Budapest – Balaton

15.09. Esztergom – Budapest, 16.09./17.09 Budapest

Es regnet noch beim Aufwachen. Irgendwie verändern viele Dinge ihre Bedeutung- Ausschlafen hängt nun nicht mehr davon ab, ob Samstag oder Dienstag ist, sondern eher davon, ob man morgens Tropfen auf dem Zelt hört oder nicht. Bisher war an solchen Regentagen niemand motiviert, direkt nach dem ersten Aufwachen aus dem Zelt zu springen und Frühstück zu machen. Also heißt Regen irgendwie Wochenende, und wir schlafen alle ein kleines bisschen länger. Alle? Nein! Nicht Ena, die schon früh das Zelt verlassen hat, um sich die monströse Esztergomer Kathedrale anzuschauen. Nach dem Frühstück fahren auch wir anderen dort noch rum und dann wieder an die Donau, die jetzt nicht mehr wie vorher die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei bildet, weil die Slowakei zuende ist. Die Landschaft hat sich verändert, beidseitig steigen steile, dicht bewaldete Berge auf und wir fahren mit der Donau durch ihr eingeschnittenes Tal. Es ist Herr-der-Ringe-Stimmung.

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Einmal müssen wir die Donauseite wechseln und nehmen dafür die Fähre, es braucht zwei Männer und den oder die jeweilige FahrradbesitzerIn, um die dicken Räder die Treppe runter in die Gastkabine zu hieven.

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Noch ca. 20 km vor Budapest bekommen wir die Nachricht, dass unser Nachreisender Marcel nun weiß, dass er in ca. 9 Tagen kommen kann! Wir freuen uns auf dich! Bring Nachrichten von Zuhause mit! =) Und wir bekommen noch spontan eine Zusage von einem warm-showers-Mitglied (warm showers ist, wie Couchsurfing, eine Internetplattform, auf der sich Leute anmelden, die privat Reisende aufnehmen wollen oder eben aufgenommen werden möchten, nur warm showers ist explizit für Radreisende), dass er zwei von uns aufnehmen kann. Wir suchen die Adresse auf der GPS-Karte raus und radeln hin, dafür verlassen wir die Donau und kommen in die Berge. Als es schon fast dunkel ist und wir vor einer Bergflanke stehen, die noch 200 weitere Höhenmeter von uns verlangt, wobei uns der Schweiß schon aus allen Poren dampft, entschließen wir uns, das Unterfangen Warm-showers aufzugeben und in die Innenstadt zu fahren, um einen Campingplatz zu suchen. Als wir also dem Warm-Showers-Host per SMS mitteilen, dass wir nicht mit solchen Bergen gerechnet hätten, fragt er uns…

vielleicht könnt ihr es ahnen…

ob wir uns sicher seien, dass wir bei der richtigen Adresse sind- es gibt genau die Straße zweimal in Budapest.

Haha.

Hahaha. Die Zwillingsstraße (in die wir müssen) liegt natürlich direkt in der Innenstadt. Auf Höhe der Donau. Wir hätten uns sicherlich 1,5 Stunden Umweg, große Straßen mit viel Verkehr und ca. 200 Höhenmeter sparen können… Haha.

Aber als wir ankommen und Christian und Katharina dort abgeben wollen, entwickelt sich alles noch unglaublich schön! Der Warm-showers-Host Zoli kommt, als wir vor der Tür stehen, aus dem regional-Bioladen nebenan, für den er mit dem Lastenfahrrad Gemüse ausfährt, begrüßt uns, zeigt uns sein wahnsinnig schönes Haus (mehr Bilder auf der Bilderseite) und seine gemütliche, kreative, herrliche Wohnung und meint, wenn es uns nicht zu eng wäre, dann könnten auch alle vier bei ihm schlafen. Übrigens: zusätzlich zu noch zwei anderen deutschen Reiseradlern in unserem Alter, die gerade von ihrer viermonatigen Tour zurückkommen! Lieben Gruß hier an Johannes und Lukas, die mit ihrer offenen Art und ihren Albaniengeschichten unglaublich viel Lachen in diese Tage gezaubert haben!

Weil es Zoli nicht stört und wir alle gerne viel Zeit in Budapest haben möchten, bleiben wir ganze drei Nächte. Es folgen Stadtführungen, Besichtigungen, chillen auf der Grünen Insel, Staunen ob der wunderschönen Stadt, in der man sich direkt irgendwie zuhause fühlt, Besuche in veganen Restaurants uuund all sowas, was man in einer großen, schönen Stadt machen kann. Budapest ist herrlich, ich empfehle es wärmstens weiter! 39 Euro mit dem Europa-Spezial der deutschen Bahn, sagt Christian, oder zwei Wochen radeln =)

Es ist ziemlich verrückt, dass wir auf einmal in Ungarn sind. Mit dem Rad. Ziemlich verrückt und ganz schön toll. Ziemlich verrückt ist auch ungarisch. Hallo heißt „ciya“ (also wie „see you!“ auf englisch) und tschüss heißt hello. Ziemlich verrückt alles.

Außer all den schönen Dingen muss ich auch meinen Marathon-Ultra-Mantel austauschen, weil er tatsächlich und unerklärlicherweise nach nichtmal 1000 km längs der Felge gerissen ist. Toktoktok, dreimal auf Holz, dass nichts passiert ist, ich Ersatzmäntel dabei habe und wir in Budapest alle Zeit der Welt zum Wechseln hatten. Eigentlich sollte auch Christians Kette das erste Mal getauscht werden- wir haben beide drei Ketten dabei, fahren immer so 2500 km mit einer Kette, tauschen sie dann gegen eine neue, und das dreimal, bis alle Ketten benutzt sind und man mit den gebrauchten Ketten wieder von vorn anfängt – das schont die Ritzel und wir hoffen, diese deswegen bis China nicht tauschen zu müssen.

Das Werkzeug, das den Kettenverschleiß anzeigt (Kettenlehre) hat uns aber gesagt, dass Christians Kette noch top in Schuss ist und wir haben uns entschieden, ihr noch weitere 200 oder 400 km zuzumuten, bis sie in meiner Satteltasche schlummern darf.

Alles in allem war Budapest der Wahnsinn, nicht zuletzt durch Zoli. Danke dir, Köszönöm Zoli!!, wish you all the best and hope to see you again!

18.09. Budapest – Dinnyes

In Budapest haben wir entschieden, nicht direkt weiter der Donau zu folgen, sondern einen Abstecher zum Balaton zu machen! Am 18.09. rollen wir also wieder los, müssen aber noch einen Radladen ansteuern, weil Katharinas Reifen ziemlich platt ist und wir irgendwie zu blöd für ihre Dunlop-Ventile sind. Beim Radladen angekommen lernen wir von dem jungen, sehr netten und kommunikativen, physikstudierenden Radladenmitarbeiter, dass wir einfach zu wenig Gewalt anwenden und die Luft mit mehr Druck in den Reifen zwingen können. Und noch viel mehr, wir reden noch über Atomkraftwerke, Elektroautos, die Ukraine und… bis wir dann doch weiter müssen. Wir fahren am Nachmittag über eine ziemlich wild befahrene, aber zum Glück sehr breite Landstraße, als wir auf dem Tacho dann unseren 1000sten Kilometer zählen und feiern können! Und feiern wollen wir ihn mit Mittagspause, fahren dafür kurz rechts in eine kleine Obstbaumallee, müssen aber feststellen, dass wir da kein Mittagspausenlager errichten können, weil da schon ein Stand mit zwei Menschen steht, die Äpfel in zig verschiedenen Sorten verkaufen. Weil wir schon da sind, sucht sich jeder seinen Lieblingsapfel aus- und dann kriegen wir die doch tatsächlich einfach so geschenkt! Danke, Welt! Juhuu!

Bis zum Abend schaffen wir es zum kleinen See, der auf dem Weg zum Balaton ist, und zelten wild in einem herrlichen Gebüsch mit einer Anzahl an Mücken, wie ich sie in meinem Leben noch nicht erlebt habe. Das Mückennetz in Doppelbettgröße, das mir meine Mama mitgegeben hat, wird zwischen Räder, Bäume und Zelte gespannt und so thronen wir beim Kochen und Abendessen geschützt und sehr königlich unterm Himmelbett und unter den Sternen. Ena und ich bauen auch nur ihr Innenzelt auf, also nur das Moskitogitter, weil es recht warm ist und nicht regnen wird. So schlafen wir direkt unter den Sternen. Unbezahlbar!

19.09. Dinnyes – Balaton!

Und doch, wir bezahlen für die herrliche Nacht im Dickicht- und zwar mit zwei platten Reifen, einmal bei Katharina und einmal bei mir, die wir noch vor dem Frühstück flicken müssen, weil wir uns entschieden hatten, erstmal die Räder zu bepacken und dann Frühstück an einem schönen Reetdach-Aussichtsturm zu essen, an dem wir am Abend davor vorbeigefahren waren.

Mit knurrendem Magen also entpacken wir unsere Räder wieder, flicken bzw. wechseln den Schlauch, fahren dann zum Frühstücken und kommen wieder erst recht spät auf die Straße.

Christian passt das gar nicht, der will nämlich endlich am See ankommen und baden, und seine Laune wir nicht davon besser, dass die Route, die wir am Tag davor am Computer über outdooractive.com berechnet und ins GPS geladen haben, zur Umgehung von offiziell für Radfahrer gesperrten Straßen zigzackige Umwege über kleine Feldwege und dann doch wieder große Landstraßen macht. Die ersten Kilometer brauchen so recht lange, dann hat Katharina auch Probleme mit ihrem Knie und wir drosseln das Reisetempo – aber am Ende wird doch alles gut, wir landen nach 55 km auf einem herrlichen kleinen Campingplatz direkt am See, haben unseren eigenen kleinen Privatstrand, gehen baden und essen Langos für ganz kleines Geld, trinken ein Bierchen und plaudern mit grandioser Aussicht auf den Balaton…. Herrlich, sag ich euch!

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Hier lieg ich jetzt auch auf dem Zeltplatz im Schatten, jetzt wird’s mir aber langweilig und ich verabschiede mich um schwimmen zu gehen, yeehah!, das ist schon eine ziemlich coole Reise =)

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Kuss und Druck an euch alle, uns geht es (bis auf das Knie!) gut, wir haben es warm und gutes Wetter, genug und gutes Essen und einen See und wir freuen uns auf Marcel!

Schön, wenn ihr alle dabei wärt =)

Jule

3 Kommentare zu „Budapest – Balaton“

  1. Guten Morgen Ihr Lieben,
    danke für die neuen Bilder. Wie warm war das Wasser?!?!
    Der kleine Drache auf dem Fotodeckel, macht im Gegenlicht eine sehr gute Figur. Und die Küchenbeleuchtung – sehr innovativ.
    Weiterhin alles Gute

  2. Liebes Julchen, ich bin zurück aus 4 sehr bereichernden Wochen Russland und – nach einer kurzen aber herzlichen Wiedersehensfeier mit meinem PC (den ich mal zuhause gelassen habe) – dachte ich mir, ich schau mal ob du dein blogcersprechen einhälst. ich bin begeistert, du tust es ! : )))) Und es klingt so als hättest du eine wunderbare Zeit, die genau das Richtige ist, für dich.
    Wunderbare Fotos, auch.
    Fahr weiter, genieß weiter, fühl dich superfeste gedrückt und vergiss das gelegentliche Schreiben nicht !
    Lena

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