Christian says:

Hallo liebe Leute,

regelmäßig erhalten wir Mails, SMS oder Homepage-Kommentare, wo denn der neuste Bericht bleibt. Wir denken dann immer: Wir haben doch vor ein paar Tagen erst geschrieben, wie kann man denn schon wieder einen Bericht haben wollen?! Dann schauen wir auf das Datum und siehe da: es ist doch schon wieder 10 – und nicht bloß ein paar Tage her! Eure Wahrnehmung scheint also auf alle Fälle besser als unsere. 😉

Gerade sitze ich also unter dem Dach einer Raststätte, unter dem wir heute schlafen. Jule schreibt noch Tagebuch und Marcel liegt schon im Bett – also auf unserer Plane.

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Neben uns steht eine Gaslampe, die uns der Besitzer der Raststätte netterweise hingestellt hat. Vielen Dank dafür! Erwähnt werden muss dabei, dass Jule vor allem, was Feuer macht, Angst hat, sich aber doch irgendwie davon angezogen fühlt. 🙂

Wo waren wir also stehen geblieben? Ach ja! In Galata beim Hotel Albizia (welches wir uneingeschräkt empfehlen können). Jule konnte am Morgen des 15. Oktober tatsächlich im Whirlpool auf dem Dach sitzen und den Sonnenaufgang beobachten.

DSCF3289Ich hatte bereits in der Nacht das Vergnügen, wo er allerdings noch deutlich kühler war. Auch konnten wir am Strand vor dem Hotel schön baden gehen, Muschelschätze suchen sowie mit Sand und dem Wasser eines kleinen Baches am Strand spielen. Ich hab einen riesigen Staudamm gebaut, wie in alten Kindertagen an der Ostsee, bloß größer. Hat echt Spaß gemacht. 🙂

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Jule hatte ebenfalls Spaß, denn sie durfte noch eine neue Speiche in ihr Fahrrad einsetzen. (Anm. der Korrekturleserin: das war zwar knifflig, ist aber ein tolles Gefühl, weil ich das bisher noch nicht selber gemacht hab. Und jetzt kann ich das =) Und jetzt wissen wir, dass unser Tourwerkzeug auch richtig taugt. Danke nochmal ans Bikeeck für das Werkzeug und die Last-Minute-Lehreinheit!!)

Nicht vorenthalten wollen wir euch einen Werbeflyer des Hotel Albizia:

„Nessebar

Früher berühmt mit dem Namen Messembria, heute Nessebar nutzt seine griechische, thrakische und romanische Vergangenheit aus.

Die alte Stadt findet sich auf einer felsigen Halbinsel.

Aber heute nur ein Drittel von der alten Nessebar kann man sehen. Der Rest wurde vom Schwarzen Meer verschlungen. Erkannt sehenswürdige Stadt innerhalb von Jahren 1950, die alte Nessebar ist eine eingeschlafene Stadt geworden, wo nur die Verliebten auf den engen Straßen mit Töpfer und Goldshmiede Geschäfte wandern.

Nessebar, der auf seine Vergangenheit stolz ist, geht heute auf die Zukunft in seiner neuen Version – eine moderne Arhitektur, Hotels, die jedes Jahr eine menge von angezogenen von den gerämigen Stränden und fein vergoldeten Sandes Touristen schützen. Seine 2200 Stunden mit Sonne pro Jahr und das tiefe Gefühl, seine Ferien in Nessebar zu verbringen, ist wie ein Stück des Erbes der Menschheit zu probieren. Außer der alten Stadt und den Stränden können sie das archäologische Museum besuchen, indem viele Gegenstände von Messambria – Messembria – Nessebar – Des Altertums, des Mittelalters und der Renaissance ausgestellt sind.“

Was freu ich mich, dass ich mal jemanden gefunden habe, der offensichtlich noch schlechter Deutsch kann als ich. 🙂

Nach einem schönen chilligen Vormittag ging es nun also den Hammerberg, den wir Tags zuvor runtergefahren waren, wieder rauf. Kaum oben, haben wir auch gleich wieder Mittagspause gemacht. Hehe.

Dann noch ein paar Kilometer geschrubbt und nach derer 40 ging es ab in den Waldweg: Schlafplatz suchen und finden. Dort ist nicht mehr viel passiert, außer der Gottesanbeterin, die Marcel weggeschafft hat. Jule hat im Hotel mal die familiäre Notdoktorseilschaft angerufen, danach ein paar Mal Fieber gemessen und festgestellt, dass sie keine Hirnhautentzündung, sondern nur Nacken hat. Nach dem Whirlpool und dem halben Tag am Strand war das dann schon wieder besser, wiederum aber nach dem Hammerberg und dem geschrubbten Nachmittag wieder ziemlich mies. Um ihren Rücken und Nacken wieder in Ordnung zu bringen, muss Jule jetzt immer Turnübungen machen, wenn wir irgendwo ankommen. War ja auch klar: vor der Reise musste sie auch schon immer zum Pilates rennen, um den Rückengott zu besänftigen. Da wäre es ein Wunder, wenn durch eklatant einseitiges Radfahren und nichtgute Nackenhaltungen keine Probleme auftreten würden.

16.10. Rudnik – 10 km hinter Nessebar

Am nächsten Morgen sind auf unserem kleinen Waldweg zwei Pferdekarren entlanggezuckelt. Die Leutchen haben sich sichtlich gefreut, dort campende Menschen zu entdecken.

Für uns gab es nach 8 Tageskilometern bereits die erste Pause. Es stand um 10:30 Uhr ja schließlich ein Pressetermin mitten im Wald an. Nicht, dass da jemand auf uns gewartet hätte. Nein, das lang geplante telefonische Interview mit der Deutschen Welle fand nun also endlich statt. Beim Ausgefragt Werden haben wir aus Effizienzgründen nebenbei gleich noch Pilze gesucht. 🙂

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Aus dem Interview wird im Übrigen ein chinesischer Text verfasst und dann veröffentlicht. Sobald das passiert, werden wir es hier auch posten, auch wenn ihr den Text wohl genauso wenig lesen könnt wie wir.

Zu bieten hatte der Tag heute außerdem wieder Meerblick und leckeres Brot mit eingebackenen Schafskäse für umgerechnet 50 Cent. Ganz toll war auch ein Anstieg, welcher sich über 10km erstreckte und uns 430 Höhenmeter nach oben schickte. Seit dem zweiten Reisetag die größte Herausforderung. Wäre Ena noch dabei, hätte sie wohl gesagt „Das war ein guter Berg“. 🙂

Besonders für Jule, die ja über Nackenschmerzen klagte, war der Berg aber eher eine Qual und wir waren froh, als wir es hinaufgeschafft hatten…

Anmerkung der Redaktion:

Während wir hier unverändert sitzen, hat sich ein riesiger Hund 3 m hinter uns unsere Kekse geschnappt und ist damit abgehauen. Sehr dreist. Mal gucken, was morgen früh alles fehlt.

…Nach dem Anstieg gibt es natürlich auch eine Abfahrt und die hat uns in ein Tourismusgebiet ungeahnten Ausmaßes geführt. Rund um Nessebar steht hier ein Hotel neben dem anderen und es werden immer mehr. Nessebar selbst habt ihr ja auf dem tollen Flyer bereits kennengelernt und es steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe. Klar, dass wir dorthin auch einen Abstecher machen würden. Die Insel, auf der die Stadt liegt, weiß mit schönen Gässchen und für unsere Fahrräder schädlichen Pflastersteine zu überzeugen. Außerdem konnten wir hier Postkarten tanken und diese dann an die lieben Menschen Zuhause versenden.

Nach einem kurzen Aufenthalt ging es unter Einsetzen der Dunkelheit auf die Suche nach einer geeigneten Schlafstelle. Der einzige eingezeichnete Campingplatz entpuppte sich als gammlige Bungalowsiedlung. Der äußerst unfreundliche Besitzer dieser Hüttchen wollte pro Person unfassbare 7,50 € haben und ließ selbst bei einsetzendem Regen nicht mit sich verhandeln. Für das Meerhotel mit Jacuzzi auf der Dachterrasse haben wir nicht mehr bezahlt…. Noch bevor wir uns entschieden hatten, schloss er demonstrativ das Tor vor uns zu und verschwand. Na toll.

Mitten im Tourismuszentrum lässt es sich auch schlecht wildcampen und dennoch haben wir hinter einem Hügel und hinter einer Tomatenplantage nur 20m vom Schwarzen Meer entfernt ein Plätzchen gefunden. Schnell das Zelt aufgebaut und dann rein in selbiges, denn es fing unfassbar an zu draschen und zu gewittern. Geschlafen haben wir im übrigen heute zum ersten Mal zu dritt in Jules Zelt, weil dieses bessere Tarnfarben hat und unser Plätzchen doch nicht ganz versteckt war. Das ist auch der Grund, warum wir am nächsten Morgen einen neuen Startrekord hingelegt haben- zum Sonnenaufgang war Jule schon wieder aus dem Zelt und bei den Mücken.

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Tageskilometer: 78

17.10. Nessebar – Burgas

8:49 Uhr saßen wir bereits in unserem Sattel und auf einer Straße auf der wir zwar nicht hätten fahren dürfen, die aber dennoch sehr gut befahrbar war, ging es nach Burgas, wo wir noch am Vormittag ankamen.

Da Jules Nackenschmerzen noch immer erheblich waren und sie dringend eine längere Pause brauchte, wir jedoch etwas unter Zeitdruck stehen, haben wir uns entschlossen, die verbleibenden gut 300km bis Istanbul nicht mit dem Fahrrad zurückzulegen und dann dort eine längere Pause zu machen. Also haben wir uns nach einer Fähre umgesehen, die in unserer Autokarte eingetragen war. Anscheinend hat selbige aber noch nie existiert, weswegen wir auf den Bus ausweichen mussten. Gebucht war der bereits 12:30 Uhr und nun hatten wir bis 23:30 Uhr in Burgas Zeit. Was macht man nur am Meer bei ca. 25 Grad und Sonnenschein…? Richtig! Man fährt zum Strand, geht baden und setzt sich mit einem Bierchen der Marke Staropramen ins Wasser.

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Anmerkungen der Redaktion: Wir möchten uns bei der Staropramen-Brauerei für das Sponsorengeld bedanken, dafür, dass wir ihren Namen erwähnt haben. 🙂

Nach dem Baden ging es für uns Essen, Trinken und im Internet des Restaurants surfen. Die Bedienung erwies sich als überaus unfreundlich und machte uns deutlich, dass wir gehen sollten, indem sie uns mehrmals die Rechnung auf den Tisch legte. Wir bedankten uns mit dem Klau einer Rolle Toilettenpapier.

Bulgarien ist echt nicht unser Land. Hier hatten wir immer mal mit unfreundlichen Menschen zu tun. Vermutlich hatten wir einfach nur Pech und waren in zu touristischen Gegenden unterwegs. Wir waren allerdings auch etwas verwöhnt von Serbien und Rumänien.

Jedenfalls war es ganz gut, dass wir nun mit dem Bus das Land verlassen würden. Bevor das geschah, galt es jedoch noch das Vorderrad und den Sattel zu demontieren, weil die Räder sonst nicht in den Bus gepasst hätten. Die Busfahrer waren von uns und unserem ganzen Gepäck auch sichtlich genervt. Wir waren es von den Busfahrern, die unsere armen Fahrräder recht lieblos behandelten. Gut, dass wir die empfindlichen Teile der Reiseräder vorher mit unserer Bekleidung eingewickelt hatten. Und dennoch waren wir froh, dass unsere Lieblinge die Busfahrt gut überstanden hatten.

Zuvor gab es aber noch um 02:00 morgens, nachdem man vielleicht gerade ein wenig eingenickt war, an der bulgarisch-türkischen Grenze eine Zollkontrolle, bei der auch das ganze Gepäck aus den Bussen raus musste und durchleuchtet wurde. Was ein Stress für uns, die wir jeder ca. 8 Taschen haben, und für jeden Weg zigfach laufen UND dabei das Gepäck nicht aus den Augen lassen dürfen! Wurde auch nicht angenehmer dadurch, dass alle Ansagen im Bus („Pass her zum Auschecken aus Bulgarien“, „Raus aus dem Bus zum Einchecken in die Türkei“, „Raus aus dem Bus und alles Gepäck in die Durchleuchtemaschine tun“) nur und Ausschließlich auf Türkisch gemacht wurden. Um ca. 03:00 saßen wir wieder im Bus, sind nochmal leicht eingenickt und….

18.10 – 22.10. Istanbul

… 6 Uhr morgens war es soweit: Ankunft am Busbahnhof der Stadt am Bosporus. Überall drängten sich hier Reisebusse aneinander und wir mittendrin auf der Suche nach dem Ausgang. Die Megastadt ist für Radfahrende echt kein Zuckerschlecken, kein Wunder also, dass sich kaum jemand mit diesen Gefährten fortbewegt. Auch wir benötigten im Straßenwirrwarr und den vielen steilen Bergen satte 4 Stunden, um zu unseren Hosts zu gelangen. Diese wohnen im Übrigen auf der asiatischen Seite der Stadt in Üsküdar. Da die beiden Brücken, die über den Bosporus führen, für Pedaleure nicht zugänglich sind, durften wir uns auf eine Fährfahrt über den Bosporus freuen. Unbeschreiblich, wie schön es ist, diese Meeresenge mit dem Schiff zu überqueren (!!!) und die zahlreichen Schiffe begutachten zu können.

DSCF3390 DSC00898Auch die Stadt, welche sich links und rechts des Wassers erhebt, wirkt wirklich einfach einmalig. Fährfahrten gehören mit einem Preis von nicht einmal einem Euro zu den absoluten Highlights dieser Stadt.

Nicht zu den Highlights unserer Reise gehört jedoch Jules zweiter Speichenbruch, welchen sie noch im europäischen Teil erlitten hat. Wir entschlossen uns, dennoch weiterzufahren und nur etwas Gepäck vom Hinterrad zu nehmen und auf die anderen beiden Räder zu verladen.

Morgens um 11 Uhr sind wir also bei unseren Hosts angekommen. Diese haben nach einer durchzechten Nacht allesamt noch geschlafen, weswegen wir auch schnell wieder zu einer ersten Besichtigung der Metropole verschwanden. Meine ganz persönlichen Highlights dieser Stadt sind die chaotischen Straßen, welche sich über die hügelige Landschaft ziehen. Dazu gibt es überall kleine Stände und Lädchen.

DSCF3535Besonders den Süßkram wie Baklava mussten wir immer wieder probieren und von den Ständen mitnehmen. Überrascht waren wir, dass es bei den Dönerständen, die es in Istanbul überall gibt, eigentlich kaum möglich war, etwas vegetarisches zu bestellen, wie es in Deutschland üblich ist. Generell ist es nicht leicht, etwas herzhaftes zu Essen ohne Fleisch zu bekommen.

Gleich am ersten Tag haben wir auch noch zwei kleineren Schlägereien unter Mitarbeitern benachbarter Restaurants miterleben dürfen. Eine echt verrückte Stadt. Ob es wohl daran lag, dass an dem Tag die beiden Istanbuler Fussballclubs Galasataray und Fenerbahce aufeinandergetroffen sind oder wie bei Asterix und Obelix ein Streit wegen mutmaßlich nicht frischem Fisch eskalierte, blieb uns allerdings im Verborgenen. Auch die späten Abendstunden blieben uns im Verborgenen, denn nach der anstrengenden Nacht im Bus schliefen die ersten von uns bereits 20 Uhr ein.

Ansonsten absolvierten wir in Istanbul artig das Touristenprogramm, welches uns unterer anderem Jules Mutti aufgestellt hatte. 🙂

Sightseeing

Zu sehen war die Moschee Hagia Sophia, ein alter Sultanspalast, der Gewürzbasar, die Endhaltestelle des Orientexpresses und auch die Galatabrücke. Es war alles sehr schön, aber leider touristisch teils sehr überlaufen. Nur zur Galata-Brücke möchte ich noch erwähnen, dass uns Jules Mutti hier explizit aufgeschrieben hat: „Bier trinken auf der Galata-Brücke“. Da haben wir uns natürlich nicht lumpen lassen. 😉

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Es sei aber erwähnt, dass Bier trinken in der Öffentlichkeit durchaus unüblich ist. Je nach Stadtviertel, kann es da wohl auch richtig Ärger geben. Zum Glück ist die Brücke in einem weniger streng gläubigen Viertel. Dennoch hab ich vorsichtshalber mal die Sportbügel an die Brille gemacht, zum Wegrennen oder Verprügeltwerden =)

Der Frechschelm

Erwähnt werden soll noch, dass einer der für Istanbul typischen Schuhputzer mich aufs Kreuz gelegt hat. Dem armen Mann ist beim Vorbeilaufen seine Bürste heruntergefallen, also hab ich ihm selbige gereicht, da er es nicht mitbekommen hat. Er war darüber sehr erfreut und hat gleich darauf bestanden, meine Schuhe zu putzen. Nun muss man wissen, dass mein braunes Paar Schuhe völlig kaputt ist und hat einige Löcher hat. Der gute Mann hat sie also gleich mal geklebt – zu meinem Ärger, denn jetzt durchlüften sie nicht mehr so gut! Die Krönung kam zum Schluss, als er auf einmal Geld haben wollte. Nämlich 10 – 20 türkische Lira umgerechnet 4 – 7€! Was für ein Frechschelm!

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Ganz Hip ist auf der Galata-Brücke auch das Angeln. Hier sind alle zwei Meter Angeln ausgeworfen. Unglaublich, diese Anglerdichte. Besonders lustig, dass eine Etage tiefer lauter Fischrestaurants sind, vor denen regelmäßig die Fische hochgezogen werden.

Zwei kleine Italiener

Es ist so, dass man auf dem Donauradweg Richtung Istanbul viele Radreisende trifft, und es haben sich hier ein paar geflügelte Begriffe eingeschliffen: wenn man andere Menschen mit dick bepackten Rädern getroffen hat, hat man gleich gefragt: „Ah, hab ihr auch die beiden Französinnen getroffen? Den 78-jährigen aus Neuseeland? Die beiden Italiener? Das Pärchen aus Köln?“ Man kennt sich!

Als wir so mitten durch die hyper-touristischen Gebiete Istanbuls gelaufen sind, haben wir zwischen ca. 90 Reisebusladungen drei Personen getroffen, die mit dem Rad unterwegs waren. Da dies hier nun wirklich nicht üblich ist, haben wir natürlich genauer hingesehen und die Lowrider (Gepäckträger fürs Vorderrad) entdeckt. Und dann war da noch ein Aufkleber auf der Lenkertasche, den uns schon das ältere Radreise-Pärchen in Rumänien gezeigt hatte.

Diesen Aufkleber wiederum hatten sie von „den Italienern“ erhalten, die wir in Novi Sad bei unserem Host Aleksa nur um einen Tag verpasst hatten.

Und natürlich waren es die beiden auch! Mitten in der 14-20 Mio.-Einwohner-Stadt haben wir „die Italiener“ eingeholt… =)

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Sie waren begeistert, als wir sie ansprachen: „Kommt ihr nicht aus Italien?!“. Das hatte noch keiner zuvor gemacht, denn normalerweise werden alle Radreisenden mit „Kommt ihr aus Deutschland“ angesprochen (Anmerkung der Redaktion: Die meisten Radreisenden sind wohl Deutsche). Der dritte Radfahrer war ein türkischer Radler, welcher den beiden den Istanbul zeigte. Nun gab es natürlich viel zu erzählen. Es wurde sich ausgetauscht und zum Abend verabredet. Dort kamen dann noch ein südkoreanischer Reiseradler und ein weiterer Türke hinzu, der die Fernradwege durch die Türkei etablieren will. Auch da gab es wieder regen Austausch und wir haben wirklich einen sehr schönen Abend verlebt. Lustigerweise haben wir die beiden auch am nächsten Tag noch mal in einem Outdoorladen gesehen. Kaum zu fassen, wie klein doch dieses Istanbul ist.

Die beiden haben im Übrigen vor, 4-5 Jahre um die Welt zu fahren und in allen Kontinenten die höchsten Pässe mitzunehmen. Gerade sind sie auf dem Weg in den Kaukasus und wollen den Winter über in Russland radeln, wo sie mit bis zu -25 Grad rechnen. Sie mögen also vieles, worauf wir eher nicht so scharf sind. Das ändert nichts daran, dass sie unheimlich nette Menschen sind und wir uns freuen würden, wenn sich unsere Wege in der Türkei noch einmal kreuzen würden. Gerne könnte ihr auch mal auf der Homepage oder der Facebookseite der beiden vorbeischauen:

hier link einfügen

Einen weiteren Reiseradler haben wir noch beim Verlassen der Stadt getroffen. Der gute Mann ist, sofern ihn Jule mit ihrem Russisch richtig verstanden hat, ein Jahr lang durch die Welt geradelt und nun auf dem Weg zurück nach Novi Sad. Besonders bemerkenswert war sein altes Rennrad und die (selbstgemachten? wasserdichten?!) Packtaschen, welche an dem Rad festgezurrt waren. Die ganze Erscheinung versetzte uns zurück in die 80er Jahre, in denen wohl alle Reiseradler so oder so ähnlich unterwegs waren.

Shopping:

Istanbul war die bislang teuerste Stadt für uns. Schuld daran war nicht nur das viele tolle Essen und das teure Bier. Auch die Fährfahrten läpperten sich zusammen und nicht zuletzt haben sich Marcel und Jule noch eine neue Jacke und einen Winterschlafsack (für die kommenden Bergetappen) gekauft. Dafür haben die beiden mich durch 6 oder 7 Outdoorläden geschleift. 🙂

(ANMERKUNG DER KORREKTURLESERIN: Christian war vorinformiert und wurde von mir und Marcel, also, äh, von Jule und Marcel nicht gezwungen, auf die Odyssee mitzukommen. Vielmehr habe ich, äh, also hatte Jule den Eindruck, Christian hatte nicht so viel Lust, allein in Istanbul verloren zu gehen. So! ^^)

Unsere Gastgeber:

Einer ihrer ersten Fragen, als unsere Hosts ausgeschlafen hatten und wir von unserer ersten Erkundungstour zurück waren, lautete: „Trinkt ihr Deutschen eigentlich immer zum Frühstück Bier?“ Wir antworteten natürlich mit „Nein“. Erst einen Tag später klärten sie uns darüber auf, dass sie das dachten, weil ich nach unserer Ankunft (11 Uhr) ein Bierchen getrunken habe. Nun ist dass aber bei mir so üblich, nach dem Radeltag ein Bierchen zu trinken und heute war der Radeltag halt schon 11 Uhr zu Ende. 🙂

Auch konnten uns die drei einiges über die Proteste rund um den Taksimplatz letzten Jahres erzählen. Echt spannend zuzuhören, wie sich eine so breite Bewegung ohne großartige Strukturen entwickeln konnte und breite Bevölkerungsschichten vereinte.

Für mich selbst war auch noch die Tatsache, dass alle drei Fußballfans waren, eine sehr feine Sache. Endlich mal jemand mit dem man über dieses wunderschöne Thema fachsimpeln konnte. Außerdem hat an unserem letzten Abend in Istanbul Borussia Dortmund gegen Galasatary in Istanbul gespielt. Das Spiel wurde gemeinsam verfolgt und ging leider zu Gunsten der Dortmunder aus.

An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal bei der netten Männer-WG bedanken, dass sie uns 6 Tage lang ihr Wohnzimmer überlassen hat. Die ersten beiden Stunden mussten wir es im Übrigen mit einem Freund der WG teilen, der dort seinen Rausch ausschlief und sich auch nicht davon beeindrucken lies, dass wir unser Gepäck und die Räder ins Zimmer trugen.

Nachtrag: Das hatte ich ganz vergessen: Die Jungs radeln selber immer mal kleinere Touren. Von einer Etappe hat Batu auch ein Video gemacht. Dort sind wir im Übrigen auch langgefahren und ihr erhaltet einen ganz guten Einblick:

Pokémon:

Kenner meiner selbst werden jetzt sagen: „Was fängt denn der jetzt auch noch mit Pokémon an?!“ Ich werde es euch sagen: Dieser wunderschöne Anime wurde in der Türkei nur eine Staffel lang ausgestrahlt. Der Grund dafür war ein türkisches Kind, welches in den Tod stürzte, nachdem es gesagt hatte: „Ich bin ein Pikachu und kann fliegen.“ Eine ziemlich krasse Reaktion der türkischen Regierung, dass die Sendung anschließend nicht mehr ausgestrahlt werden durfte, zumal Pikachu ja eigentlich gar nicht fliegen kann, wie den Kennern der Materie schon aufgefallen sein dürfte. Unsere Hosts (leider habe ich die Namen vergessen, aber ich glaube ihnen geht’s genauso ^^) jedenfalls waren recht wütend auf das Kind, weil sie nicht mehr Pokémon anschauen konnten.

Da fällt mir noch ein: Jules Nacken geht es in zwischen wieder sehr gut. Nur damit ihr Bescheid wisst und euch nicht umsonst Sorgen macht.

23.10. Istanbul – Irgendwo im Wald

Endlich wieder Radeln. Ich freu mich immer nach Pausentagen, dass wir mal wieder auf unseren stolzen Rössern sitzen und einfach dahingleiten. Nun ist Istanbul zwar nichts zum Dahingleiten und die 30km aus der Stadt heraus sind auch sehr anspruchsvoll, aber Spaß macht’s halt trotzdem. Am Ende der Stadt haben wir dann noch mal bei einem kleinen Imbiss gespeist (Cig Köfte, das ist traditionell UND vegan UND lecker!), worüber sich der Besitzer des Lokals sehr freute und gleich mehrere Fotos machte. Auch den ersten Radstreifen überhaupt haben wir noch kurz vor dem Ortsausgang gesehen. Leider war eben jener kaum für Reiseräder geeignet, da er sich durch hohe Kanten an den Straßenüberquerungen auszeichnete. Wir sind also auf der zweispurigen Straße geblieben.

Nach Istanbul ging es dann auf eine Fernstraße (jeweils 2-3 Spuren + Standstreifen) in Richtung Sila. Anfangs wurde es noch sehr eng, da eine Fahrrichtung gebaut wurde. Die Straße war aber bereits geteert uns so haben wir uns für die völlig leere Straßenseite entschieden. Es ging, mal abgesehen von den steilen Bergen, auch supergut, bis wir plötzlich vor zwei Teermaschinen und 6 Dampfwalzen stoppen mussten. Einer der Arbeiter hat uns ein Zeichen gegeben, dass wir zwischen den Fahrzeugen durchfahren sollten. Das taten wir dann schließlich auch, obwohl wir starke Bedenken hatten, mit unseren Reifen über den noch sehr frischen und heißen Asphalt zu fahren.

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Wenn nicht gerade gebaut wurde, war auf der Straße nicht viel los, außer einer unglaublichen Anzahl an Kipplastwagen, welche teilweise dreispurig überholten. Uns störte das nicht, denn auf dem Standstreifen hatten wir unsere Ruhe. Mehr Probleme machten uns da schon die Berge und nach 43 Kilometern waren wir so kaputt, dass wir entschieden, nach der Pause nicht mehr weiter zu fahren. Wir waren gerade an einer Stelle neben der Straße, wo es um die 10 verschiedene Rastplätze gab. Diese waren teilweise sehr liebevoll, schön und ausgefallen und beherbergten kleine Restaurants, ausgefallene Tische, Hängematten, Rutschen und was weiß ich nicht alles. Über einem dieser Restaurants lebte eine Familie.DSCF3593 Bei denen konnten wir für diese Nacht bleiben und unsere Luftmatratzen unter ein kleines Dach legen. Außerdem wurden uns noch 3 Runden Chai (Schwarztee) spendiert und eine Gaslampe hingestellt. Wirklich sehr nett und fürsorglich. Besonders gefreut hat uns auch noch, dass über den Abend verteilt mehrere zusammengefegte Laubhaufen angezündet worden, denn gerade Jule hat sich ja schon seit langem mal wieder ein Lagerfeuer gewünscht.DSCF3610

Hätte ich gestern den Bericht fertig bekommen, dann wäre jetzt hier erst einmal Schluss. So darf ich noch einen weiteren Tag in die Tastatur klimpern. 😉

24.10. Irgendwo im Wald – Büyüg Asag

Heute hatten wir die große Straße nach 20 Kilometern fast für uns alleine. Grund dafür war eine große Erdgrube, zu der die ganzen Kipper gefahren sind. Da standen sie nun in unglaublich langen Schlangen und haben auf Be- und Entladung gewartet. Wirklich sehr beeindruckend, die Dimensionen, wenn auch nicht schön.

Für uns ging es allerdings bald schon auf einer kleinen Küstenstraße weiter, wo wir auch schon bald von einem Mann in Armeekleidung freudig angesprochen wurden. Dieser bestand darauf, ein Foto mit uns zu machen und wir willigten natürlich ein. Nun muss man wissen, dass man in der Türkei eigentlich keine Fotos von der Armee machen darf, deswegen ist das um so lustiger für uns. Lustig war auch der kleine Hund, den wir während der Mittagspause beobachteten und welcher einen Heidenspaß daran hatte, eine Gruppe Gänse zu ärgern. Das Highlight war aber, als er einen gerade abgestellten Mini vor den Augen der Fahrerin anpinkelte. Köstlich! 🙂

Weniger Spaß machen hingegen die Berge hier. (Anm. der Korrekturleserin: Ich find’s tatsächlich sehr schön, ich hab jetzt ja aber auch nicht mehr so viel Gepäck ^^) Die 66km waren bislang vom Höhenprofil die schwierigsten unserer Reise. Durchgängig ging es entweder so steil bergauf, dass wir teilweise schieben mussten oder so steil bergab, dass wir eigentlich bei jeder Abfahrt auf 55km/h kamen und eine Menge bremsten.

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Unser Nachtlager haben wir dann auf der Kuppe eines Berges aufgeschlagen, mit Herr-der-Ringe-Aussicht in alle Richtungen.

DSCF3623Zum Abendbrot gab es einen Orangen-Möhren-Linsengericht und jetzt schlafen die beiden schon wieder, während ich mich mittlerweile auf der sechsten Seite des Berichts befinde. Erwähnt werden kann noch, dass auf dem Berg die Muezzine aus den verschiedenen Himmelsrichtungen gehört werden können. Da bin ich mal gespannt, wie das morgen früh wird, wenn um 6 Uhr deren Gesang ertönen wird.

Jule hat ihr Turnen vor epischer Kulisse absolviert und ihr Körper spielt das Radfahrspiel jetzt auch wieder mit =)

Abschließend möchten wir noch einmal Besserung geloben und hoffen, dass wir künftig einen wöchentlichen Bericht hinbekommen werden. Mal schauen. 😉

Christian

Ein Gedanke zu „“

  1. Zitat aus dem Bericht:
    „Gerne könnte ihr auch mal auf der Homepage oder der Facebookseite der beiden vorbeischauen:

    hier link einfügen“

    Vielleicht solltest du da noch den Link einfügen und dir nicht nur aufschreiben, dass der da noch hin soll. 😉

    Schöner Bericht 🙂

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