Balaton – Apatin (Serbien)

20. September
Wie Jule bereits im vergangenen Beitrag erwähnt hat, haben wir am Balaton einen Pausentag eingelegt. Für mich war es bereits der 5. Besuch dieses wunderschönen Gewässers und es zieht mich immer wieder zu ihm hin. Das Wetter war heute bombastisch und so zog es uns Wasserratten mehrmals ins Wasser. Das heißt alle, außer Ena, denn die hatte sich in den Kopf gesetzt, den Balaton zu umrunden und ist dafür über 200 km gefahren. Echt der Hammer, was sie aus sich rausholen kann! 😉 (Anmerkung der Redaktion: Am nächsten Tag ist Ena gefahren als wäre nichts gewesen!)
Außer baden war ich (Christian) heute auch noch in Balatonkenese einkaufen und hab mich dort mit einem älteren österreichischen Ladenbesitzer unterhalten, der sich über das miese Wetter während der Urlaubszeit aufgeregt hat. Ansonsten ist heute nicht viel Spannendes passiert, mal abgesehen davon, dass wir unsere Badestelle ab 16 Uhr mit Anglern teilen mussten und Ena nach ihrer Ankunft (es war bereits dunkel) sogar noch darum bitten musste, dass die Angeln mal beiseite geräumt werden, um ins Wasser zu kommen.

21. September
Wir wachen auf und wer ist noch da?! Richtig!!! Unsere drei Angelfreunde, die sich für ein paar Fischchen das ganze Wochenende blocken. Entweder mögen die Angeln wirklich sehr oder sie mögen ihre Frauen zu Hause nicht. 🙂
Für uns ging der Tag jedenfalls entspannt mit Baden los und ging genauso entspannt an unserer „Stammkneipe“ mit Langos und Palatschinken weiter. Zum Abschied wünschte uns der Besitzer der Kneipe, in der wir drei Tage lang eingekehrt waren, eine gute Weiterfahrt und die hatten wir heute, denn obwohl wir erst 13:30 Uhr losgefahren sind, konnten wir 72 km zurücklegen. Bei Rückenwind und perfektem Asphalt flutschten wir nur so dahin. Es war echt super!
Kurz vor Donau bei Paks bauten wir dann unsere Zelte auf. Es gab was zu futtern und dann spielten wir eine Runde Skat. Jule, die heute zum ersten mal Skat spielte, muss aber noch einiges lernen, damit sie dann mit Marcel und mir mithalten kann. Ja, ich höre den Aufschrei der geneigten Leserschaft förmlich: Das Mädchen hat bisher noch nie Skat gespielt?!?!?! Glaubt mir, ich konnte mir das bis heute auch nicht vorstellen, aber es gibt einfach Dinge, die sind außerhalb unserer Vorstellungskraft.

22. September
Nachts hatte es geregnet und auch am Morgen regnete und stürmte es immer noch. Aufstehen wollte da niemand so richtig und auch Frühstück gabs im Zelt. Der Regen hört dann zumindest zeitnah auf, aber der Wind nicht. Passend dazu ein Hit, den wir selbst komponiert haben und der sich bei Katharina und mir großer Beliebtheit erfreut:
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*

Nach 10 Kilometern pedalen haben wir Paks erreicht. Zu unserer Freude konnten wir eine dm-Drogerie ausfindig machen, in dem wir unsere Vorräte an veganen Aufstrichen auffüllen konnten, die sind nämlich nur sehr schwer erhältlich.
In Paks haben wir die Donau mal wieder getroffen, die wir schon seit Budapest nicht mehr gesehen hatten. Vor lauter Freude wollten wir gleich eine Fährfahrt machen um wieder auf den Donauradweg zu gelangen. Das Problem hierbei sind allerdings die Fährzeiten. Die meisten Fähren verkehren nur im Stundentakt und so mussten wir fast eine Stunde warten. Kurzentschlossen haben wir also unsere Mittagspause vorgezogen und in einer kleinen Garage gespeist. Als es dann endlich losging, waren wir die einzigen Fahrgäste. Das ist aber offensichtlich nicht schlimm, denn der gut deutschsprechende Kassierer scheint eher zum Spaß diesem Job nachzugehen. Jedenfalls war er der Besitzer der Fähre sowie einiger anderer Containerschiffe, wie er uns erklärte.
In Kalocsa hatten wir außerdem mal wieder Internet in einem Kaffee, so dass der seit langem schon fertige Bericht von Budapest zum Balaton endlich den Weg auf unsere Homepage finden konnte. Diverse andere Besorgungen wurden auch noch getätigt, weswegen bereits nach lediglich 50 km für heute Schluss war. In einem kleinen Pappelwald mit unverschämt vielen Mücken haben wir unsere Zelte aufgebaut, gegessen und sind dann schnellstmöglich ins Bett geflüchtet, um diesen blutrünstigen blöden Biestern zu entkommen.

23. September
Entlang des Donaudeiches sind wir die ersten 30 Kilometer geflogen, bis wir Baja erreicht hatten. Dort warteten 4 Langos zu je etwa 300 Forint( also einem Euro) auf uns. Irgendwie wurde Ungarn immer billiger, je weiter wie kamen.
Die frischen, kleinen, spitzen Paprika, welche noch in den beiden vergangenen Tagen unseren Weg säumten und dort in wurstförmigen Netzen an den Hauswänden herunterhingen, waren an unserem letzten kompletten Tag in Ungarn nicht mehr zu sehen.

Stattdessen hat uns der Donauradweg viel an der Deichkrone entlanggeführt. Dort gab es kaum Häuser und Menschen. Auch den Campingplatz, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, gab es nicht mehr und so mussten wir einmal mehr wildcampen. Nicht, dass mir das keinen Spaß macht. Ich hatte mich bloß mal wieder auf die Logistik eines Campingplatzes gefreut und unseren stinkenden Körpern ging es da wohl genauso. Letztendlich haben wir aber ein nettes Plätzchen auf einer Schafweide, die gerade nicht genutzt wurde, gefunden. Bei einem Schlückchen Wein konnten wir zudem noch den Sonnenuntergang über der Donau bewundern. Die Abteilung Paparazzi wird sicherlich Fotos im Flicker-account beisteuern. Ich bin hier im Übrigen der Einzige, der kein Kamera dabei hat.

24. September
Endlich sind wir mal wieder etwas zeitiger aus den Federn gekommen und konnten schon 10:30 Uhr losfahren. Von den 30km in Ungarn gibt es nicht besonderes zu berichten und so verlassen wir nach 10 Tagen dieses Land mit vielen schönen Erinnerungen.
Zum ersten Mal gab es nun Passkontrollen und Ena freute sich tierisch darüber, dass ihr Pass gestempelt wurde.
Ein ganz klein wenig Bammel hatte ich vor unserem ersten Reiseland, welches nicht in der EU Mitglied ist. Sehr schnell wurde ich jedoch vom puren Gegenteil überzeugt. Viele Menschen grüßten und hupten, wie in keinem Land bisher zuvor.

DSCF2909
Mittagspause machten wir direkt an der Donau, die hier Serbien von Kroatien trennt. Es ist schon seltsam die beiden Ufer zu sehen, die bis vor 20 Jahren noch zu einem Land gehörten.
Weiter ging unsere Fahrt entlang einer unbefestigten und holprigen Deichkrone, wo wir auf einmal auf 20-30 Hirsche trafen. Die Tiere hatten jedoch mehr Angst vor uns als wir vor ihnen und so waren sie sehr schnell im Wald verschwunden. Das gleiche gilt für drei weitere Gruppen von Rotwild und einer Wildschweingruppe, die allesamt schnell das Weite suchten. Unfassbar was hier an Wild unterwegs war. Zwischendrin im Nirgendwo sind wir auch noch auf einen älteren Radler getroffen, der uns zielsicher auf Serbisch klarmachen wollte, dass wir in eine andere Richtung, die aber einen Riesenumweg bedeutet hätte, fahren sollten. Wir fuhren dann doch noch 6km auf der Holperpiste, ehe wir wieder Asphalt unter den Rädern hatten. Dort gab es auch gleich ein Gasthaus, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen wollten. Die Diskussion mit dem Kellner verlief etwas schwierig, da wir keine gemeinsame Sprache sprachen und dennoch konnten wir ihm unser Anliegen klar machen. Er schnappte sich drei Flaschen und verschwand im Inneren des Gasthauses. Da warteten wir nun draußen und wurden von Milan angesprochen. Was nun folgte übertraf unsere Vorstellungskraft. Er lud uns auf seine Rechnung zu Speis und Trank ein und meinte, dass wir doch hinter dem Restaurant, welches auch Zimmer vermietete, unsere Zelte aufstellen sollten. Wir könnten dann auch reingehen und uns Duschen. Auch wenn er und seine Freunde das Angebot noch mehrmals wiederholten und darauf bestanden, dass wir doch wenigstens noch etwas mit Ihnen trinken sollten, beließen wir es bei einem Getränk und einem Salat.
Ein bisschen bereuten wir es schon, dass wir das Angebot ausschlugen, denn es wäre sicherlich noch interessant gewesen, ein wenig weiter zu plauschen und mehr über Serbien zu lernen. Milan, wir danken dir auf alle Fälle für deine Gastfreundschaft und sollten wir mal Probleme haben in Serbien, werden wir dein Angebot wahrnehmen und dich anrufen. 😉
Wie gastfreundlich dieses Land ist, zeigte auch noch der Nachbartisch im Restaurant, auch hier versuchte uns ein Fan von Roter Stern Belgrad davon zu zu überzeugen, dass wir doch im Garten übernachten sollten und gab uns kleine Gastgeschenke.
Wie dem auch sei, wir fuhren weiter durch Apatin und es kamen nur noch Felder und kein Platz, wo man einfach mal sein Zelt aufschlagen könnte. Der Wald, den wir schon von weitem sahen, war dann zu allem Überfluss auch noch ein Nationalpark, der eingezäunt war und nur über ein Gitter auf der Straße erreicht werden konnte. Eingezäunt ist hier jede Menge Wild, wie man den röhrenden Hirschen unschwer entnehmen konnte. Es war schon fast stockfinster und irgendwo mussten wir schlafen, also gleich hinter dem Zaun. Sofort kam auf der anderen Seite des Zaunes ein Jäger hervorgesprungen. Freundlich erklärte er uns auf italienisch, dass wir hier nicht zelten können, es aber bei einem Haus im Wald versuchen können. (Anmerkung der Redaktion: Keiner von uns spricht italienisch, verstanden haben wir ihn aber dennoch grob)
Also los, ab durch den „Wald der Röhrenden Hirsche“ und das bei einstelligen Temperaturen und Dunkelheit. Links und rechts war zudem immer mal wieder flüchtendes Wild zu vernehmen. Eine unglaublich interessante Erfahrung, wenn auch etwas beängstigend. Aber ich war ja nicht allein. 😉
Wie dem auch sei, wir haben das Jagdhaus problemlos erreicht und auch noch Mitarbeiter des Parks dort angetroffen, kurz bevor sie losfahren wollten. Diese waren wiederum sehr hilfsbereit und so konnten wir unsere Zelte neben dem Haus aufschlagen. Mittlerweile wieder alleine, kochten wir uns Nudeln mit Gemüse, als ein weiterer Jäger kam und uns noch einen Tee vorbei brachte.
Während ich diesen Bericht schreibe, höre ich direkt vor unserem Zelt ein Wildschwein schnauben, die Hirsche röhren und auch andere Tiere Geräusche fabrizieren. Dazu kommt die Kühlanlage für 40 Stück Wild, die ab und zu angeht und Containerschiffe, die an der nahegelegenen Donau gelegentlich vorbeifahren. Jetzt gehe ich noch einmal raus -nach den Schweinen schauen- und dann ab ins Bett. Echt toll hier! 😉

Ein Gedanke zu „Balaton – Apatin (Serbien)“

  1. gebannt lausche ich dem röhrenden Hirsch und dem schnaubenden Wildschwein in der Dunkelheit! schöne Berichte hier bei Euch – spannende Reise – jetzt nicht mal mehr EU.. )) lg, Karen

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