Vranov nad Dyji – Wien

8. September

In Vranov nad Dyji sind wir in dichten Nebelschwaden aufgewacht. Innerhalb kürzester Zeit haben sich diese allerdings von der Sonne aufschlecken lassen und bei strahlend blauem Himmel konnten Katharina und ich die Wassertemperatur des Stausees testen neben dem wir geschlafen hatten. Im See haben wir auch einen alten Plastiklöffel gefunden, mit dem wir endlich auch mal Jules superkrass beschichtete Töpfe umrühren könnten. Jule zeigte sich ob des dreckigen Löffels allerdings wenig begeistert. Schade! 🙂

Die Rezeption des Campingplatzes war beim verlassen wie schon am Vortag nicht besetzt, so dass wir eine kostenlose Übernachtung hatten, da niemand auffindbar war, der Geld haben wollte. Die letzten Kronen mussten wir demzufolge noch beim Mittagessen in einer kleinen Kneipe verjubeln. Für umgerechnet 20€ gabs für jeden etwas zu essen und zwei Getränke. Der Kellner des kleinen Wirtshauses schien allerdings zum ersten Mal von veganem Essen zu hören und war demzufolge durchaus erstaunt über Enas Bestellung.

Bei Tageskilometer 15 passierten wir dann die tschechisch-österreichische Grenze, die Entlang des Flusses Dyji (auf deutsch: Thaya) verläuft. Die Grenzbrücke muss im zweiten Weltkrieg und 1990 sehr bewegte Zeiten erlebt haben. Nachzulesen ist das alles neben den großen Bildern auf der Brücke.

Die ersten Kilometer in Österreich waren ähnlich bergig wie in Tschechien. Richtig toll wurde es, als wir in die Weinberge und später auch noch an der „Weinstraße“ vorbeikamen. Dort haben wir uns direkt vom Erzeuger auch noch einen „Blauen Portugieser“ geholt. Lustigerweise wurde nach dem Wein auch der Radweg benannt, auf dem wir bis zu unserem Tagesziel, einen Weinberg hinter Haugsdorf, geradelt sind. Der Wein wurde selbstverständlich noch getrunken und zum Abendbrot gab es leckere Knödel mit Rotkraut aus Beuteln.

Tageskilometer: 50

9. September

Schon ganz früh, genau genommen noch in der Dunkelheit, wurden wir von Traktoren geweckt. Die selben Bauern, die Abends zuvor noch bis in die Dunkelheit hineingearbeitet hatten, fuhren jetzt schon wieder Trecker. Ich musste einmal mehr feststellen, dass Bauer kein guter Job für mich wäre, ich aber sehr dankbar bin, dass ihn jemand macht.

Durch den Weckdienst und ein erstaunlich trockenes Zelt (kein Kondenswasser an der Innenwand des Zeltes) konnten wir so früh aufbrechen wie noch nie zuvor. 9:55 Uhr sausten unsere Packesel bereits den Weinberg hinunter. Weitere Berge gab es auf unserer ersten wirklichen Flachetappe nicht und so ging es in gutem Tempo in Richtung Wien.

Unterwegs haben wir Berge von Zuckerrüben gesehen, die auf einen Zug verladen wurden. Auch haben wir bei der Mittagspause die Zuckerrübenernte beobachten können. In dieser Pause hatten wir den Luxus von vier Gartenstühlen, die hinter einer kleinen Kapelle im nirgendwo aufgestellt waren.

In Hollabrunn haben wir an der Tankstelle kurz Wasser aufgefüllt und den Luftdruck gecheckt, als ein älterer Mann zu uns kam und sich über unsere Reise und unsere Herkunft erkundigte. Als wir Dresden sagten, meinte er, dass er schon in der Semperoper war, sonst aber noch nichts gesehen habe. Das witzige daran war, dass sein Autokennzeichen „Oper 1“ lautete und schon viel über den guten Mann verriet. 🙂 Dazu muss gesagt werden, dass man in Österreich alle möglichen Kombinationen an Kennzeichen auf sein Auto anbringen kann.

Bei Stockerau haben wir die ersten ReiseradlerInnen seit der Elbe getroffen. Es war ein älteres Pärchen aus Kanada, welches auf kleinen Fahrrädern saß und eine Art Rollkoffer hinter sich herzog. In diesen Koffer können sie Fahrrad im demontierten Zustand hineinlegen und so einfach und bequem auch mit dem Flugzeug reisen.

Auf unserer heutigen Tour sind wir zudem erstmalig an die Donau gestoßen. Es war ein schönes Gefühl den Fluss zu sehen, der für die nächsten rund 1000 km unser Begleiter sein wird.

Der Radweg entlang der Donau war wirklich hervorragend und so standen wir bereits 16:30 Uhr bei der WG vor der Tür, die uns für die nächsten zwei Tage aufnehmen wollte. Jule kannte Fabi irgendwie um zwei Ecken und trotzdem wurden wir sehr herzlich aufgenommen, wofür wir sehr dankbar sind und uns an dieser Stelle auch noch mal bedanken wollen. Wir konnten unsere dreckigen Körper sowie die Dreckwäsche endlich mal wieder richtig waschen. Derart frisch gemacht sind wir mit Fabi noch quer durch die Innenstadt zu einem veganen Restaurant gelaufen, welches bereits seit 22 Jahren existiert und sich auf das Nachkochen von Fleischgerichten spezialisiert hat.

Tageskilometer: ca. 75

10. September

Heute war Ruhetag und wir sind ein bissel durch die Stadt geschlendert und haben Besorgungen gemacht. Unter anderem konnten wir noch einmal einen Bioladen und einen Weltladen besuchen, was gerade mich sehr freudig gestimmt hat. Generell haben wir uns heute mal getrennt, da man ja auf so einer Radtour auch genügend Zeit miteinander verbringt. Katharina und ich konnten einen bunten Aufzug aus Menschen mit Schildern, Blumen und Kapelle beobachten. Außerdem wurde eine Person auf einer Art Thron durch die Gegend geschoben. Auf den ersten Blick machte dies einen sehr politischen Eindruck. Ich war dementsprechend etwas enttäuscht, dass der Umzug „bloß“ aufgrund des 120. Geburtstag des Kaffee Krone stattfand. Wie dem auch sei, immerhin konnten wir aus den übrigen Blumen einen Blumenstrauß für unsere GastgeberInnen zusammensammeln.

Wien scheint auch eine Stadt für unglaublich reiche Personen zu sein. Die Dichte an Luxusläden und Schickimicki-Restaurants und -Hotels war wirklich erschreckend. Für manches paar Schuhe kann man sich ein ganzes Reiserad kaufen und dann ist immer noch nicht klar, ob die ProduzentInnen fair bezahlt werden.

Ansonsten lief heute wirklich viel organisatorischer Kram, wie Couchsurfinganfragen und Bericht schreiben.

Wien sollte man unbedingt mal besuchen, allerdings länger als wir, wenn man die Hauptstadt Österreichs wirklich kennenlernen will. Für uns geht es morgen jedoch schon wieder weiter.

Tageskilometer: 0

Wir sind allerdings dennoch mit dem Rad zwischen 15 und 32 km durch Wien pedalt.

Grüße aus Wien Chris

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