hergewunken, ehe der Vater nach einer Minute seinen Sohn wieder weggeschickt hat, da er nicht so lange auf Jule schauen sollte. Es wurde noch geklärt, dass beide die Sprache des jeweils anderen binnen 3 Monaten lernen sollten und dann kann geheiratet werden. Letztendlich sind Britta, Jule und Ali dann aber doch gegangen. Die beiden Mädels hatten die Unterhaltung wohl nicht richtig verstanden und Ali hatte anscheinend Spaß daran, auch wenn er Jule natürlich niemals verheiratet hätte. Kann er auch nicht, denn sie muss ja schließlich noch ein bisschen mit uns radeln. Was dann in 5 Monaten passiert ist mir egal. 🙂

16.12.

Heute war nun also der große Tag des Visum Abholens. Das ganze hat dann auch ratzbatz und zügig geklappt. Einziges Manko wir haben nur 30 Tage Visa bekommen anstatt der beantragten 90 Tage. In der kurzen Zeit müssen wir auch noch das Myanmar-Visum beantragen und Besuch bekommen wir ja auch. Damit steht dann wohl auch fest, dass wir auch in Indien mal wieder den ÖPNV testen müssen. Besonders ärgerlich ist, dass es seit November in Indien ein Visa on arrivel für 30 Tage gibt. Wir hätten uns den ganzen Ärger mit der indischen Botschaft in Teheran also sparen können. Nun ja, so ist das Leben eben. Beeindruckend ist auch, dass die äußerst unfreundliche Dame, die die Visen bearbeitet sich innerhalb von zwei Wochen eine regelrechte Festung gebaut hat. War bei unserem ersten Besuch nur ein Fenster zwischen uns, hatte sie beim zweiten bereits ein Gitter davor und Tresen so vor das Fenster gestellt, dass nur noch eine Person durch den schmalen Gang nach vorne treten konnte. Bei unserem letzten Besuch wurde dann sogar noch das Gitter mit Papier abgeklebt, so dass man die Person mit der man redet nicht mehr sehen kann, außer wenn man sich bückt und durch einen Schlitz schaut. Unglaublich!

Die Botschaften haben aber auch einen Vorteil: Man trifft immer nette Reisende. Dieses Mal war es der Pedaleur Sascha, welcher gut einen Monat vor uns in Deutschland aufgebrochen ist. Er wartet bereits 4 Wochen auf sein Visum und war dementsprechend auch bereits ein wenig verärgert. Immerhin hat er nun die Zusage den Wisch 6 Tage später abholen zu dürfen. Sollte er ebenfalls bloß 30 Tage Visum bekommen, dann wird er wohl auch nach Kalkutta kommen und wer weiß, vielleicht pedalen wir dann ein wenig zusammen, denn auch Sascha würde gerne durch Myanmar radeln.

Wer mehr über Saschas Reise erfahren will, der kann das unter folgender Homepage tun:

www.saschasreise.wordpress.com

Nachdem wir das Visa nun in der Tasche hatten haben wir uns noch…

Wir unterbrechen den Beitrag für folgende Eilmeldung:

Ich sitze gerade im Flugzeug und die Dame mit dem Getränkewagen kommt vorbei. Sie bietet Saft, Tee und Wasser an. Auf meine Nachfrage hat sie aber tatsächlich auch ein Bier!!!!!!! BIER!!!!!! Wie lang musste ich warten um endlich wieder ein Bier genießen zu können? In Kars (Türkei) hatte ich den letzten Hopfenblütentee inhaliert und nun ist es wieder einmal so weit. Ein wirklich toller Moment, noch mit dem Flug und dem ganzen drum herum. 🙂

…mit Britta und Ursel auf einen Kaffee in der Stadt getroffen, 2Kg der legendären iranischen Pistazien gekauft und die letzte von vielen Falafeln im Iran reingepfiffen. Dann ging es mit dem Sammeltaxi für umgerechnet 20 Cent pro Person zurück zu unserer Unterkunft, dort hatte Ali überraschend bereits Reis und Kartoffeln zubereitet. Nun hat es sich gerecht, dass ich wie zuletzt üblich gleich 2 Falafeln genommen hatte. Aber ich hab mich natürlich dennoch tapfer geschlagen. 🙂

Für Jules Mutter hat sich an dem Abend auch noch ein lange gehegter Traum erfüllt und so konnte sie mit ihrer Tochter Doppelkopf spielen (Jule musste extra noch die Regeln lernen). Um 1:30 Uhr verabschiedeten wir dann Britta in Richtung Deutschland. Schön dass du da warst und unsere Reisegruppe bereichert hast! 🙂

Und noch mal vielen Dank, dass du die ganzen Wintersachen, die wir nun nicht mehr brauchen mitgenommen hast.

17./18.12.

Vormittags haben wir gemütlich rumgegammelt und dann sind wir noch einmal mit Fatima Mittag essen gegangen und zwar in ein vegetarisches Restaurant. Das ist in einem Fleischesserland wie dem Iran durchaus etwas besonderes. Neben gutem Essen hatten wir auch viele interessante Fragen auf dem Tisch. Eine war an uns gerichtet: „Würdet ihr, wenn ihr im Iran geboren seid, in dem Land bleiben oder ins Ausland gehen?“ Eine sehr schwierige Frage, die wir unmöglich beantworten konnten und können, da wir einen viel zu geringen Einblick haben in den Iran und das dortige Leben. Aber es ist eine Frage die viele junge Menschen umtreibt und bewegt. Auf der einen Seite lockt die große Freiheit. Auf der anderen Seite möchte man nicht alles aufgeben müssen. Wir sind sehr froh, dass sich uns eine solche komplizierte Frage nicht stellt.

Nach dem Essen ist vor dem Essen und so hat der liebe Ali schon wieder für uns alle gekocht und dieses mal Reis mit Omelett. Wir haben noch einige nette Gespräche und wir wären sehr gerne noch viel länger geblieben bei Ursula und Ali, denn wir haben die Beiden wirklich sehr lieb gewonnen, doch unsere Reise geht weiter und das ist ja auch schön. Vielen, vielen lieben Dank euch auch auf diesem Weg noch einmal! 🙂

Mit einem Minibus fahren wir zum Flughafen. Hier wird das einchecken und die ganzen Sicherheitskontrollen zu einer waren Geduldsprobe. Erst polstern wir die zerbrechlich Teile unserer Räder mit etwas Pappe und Panzertape. Anschließend heißt es anstellen in die ewig lange Schlange bei der ersten Sicherheitsschleuse. Fahrräder scheinen hier nicht all zu häufig vorbeizukommen, jedenfalls waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim einchecken überrascht, dass unsere Räder nicht extra kosten, sondern in die 30kg Freigepäck eingerechnet werden. 40€ mussten wir dann allerdings doch noch Löhnen für das einpacken der Fahrräder, welche in Folie eingewickelt wurden. Der Preis ist ok, dafür, dass wir die Räder mitnehmen können. Wir können die Fluggesellschaft Emirates für den Radtransport hiermit empfehlen.

Bei der vierten und damit letzten Sicherheitsschleuse mussten wir dann leider noch Jules Fahrradschloss zurücklassen. Es war für das Handgepäck leider nicht gestattet. Wird hatten das Schloss und fast alle anderen schweren Sachen überhaupt erst in das Handgepäck getan, damit wir unter den 30kg bleiben. Jedes weitere Kilo hätte sonst 20$ bedeutet.

Nichts desto trotz saßen wir dann rechtzeitig (4 Uhr nachts) im Flugzeug. Es war allerdings wirklich knapp und wir hatten die 5 Stunden, die wir auf dem Flughafen verbracht hatten, voll ausgereizt.

Außer nach Bulgarien bin ich generell noch nie geflogen und so ist das ganze Flughafenprozedere mit seinen startenden und landenden Flugzeugen schon etwas Besonderes für mich. Da fahren Tanklaster herum. Kleine Wägelchen holen Gepäck ab und bringen neues und generell herrscht reges Treiben. Vom Flugzeug aus sehen wir dann die Lichter, welche ganz klein am Boden zu sehen sind. Es ist wirklich überraschend wie viele Menschen überhaupt da unten wohnen, hatten wir doch den Eindruck, dass der Iran eher spärlich besiedelt ist.

Während wir durch die Dunkelheit fliegen und an den Lichtern von Esfahan vorüberziehen, gehen meine Gedanken zurück. Sie bleiben hängen bei den Menschen, die wir im Iran kennengelernt haben. Wir haben viele spannende Momente zusammen erlebt und von ihnen erfahren wie das Leben im Iran ist. Nun fliegen wir einfach davon und unsere neuen Freunde lassen wir zurück, wohl wissend, dass sie nicht einfach mit dem Flugzeug das Land verlassen können und das wir die Meisten von ihnen nicht mehr wiedersehen werden. Es ist ein seltsames Gefühl, welches sich nur schlecht in Worte fassen lässt und deswegen hier auch nicht wiedergegeben werden kann.

Nach etwa einer Stunde wird es am Horizont immer heller. Wir fliegen gleichzeitig immer noch über den Iran, der unter uns liegt und schwarz wie die Nacht ist. Wirklich atemberaubend das einmal so zu sehen. Dann taucht da plötzlich der persische Golf unter uns auf. Es wird heller. Wellen sind schemenhaft zu erahnen. Und dann sind da die ersten großen Boote und Ölplattformen. Wenig später taucht wie aus dem nichts die Küste Dubais mit ihren Wolkenkratzer auf. Im gleichen Moment sind da auch die kleinen Schäfchenwolken unter uns. Ein unfassbar geiler Anblick über die Häuser und die sechsspurig Straßen zu fliegen. Von oben kann man gut sehen, dass Dubai eine sehr junge und am Reißbrett geplante Stadt ist. Alles ist rechteckig und die Teerstraßen werden bereits lange vor den Häusern in den Wüstensand gesetzt. Einige dieser Straßen erobert sich die Wüste sogar schon wieder zurück.

Unser Flugzeug sinkt immer weiter und dann setzen wir in Dubai auf. Der Flughafen ist einfach nur gigantisch. Wir warten einige Stunden im Flughafen und nutzen die Zeit um zu schlafen und Bericht zu schreiben. Dann geht es in den zweiten Flieger. Leider haben wir nun Wolken und können nur gelegentlich sehen was unter uns vor sich geht.

In Kalkutta müssen wir dann noch lange warten, ehe unsere Fahrräder gebracht werden und wir mit Ebolatest und anderem Papierkram fertig sind. Als wir die Räder bekommen sind wir einigermaßen schockiert, denn bei Marcel ist ein Lenkerhörnchen abgeschliffen. Jules Rad hat es sogar noch härter erwischt. Ihr Lenkerhörnchen wurde beim Flug abgebrochen. Gut es hätte schlimmer kommen können, aber mit kaputten Lenkerhörnchen hatten wir einfach nicht gerechnet, dafür hatten wir etliche andere Teile gut abgepolstert.

Nachdem wir alles beisammen haben, kümmern wir uns um den Transport zu unserem Hotel. Da dieses 16km entfernt liegt, es bereits Nachts ist und wir eine gehörige Portion Respekt vor dem Straßenverkehr in der 4,5-Millionen-Einwohnerstadt haben, wollen wir nicht radeln. Der Zug nimmt leider keine Fahrräder mit und auch in die Taxis passen die Räder nicht hinein. Kurzerhand wird ein Jeep herbeigeholt, welcher auch zu klein ist. Anschließend rollt ein kleiner Pick-Up vor, wo dann tatsächlich alles verstaut werden kann. Der Beifahrer und Marcel sogar auf der Ladefläche. Das Gefährt rollt an und nach 100m ist Schluss. In der Mitte der dreispurigen Straße gibt der Pick-Up den Geist auf. Nach einer ganzen Weile rollt das Gefährt wieder und wir kommen, unverschämte 40€ ärmer, am Hotel an, wo uns Jules, Paulina und Katharina in Empfang nehmen.

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