Balaton – Apatin (Serbien)

20. September
Wie Jule bereits im vergangenen Beitrag erwähnt hat, haben wir am Balaton einen Pausentag eingelegt. Für mich war es bereits der 5. Besuch dieses wunderschönen Gewässers und es zieht mich immer wieder zu ihm hin. Das Wetter war heute bombastisch und so zog es uns Wasserratten mehrmals ins Wasser. Das heißt alle, außer Ena, denn die hatte sich in den Kopf gesetzt, den Balaton zu umrunden und ist dafür über 200 km gefahren. Echt der Hammer, was sie aus sich rausholen kann! 😉 (Anmerkung der Redaktion: Am nächsten Tag ist Ena gefahren als wäre nichts gewesen!)
Außer baden war ich (Christian) heute auch noch in Balatonkenese einkaufen und hab mich dort mit einem älteren österreichischen Ladenbesitzer unterhalten, der sich über das miese Wetter während der Urlaubszeit aufgeregt hat. Ansonsten ist heute nicht viel Spannendes passiert, mal abgesehen davon, dass wir unsere Badestelle ab 16 Uhr mit Anglern teilen mussten und Ena nach ihrer Ankunft (es war bereits dunkel) sogar noch darum bitten musste, dass die Angeln mal beiseite geräumt werden, um ins Wasser zu kommen.

21. September
Wir wachen auf und wer ist noch da?! Richtig!!! Unsere drei Angelfreunde, die sich für ein paar Fischchen das ganze Wochenende blocken. Entweder mögen die Angeln wirklich sehr oder sie mögen ihre Frauen zu Hause nicht. 🙂
Für uns ging der Tag jedenfalls entspannt mit Baden los und ging genauso entspannt an unserer „Stammkneipe“ mit Langos und Palatschinken weiter. Zum Abschied wünschte uns der Besitzer der Kneipe, in der wir drei Tage lang eingekehrt waren, eine gute Weiterfahrt und die hatten wir heute, denn obwohl wir erst 13:30 Uhr losgefahren sind, konnten wir 72 km zurücklegen. Bei Rückenwind und perfektem Asphalt flutschten wir nur so dahin. Es war echt super!
Kurz vor Donau bei Paks bauten wir dann unsere Zelte auf. Es gab was zu futtern und dann spielten wir eine Runde Skat. Jule, die heute zum ersten mal Skat spielte, muss aber noch einiges lernen, damit sie dann mit Marcel und mir mithalten kann. Ja, ich höre den Aufschrei der geneigten Leserschaft förmlich: Das Mädchen hat bisher noch nie Skat gespielt?!?!?! Glaubt mir, ich konnte mir das bis heute auch nicht vorstellen, aber es gibt einfach Dinge, die sind außerhalb unserer Vorstellungskraft.

22. September
Nachts hatte es geregnet und auch am Morgen regnete und stürmte es immer noch. Aufstehen wollte da niemand so richtig und auch Frühstück gabs im Zelt. Der Regen hört dann zumindest zeitnah auf, aber der Wind nicht. Passend dazu ein Hit, den wir selbst komponiert haben und der sich bei Katharina und mir großer Beliebtheit erfreut:
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Keine keine Sonne, Wind, Wind, Wind!
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*
Das ist der Windsong! *PfeifPfeif*

Nach 10 Kilometern pedalen haben wir Paks erreicht. Zu unserer Freude konnten wir eine dm-Drogerie ausfindig machen, in dem wir unsere Vorräte an veganen Aufstrichen auffüllen konnten, die sind nämlich nur sehr schwer erhältlich.
In Paks haben wir die Donau mal wieder getroffen, die wir schon seit Budapest nicht mehr gesehen hatten. Vor lauter Freude wollten wir gleich eine Fährfahrt machen um wieder auf den Donauradweg zu gelangen. Das Problem hierbei sind allerdings die Fährzeiten. Die meisten Fähren verkehren nur im Stundentakt und so mussten wir fast eine Stunde warten. Kurzentschlossen haben wir also unsere Mittagspause vorgezogen und in einer kleinen Garage gespeist. Als es dann endlich losging, waren wir die einzigen Fahrgäste. Das ist aber offensichtlich nicht schlimm, denn der gut deutschsprechende Kassierer scheint eher zum Spaß diesem Job nachzugehen. Jedenfalls war er der Besitzer der Fähre sowie einiger anderer Containerschiffe, wie er uns erklärte.
In Kalocsa hatten wir außerdem mal wieder Internet in einem Kaffee, so dass der seit langem schon fertige Bericht von Budapest zum Balaton endlich den Weg auf unsere Homepage finden konnte. Diverse andere Besorgungen wurden auch noch getätigt, weswegen bereits nach lediglich 50 km für heute Schluss war. In einem kleinen Pappelwald mit unverschämt vielen Mücken haben wir unsere Zelte aufgebaut, gegessen und sind dann schnellstmöglich ins Bett geflüchtet, um diesen blutrünstigen blöden Biestern zu entkommen.

23. September
Entlang des Donaudeiches sind wir die ersten 30 Kilometer geflogen, bis wir Baja erreicht hatten. Dort warteten 4 Langos zu je etwa 300 Forint( also einem Euro) auf uns. Irgendwie wurde Ungarn immer billiger, je weiter wie kamen.
Die frischen, kleinen, spitzen Paprika, welche noch in den beiden vergangenen Tagen unseren Weg säumten und dort in wurstförmigen Netzen an den Hauswänden herunterhingen, waren an unserem letzten kompletten Tag in Ungarn nicht mehr zu sehen.

Stattdessen hat uns der Donauradweg viel an der Deichkrone entlanggeführt. Dort gab es kaum Häuser und Menschen. Auch den Campingplatz, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, gab es nicht mehr und so mussten wir einmal mehr wildcampen. Nicht, dass mir das keinen Spaß macht. Ich hatte mich bloß mal wieder auf die Logistik eines Campingplatzes gefreut und unseren stinkenden Körpern ging es da wohl genauso. Letztendlich haben wir aber ein nettes Plätzchen auf einer Schafweide, die gerade nicht genutzt wurde, gefunden. Bei einem Schlückchen Wein konnten wir zudem noch den Sonnenuntergang über der Donau bewundern. Die Abteilung Paparazzi wird sicherlich Fotos im Flicker-account beisteuern. Ich bin hier im Übrigen der Einzige, der kein Kamera dabei hat.

24. September
Endlich sind wir mal wieder etwas zeitiger aus den Federn gekommen und konnten schon 10:30 Uhr losfahren. Von den 30km in Ungarn gibt es nicht besonderes zu berichten und so verlassen wir nach 10 Tagen dieses Land mit vielen schönen Erinnerungen.
Zum ersten Mal gab es nun Passkontrollen und Ena freute sich tierisch darüber, dass ihr Pass gestempelt wurde.
Ein ganz klein wenig Bammel hatte ich vor unserem ersten Reiseland, welches nicht in der EU Mitglied ist. Sehr schnell wurde ich jedoch vom puren Gegenteil überzeugt. Viele Menschen grüßten und hupten, wie in keinem Land bisher zuvor.

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Mittagspause machten wir direkt an der Donau, die hier Serbien von Kroatien trennt. Es ist schon seltsam die beiden Ufer zu sehen, die bis vor 20 Jahren noch zu einem Land gehörten.
Weiter ging unsere Fahrt entlang einer unbefestigten und holprigen Deichkrone, wo wir auf einmal auf 20-30 Hirsche trafen. Die Tiere hatten jedoch mehr Angst vor uns als wir vor ihnen und so waren sie sehr schnell im Wald verschwunden. Das gleiche gilt für drei weitere Gruppen von Rotwild und einer Wildschweingruppe, die allesamt schnell das Weite suchten. Unfassbar was hier an Wild unterwegs war. Zwischendrin im Nirgendwo sind wir auch noch auf einen älteren Radler getroffen, der uns zielsicher auf Serbisch klarmachen wollte, dass wir in eine andere Richtung, die aber einen Riesenumweg bedeutet hätte, fahren sollten. Wir fuhren dann doch noch 6km auf der Holperpiste, ehe wir wieder Asphalt unter den Rädern hatten. Dort gab es auch gleich ein Gasthaus, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen wollten. Die Diskussion mit dem Kellner verlief etwas schwierig, da wir keine gemeinsame Sprache sprachen und dennoch konnten wir ihm unser Anliegen klar machen. Er schnappte sich drei Flaschen und verschwand im Inneren des Gasthauses. Da warteten wir nun draußen und wurden von Milan angesprochen. Was nun folgte übertraf unsere Vorstellungskraft. Er lud uns auf seine Rechnung zu Speis und Trank ein und meinte, dass wir doch hinter dem Restaurant, welches auch Zimmer vermietete, unsere Zelte aufstellen sollten. Wir könnten dann auch reingehen und uns Duschen. Auch wenn er und seine Freunde das Angebot noch mehrmals wiederholten und darauf bestanden, dass wir doch wenigstens noch etwas mit Ihnen trinken sollten, beließen wir es bei einem Getränk und einem Salat.
Ein bisschen bereuten wir es schon, dass wir das Angebot ausschlugen, denn es wäre sicherlich noch interessant gewesen, ein wenig weiter zu plauschen und mehr über Serbien zu lernen. Milan, wir danken dir auf alle Fälle für deine Gastfreundschaft und sollten wir mal Probleme haben in Serbien, werden wir dein Angebot wahrnehmen und dich anrufen. 😉
Wie gastfreundlich dieses Land ist, zeigte auch noch der Nachbartisch im Restaurant, auch hier versuchte uns ein Fan von Roter Stern Belgrad davon zu zu überzeugen, dass wir doch im Garten übernachten sollten und gab uns kleine Gastgeschenke.
Wie dem auch sei, wir fuhren weiter durch Apatin und es kamen nur noch Felder und kein Platz, wo man einfach mal sein Zelt aufschlagen könnte. Der Wald, den wir schon von weitem sahen, war dann zu allem Überfluss auch noch ein Nationalpark, der eingezäunt war und nur über ein Gitter auf der Straße erreicht werden konnte. Eingezäunt ist hier jede Menge Wild, wie man den röhrenden Hirschen unschwer entnehmen konnte. Es war schon fast stockfinster und irgendwo mussten wir schlafen, also gleich hinter dem Zaun. Sofort kam auf der anderen Seite des Zaunes ein Jäger hervorgesprungen. Freundlich erklärte er uns auf italienisch, dass wir hier nicht zelten können, es aber bei einem Haus im Wald versuchen können. (Anmerkung der Redaktion: Keiner von uns spricht italienisch, verstanden haben wir ihn aber dennoch grob)
Also los, ab durch den „Wald der Röhrenden Hirsche“ und das bei einstelligen Temperaturen und Dunkelheit. Links und rechts war zudem immer mal wieder flüchtendes Wild zu vernehmen. Eine unglaublich interessante Erfahrung, wenn auch etwas beängstigend. Aber ich war ja nicht allein. 😉
Wie dem auch sei, wir haben das Jagdhaus problemlos erreicht und auch noch Mitarbeiter des Parks dort angetroffen, kurz bevor sie losfahren wollten. Diese waren wiederum sehr hilfsbereit und so konnten wir unsere Zelte neben dem Haus aufschlagen. Mittlerweile wieder alleine, kochten wir uns Nudeln mit Gemüse, als ein weiterer Jäger kam und uns noch einen Tee vorbei brachte.
Während ich diesen Bericht schreibe, höre ich direkt vor unserem Zelt ein Wildschwein schnauben, die Hirsche röhren und auch andere Tiere Geräusche fabrizieren. Dazu kommt die Kühlanlage für 40 Stück Wild, die ab und zu angeht und Containerschiffe, die an der nahegelegenen Donau gelegentlich vorbeifahren. Jetzt gehe ich noch einmal raus -nach den Schweinen schauen- und dann ab ins Bett. Echt toll hier! 😉

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Budapest – Balaton

15.09. Esztergom – Budapest, 16.09./17.09 Budapest

Es regnet noch beim Aufwachen. Irgendwie verändern viele Dinge ihre Bedeutung- Ausschlafen hängt nun nicht mehr davon ab, ob Samstag oder Dienstag ist, sondern eher davon, ob man morgens Tropfen auf dem Zelt hört oder nicht. Bisher war an solchen Regentagen niemand motiviert, direkt nach dem ersten Aufwachen aus dem Zelt zu springen und Frühstück zu machen. Also heißt Regen irgendwie Wochenende, und wir schlafen alle ein kleines bisschen länger. Alle? Nein! Nicht Ena, die schon früh das Zelt verlassen hat, um sich die monströse Esztergomer Kathedrale anzuschauen. Nach dem Frühstück fahren auch wir anderen dort noch rum und dann wieder an die Donau, die jetzt nicht mehr wie vorher die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei bildet, weil die Slowakei zuende ist. Die Landschaft hat sich verändert, beidseitig steigen steile, dicht bewaldete Berge auf und wir fahren mit der Donau durch ihr eingeschnittenes Tal. Es ist Herr-der-Ringe-Stimmung.

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Einmal müssen wir die Donauseite wechseln und nehmen dafür die Fähre, es braucht zwei Männer und den oder die jeweilige FahrradbesitzerIn, um die dicken Räder die Treppe runter in die Gastkabine zu hieven.

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Noch ca. 20 km vor Budapest bekommen wir die Nachricht, dass unser Nachreisender Marcel nun weiß, dass er in ca. 9 Tagen kommen kann! Wir freuen uns auf dich! Bring Nachrichten von Zuhause mit! =) Und wir bekommen noch spontan eine Zusage von einem warm-showers-Mitglied (warm showers ist, wie Couchsurfing, eine Internetplattform, auf der sich Leute anmelden, die privat Reisende aufnehmen wollen oder eben aufgenommen werden möchten, nur warm showers ist explizit für Radreisende), dass er zwei von uns aufnehmen kann. Wir suchen die Adresse auf der GPS-Karte raus und radeln hin, dafür verlassen wir die Donau und kommen in die Berge. Als es schon fast dunkel ist und wir vor einer Bergflanke stehen, die noch 200 weitere Höhenmeter von uns verlangt, wobei uns der Schweiß schon aus allen Poren dampft, entschließen wir uns, das Unterfangen Warm-showers aufzugeben und in die Innenstadt zu fahren, um einen Campingplatz zu suchen. Als wir also dem Warm-Showers-Host per SMS mitteilen, dass wir nicht mit solchen Bergen gerechnet hätten, fragt er uns…

vielleicht könnt ihr es ahnen…

ob wir uns sicher seien, dass wir bei der richtigen Adresse sind- es gibt genau die Straße zweimal in Budapest.

Haha.

Hahaha. Die Zwillingsstraße (in die wir müssen) liegt natürlich direkt in der Innenstadt. Auf Höhe der Donau. Wir hätten uns sicherlich 1,5 Stunden Umweg, große Straßen mit viel Verkehr und ca. 200 Höhenmeter sparen können… Haha.

Aber als wir ankommen und Christian und Katharina dort abgeben wollen, entwickelt sich alles noch unglaublich schön! Der Warm-showers-Host Zoli kommt, als wir vor der Tür stehen, aus dem regional-Bioladen nebenan, für den er mit dem Lastenfahrrad Gemüse ausfährt, begrüßt uns, zeigt uns sein wahnsinnig schönes Haus (mehr Bilder auf der Bilderseite) und seine gemütliche, kreative, herrliche Wohnung und meint, wenn es uns nicht zu eng wäre, dann könnten auch alle vier bei ihm schlafen. Übrigens: zusätzlich zu noch zwei anderen deutschen Reiseradlern in unserem Alter, die gerade von ihrer viermonatigen Tour zurückkommen! Lieben Gruß hier an Johannes und Lukas, die mit ihrer offenen Art und ihren Albaniengeschichten unglaublich viel Lachen in diese Tage gezaubert haben!

Weil es Zoli nicht stört und wir alle gerne viel Zeit in Budapest haben möchten, bleiben wir ganze drei Nächte. Es folgen Stadtführungen, Besichtigungen, chillen auf der Grünen Insel, Staunen ob der wunderschönen Stadt, in der man sich direkt irgendwie zuhause fühlt, Besuche in veganen Restaurants uuund all sowas, was man in einer großen, schönen Stadt machen kann. Budapest ist herrlich, ich empfehle es wärmstens weiter! 39 Euro mit dem Europa-Spezial der deutschen Bahn, sagt Christian, oder zwei Wochen radeln =)

Es ist ziemlich verrückt, dass wir auf einmal in Ungarn sind. Mit dem Rad. Ziemlich verrückt und ganz schön toll. Ziemlich verrückt ist auch ungarisch. Hallo heißt „ciya“ (also wie „see you!“ auf englisch) und tschüss heißt hello. Ziemlich verrückt alles.

Außer all den schönen Dingen muss ich auch meinen Marathon-Ultra-Mantel austauschen, weil er tatsächlich und unerklärlicherweise nach nichtmal 1000 km längs der Felge gerissen ist. Toktoktok, dreimal auf Holz, dass nichts passiert ist, ich Ersatzmäntel dabei habe und wir in Budapest alle Zeit der Welt zum Wechseln hatten. Eigentlich sollte auch Christians Kette das erste Mal getauscht werden- wir haben beide drei Ketten dabei, fahren immer so 2500 km mit einer Kette, tauschen sie dann gegen eine neue, und das dreimal, bis alle Ketten benutzt sind und man mit den gebrauchten Ketten wieder von vorn anfängt – das schont die Ritzel und wir hoffen, diese deswegen bis China nicht tauschen zu müssen.

Das Werkzeug, das den Kettenverschleiß anzeigt (Kettenlehre) hat uns aber gesagt, dass Christians Kette noch top in Schuss ist und wir haben uns entschieden, ihr noch weitere 200 oder 400 km zuzumuten, bis sie in meiner Satteltasche schlummern darf.

Alles in allem war Budapest der Wahnsinn, nicht zuletzt durch Zoli. Danke dir, Köszönöm Zoli!!, wish you all the best and hope to see you again!

18.09. Budapest – Dinnyes

In Budapest haben wir entschieden, nicht direkt weiter der Donau zu folgen, sondern einen Abstecher zum Balaton zu machen! Am 18.09. rollen wir also wieder los, müssen aber noch einen Radladen ansteuern, weil Katharinas Reifen ziemlich platt ist und wir irgendwie zu blöd für ihre Dunlop-Ventile sind. Beim Radladen angekommen lernen wir von dem jungen, sehr netten und kommunikativen, physikstudierenden Radladenmitarbeiter, dass wir einfach zu wenig Gewalt anwenden und die Luft mit mehr Druck in den Reifen zwingen können. Und noch viel mehr, wir reden noch über Atomkraftwerke, Elektroautos, die Ukraine und… bis wir dann doch weiter müssen. Wir fahren am Nachmittag über eine ziemlich wild befahrene, aber zum Glück sehr breite Landstraße, als wir auf dem Tacho dann unseren 1000sten Kilometer zählen und feiern können! Und feiern wollen wir ihn mit Mittagspause, fahren dafür kurz rechts in eine kleine Obstbaumallee, müssen aber feststellen, dass wir da kein Mittagspausenlager errichten können, weil da schon ein Stand mit zwei Menschen steht, die Äpfel in zig verschiedenen Sorten verkaufen. Weil wir schon da sind, sucht sich jeder seinen Lieblingsapfel aus- und dann kriegen wir die doch tatsächlich einfach so geschenkt! Danke, Welt! Juhuu!

Bis zum Abend schaffen wir es zum kleinen See, der auf dem Weg zum Balaton ist, und zelten wild in einem herrlichen Gebüsch mit einer Anzahl an Mücken, wie ich sie in meinem Leben noch nicht erlebt habe. Das Mückennetz in Doppelbettgröße, das mir meine Mama mitgegeben hat, wird zwischen Räder, Bäume und Zelte gespannt und so thronen wir beim Kochen und Abendessen geschützt und sehr königlich unterm Himmelbett und unter den Sternen. Ena und ich bauen auch nur ihr Innenzelt auf, also nur das Moskitogitter, weil es recht warm ist und nicht regnen wird. So schlafen wir direkt unter den Sternen. Unbezahlbar!

19.09. Dinnyes – Balaton!

Und doch, wir bezahlen für die herrliche Nacht im Dickicht- und zwar mit zwei platten Reifen, einmal bei Katharina und einmal bei mir, die wir noch vor dem Frühstück flicken müssen, weil wir uns entschieden hatten, erstmal die Räder zu bepacken und dann Frühstück an einem schönen Reetdach-Aussichtsturm zu essen, an dem wir am Abend davor vorbeigefahren waren.

Mit knurrendem Magen also entpacken wir unsere Räder wieder, flicken bzw. wechseln den Schlauch, fahren dann zum Frühstücken und kommen wieder erst recht spät auf die Straße.

Christian passt das gar nicht, der will nämlich endlich am See ankommen und baden, und seine Laune wir nicht davon besser, dass die Route, die wir am Tag davor am Computer über outdooractive.com berechnet und ins GPS geladen haben, zur Umgehung von offiziell für Radfahrer gesperrten Straßen zigzackige Umwege über kleine Feldwege und dann doch wieder große Landstraßen macht. Die ersten Kilometer brauchen so recht lange, dann hat Katharina auch Probleme mit ihrem Knie und wir drosseln das Reisetempo – aber am Ende wird doch alles gut, wir landen nach 55 km auf einem herrlichen kleinen Campingplatz direkt am See, haben unseren eigenen kleinen Privatstrand, gehen baden und essen Langos für ganz kleines Geld, trinken ein Bierchen und plaudern mit grandioser Aussicht auf den Balaton…. Herrlich, sag ich euch!

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Hier lieg ich jetzt auch auf dem Zeltplatz im Schatten, jetzt wird’s mir aber langweilig und ich verabschiede mich um schwimmen zu gehen, yeehah!, das ist schon eine ziemlich coole Reise =)

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Kuss und Druck an euch alle, uns geht es (bis auf das Knie!) gut, wir haben es warm und gutes Wetter, genug und gutes Essen und einen See und wir freuen uns auf Marcel!

Schön, wenn ihr alle dabei wärt =)

Jule

Komarom – Esztergom

14.09. Komarom – Esztergom

In einer Regenpause haben wir das Zelt abgebaut und dann über den Tag, der uns immer weiter den Donauradweg entlanggeführt hat, wirklich Glück und nur zwei kleine Regenschauer gehabt. Der Donauradweg ist anfangs immernoch ein Sauhaufen gewesen, gegen Mittag aber ist er plötzlich komplett neu asphaltiert und richtig, richtig schön zum Fahren gewesen. Leider hielt das Radlerglück nur bis Kravany, was aber abgesehen davon ein unglaublich süßer und netter Ort war, in dem auch noch zufällig heute ein Kirchenfest gefeiert wurde. Deswegen waren wir auch ziemlich verwirrt, als wir in den Ort hinein gefahren sind und aus all den kleinen Lausprechern an den Laternenpfahlen ABBA-Musik ertönte… Ziemlich witzig, ziemlich gruselig!

Unsere Mittagspause haben wir direkt an der Donau abgehalten, wo die Wellen eines vorbeifahrenden Schiffes dann auch fast unsere Picknickplane erreicht haben. Dank unserer eisernen Sitzblockade ließ sich das Donauwasser aber vom Über-Die-Ufer-Treten abhalten.

Beim Mittag haben wir uns gedacht, dass wir auf unserer Website einen Brot-Zähler einführen sollten, der die verzehrten Brote mitzählt; Wir futtern solche Massen an Brot jeden Tag, man kann es kaum für möglich halten!!

Gegen Nachmittag sind wir dann auf das rechte Donauufer gewechselt, haben damit endgültig die Slowakei verlassen, unser fünftes Land angebrochen und sind in Esztergom gelandet- ich zitiere den Donauradweg-Reiseführer:

„Doch plötzlich scheint die Donau auf einen Felsen aufzulaufen. Eine Kuppel, so groß, dass man sie zuerst für eine Luftspiegelung am Horizont hält, blockiert Sicht und Strom. Dann zeichnen sich langsam die Konturen im grauen Dunst ab, und vor geblendeten Augen erscheint die ungarische Peterskirche. Esztergom ist der Sitz des ungarischen Primas. Die klassizistische Kathedrale bildet den ersten Ton im großen Dreiklang der ungarischen Gewaltenharmonie: der zweite und dritte sind das Parlament in Pest und die Burg in Buda.“

Wir wussten nach diesem Artikel gleich: entweder ist Esztergom wirklich schön, oder es gibt wirklich gute Drogen dort!

Den Unterschied zwischen Slowakei und Ungarn sieht man sofort: wo bisher das platte Land regierte, fließt die Donau nun zwischen steilen Bergen in ihrer Schlucht. Auch der Regen scheint sich hier zu sammeln, denn über der Slowakei sieht man blauen Himmel, über Ungarn dicke dunkle Wolken und dazwischen einen Regenbogen. Ich bin froh, dass die Reiseführerschreiber dieses beeindruckende Spektakel am Himmel nicht auch noch zu sehen bekommen haben, sie hätten womöglich einen Herzinfarkt erlitten.

In Esztergom sind wir gerade am Campingplatz angekommen, als es auch aus Eimern zu schütten angefangen hat, haben in einer kleinen Regenpause das Zelt aufgestellt und noch eine kleine Regentour durch die Stadt gemacht.

LG – jule

Pampa – Komarom

13.9. Pampa – Komarom

Müde, weil die Nacht durch den Regen unruhig war, sind wir weiter und weiter an der Donau lang, durch heftigen Gegenwind und sehr schlechte Kiespisten viel langsamer als gedacht. Hier ist der Donauradweg ziemlich schlecht ausgebaut. Dementsprechend haben wir unser Ziel, Esztergom, nicht erreicht und sind stattdessen in der durch die Donau geteilten Stadt Komarom / Komarno geblieben, wo uns Thermalquellen auf die ungarische Seite gelockt haben. Die verrückte Währung Forint ist 1/300stel Euro, wodurch wir plötzlich mit zigtausenden umzugehen hatten.

Gerade, als wir die Grenzbrücke zwischen der Slowakei und Ungarn hinter uns gelassen hatten, haben wir am Straßenrand doch tatsächlich ein Wohnmobil mit Freiberger Kennzeichen gesehen!, und als wir ihm lachend eine Visitenkarte unter den Scheibenwischer klemmen wollten, kam auch Bernd aus Freiberg um die Ecke, dem das Wohnmobil gehörte. Er hat sich wohl ebenso gewundert und gefreut über die Begegnung, und hat auch gemeint, dass er von unserer Reise schon in der Freien Presse in Freiberg gelesen hat =)

Die haben übrigens vor, einen regelmäßigen Artikel auf Grundlage unseres Blogs zu schreiben, kann mal jemand die Artikel ausschneiden?? =)

Tatsächlich waren wir auch noch rechtzeitig in der Therme, um noch eineinhalb Stunden im warmen Wasser unsere geschundenen Hintern und Muskeln entspannen zu lassen oder noch eine Runde zu schwimmen, um auch mal einen anderen Muskel zu benutzen. So sauber, wie wir dann nach der ausgiebigen Dusche waren (das Thermalwasser roch leider ziemlich arg nach Schwefel), waren wir wohl seit Beginn der Reise nicht mehr, yeehah!

Nachts wieder heftiger Regen, esst doch mal eure Teller wieder auf!

LG – jule

Bratislava – Pampa

12.9. Bratislava – Pampa

Den Vormittag vom 12.9. haben wir aber in Bratislava verbracht, Chris und Katharina sind erstmal auf die Suche nach einem Bahnticket für Katharinas Rückreise Anfang Oktober gegangen, Ena und ich haben an einer kostenlosen Stadtführung teilgenommen, die es in vielen verschiedenen Städten weltweit gemmeinnützig gibt. Herrlich, man weiß zu wenig über Bratislava! Die junge Stadtführerin, die das neben dem Medizinstudium ehrenamtlich macht, hat uns einen wahnsinnig guten und unterhaltsamen Überblick über Stadtgeschichte und -kultur gegeben, den wir später dann, als wir nachmittags aus Bratislava wieder aufgebrochen sind, radelnd an die anderen beiden weitergeben konnten.

Hier schieb ich mal ein, wie sich mein Gefühl gegenüber der Reise entwickelt hat. Die letzten paar Wochen oder Monate, bevor es losging, was das ganze Unterfangen immer mehr eine große schwarze Wand, vor der ich viel Angst hatte. Da musste man die Sicherheit einer eigenen Wohnung aufgeben, das Wissen, was man jeden Tag so zu tun hat (nämlich Aufstehen, Kaffee trinken, arbeiten gehen), ich musste mich mit dem Gedanken anfreunden, meine Freunde und meine Familie für eine lange Zeit hinter mir zu lassen, und -nur schwer vorstellbar- meinen Partner für eine so lange Zeit nicht an meiner Seite zu haben. All das, was man sonst immer miteinander teilt, nun mit anderen Menschen zu teilen. Gerade die letzten Tage vor der Abfahrt waren nah am Nervenzusammenbruch und völlig durch den Wind.

Jetzt… jetzt ist es tatsächlich so, wie ich mir dann immer zur Beruhigung gesagt habe. Es ist jeden Tag Aufstehen, Zähne putzen und dann mal so sehen, was ansteht. Wir wachen fast jeden Tag an einem anderen Ort auf, was sicher nicht jedermanns oder jederfraus Sache ist. Aaaber… ist es genau meine Sache! Es macht wirklich Spaß und hat alles Bedrohliche verloren, auch wenn natürlich die Trennung von all den Freunden zu Hause und dem Partner auf keinen Fall leicht fällt. Das ist jetzt für eine ganze Zeit unser Leben, und es ist sicherlich kein schlechtes!

Ein Grund, warum man denn all dieses Schöne, Sichere, Angenehme und Gute aufgibt ist für mich aber auch, dass ich all dieses Schöne, Sichere, Angenehme und Gute immer wieder wirklich krass zu schätzen lerne, wenn ich es eine Zeit lang aufgebe. Wer freut sich schon so enorm über ein Bett oder über eine warme Dusche oder auch nur über ein paar Sonnenstrahlen wie wir das jetzt tun, wenn er zu Hause im Alltag rumgurkt? Und schätzt man wirklich wert, was für unendlich tolle Menschen man da zu Hause um sich herum hat, während man sie ständig haben kann? Abschiede, und gerade die auf Zeit!, sind schon wirklich was tolles, um sein Leben lieben zu lernen =)

Ende Einschub. Wir sind noch beim 12.9., an dem wir viel besseres Wetter hatten, als angekündigt war, und teilweise sogar durch Sonnenschein an der Donau entlanggefahren sind. Die ist in diesem Teil (für ein Wasserkraftwerk mit drei Staustufen) aufgestaut und damit so breit, dass hin und wieder richtiges Meer-Feeling aufkam. Irgendwo am Donauufer haben wir abends in einem Wäldchen unser Zelt aufgeschlagen, uns gegen die Mücken komplett in unsere Regenkleidung geduckt und auf dem Damm mit Blick auf Stauwerk und Donau Dosenbohnen gekocht. Nachdem wir fertig gegessen hatten, hat dann auch direkt ein großes Lastschiff neben uns geankert, nachdem sie mit ihrem riesigen Suchscheinwerfer das Ufer abgeleuchtet und uns ordentlich erschreckt haben. Da haben wir uns dann ins Zelt zurückgezogen, noch ein wenig Mücken gejagt, gelesen und unter heftigen Regenschauern (die Zelte sind dicht!) geschlafen.

LG – jule

Wien – Bratislava

Wien – Bratislava

Als wir am 11.9. in Wien aufgewacht sind, zwischen wild durch das Zimmer gespannten Wäscheleinen und einem riesigen Berg Zeug, das irgendwie immer wieder in die Satteltaschen packt, hat es tierisch geregnet- einer der Couchsurfer, die wir in Budapest für nächste Woche angefragt haben, hat uns auch etwas von katastrophalen Wetterberichten erzählt…

Weil es in Fabis WG so wahnsinnig gemütlich war, kamen wir erst gegen 13:00 auf die Straße, dafür hat sich Fabi aber auch noch kurzfristig („gebt mir zehn Minuten!“) entschieden, uns ein Stück zu begleiten. So sind wir auf großartig breiten Radwegen durch den Prater etc zu dritt, viert, fünft nebeneinander gefahren und Fabi hat uns noch ein bisschen was über seine Wahlstadt erzählt- zum Beispiel über das unter heftigen Protesten gebaute, aber nie in Betrieb genommen AKW Lobau, an dem wir vorbeikamen und das heutzutage besichtigt werden kann. Hätte ich (Jule) das vorher gewusst, da wär ich doch gern noch hin!

Den ganzen Nachmittag sind wir durch strömenden Regen schnurgerade auf dem Deich langgefahren, sind vielleicht dreimal abgestiegen und standen wie die Pinguine da, um unsere nassen Kleider nicht noch mehr an den Körper zu bekommen, haben unter einer Donaubrücke die kürzeste Mittagspause aller Zeiten gemacht und kamen nass und kalt und eklig gegen 18:00 in Bratislava an- 73 km mal eben so am Nachmittag runter geschrubbt, Rückenwind und plattes Land und Ankommen-Wollen sei dank!

Mit Bratislava erreichen wir schon das vierte Land unserer Tour, die Slowakei. Wir haben uns entschieden, ein Hostel zu nehmen, um die nassen Kleider trocknen zu können, etwas von der Stadt zu sehen und eine heiße Dusche abgreifen zu können. Wir haben auch ein sehr, sehr schönes und gemütliches Hostel gefunden, das Mansard, direkt in der Stadt. Hier hab ich erstmal auf dem Weg zur Dusche meine Flasche Shampoo, die ich in Wien gekauft habe, weil ich in Vranov meine Seifendose vergessen habe, gegen die Wand neben der Rezeption geworfen und musste hinter Christian, der sich meiner ein wenig geschämt hat, unauffällig den Boden wischen.

Vom Hostel wurde uns ein ganz tolles Slowakisches Restaurant empfohlen, das Flagship, in dem man typisch slowakische Gerichte zu einem fairen Preis bekommt und das in einem ehemaligen Theater untergebracht ist, was eine ganz abgefahrene Stimmung ergibt- offene Galerien, eine Bühne vorn im Zentrum, ein dicker Kronleuchter über allem und hunderte Menschen, die dort bekocht werden. Die Stimmung unter uns ist schön, die Gruppe wächst zusammen und wir haben viel gelacht und uns seehr über den warmen, gemütlichen Abend, erst im Restaurant und später in unseren echten Betten mit echter Bettwäsche (und wieder unter kreuz und quer gespannten Wäscheleinen) gefreut.

Nachts hat es wieder tierisch auf unser schräges Fenster geregnet und dementsprechend unbegeistert war ich über die Idee, den nächsten Tag wieder auf dem Rad zu verbringen.

LG – jule

Vranov nad Dyji – Wien

8. September

In Vranov nad Dyji sind wir in dichten Nebelschwaden aufgewacht. Innerhalb kürzester Zeit haben sich diese allerdings von der Sonne aufschlecken lassen und bei strahlend blauem Himmel konnten Katharina und ich die Wassertemperatur des Stausees testen neben dem wir geschlafen hatten. Im See haben wir auch einen alten Plastiklöffel gefunden, mit dem wir endlich auch mal Jules superkrass beschichtete Töpfe umrühren könnten. Jule zeigte sich ob des dreckigen Löffels allerdings wenig begeistert. Schade! 🙂

Die Rezeption des Campingplatzes war beim verlassen wie schon am Vortag nicht besetzt, so dass wir eine kostenlose Übernachtung hatten, da niemand auffindbar war, der Geld haben wollte. Die letzten Kronen mussten wir demzufolge noch beim Mittagessen in einer kleinen Kneipe verjubeln. Für umgerechnet 20€ gabs für jeden etwas zu essen und zwei Getränke. Der Kellner des kleinen Wirtshauses schien allerdings zum ersten Mal von veganem Essen zu hören und war demzufolge durchaus erstaunt über Enas Bestellung.

Bei Tageskilometer 15 passierten wir dann die tschechisch-österreichische Grenze, die Entlang des Flusses Dyji (auf deutsch: Thaya) verläuft. Die Grenzbrücke muss im zweiten Weltkrieg und 1990 sehr bewegte Zeiten erlebt haben. Nachzulesen ist das alles neben den großen Bildern auf der Brücke.

Die ersten Kilometer in Österreich waren ähnlich bergig wie in Tschechien. Richtig toll wurde es, als wir in die Weinberge und später auch noch an der „Weinstraße“ vorbeikamen. Dort haben wir uns direkt vom Erzeuger auch noch einen „Blauen Portugieser“ geholt. Lustigerweise wurde nach dem Wein auch der Radweg benannt, auf dem wir bis zu unserem Tagesziel, einen Weinberg hinter Haugsdorf, geradelt sind. Der Wein wurde selbstverständlich noch getrunken und zum Abendbrot gab es leckere Knödel mit Rotkraut aus Beuteln.

Tageskilometer: 50

9. September

Schon ganz früh, genau genommen noch in der Dunkelheit, wurden wir von Traktoren geweckt. Die selben Bauern, die Abends zuvor noch bis in die Dunkelheit hineingearbeitet hatten, fuhren jetzt schon wieder Trecker. Ich musste einmal mehr feststellen, dass Bauer kein guter Job für mich wäre, ich aber sehr dankbar bin, dass ihn jemand macht.

Durch den Weckdienst und ein erstaunlich trockenes Zelt (kein Kondenswasser an der Innenwand des Zeltes) konnten wir so früh aufbrechen wie noch nie zuvor. 9:55 Uhr sausten unsere Packesel bereits den Weinberg hinunter. Weitere Berge gab es auf unserer ersten wirklichen Flachetappe nicht und so ging es in gutem Tempo in Richtung Wien.

Unterwegs haben wir Berge von Zuckerrüben gesehen, die auf einen Zug verladen wurden. Auch haben wir bei der Mittagspause die Zuckerrübenernte beobachten können. In dieser Pause hatten wir den Luxus von vier Gartenstühlen, die hinter einer kleinen Kapelle im nirgendwo aufgestellt waren.

In Hollabrunn haben wir an der Tankstelle kurz Wasser aufgefüllt und den Luftdruck gecheckt, als ein älterer Mann zu uns kam und sich über unsere Reise und unsere Herkunft erkundigte. Als wir Dresden sagten, meinte er, dass er schon in der Semperoper war, sonst aber noch nichts gesehen habe. Das witzige daran war, dass sein Autokennzeichen „Oper 1“ lautete und schon viel über den guten Mann verriet. 🙂 Dazu muss gesagt werden, dass man in Österreich alle möglichen Kombinationen an Kennzeichen auf sein Auto anbringen kann.

Bei Stockerau haben wir die ersten ReiseradlerInnen seit der Elbe getroffen. Es war ein älteres Pärchen aus Kanada, welches auf kleinen Fahrrädern saß und eine Art Rollkoffer hinter sich herzog. In diesen Koffer können sie Fahrrad im demontierten Zustand hineinlegen und so einfach und bequem auch mit dem Flugzeug reisen.

Auf unserer heutigen Tour sind wir zudem erstmalig an die Donau gestoßen. Es war ein schönes Gefühl den Fluss zu sehen, der für die nächsten rund 1000 km unser Begleiter sein wird.

Der Radweg entlang der Donau war wirklich hervorragend und so standen wir bereits 16:30 Uhr bei der WG vor der Tür, die uns für die nächsten zwei Tage aufnehmen wollte. Jule kannte Fabi irgendwie um zwei Ecken und trotzdem wurden wir sehr herzlich aufgenommen, wofür wir sehr dankbar sind und uns an dieser Stelle auch noch mal bedanken wollen. Wir konnten unsere dreckigen Körper sowie die Dreckwäsche endlich mal wieder richtig waschen. Derart frisch gemacht sind wir mit Fabi noch quer durch die Innenstadt zu einem veganen Restaurant gelaufen, welches bereits seit 22 Jahren existiert und sich auf das Nachkochen von Fleischgerichten spezialisiert hat.

Tageskilometer: ca. 75

10. September

Heute war Ruhetag und wir sind ein bissel durch die Stadt geschlendert und haben Besorgungen gemacht. Unter anderem konnten wir noch einmal einen Bioladen und einen Weltladen besuchen, was gerade mich sehr freudig gestimmt hat. Generell haben wir uns heute mal getrennt, da man ja auf so einer Radtour auch genügend Zeit miteinander verbringt. Katharina und ich konnten einen bunten Aufzug aus Menschen mit Schildern, Blumen und Kapelle beobachten. Außerdem wurde eine Person auf einer Art Thron durch die Gegend geschoben. Auf den ersten Blick machte dies einen sehr politischen Eindruck. Ich war dementsprechend etwas enttäuscht, dass der Umzug „bloß“ aufgrund des 120. Geburtstag des Kaffee Krone stattfand. Wie dem auch sei, immerhin konnten wir aus den übrigen Blumen einen Blumenstrauß für unsere GastgeberInnen zusammensammeln.

Wien scheint auch eine Stadt für unglaublich reiche Personen zu sein. Die Dichte an Luxusläden und Schickimicki-Restaurants und -Hotels war wirklich erschreckend. Für manches paar Schuhe kann man sich ein ganzes Reiserad kaufen und dann ist immer noch nicht klar, ob die ProduzentInnen fair bezahlt werden.

Ansonsten lief heute wirklich viel organisatorischer Kram, wie Couchsurfinganfragen und Bericht schreiben.

Wien sollte man unbedingt mal besuchen, allerdings länger als wir, wenn man die Hauptstadt Österreichs wirklich kennenlernen will. Für uns geht es morgen jedoch schon wieder weiter.

Tageskilometer: 0

Wir sind allerdings dennoch mit dem Rad zwischen 15 und 32 km durch Wien pedalt.

Grüße aus Wien Chris

Tabor – Wald / Wald – Vranov nad Dyji

In Tabor haben wir unseren Ruhetag bei schönstem Wetter in der herrlichen Stadt genossen und davon ein paar nette Fotos hochgeladen. Es gibt wahnsinnige Burganlagen und eine interessante Stadtgeschichte- die Stadt ist echt einen Besuch wert!

 

Die Fotos gibt es jetzt übrigens genau wie geplant über unser Flickr-Album. Um dorthin zu gelangen, müsst ihr links in der Seitenleiste auf die Fotos klicken.

 

Am 6.9., unserem zweiten Tag in Tabor, haben wir uns dann morgens von unseren beiden Begleitern Florian und Thomas verabschiedet- danke euch beiden nochmal für’s mitradeln! Seitdem ist Christian mit uns drei Frauen unterwegs und wenn wir Leute am Wegesrand zum Beispiel fragen, ob sie uns die Wasserflaschen und den 10l-Wassersack auffüllen, dann sind alle plötzlich viel freundlicher =)

Ab Tabor ging es weiter auf dem Greenway, bergauf und bergab und durch Wälder, in denen man beim Vorbeifahren schon die wahnsinnigsten Pilze erspähen kann: Maronen, Goldröhrlinge,  Steinpilze, Schirmpilze, Pfefferpilze, Fliegenpilze ^^, Knollenblätterpilze, Rotfüßchen, Ziegenlippe, Reizger, Täublinge, u. so viele mehr … Nahe an der Österreichschen Grenze haben wir nach 64 Bergkilometern unser Lager im wunderschönen Märchenwald aufgeschlagen (siehe Fotos). Wir Mädels haben die Zelte aufgebaut, Chris ist erstmal in die Pilze geschickt worden, und zum Abendessen gab es zusätzlich zu den eingeplanten Honig-Möhren-Orangen-Linsen dann auch noch eine leckere Pilzpfanne…. da soll nochmal jemand sagen, dass die Campingküche nichts kann!

Vielleicht schiebe ich hier kurz für interessierte ein, dass wir bisher mit Gaskocher unterwegs sind, der eigentlich, von Haus aus mit Schraubkartuschen funktioniert. Wir haben uns aber einen Adapter gekauft, durch den wir den Kocher auch mit den überall erhältlichen Stechkartuschen betreiben können. Wir sind gespannt und berichten dann mal für andere Globetrotter, wie gut man zB in Bangladesh Stechkartuschen bekommt =) Für den Notfall hat Christian aber auch einen Multifuel dabei.

Nach der wundervollen, stillen Nacht im Wald sind wir heute morgen früh aufgebrochen und haben weitere 80 km erradelt. Wir sind dabei vom Greenway immer an der Tschechisch-Österreichschen Grenze entlanggeführt worden. Die Landschaft war ebenfalls wieder herrlich und wir danken all den lieben Freunden und Familienmitgliedern für’s aktive Telleraufessen, denn wir haben perfektes Radfahrwetter mit ein bisschen Sonne und ein bisschen Wolken, nicht zu warm und nicht zu kalt und wenig Wind =) Wir haben auch mittags an einem See Pause gemacht und alle splitterfasernackt gebadet, sehr zur Begisterung vorbeiradelnder Touristen, uns dann mit Bioseife die Haare eingeseift und mit der Wassersack-Dusche wieder ausgespült. Danach gab es unser neues Lieblingsmittagessen: Honigbrot mit Honigbrot und Honigbrot. Dazu Dattelbrot, Kräuteraufstrichbrot und auch ein nichtveganes Käsebrot =)

Am Abend sind wir jetzt in Vranov angekommen, einem kleinen Touristenort mit unglaublich schöner Burganlage und einem Stausee, an dessen Ufer wir gerade Gemüsereis gekocht haben und wo ich gerade mitten auf dem Campingplatz im freien WIFI rumsurfe, während unsere Geräte neben dem Zelt an der Steckdose hängen- ich sag euch, campen war auch mal anders =)

 

Ich dank euch für all die schönen Kommentare, Tageskäufe und Emails in dieser ersten Woche und kann versichern: uns geht es hervorragend und wir haben eine ganz große Menge an Spaß und grandiosen Eindrücken

Kuss! Jule

Prag – Tabor

Mit Todd hatten wir einen unglaublichen Gastgeber, für mein erstes mal Couchsurfen. Er beherbergt gleichzeitig bis zu 25 Personen in seinem Haus und selbst in seinem eigenen Räumchen dürfen Menschen übernachten. Für unsere Reisegruppe hat er sein Zimmerchen sogar komplett geräumt. Todd selbst arbeitet für die Ärzte Ohne Grenzen in Ländern wie Nigeria oder dem Kongo, wenn er gerade mal keine anderen Couchsurfer empfängt.

Am Mittwoch (3.9) morgen sind wir erst spät in die püschen gekommen. Anschließend hatten wir noch allerhand Kram wie Einkaufen und Räder reinigen zu erledigen. Auch dass aus Prag heraus navigieren gestaltete sich als schwierig, so dass wir erst gegen 17 Uhr die Tschechische Hauptstadt verlassen haben. Im Nachhinein betrachtet wäre ein Ruhetag in Prag vielleicht die bessere Option gewesen, als die 25km zu radeln. Immerhin konnten wir so unser erstes kleines Lagerfeuer am Waldrand machen.

Da wir die ersten drei Tage morgens erst sehr spät losgekommen waren haben wir uns für Donnerstag zum ersten mal eine feste Uhrzeit ausgemacht, wann wir loskommen wollten. 9:30 Uhr konnten wir zwar nicht ganz halten, aber immerhin waren wir schon 10 Uhr on the Road nach Tabor. Bis dahin lagen aber 85km vor uns, die doch mehr schlauchten als gedacht. Als wir dann nach 65km noch feststellen mussten, dass wir doch noch 30km statt 20km und sich unsere Etappenlänge damit auf 95km erhöht, sahen wir Tabor schon in weite Ferne rücken. Eine Essenspause (die zweite heute) weiter, traten wir dann aber doch noch motiviert in die Pedale und bewältigten zunächst 200 Höhenmeter auf 5km und dann die restlichen Weg bis Tabor, wo uns ein unfassbar billiger Campingplatz gegen 20 Uhr aufnahm. Für 6 Personen mussten wir gerade einmal 13€ löhnen. Eine Dusche gab es zwar nicht, aber dafür liegt der Campingplatz mitten in der Innenstadt, was uns noch zum Pizza essen und Bierchen trinken einlud.

Heute (5.9.) ist nun unser erster Ruhetag. Leider wollten uns ein paar tschechische Bauarbeiter diese Ruhe nicht gönnen und uns stattdessen zeigen wozu ihre Presslufthammer in der Lage sind. Also doch wieder zeitig aufstehen und bei strahlendem Sonnenschein die herrlich Innenstadt Tabors genauer inspizieren. Hier gibt es wunderschöne Gässchen und eine unfassbare Dichte an Kneipen aller Art. Jetzt sitze ich auf dem Campingplatz der ebenfalls als Kneipe fungiert und trinke ein frisches Fassbier, dass auf den Namen Kozel hört und weniger als einen Euro kostet. Morgen ist dann der letzte Radtag an dem uns Thomas und Florian begleiten werden bevor sie zurückfahren. Eine Anekdote noch von Thomas: Er ist heute extra ins Schwimmbad gegangen um Duschen zu können. Gebadet hat er aber nicht, weil er ja keine Badehose mit hat. 🙂

Wer gerne die Route verfolgen will, die wir gerade fahren kann im Internet mal nach „Green Ways“ suchen. Dieser Radweg führt von Prag nach Wien und wir werden in zu guten Teilen, wenn nicht sogar komplett folgen.

 

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